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Russischer Staat beschlagnahmt sein eigenes Geld – effektiv und schmerzhaft

Do, 05 Jul 2018 ... mit deutschem Akzent


Russischer Staat beschlagnahmt sein eigenes Geld – effektiv und schmerzhaft

In den letzten Jahren hat das System der Schuldeneintreibung eine effektive Form erreicht. Insbesondere im Kaliningrader Gebiet, scheint alles gut und immer besser zu funktionieren. Gerichtsvollzieher leisten einen nicht unerheblichen Beitrag.

Wer im online-Banking von einem Konto auf ein anderes Konto Geld überweisen will, erhält vor dem „Enter“ den Hinweis, dass das Geld beschlagnahmt werden kann, wenn der Empfänger irgendwo Schulden hat. „Wollen Sie trotzdem das Geld abschicken?“, wird man höflich von seiner Bank gefragt.

Und wenn ich an einem Bankautomaten mal schnell ein wenig Bargeld haben will, um einem Kellner im Restaurant 50 Rubel Trinkgeld zu geben, kann es sein, dass das Konto leer ist und noch nicht mal diese 50 Rubel drauf sind. Der schnell gezogene Kontoauszug am Automaten im Supermarkt teilt mir dann mit, dass die Gerichtsvollzieher das Konto leergeräumt haben, weil ich Schulden hatte.

Auch die Steuerinspektion ist ganz flugs dabei, ein Konto leerzuräumen, wenn man Steuerschulden hat. Wer z.B. (so wie ich), seine Steuererklärung in einem Punkt verkehrt ausgefüllt hat, also einen reinen bürokratischen Fehler gemacht hat, befindet sich plötzlich in der Lage des „Steuerschuldners“ und da in der Steuerinspektion vieles automatisch geht, stellt man automatisch fest, dass ich Schulden habe und zieht automatisch das Geld von meinem Konto ein. Beruhigend ist, dass das Geld nicht verloren geht, denn nach Korrektur der Steuererklärung freut sich die Steuerinspektion „… mitteilen zu dürfen, dass ich ab sofort ein Guthaben habe, welches bei zukünftigen Zahlungen berücksichtigt werden kann.“

Im aktuellen vorliegenden Fall war es so, dass die Stadtverwaltung von Selenogradsk, einem netten gemütlichen Städtchen am endlosen Ufer der Ostsee, seit längerer Zeit dem Kaliningrader Strommonopolisten „JantarEnergo“ kein Geld für dessen Stromlieferungen überwiesen hat. Insgesamt haben sich Schulden in Höhe von 1,8 Mio. Rubel angesammelt. Für die Bezahlung der Gelder, ist eigentlich eine kommunale Firma zuständig. Da diese nicht bezahlt hat, vermutlich auch kein Geld auf deren Konten war, haben die Gerichtsvollzieher auf Bitten von „JantarEnergo“ einfach die Konten der Stadtverwaltung beschlagnahmt. Und bei der Gelegenheit haben sie festgestellt, dass die Stadtverwaltung gerade dabei war, acht Fahrzeuge für die Stadtführung neu zu registrieren. Das hat man bei der Gelegenheit gleich mit verhindert, so dass die Angehörigen der Stadtverwaltung entweder mit alten Fahrzeugen weiterfahren müssen oder (wenn diese schon verkauft sind), zu Fuß laufen müssen.

„JantarEnergo“ hat dafür gesorgt, dass eine entsprechende Meldung durch die Kaliningrader Medien verbreitet wird, die sicherlich in vielen kommunalen Verwaltungen im Kaliningrader Gebiet gelesen wird. Ein recht einfaches Mittel, um vielleicht doch im beschleunigten freiwilligen Verfahren zu weiteren 192,9 Mio. Rubel Außenstände zu kommen, die die Kommunen dem Stromerzeuger schulden.

Uwe Niemeier

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Energiewirtschaft

   Kommentare ( 1 )

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 6. Juli 2018 16:00:01

"Beruhigend ist, dass das Geld nicht verloren geht, denn nach Korrektur der Steuererklärung freut sich die Steuerinspektion „… mitteilen zu dürfen, dass ich ab sofort ein Guthaben habe, welches bei zukünftigen Zahlungen berücksichtigt werden kann.“
Wie fühlt man sich denn dann, wenn man ein Guthabenkonto beim Finanzamt hat?
Ist das lukrativ? Mit wieviel Prozent wird denn das Guthaben verzinst?

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 6. Juli 2018 16:34:50

... also, ich habe überall eine Überzahlung, nicht nur bei der Steuerinspektion. Es ist ein herrlich ruhiges Gefühl. Verzinst wird leider nirgendwo was, aber ich bin in diesem Fall wohl wie der weiße Rabe ... überall auffallen und das hat dann auch seine Vorteile, die manchmal nicht mit Geld aufzuwiegen sind.

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