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Russische Söldner-Veteranen machen sich Sorgen

Mi, 05 Dez 2018 ... mit deutschem Akzent


Russische Söldner-Veteranen machen sich Sorgen
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

Eine entsetzliche Überschrift, denn Russland und Söldner passt so überhaupt nicht zusammen – weder historisch noch in der gegenwärtigen Gesellschaft, denn die aktuelle Gesetzgebung verbietet Söldnertum und stellt es unter Strafe. Trotzdem gibt es russische Söldner und diese machen sich Sorgen, um die Sicherheit in Russland.

Mitglieder von russischen privaten Militärorganisationen weisen darauf hin, dass es zu Problemen mit russischen Bürgern kommen kann, die Mitglieder von privaten Militärorganisationen in Russland sind. Sie leben in einem halblegalen Zustand, der Staat toleriert die Existenz dieser Firmen, obwohl diese gesetzlich verboten sind.

Die Kämpfer werden für den Krieg, für das Töten ausgebildet und wenden ihr erworbenes Wissen irgendwo im Ausland unter realen Kriegsbedingungen, im Interesse Russlands an. Normale menschliche Werte, Verhaltensweisen verblassen. Der Mensch wird im Krieg ein anderer. Und irgendwann kehrt dieser Mensch in den Frieden zurück und findet sich darin nicht mehr zurecht. Er hat Schwierigkeiten sich den friedlichen Normen anzupassen, die er während seines Einsatzes nicht zu beachten hatte und wohl häufig auch nicht beachtet hat.

Und genau darauf weist der Leiter des Komitees der gesamtrussischen Offiziersgesellschaft Jewgeni Schabajew in einem Interview mit Radio „Echo Moskau“ hin.

Die privaten Militärgesellschaften haben sich zu einer durchaus bemerkenswerten Kraft in Russland entwickelt. Noch sind sie nur im Ausland aktiv, aber das kann sich ändern – befürchtet Schabajew. Er hält es für dringend notwendig, dass die rückkehrenden Söldner in Russland einen Rehabilitationskurs durchlaufen müssen. Wenn dies nicht geschieht, könnte die Situation, rund um diese Söldner, außer Kontrolle geraten.

Gegenwärtig, so Schabajew, gibt es eine geringe Rehabilitationsarbeit innerhalb der Organisationen. Diese ist nicht ausreichend, weil den Organisationen Personal und finanzielle Mittel fehlen, um diese Re-Integration der zurückkehrenden Kämpfer qualitativ hochwertig durchzuführen.

Deshalb ist man daran interessiert, dass der Staat endlich gesetzliche Regelungen schafft, um die privaten Militärorganisationen in Russland zu legalisieren und den Einsatz dieser Männer gesellschaftlich auf eine neue Stufe zu stellen. Sollte dies nicht geschehen, so sei es besser, diese privaten Militärorganisationen aufzulösen.

Am 19. November informierte Schabajew, dass 357 Mitglieder von 18 gesamtrussischen, regionalübergreifenden gesellschaftlichen Organisationen sich an das Internationale Untersuchungsgericht mit der Forderung gewandt haben, ein Verfahren gegen die privaten Militärorganisationen einzuleiten. Ziel ist zu verhindern, dass die Angehörigen dieser Organisationen außerhalb des Gesetzes stehen, keinerlei Betreuung erfahren, sondern im Gegenteil, nach erfüllter Aufgabe im Ausland, im eigenen Land auch noch straffällig werden – wegen Söldnertum. 

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Im Januar 2017 veröffentlichten wir auf unserem Portal einen Textbeitrag zur Entwicklung der privaten Militärorganisationen in Russland. Hier die videotechnische Aufbereitung des Beitrages.

 

Organisation „Wagner“ – Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen

Man hört sie nicht, man sieht sie nicht und sagen tun sie auch nichts – die erfolgreichen Privatmilitärs aus Russland. Erst als es zu einer Ordensverleihung kam und Fotos in den Medien auftauchten, wurde die russische geheime Organisation ein wenig öffentlicher.

Warum diese Organisation „Wagner“ heißt, kann ich nicht sagen. Vielleicht gibt es irgendwelche Assoziationen zum Komponisten „Wagner“, der als Erneuerer der europäischen Musik gilt, neue Wege beschritt und überhaupt „dramatische Ereignisse als Gesamtkunstwerk gestaltet“ – wie Wikipedia schreibt. Und diese geheime Organisation „Wagner“ (nicht Geheimorganisation  – bitte den kleinen Unterschied bemerken), scheint wohl auch in den letzten Monaten dramatische Ereignisse in einem Gesamt“kunst“werk im russischen Interesse komponiert zu haben.

Der 9. Dezember ist Feiertag in Russland. Er nennt sich „Tag der vaterländischen Helden“. Aus diesem Anlass gibt es immer viele Empfänge – so auch im vergangenen Jahr im Kreml, an dem über 300 geladene zivile und nicht zivile Gäste teilnahmen. Es gab einen TV-Beitrag darüber und irgendwie – zufällig oder auch nicht – gelangte eine Fotografie in die russischen Medien, die den Präsidenten mit vier weiteren, hochdekorierten Zivilisten zeigt.

Foto: Empfang zum „Tag der vaterländischen Helden“ Dezember 2016 im Kreml

Darauf identifizierte man „Wagner“ oder auch Dmitri Utkin, wie er laut russischem Pass heißt.

Einerseits gehörte er zu den 300 geladenen Gästen, wie der TV-Beitrag des russischen 1. Kanals zeigte, andererseits kam ihm anscheinend eine besondere Ehre zu – eben das Foto mit Putin.

Nun überlegt sich Putin natürlich ganz genau, mit wem er sich fotografieren lässt. Und wenn ein Foto dieser Art an die Öffentlichkeit gerät, so habe ich meine Zweifel, dass dies nicht gewollt ist. Deshalb kann man über Äußerungen von Dmitri Peskow, Pressesprecher des russischen Präsidenten eigentlich nur schmunzeln. Zuerst zeigte er sich nicht informiert, wer denn überhaupt dieser „Wagner“ ist. Etwas später, er hatte den fragenden Journalisten versprochen sich kundig zu machen, meinte er, dass ein Dmitri Utkin anwesend war, aber in welcher Eigenschaft er „bekannt“ ist, das entzieht sich seiner Kenntnis. So wie er formuliert, kommt erst recht der Eindruck auf, als ob Russland der Welt etwas indirekt mitteilen möchte: Wir haben private Organisationen, wie andere Länder auch und setzen diese ein, um unsere Interessen in der Welt dort durchzusetzen, wo wir es als Staat nicht können.

Die Journalisten fragten weiter … man wollte endlich etwas Hochoffizielles hören, aber es gab nichts Hochoffizielles, denn Peskow zeigte sich nicht informiert, ob „Wagner-Kämpfer“ in Syrien sind. Er wusste auch nicht, dass „Wagner“ über Kämpfer verfügt und wenn ja, welchen Status diese haben. Und er wusste auch nicht, was „Wagner“ bei dem Empfang gemacht und ob er einen Orden erhalten habe.

Und diese Uninformiertheit des bestinformiertesten Informierers in Russland hat natürlich seinen Grund, denn bisher sind die rechtlichen Grundlagen für das Vorhandensein derartiger militarisierter privater Organisationen in Russland nicht geschaffen worden und auch Regelungen für einen internationalen Einsatz derartiger Privatorganisationen mit Registrierungsort Russland scheint es nicht zu geben.

Die Welt weiß nun, dass Russland über private militärische Organisationen verfügt und es scheint, dass die Organisation „Wagner“ einerseits die jüngste, aber wohl auch schon die bedeutendste dieser Organisationen ist.

Dann schauen wir doch mal, was wir über diese russische private Organisation berichten können. Ich habe mehrere Firmen gefunden, die man nicht als „Wach- und Schließgesellschaft“ bezeichnen kann (davon gibt es hunderte in Russland), aber auch nicht unbedingt als private Militärorganisation. Alle diese Organisationen betonen, dass sie sich ausschließlich auf der Grundlage der russischen Gesetzgebung bewegen und, wenn es zu Auslandseinsätzen kommt, man die dortigen Gesetze als Grundlage für die Arbeit betrachte. Die Leistungen, die diese Firmen anbieten, sind im wesentlichen gleich:

  • Bewachung von Militärobjekten, Zivilobjekten, Versorgungsleitungen
  • Begleitung von Fahrzeugkolonnen und Schiffen
  • Bewachung von Menschen, Personal, Diplomaten
  • Aufklärung von Objekten und Personen
  • Minenräumung
  • Ausbildung von Personal
  • Rechtsberatung

Firmengründer und Mitarbeiter all dieser Firmen sind immer ehemalige Militärs oder Mitarbeiter von russischen staatlichen Sicherheitsorganisationen (Sondereinheiten der Luftlandetruppen, Militärische Auslandsaufklärung, FSB, Innenministerium und weitere). Fast alle ständigen Mitarbeiter dieser Firmen haben Auslandserfahrung und Erfahrung bei Kampfeinsätzen.

Alle diese Organisationen betonen in ihren öffentlichen Auftritten, dass man sich nicht mit Söldnertum beschäftige und auch keine Einsätze im Ausland durchführe um dortige politische oder staatliche Strukturen zu verändern.

Grafik: Bekannte Privat-Firmen im militärischen Bereich

Anmerkung:

1.  Firma Tiger Top-Rent Security wurde im Jahre 2005 zur Durchführung von Operationen im Irak gegründet. Im Jahre 2006 hörte die Firma auf zu existieren.

2. Firma Redut-Antiterror wurde durch ehemalige Angehörige der Firma „Tiger Top-Rent Security“, die im Jahre 2005 für Einsätze im Irak gegründet wurde, aber im Jahre 2006 ihre Tätigkeit beendete, gegründet. Die Firma verweist auf Einsätze im Irak, Syrien, Jugoslawien, Afghanistan sowie in anderen Brennpunkten der Welt.

3. Das Slawische Corps wurde 2013 von zwei Mitarbeitern der Firma „Moran Security Group“ gegründet und 2014, nach einem Syrieneinsatz wieder aufgelöst. „Wagner“ nutzte diese Zeit, um in dieser Organisation tätig zu sein und Erfahrungen zu sammeln. Die Angehörigen dieses Corps kämpften in Syrien mit wechselndem Erfolg und wurden nach ihrer Rückkehr nach Russland durch den FSB auf dem Flughafen Wnukowo verhaftet. Verhaftet wurden auch die beiden Organisatoren der Firma. Die einfachen Soldaten wurden verhört und nachdem man ihnen alle möglichen elektronischen Informationsträger abgenommen hatte, nach Hause geschickt. Es gibt keinerlei offiziell zugängliche und verlässliche Informationen über das weitere Schicksal dieser Mitarbeiter. Einige will man ein halbes Jahr später auf der Krim gesehen haben. Dort figurierten sie als die „grünen liebenswürdigen Männchen“, die die ukrainischen Militärbasen blockierten.

 

Beim Studium der mir zugänglichen Informationen blieb der Eindruck, dass alle genannten Firmen sich auch mit militärischen Einsätzen im Ausland beschäftigen – allerdings auf Privatinitiative ohne staatliche Unterstützung – vielleicht aber mit staatlicher Tolerierung. Die Anwesenheit von „Wagner“ im Kreml, das gemeinsame Foto mit Präsident Putin und die Auszeichnung zeugen davon, dass diese Organisation einen anderen qualitativen Stellenwert in der russischen Gesellschaft einnimmt.

Wer in dieser Organisation mitarbeiten will, findet einen Weg. Russische Journalisten haben es versucht und konnten anschließend einige Dinge aus dem streng geregelten Regime dieser geheimen Organisation berichten.

Ist man dann vor Ort im Ausbildungslager, gelten sofort strenge Regeln:

  • Man ist nur noch eine Nummer ohne Personalausweis oder Reisepass,
  • Man hat kein Mobiltelefon und auch keine anderen Kontakte zum Internet,
  • Man unterschreibt eine Verpflichtung, zehn Jahre lang zu schweigen.

Die Anreise hat der Bewerber selber zu organisieren und zu bezahlen. Sieben Tage wird er dann im Lager überprüft und es werden alle notwendigen Eignungstest, bis hin zur medizinischen Untersuchung durchgeführt. Sollte der Bewerber durchfallen, wird er bis vor die Tür begleitet und kann dann machen was er will. Geld oder Entschädigungen erhält er nicht. Sollte er die Prüfungen bestehen, so zählt die im Lager verbrachte Woche bereits als Dienstzeit und wird bezahlt. Auch die verauslagten Gelder für die Anreise werden erstattet.

Dann erfolgt in der Regel eine einmonatige Ausbildung, die mit der Aufnahme als „Soldat“ endet. Sollte der Kandidat die einmonatige Ausbildung nicht erfolgreich meistern – Tür auf, raus, Tür zu.

Allerdings sieht der Bewerber auch nach der einmonatigen Ausbildung kein Geld. Das Ziel von „Wagner“ ist ja nicht, Leute auszubilden und ihnen ein paar Gramm überflüssiges Fett abzutrainieren. Ziel ist der reale Einsatz in einem Krisengebiet. Und erst wenn dort der Einsatz absolviert ist, gibt es Geld.

Wann ein Einsatz erfolgt, wird durch die Geschäftsführung von „Wagner“ festgelegt. Ein Einsatz kann von einem Monat bis zu sechs Monaten dauern. An realen Gefechtshandlungen kann der „Soldat“ von einem, bis zu drei Monaten teilnehmen. Für jeden im Einsatz absolvierten Monat gibt es sieben Tage Urlaub.

Der „Soldat“ hat keinerlei Mitbestimmungsrechte über seine Verwendung. Er hat auch nicht das Recht, sich einem Kampfeinsatz zu verweigern. Es gibt nur zwei Gründe – so wird es vertraglich vereinbart – die es einem Soldaten gestatten, nicht an einem Gefechtseinsatz teilzunehmen: Verwundung oder Tod. Sollte er sich verweigern, so erfolgt eine Kürzung der vereinbarten Bezüge. Der Soldat erhält dann andere Aufgaben, wie z.B. Kartoffel schälen oder Stube putzen. Das Gehalt wird dann für den Gesamtzeitraum neu berechnet und er erhält nur das Minimum dessen, was überhaupt möglich ist. Die Verweigerung schließt auch aus, dass man ihn ins Ausbildungslager zurückschickt.

Anmerkung: Nach neuesten Informationen werden im Todesfall fünf Millionen Rubel an die Angehörigen ausbezahlt. Diese müssen aber eine Verpflichtungserklärung unterschreiben, dass sie den Todesort und die Umstände nicht veröffentlichen oder Dritten mitteilen.

Nach Ablauf eines Dienstjahres und vorausgesetzt, dass man im Kampf nicht fällt, kommt man als „gemachter Mann“ wieder nach Hause und kann sich viele Wünsche erfüllen.

Mit seinem Eintreffen im Ausbildungslager ist der „Mitarbeiter“ für den Rest der Welt nicht mehr existent. Es gibt keinerlei Kontakte zur Außenwelt. Er darf niemandem mitteilen, wo er sich befindet. Bringt der Mitarbeiter ein Telefon oder andere technische Mittel mit, hat er diese zur Aufbewahrung abzugeben. Der Kommandeur hat das Recht, ihm die Nutzung unter Aufsicht zu genehmigen. Seine Ausweispapiere gibt er ebenfalls ab und erhält dafür die sogenannte „Hundemarke“. Vertraglich wird das Schweigen des Mitarbeiters vereinbart – bis zu zehn Jahren nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Vor der Abreise ins Ausland, hat der Mitarbeiter ein Dokument zu unterschreiben. Die St. Petersburger Zeitung „Fontanka.ru“ zeigte sich im Besitz eines solchen Dokumentes:

 

Russische Journalisten haben sich große Mühe gegeben um Beweise zu finden, dass Mitarbeiter gegen die Geheimhaltungsregeln verstoßen. Im Internet, den sozialen Netzwerken sind sie nicht fündig geworden. Nur sehr wenige bekannte „Mitarbeiter“ unterhalten ein Account in irgendeinem der sozialen Netzwerke, deren Inhalte aber nichtssagend sind und keinerlei Rückschlüsse auf irgendwelche Tätigkeiten zulassen.

 

Kommen wir nun wieder auf prinzipielle Dinge zurück – dem eigentlichen Entstehen dieser zivilen Militärfirmen. Sie entstanden in Russland zu einer Zeit, als das Land am Boden lag und das Militär wohl noch ein paar Millimeter tiefer. Vom einstigen Stolz, vom einstigen Image, vom einstigen gesellschaftlichen Ansehen war nichts, absolut nichts geblieben. Aber man musste leben, seine Familie ernähren. Und so ist es zu erklären, dass man eben in der, auch damals unruhigen internationalen Zeit, auf den Gedanken kam, seine bisherigen Qualifizierungen nicht im Interesse des Staates einzusetzen, der diese Qualifizierungen augenscheinlich nicht mehr benötigte, seine Soldaten entließ und die nicht entlassenen Soldaten nicht mehr bezahlte und verpflegte, sondern eben im eigenen Interesse. Gesetze fehlten, die dies verboten und alles was nicht verboten ist, ist erlaubt. Und selbst die damals existierenden Gesetze interessierten niemanden, denn es waren auch nur wenige Leute da, die diese Gesetze durchsetzen wollten. Auch heute gibt es keine Gesetze, die die Tätigkeit dieser Organisationen regeln. Deshalb bewegen sich alle diese Firmen nur auf der Basis „geduldet“ und werden sicher alles tun, um bei staatlichen Strukturen keinen Unwillen zu erregen. Alle warten mit Ungeduld auf die Aktivitäten des russischen Gesetzgebers, die dieser schon eingeleitet, aber noch nicht zum verbindlichen Abschluss gebracht hat.

Anmerkung: Das Internetportal „soldat.pro“ führt 13 internationale Firmen auf, die privat militärische Dienstleistungen anbieten, darunter aus den USA (5 Firmen), Großbritannien, Russland, Polen, Südafrika, Deutschland, Estland, Ukraine

 

Es darf durchaus angezweifelt werden, dass Russland Gesetze erlassen wird, die derartigen Firmen Tür und Tor für ihre Tätigkeit öffnet. Man darf nicht vergessen, dass es sich bei diesen Organisationen um Mini-Armeen handelt, hochmodern ausgerüstet, nicht nur mit Pistolen. Diese Mini-Armeen können überall eingesetzt werden – im Ausland, aber auch im Inland. Ein gutes Beispiel ist hierbei die Ukraine, wo derartige Strukturen völlig außer Kontrolle des Staates handeln und eingesetzt werden, um Entscheidungen vom Staat zu erpressen. Daran kann kein Staat interessiert sein. Und so wird es sicherlich bei einer überschaubaren und gut kontrollierbaren Anzahl derartiger Firmen in Russland bleiben. Dazu kommt, dass derartige Firmen natürlich auch Geld kosten – viel Gründungskapital ist erforderlich und all das muss auch zu Zeiten erhalten und unterhalten werden, wo den Firmen keine Aufträge vorliegen. Experten haben berechnet, dass bei derartigen Firmen zwischen 5-10 Milliarden Rubel laufende Kosten jährlich anfallen.

 

Russland arbeitet nun seit einiger Zeit an einer Gesetzgebung, die einen Einsatz von russischen Bürgern im Ausland ermöglicht. Durch die russische Staatsduma wurde ein Gesetz in dritter Lesung angenommen und zwischenzeitlich durch den russischen Präsidenten Putin unterzeichnet. Es ist kein neues Gesetz, sondern die Ergänzung des Gesetzes über den Wehrdienst in der Russischen Föderation. Auf der Grundlage dieses Gesetzes ist es jetzt möglich, kurzfristige Aufgaben im Zusammenhang mit der „Erhaltung von Frieden und Bekämpfung des Terrorismus“ im Ausland durch russische Bürger durchzuführen. Es können sich Armeeangehörige dazu entschließen, einen Halb- oder Jahresvertrag mit dem russischen Staat abzuschließen, um dann Sonderaufgaben zu erfüllen. Der Wehrpflichtige kann einen derartigen Vertrag erst einen Monat vor dem Ende seiner Wehrpflicht abschließen. Derartige Verträge können aber auch durch Armeeangehörige abgeschlossen werden, die einen Erstvertrag mit dem Staat über einen Zeitraum bis zu fünf Jahre abgeschlossen haben – also aus dem Bestand der Unteroffiziere und Linienoffiziere. Aber auch Armeeangehörige, die in die Reserve versetzt sind, können sich um einen derartigen Vertrag bewerben.

Man kann davon ausgehen, dass dieses Gesetz eine Vorstufe für weitere Regelungen ist, um die Tätigkeit von privaten Militärorganisationen zu legalisieren.

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Gesellschaft, Militär

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