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Russland – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Fr, 21 Sep 2018 ... mit deutschem Akzent


Russland – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation.

 

Nein, ich habe mich nicht versprochen.

Ja, ich weiß, dass eigentlich Amerika diese Phrase für sich gepachtet hat.

Aber wer seit 30 Jahren in Russland lebt und am gesellschaftlichen Leben teilnimmt, kommt zu der Schlussfolgerung, dass man in Russland anscheinend alles machen kann, was man will.

Und so kann man die russische Staatsbürgerschaft erhalten, obwohl man eigentlich nicht so richtig mit Russland einverstanden ist.

Und so kann man sich von der russischen Regierungspartei „Einiges Russland“ fördern lassen, obwohl man die Partei gar nicht mag und sich mit deren Interessen nicht identifiziert.

Und so kann man Abgeordneter werden, obwohl man die russische Sprache unvollständig beherrscht.

Kurz - um was geht es?

Da gibt es einen amerikanischen Sportler. Wenn ich es richtig übersetzt habe, beschäftigt er sich mit den Kampfsportarten und ist im Sport recht erfolgreich. Sein Name Jeff Monson. Und dieser amerikanische Russe hat der Zeitung „The Times“ ein Interview gegeben, welches in Russland für Aufsehen sorgte.

Zuerst las ich nur einen einzigen Artikel in den russischen Medien. Aber nach einem abendlichen Gespräch in meinem russischen Bekanntenkreis bemerkte ich, dass dieser Mann in der russischen Gesellschaft bekannt und heiß diskutiert ist. Und ich entschloss mich, mal ein wenig mehr über ihn und sein Leben im Land der unbegrenzten Möglichkeiten in Erfahrung zu bringen.

Also, dieser Amerikaner hat die russische Staatsbürgerschaft erhalten – im Mai dieses Jahres. Wie er das geschafft hat und ob er seine bisherige Staatsbürgerschaft abgeben musste, ist mir nicht gelungen, in Erfahrung zu bringen. Aber vermutlich hat er seine amerikanische Staatsbürgerschaft behalten dürfen – trotzdem die russische Migrationsgesetzgebung eigentlich festlegt, dass es keine doppelte Staatsbürgerschaft in Russland geben darf. Aber, es gibt, wie immer in jeder Gesetzgebung, doch Ausnahmen, die nicht publiziert, dafür aber praktiziert werden.

Da der Amerikaner nun Russe ist, kann er auch an Wahlen teilnehmen und sich wählen lassen. Das tat er dann auch im September, also vier Monate, nachdem er Neu-Russe geworden ist und wurde Abgeordneter der Stadt-Duma von Krasnogorsk.

Krasnogorsk ist ein kleines Städtchen bei Moskau mit 161.000 Einwohner. Und im Internet findet man Bemerkungen, dass es sich um die zukünftig neue Hauptstadt handelt – naja, ein wenig Eigenreklame muss wohl jede Stadt für sich machen.

Um Abgeordneter zu werden benötigt man zweckmäßigerweise die Unterstützung einer Partei. Es geht auch anders, ohne Parteienunterstützung. Aber Jeff Monson hat sich entschlossen, die Unterstützung der „Partei Einiges Russland“ zu nutzen – richtig, dass ist die Regierungspartei, die Partei der „Diebe und Betrüger“, wie es die russischen Liberalen gerne formulieren.

Russische Medien informieren, dass Monson bekannt ist für seine „linken Ansichten“. Aber die Linken haben nur wenig Einfluss und die Gefahr, dass deren Unterstützung nicht ausreicht, um gewählt zu werden ist groß. Und so nutzte Monson das Angebot der „Partei der Diebe und Betrüger“ und ließ sich wählen, um anschließend zu erklären:

„Ich traue der Partei Einiges Russland nicht.“

Und bei der Gelegenheit erklärte er noch, dass er Putin auch nicht über den Weg traue und er mit ihm unterschiedlicher Meinung ist.

Naja, er ist nicht der Einzige, der eine andere Meinung wie der russische Präsident hat, aber als Gesamtpaket betrachtet, ist sein Verhalten als „Neu-Russe“ doch schon merkwürdig. Wie kann ich in ein Land fahren, dessen Politik ich nicht verstehe und dessen Präsidenten ich nicht vertraue? Ich muss mich doch irgendwie mit diesem Land identifizieren, wozu siedele ich sonst um, wozu wechsle ich sonst die Staatsbürgerschaft?

Im Interview erklärte er, dass er, unabhängig davon, dass er durch die Partei „Einiges Russland“ unterstützt wurde, er mit dieser Partei nicht einverstanden ist und als „unabhängiger Abgeordneter“ auftreten wird.

„Ich bin nicht nach Russland gekommen, um hier das System zu ändern und die Korruption zu besiegen. Ich weiß, das ist nicht möglich. Aber wenn man nach den Regeln spielt, kann man viel erreichen.“

Und um seine Unabhängigkeit zu demonstrieren, meinte er, dass er mit Putin nicht einverstanden ist, aber die russische Politik in den ukrainischen Ostgebieten Lugansk und Donezk unterstütze. Auch die russische Militärhilfe in Syrien findet seine Zustimmung.

„Putin ist unanständig reich für einen Präsidenten Russlands. Wie hat er nur dieses Geld erarbeitet. Vielleicht ist er irgendwo hineingeraten… Man braucht kein Einstein zu sein um zu verstehen – Russland, das sind die Oligarchen. Ich glaube, Putin ist deshalb reich geworden, weil der mit den Oligarchen zu tun hat. Ich glaube, dass er für Russland nur das Beste will, aber er wählt nicht den Weg dafür, den ich gehen würde.“

Natürlich können jetzt Kritiker meinen, dass dies alles durch den russischen Sicherheitsdienst FSB organisiert wurde (ersatzweise auch durch den russischen militärischen Auslandsgeheimdienst GRU), um eben genau den Eindruck von Freiheit und unbegrenzten Möglichkeiten in Russland zu erwecken und das es sich um eine grandiose Propagandashow handelt. Aber … würde sich ein Amerikaner für eine derartige Propagandashow hergeben?

Jeff Monson kommentierte, dass er sich beleidigt fühlt, wenn ihn einige als „nützlichen Idioten“ bezeichnen. Ihm ist klar, dass der Kreml ihn für seine Zwecke benutzt. Aber er wird immer sagen, was er denkt.

Ach so, ehe ich es vergesse. Die russischen Medien berichten, dass Monson sich nun als nächstes Ziel gestellt hat, Abgeordneter der russischen Staatsduma zu werden. Das macht mich nachdenklich … vielleicht sollte ich auch russischer Staatsbürger werden, um in die große Politik einzusteigen?

Ach so, und ganz zum Schluss: Ich hoffe, ich habe Sie mit diesem Beitrag überzeugt, dass Russland wirklich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist.

Und hier noch ein Zusatzbeitrag für die Liebhaber der russischen Sprache.

Ein bekanntes Show-Format in Russland hatte Monson eingeladen und zum Schluss ein Spiel aus dem täglichen Leben organisiert. Monson, als gewählter Abgeordneter, trifft sich mit seinen Wählern, um ihre Probleme zu klären. Monson kennt die russische Sprache nicht und soll aus den vor ihm stehenden Gegenständen das auswählen, was dem Bürger hilft, sein Problem zu klären.

Gott bewahre uns vor solchen Abgeordneten – Putin kann es anscheinend nicht.

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Föderales, Gesellschaft

   Kommentare ( 1 )

ru-moto Veröffentlicht: 21. September 2018 15:25:51

Völlig unverständlich, welche Freiheiten da Typen aus den US in Russland besitzen.
Man stelle sich das einmal umgekehrt vor. Warum diese Großzügigkeit gegenüber bestimmten einzelnen Personen?

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 21. September 2018 15:43:09

... weil Russland das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist.

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