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Russisches Königsberg, deutsches Kaliningrad – ich weiß nicht was soll es bedeuten

Mo, 20 Feb 2017 ... mit deutschem Akzent


Russisches Königsberg, deutsches Kaliningrad – ich weiß nicht was soll es bedeuten

Eine Analyse des Informationsportals „REGNUM“ erweckt den Eindruck, dass das Kaliningrader Gebiet schon seit mindestens 13 Jahren fest in deutscher Hand ist. Deutsche Hände scheint es viele in Kaliningrad zu geben. Und es steht die Frage, ob man den Deutschen auf die Finger schauen muss.

Der Autor des Artikels ist Andrej Wypolsow, ein Kaliningrader politischer Journalist, tätig für eine ganze Reihe von russischen Medien. Seine Beiträge aus der Vergangenheit zeigen, dass er sich einerseits sehr viel Mühe gibt bei der detaillierten Analyse von gesellschaftlichen Vorgängen, ihm aber auch andererseits ein gutes Archiv und gute Informationspartner zur Verfügung stehen, die ihm bei der Erarbeitung von Artikeln helfen. Ich lese seine Artikel sehr aufmerksam, erhalte häufig einen „Aha“-Effekt, verstehe aber nicht immer, was der Autor denn letztendlich dem Leser mitteilen will – einfach nur Fakten oder verbergen sich hinter den Fakten noch andere Informationen, die vielleicht nicht immer für den „einfachen Leser“ bestimmt sind. Häufig suche ich verzweifelt im letzten Absatz von Artikeln nach dem „Kern des Beitrages“ – ständige Leser unseres Portals kennen meine Meinung, dass der Russe das Wichtigste in einem Gespräch immer ganz zum Schluss sagt. Aber das ist nur die Regel, manchmal gibt es auch Ausnahmen. Und eben bei diesem Beitrag von Andrej bin ich mir nicht sicher, was er uns mitteilen wollte. Und, worüber ich auch immer nachdenke: Warum veröffentlicht er seine Beiträge zur gleichen Problematik manchmal im föderalen Medium „REGNUM“ und warum manchmal im regionalen Portal „NewsBalt“ und warum gibt es manchmal Gastbeiträge in anderen Medien. Alle diese „Kleinigkeiten“ haben doch einen Grund, eine Bedeutung. Auch das habe ich noch nicht verstanden.

Also kurz und gut, lange Rede, noch längerer Sinn – am Donnerstag vergangener Woche erschien sein Artikel:

Nachdem ich den Artikel gelesen hatte (mehrmals), fand ich die Überschrift „Blitzkrieg …“ eigentlich nicht zutreffend. Denn der Autor analysiert im Artikel das deutsche Engagement in verschiedenster Form, wie es sich im Jahre 2003 zeigte, also rund 12 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Öffnung des Gebietes für Ausländer. Und 12 Jahre „Gebietseroberung“ als „Blitzkrieg“ zu bezeichnen … nein, das ist wohl nicht korrekt. Ein Blitzkrieg war der Polenfeldzug, den Deutschland am 1. September 1939 begann und der am 6. Oktober siegreich mit der Vernichtung Polens als Staat endete. Oder auch der Frankreichfeldzug, der am 10. Mai 1940 begann und am 25. Juni endete – um nur zwei Beispiele zu nennen. Natürlich gab es auch den Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 – blitzartig und innerhalb kürzester Zeit blitzten die Deutschen bis kurz vor Moskau vor. Dann hatte es sich aber ausgeblitzt. Es dauerte noch eine ganze Weile, aber am 9. Mai 1945 (nach deutscher Zeitrechnung sogar ein Tag eher), waren dann alle diese deutschen Blitze Geschichte, alles was man in 12 Jahren Drittes Reich erreicht hatte, war vernichtet.

Die jetzt der Öffentlichkeit durch Andrej präsentierte 14 Jahre alte Geo-Karte, erarbeitet im Jahre 2003, dem Jahr, wo Deutschland gemeinsam mit Russland die Einrichtung eines deutschen Generalkonsulats in Ostpreußen … äh, in der russischen Region Nr. 39, auch Kaliningrader Gebiet genannt, vereinbarte, zeigt folgendes:

  • Russisch-Deutsche Gemeinschaftsunternehmen: 26
  • Filialen des Klubs russisch-deutscher Freundschaft (Fond Hilfe für Königsberg): 12
  • Hotels und Gästehäuser: 7
  • Objekte unter der Betreuung des Landes Schleswig-Holstein: 36
  • Christliche Gemeinden der Neuapostolischen Kirche: 6
  • Deutsche Friedhöfe des Zweiten Weltkrieges: 10
  • Ostpreußen-Museum: 3
  • Kirchliche Kreise (evangelisch-lutherisch): 7
  • Evangelisch-Lutherische Gemeinden: 36
  • Treffpunkte des Deutsch-Russischen Hauses: 9

Durch den Autor des Artikels wird besonders die Konzentration von deutschen Einrichtungen im Osten des Gebietes hervorgehoben – also den, von russischer Seite als „depressiv“ charakterisierten Kreisen. Nun kann man sich natürlich darüber freuen, dass sich die Deutschen in diesen depressiven Kreisen engagieren, wenn es denn die Russen selber nicht tun. Aber man kann auch fragen, warum sie dies getan haben – die guten Deutschen. Ist es wegen dem ausgeprägten humanitären Hilfsbedürfnis der Deutschen, als Alternative zum Schuldempfinden für das, was man den Sowjetbürgern alles angetan hat? Sind es alte Heimatgefühle, denn immerhin ist Kaliningrad Deutsch obwohl man sich, wie andere meinen, damit abfinden muss, dass Königsberg unter zeitweiliger russischer Verwaltung steht. Oder hat es andere Gründe? Andrej spekuliert nicht darüber, er bleibt die Schlussfolgerung schuldig.

Im weiteren nennt er in dem Artikel einige russische und deutsche Namen von Personen, die irgendeine Rolle zum Thema „Deutschland, Germanisierung“ in den letzten Jahren im Kaliningrader Gebiet gespielt haben – aber ehrlich, ich hatte da Probleme, ihm gedanklich zu folgen und demzufolge bringe ich hier auch keine weiteren Übersetzungen. Wer sich allerdings für die Initiative des deutschen Bundestagsabgeordneten Jürgen Klimke, nebst einer Gruppe von Bundestagsabgeordneten aus dem Jahre 2004 zur Schaffung einer „Euroregion Preußen“ interessiert, kann ja mal bei Google suchen. Ich habe es getan und war überrascht, was für Aktivitäten der guten Deutschen, offizielle Vertreter des deutschen Volkes, man so im Internet findet:


Screenshot: Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Jürgen Klimke zur Zukunft des Königsberger Gebietes
 
Vielleicht sollten meine Leser nochmal kurz einen Blick auf das Datum werfen: Ende 2004. Was es daran Besonderes gibt? Na, eigentlich nichts, außer, dass man gerade erst wenige Monate zuvor die Einrichtung eines deutschen Generalkonsulats in Kaliningrad beschlossen hatte und jetzt der, noch heute aktive Abgeordnete Klimke, von der Bundesregierung eine Antwort zur Zukunft des Königsberger Gebietes haben will.

Die Anfrage löste einen zwischenstaatlichen Skandal aus, wie die deutschen Medien berichteten und der Herr Abgeordnete begann den Rückzug:

Screenshot: Deutscher fragt, Russland verärgert, Polen irritiert – alles ein großes Missverständnis
 
Na gut, das sind ja alles alte Kamellen – oder? Und die deutschen Truppen, die jetzt in Litauen stehen werden natürlich nicht mit klingendem Spiel durch das Königsberger Brandenburger Tor ziehen, denn Deutschland erhebt keinerlei Gebietsansprüche, an niemanden, von einigen falsch verstandenen Abgeordneten mal abgesehen. Und die deutschen Truppen in Litauen und der Besuch der deutschen Chefsoldatin vor wenigen Tagen tragen ja auch nur freundschaftlichen Charakter. Wichtig ist, dass der Deutsche versteht, dass er sich von den russischen Truppen bedroht zu fühlen hat, die Russland auf seinem eigenen Territorium in Königsberg … verdammt noch mal, ich bringe schon alles durcheinander … in Kaliningrad stationiert hat. Aber ich beginne zu polemisieren. Kommen wir doch zu den friedlichen, humanitären Deutschen zurück, die Andrej auf der alten Karte präsentiert.
 
Interessant fand ich – nur mal so nebenbei erwähnt – das Engagement des Landes Schleswig-Holstein. 36 Objekte hatte man damals schon betreut. Ich hätte es interessant gefunden, wenn aus dem Artikel von Andrej Wypolsow hervorgegangen wäre, ob sich diese Anzahl seit 2003 verändert hat. Naja, zumindest eine Organisation, das „Hanse-Büro“ existiert nicht mehr. Die „NGO Hanse-Büro“ (die Vertretung des Landes Schleswig-Holstein wurde zum Ausländischen Agenten erklärt und hat sich als juristische Person aus dem russischen NGO-Register streichen lassen) organisiert sich jetzt neu. Aber seit 2003 sind auch schon wieder 14 Jahre vergangen und mich würde interessieren, wie die weiteren Aktivitäten des Landes Schleswig-Holstein oder die Aktivitäten von Frau Tasch aus Thüringen sich entwickeln. Während ich keine aktuelle Internetseite des Landes „Schleswig-Holstein“ zum Thema „Kaliningrad“ mehr gefunden habe, hat Frau Tasch für den Freundeskreis „Kaliningrad-Thüringen“, der im Jahre 2013 gegründet wurde, eine eigene Foto-Rubrik auf Ihrer CDU-Internetseite geschaffen.
 
Screenshot: Der Thüringer Landtag teilt die Gründung des Freundeskreises Kaliningrad-Thüringen mit
 
Seit 2014 gab es einen Artikel (mehr habe ich nicht gefunden) und mehrere Fotos, aber Frau Tasch ist, wie man hört, regelmäßig zu Freundschaftsbesuchen im depressiven Teil des Königs… eh, Kaliningrader Gebietes. Was sie dort macht? Ich habe keine Ahnung! Aber zwischenzeitlich ist anscheinend dieser Freundeskreis etwas mutiert, denn er nennt sich jetzt „Freundeskreis Kaliningrad-Königsberg“, also die Thüringer Freunde sind jetzt weg und dafür sind Königsberger Freunde dazugekommen. Würde mich persönlich nun interessieren, wer denn diese Königsberger Freunde sind?
 
Screenshot: Freundeskreis Kaliningrad-Thüringen, manchmal aber auch „Königsberg“
 
Was mich nur wundert ist, dass auch der deutsche Generalkonsul Dr. Banzhaf sich mit diesem Freundeskreis trifft, man aber auf der Internetseite des Generalkonsulats in Kaliningrad zu derartig positiven zwischenstaatlichen Aktivitäten keine Informationen findet. Na gut, die Internetseite der deutschen Vertretung ist ja keine Tageszeitung und die dort tätigen Beamten, es sind neun, davon einer für Kultur und Arbeit mit den Medien, haben sicher viele andere, noch viel wichtigere Dinge zu tun.
 
Schade, dass es wohl den Rahmen des Beitrages von Andrej Wypolsow gesprengt hätte, über die aktuellen deutschen Aktivitäten mehr zu erfahren. Wobei ich davon überzeugt bin, dass es bestimmt irgendwo eine aktuelle Karte gibt – nur eben ist diese nicht zur Veröffentlichung bestimmt.
 
Aber kommen wir auf den Artikel an sich zurück. Andrej spricht vom deutschen Einfluss in Kaliningrad. Und meine Fragen, auf die ich im Artikel keine Antwort gefunden habe:

Im Jahre 2003 gab es mehr als 150 deutsche „Einflussobjekte“ im Kaliningrader Gebiet.

  • Sind das viele?
  • Sind das zu viele?
  • Wie viele deutsche „Einfluss-Objekte“ darf es im Kaliningrader Gebiet geben und
  • wie kann man festlegen, welche dieser „Aktivitäten“ wirklich sinnvoll und unterstützungswürdig sind für eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen beiden Ländern? 

Ich habe in den letzten Monaten immer mehr den Eindruck gewonnen, dass Russland deutsches Engagement in Kaliningrad als gefährlich empfindet. Man hat keine richtige Erklärung für irgendwelche Vorgänge und Deutschland liefert wohl auch keine Erklärungen, die für die Russen verständlich und nachvollziehbar sind. Und somit macht Russland jetzt das, was es bis 1990 getan hat: Es schottet das Gebiet ab – so scheint es mir. Während man zu sowjetischen Zeiten einfach die Grenzen dicht gemacht hat und auch den Informationsfluss, dank fehlendem Internet, gut regulieren konnte, geht dies natürlich heute nicht mehr. Und so nutzt man andere Möglichkeiten, unklare „deutsche Einflussobjekte“ und somit Sicherheitsrisiken aus dem Gebiet zu entfernen. Wo dieses „Entfernen“ beginnt, wissen wir bereits. Aber wo endet es? Na, ich hoffe doch nicht mit der Schließung des deutschen Generalkonsulats in Kaliningrad!

Unklar für Russland ist zum Beispiel, nach meinem Verständnis, weshalb viele deutschorientierte Organisationen, die kein Geld verdienen, sondern Geld der Steuerzahler oder angeblich private Spendengelder ausgeben, aktiv im Kaliningrader Gebiet sind, aber andere Organisationen, z.B. die Firma BMW, die Geld verdienen könnte, ihr Engagement nicht entwickelt und während des Gouverneurs-Besuches vor wenigen Tagen in München, diesen mit weiteren Versprechungen auf eine goldene Zukunft hinhält. Ein Insider der Gespräche in München hat mir zwar versichert, dass ich das falsch sehe, aber in Ermangelung anderer Informationen ist für mich das die Wahrheit, was ich sehe und ich sehe nicht, dass BMW seine Versprechungen aus 2012 realisiert.

Andrej Wypolsow hat sich mit einem polnischen Kollegen unterhalten – immerhin ist der größte Teil Ostpreußens jetzt polnisches Staatsgebiet. Dieser polnische Bekannte wunderte sich, warum die Kaliningrader immer mehr das „Königsberger“ zu lieben beginnen und er meinte, dass er hier eindeutig den „langen Arm“ der deutschen Politik spürt. In Polen buddelt man, im Gegensatz zu Kaliningrad, keine altdeutschen Knöpfe, Tassen und sonstigen Kram aus der ehemals deutschen Erde und verherrlicht dies als Symbole der eigenen historischen Kultur. Die Polen haben die deutsche Vergangenheit ganz einfach pragmatisiert oder besser auf Polnisch: kommerzialisiert. Die Deutschen kommen, häufig Nachkommen der ehemaligen Bewohner und lassen viel Geld vor Ort. Warum auch nicht? Und deshalb wird in diesen Regionen viel getan, damit sich die deutschen Nachkommen heimisch fühlen und möglichst viel Geld ausgeben. Aber nach Kaliningrad reisen so gut wie keine Deutschen mehr – die paar Tausend die jetzt noch kommen, spielen in der Tourismusstatistik der Region keine Rolle mehr. Wozu braucht man dann noch ein „Königsberg“, eine „Admiralsstraße“, irgendwelche deutschen Feste oder irgendwelche andere deutsche Werbung, wenn doch kein Deutscher kommt? Man germanisiert das Gebiet also nicht für Deutsche, sondern für die Kaliningrader, die sich so langsam an den Gedanken gewöhnen sollen, doch eigentlich Königsberger zu sein – meint der polnische Historiker Michael Glok.

Am Donnerstagabend habe ich eine Nachricht in sozialen Netzwerken von einem Bekannten gelesen. Der teilte mit, dass ein deutscher Investor am Freitag zu Gesprächen zu ihm ins Office kommt. Während des Gouverneursaufenthaltes in Deutschland hatte man sich bekannt gemacht und der Deutsche hat Interesse für Kaliningrad gezeigt und will sich in der „Korporation für die Entwicklung des Kaliningrader Gebietes“ über Chancen und Risiken kundig machen. Man stelle sich vor: Ein ganzer Deutscher kommt nach Kaliningrad um sich umzuhorchen – nachdem eine ganze russische Delegation, mit dem Gouverneur an der Spitze, mehrere Tage in Deutschland war, um Werbung zu machen für die hilfsbedürftige russische Region. Hoffentlich lässt sich der Deutsche nicht von diesem heutigen Artikel abschrecken – aber auch unangenehme Tatsachen im gesellschaftlichen Leben der Region müssen akzeptiert werden, wenn man in Russland Geld verdienen will. Man muss eben nur wissen: Will man Geld verdienen oder will man sich mit Politik beschäftigen.

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Deutsches, Diplomaten, Generalkonsulat

   Kommentare ( 9 )

boromeus Veröffentlicht: 19. Februar 2017 22:56:11

Wenn Sie so direkt fragen,dann Königsberg/Russland,der ursprüngliche Name der letzten Jahrhunderte.Schade dass man trotz aller Probleme solche Prioritäten setzt..Sofern von Aussen aktiv Einfluss genommen wird, bitte abstellen.Die 23 noch verbliebenen Deutschen, werden wohl kaum das Gebiet annektieren können.Warum zieht man keinen Nutzen aus der Stadthistorie? Warum schafft man nicht die verschiedenen Zeitepochen zusammenzufügen,oder geht es nur um die tausendjährigen12 Jahre? Wohin es geht sieht man zur Zeit.Kampfpanzer rasseln vor den Toren der Stadt und Flintenuschi stimmt in den Singsang jener ein, die wie schon vor 80 Jahren gleiche Ziele verfolgten.Geschichte wiederholt sich. Und wenn wir sie gewähren lassen wird das eintreten, vor dem Gorbaschow schon lange warnt.
In diesem Zusammenhang ist der Gedanke einer gesperrten Stadt sogar besser. Nur diejenigen die ernsthaft Kraft und Zeit für Einheimische aufbringen, bestraft man gleich mit.

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 20. Februar 2017 01:34:45

Schön beschrieben, danke. Ich habe dem nichts hinzuzufügen.

Peter Z. Ziegler Veröffentlicht: 20. Februar 2017 01:40:02

Gab es nicht auch einmal Gerüchte, die Regierung in Moskau wolle "Russisch-Ostpreussen" an das wiedervereinigte Deutschland verkaufen? Das dürfte inzwischen allerdings 8unbezahlbar sein - einmal als Vorposten gegen die NATO, zum anderen wegen der neuesten positiven Bewertung des Rubel durch die US-Ratingagentur Moody's.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 20. Februar 2017 07:59:00

... ja, einige Gerüchte halten sich standhaft.

Thomas M. Wandel Veröffentlicht: 20. Februar 2017 21:30:40

Da vermischen sich viele Dinge:
Das "landsmannschaftliche Denken" einiger Vertriebener in 3. oder 4. Generation in Deutschland, die vom alten Ostpreußen nicht lassen können, wollen und sollen.
Die "Deutschtümelei" unter manchen Russen, hinter der eigentlich nur - kulturell verbrämt - die verkappte Sehnsucht nach einem "Leben wie im Westen" steht, ohne die Realitäten dieses Wunderlandes Deutschland wirklich zu kennen.
Da strategische Außenpolitik langfristig denkt, rechnet und arbeitet man auch mit/an einer möglichen politischen Instabilität in Kaliningrad - dann kann das Zusammenwirken der einen mit den anderen zum rechten Zeitpunkt vielleicht zu einer "Heim-ins-Reich"- Bewegung hochgekocht werden.
Die Panzer stehen ja schon vor den Kaliningrader Toren.
Königsberg souverän zum Teil der Geschichte Kaliningrads machen und damit öffentlich und offensiv umgehen, wäre JETZT das Notwendige. In ein gutes russisches Konzept dürfen sich dann auch die "deutschen Aktivitäten" vor Ort einordnen.

Thomas M. Wandel Veröffentlicht: 20. Februar 2017 21:48:27

@Peter Z. Ziegler: Es hält sich auch bis heute das Gerücht, dass nach 1945 die Amerikaner Thüringen gegen Westberlin getauscht hätten. So, als hätte es Teheran-Jalt-Potsdam nie gegeben.
Zu Ihrer anderen Bemerkung, dass Kaliningrad unbezahlbar als Vorposten gegen die NATO ist: Das stimmt sicher - aber der Westen wird alles daran setzen, diesen Vorposten Russland so teuer wie möglich werden zu lassen. Insofern kann man allen Kaliningradern nur genug eigene Aktivität wünschen, um wenigstens wirtschaftlich (Grundversorgung) eigenständig zu werden (o.k., Ananas wächst dort nicht). Den "Rest" müssen wohl die russische Außen- und Militärpolitik regeln.

.g Radeberger Veröffentlicht: 21. Februar 2017 22:06:36

Es wird wohl entsprechend den vielen richtigen Gedanken von Uwe in seinem Artikel und noch einigen Ergänzungen der Foristen wirklich notwendig sein, den Deutschen auf die Finger zu schauen. Aber wohl in erster Linie denen, die von außen versuchen Einfluß auch auf russische Kräfte in der Oblast zu gewinnen, um diese zu destabilisieren. Ich will ganz ehrlich sagen, daß diese ständigen Versuche der Nato, in Rußland oder an seinen Grenzen irgendwelche Provokationen zu landen, kreuzgefährlich sind. Und Deutschland ist in diesen Bemühungen mit federführend, auch wenn eine deutsche Bundeskanzlerin heuchlerisch etwas ganz anderes behauptet. Diese Person als eine Schlange zu bezeichnen, wäre wohl eine Beleidigung - der Schlange.
Bei der Destabilisierung der Ukraine spielten ja auch die deutschen NGO´s eine große Geige.
Man kann nur hoffen, daß die Verantwortlichen in Rußland einen so kühlen aber sehr wachen Kopf haben, um nicht auf die Provokationen herein zu fallen.

Dietrich Völker Veröffentlicht: 22. Februar 2017 03:23:16

Hallo Herr Niemeier, was meinen eigentlich die Besucher des Trefftisches zu diesen Geschichten?
Ich hatte in der Vergangenheit (seit 1992 fahre ich regelmaessig nach Kaliningrad und Svetlogorsk) eher das Gefuehl, dass alle anderen versuchen dort Knete zu machen, die Deutschen sich aber sehr zurueckhalten. Vor allem Polen und Litauer waren meine beobachteten in den Jahren vor der Seuche mit der Krim. Deutsche Heimwehtouristen sterben auch immer mehr aus und fuer die Deutschen, die nicht ueber schwiegerverwandtschaftliche Bindungen dorthin verfuegen, ist Kaliningrad, weder als Stadt noch als Gebiet wirklich interessant. Es koennte interessanter werden fuer alle, wenn der Gouverneur seinen Schwung behaelt und nicht von anderer Seite ausgebremst wird.
Was die militaerrische Seite betrifft, denke ich, dass es einen guten Grund gab, das Gebiet 1945 der RSFSR zuzuschlagen, denn die seinerzeitige SU wusste zu 100 %, dass man sich eben nur auf die RSFSR zu 100 % verlassen kann. Klar soweit?

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 22. Februar 2017 09:11:05

... zum Trefftisch Deutschsprachiger kann ich nichts Aktuelles sagen. Gegenwärtig ist mein Zeitfond etwas sehr angespannt und eine Teilnahme nicht möglich. Ansonsten haben Sie völlig recht - ich sehe auch keine realen Deutschen, die hier Geld verdienen wollen. Ich sehe nur jede Menge, mir nicht ganz verständlicher Organisationen, die das Geld anderer ausgeben und erklärungsbedürftige "kulturelle" Arbeit leisten.

Was den Gouverneur anbelangt - ich bin da optimistisch. Anfänglich hatte ich Bedenken, ob er den Hass (oder Neid-)tiraden gewachsen ist. Jetzt mache ich mir schon weniger Sorgen.

Jan Heller Veröffentlicht: 8. April 2017 15:44:21

Dass hier eine Vereinahmung seitens fraglicher Institutionen versucht wird, wirft in mir die Frage auf, ob hier Grossmachtparanoia seitens Russland vorliegt oder eine Wiederbelebung des "Kalten Krieges" stattfindet, nur weiter östlich.
Nein, im Ernst, ich finde es sehr erstaunlich, wie sich Dinge, die durchaus eine völkerverbindende Basis hatten, sich verselbstständigen konnten mit ernsthaften Konflikten und auch berechtigtem Mißtrauen.
Ich möchte aber dennoch betonen, dass hier mehr fehlgeleitete Einzelaktivisten am Werk sind, als eine staatlich geplante und organisierte Aktion mit dem Ziel der Germanisierung durch die Hintertüre.
Denn dazu ist in Deutschland bis auf eine sehr kleine Minderheit das Interesse an diesem Gebiet zu gering, auch wenn manche doch zu gerne den Revanchisten in bekannter alter Nomenklatura aus mir nicht ganz so nachvollziehbaren Gründen wiederbeleben wollen.
Ich selbst habe an diesem Gebiet ein rein familiäres Interesse und das ist auch gut so.

Jan Heller Veröffentlicht: 10. April 2017 23:12:15

Wir sollten heute allen Gedenken, Soldaten aller beteiligten Nationen und Zivilisten, die vor 72 Jahren auf beiden Seiten in der Schlacht um Königsberg ihr Leben verloren haben.

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