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Russland, rettest Du mein Geld?

Mo, 22 Apr 2013 ... mit deutschem Akzent


Russland, rettest Du mein Geld?

Russland, rettest Du mein Geld?

Überlegungen eines Ausländers - … mit deutschem Akzent

 
Für einen Russen vielleicht eine etwas ungewöhnliche Frage, noch dazu durch einen Ausländer gestellt – nach all dem, was in Russland auf dem Finanzsektor seit 1990 passiert ist. Aber andererseits, was ist denn im Russland des „neuerwachten Selbstbewusstseins“ auf dem Finanzsektor passiert und was z.B. in den USA oder Europa?
 
Das Aktuellste ist am 14.04.2013 passiert. Dort wurde in Deutschland eine neue Partei gegründet: „Alternative für Deutschland“ (https://www.alternativefuer.de/). Sie  hat sich das Ziel gestellt, den Euro abzuschaffen. Initiatoren der neuen Partei sind durchaus bekannte Persönlichkeiten, die sich alle namentlich auf der Titelseite des Internetportales vorstellen. Die Reaktionen in der deutschen Öffentlichkeit sind bemerkenswert. Die neue Partei erhält viele kritische Anmerkungen aus den Massenmedien und den etablierten Parteien. Kein Wunder – denn wir haben Wahljahr in Deutschland und die Parteiensituation in Deutschland ist durchaus kompliziert und diese neue Partei „Alternative für Deutschland“ kann schon einiges durcheinander wirbeln. Umfragen im Vorfeld der Parteigründung sprachen von 27 Prozent Sympathisanten. Und selbst wenn diese Partei nur zwei Prozent der Wählerstimmen erhält, so fehlen diese zwei Prozent den jetzt am Wahlkampf teilnehmenden Parteien und das wird kritisch. Kein Wunder also, wenn nun über diese neue Partei Kübel von Schmutz geleert wird um sie möglichst frühzeitig zu diskreditieren. Allerdings sagt man in Deutschland nicht „diskreditieren“ sondern das sind „Meinungsäußerungen im demokratischen System.“
 
Nachdenklich geworden bin ich, als ich folgende Sätze auf der Titelseite gelesen habe:
 
„Schluss mit diesem Euro!
Die Bundesrepublik Deutschland steckt in der schwersten Krise ihrer Geschichte. Die Einführung des Euro hat sich als eine fatale Fehlentscheidung erwiesen, die unser aller Wohlstand bedroht.“
Das hat meine Gedanken zu Deutschland, zu seiner Solidität, zur Klugheit seiner Politiker, zur Weitsicht der „Herrschenden“ ganz schön durcheinander gewirbelt. Wenn solche prominenten Persönlichkeiten die Abschaffung des Euro fordern und die Möglichkeit einer Auflösung der Europäischen Union durchaus nicht ausschließen – ja sogar bei Bedarf den Ausschluss einzelner Mitglieder erzwingen wollen – das können keine zeitweiligen Politphantasien von irgendwelchen Wichtigtuern sein. Da stehen hochkarätige Namen und keiner dieser Namen ist interessiert an einer persönlichen Diskreditierung. Aber alle sind besorgt um Deutschland. Und wenn solche Leute schon besorgt sind, dann sollte ich als Auslands-Deutscher mir vielleicht auch Gedanken machen.
 
Ich brauche niemanden, der mich persönlich rettet, denn ich fühle mich in Russland eigentlich schon recht gut aufgehoben. Aber mein Geld, was passiert jetzt damit? Verliere ich es? Wird es abgewertet? Kommen Zwangsabgaben wie in Zypern? Ich habe keine Ahnung!
Wer garantiert mir, dass nicht morgen, um „Europa zu retten“ auch in Deutschland eine Steuer eingeführt wird, die mich um mein Erspartes bringt?
 
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am 08.10.2008 erklärt:
 
„Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind. Auch dafür steht die Bundesregierung ein“.
 
Aber dieses Versprechen ist nun auch schon fünf Jahre her. Natürlich sehe ich die „ruhige, besonnene Hand“ von Angela Merkel in der nicht leichten Situation und ich sehe auch die „harte Hand“ des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble. Die Aufgabenteilung zwischen beiden hat bisher garantiert, dass es den Deutschen immer noch gut geht.  Und eben diese beiden Hände zusammen sind wohl auch die Grundlage, dass die anderen europäischen Staaten, wenn auch zähneknirschend, die Autorität Deutschlands anerkennen.Und trotzdem ich auf die wirtschaftserfahrene jetzige Regierung setze, mache ich mir meine Gedanken – Gedanken um mein Geld.
 
Ausländer und insbesondere Deutsche, sind in Russland in Finanzangelegenheiten misstrauisch, das ist leider so. Auch ich bin misstrauisch – wer will schon Geld verlieren? Wo ist es noch sicher? Im Jahre 2002 wurde der Euro eingeführt und dies wurde als „Schicksalsentscheidung für die Zukunft Europas“ gefeiert. Wie recht man damit hatte – denn heute steht die Shakespeare-Frage: „Sein oder nicht Sein“ – sowohl für die gemeinsame Währung „Euro“, wie auch für die in Europa vereinten Staaten.
 
Und dann begann ich nachzudenken, ob denn auch Russland und sein Rubel in Gefahr sind und auch hier irgendetwas gerettet werden muss. Und, was die Rettung meines Geldes anbelangt, sieht es gar nicht so schlecht aus – in Russland. Ja, das russische Finanzsystem pflegt seit Jahren sein schlechtes Image, wie generell Russland wohl nicht das Richtige tut um sich im Ausland richtig darzustellen. Aber das russische Bankensystem ist besser als sein Ruf – wie ich mich überzeugen konnte.  
 
In Vorbereitung dieses Artikels habe ich im deutschsprachigen Internet nach Informationen gesucht: „Geldanlage Russland, Bankensystem Russland, Finanzsicherheit Russland“ … um nur einige Suchbegriffe zu nennen. Und gefunden habe ich nicht viel Aktuelles und Interessantes. Das was ich gefunden habe war geschrieben für Finanzexperten irgendwo in Brüssel oder an der Frankfurter Börse – aber für „Otto Normalverbraucher“ – nicht ein einziges Wort. Aber gerade über Geld und Geldangelegenheiten bildet sich doch Vertrauen zu jemandem – oder? Und Vertrauen – das ist es doch, um das sich Russland im Westen bewirbt und das die großen westlichen Politiker nicht bereit sind uns in Russland zu geben. Warum wenden wir uns dann nicht an den „kleinen deutschen Michel“ (eine deutsche Redewendung für einfache Leute) und informieren ihn wie er sein Geld mit Hilfe des „Finanzplatzes Russland“ retten kann?
 
Es ist eine Tatsache, dass in Russland 13 Prozent Einnahmesteuern bezahlt werden. In Deutschland ist der Mindeststeuersatz 14 Prozent und der Höchststeuersatz 45 Prozent. Nun hat Putin Anfang des Jahres publikumswirksam den russischen Steuersatz der Weltöffentlichkeit bekannt gemacht – und nebenbei hat ein französischer Steueroptimierer auch noch einen russischen Pass bekommen. Der Machiavellismus formuliert: „Der Zweck heiligt die Mittel.“ Einige Wochen lang war das Thema in aller Munde und nun ist wieder Ruhe. Warum? Sind genügend Ausländer zu uns gekommen um ihr Geld zu retten und weniger Steuern zu zahlen? Warum machen wir nicht weiter an dieser Stelle?
 
Und wenn schon keine Ausländer kommen, so doch zumindest ihr Geld. Warum tun wir nichts, um den Finanzplatz Russland (… ach, ich hätte fast geschrieben „Finanzplatz Kaliningrad“) bekannt zu machen? Sind wir so schlecht, dass wir es uns nicht trauen?
 
Schauen wir mal wie gut oder schlecht andere sind – z.B. die USA (um nicht immer auf Europa zu schimpfen). Die haben es im Jahre 2008 geschafft die weltweite Finanzkrise auszulösen. Und wer kritisiert die USA heute dafür? Niemand! Schauen wir mal, wer mehr Vertrauen verdient:
 
JAHR
RUSSL
USA
2008
8
25
2009
15
140
2010
19
157
2011
23
92
2012
8
50
03/2013
1
5
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Nun, dass Verhältnis sieht doch gar nicht so schlecht aus für Russland – oder? Wobei mich nicht so sehr die Anzahl der bankrotten Banken selber interessiert, als vielmehr die Anzahl der Bürger, die Geld verloren haben und da dürfte das Verhältnis sich weiter zu Ungunsten der USA verändern. Und warum popularisieren wir dies nicht für den kleinen ausländischen Sparer der Angst um sein Geld hat und nach Alternativen sucht?
Natürlich gab es Länder, wo es gar keine Bankenpleiten gab. In Deutschland zum Beispiel. Da hat die Regierung mit Steuermitteln dies verhindert. Aber dort werden die kleinen Sparer jetzt mit „Liebesentzug“ durch die Banken bestraft. Meine deutsche Bank machte mir einen tollen Vorschlag. Weil ich schon über zehn Jahre treuer Kunde bin, bot man mir einen Zinssatz von 0,6 Prozent auf meine Einlagen an – und das bei einem Inflationsfaktor von 2,0 Prozent. Deutschland ist also für mein Geld jetzt eine Geldvernichtungsmaschine geworden – meine ich als einfacher kleiner Sparer. Und, wer rettet nun mein Geld und das Geld der anderen einfachen deutschen Sparer?
 
Ich habe mich für Russland entschieden. Ja, ich gebe zu, ein wenig Bauchschmerzen habe ich trotzdem. Warum? Nun, das Bankeinlagensicherungssystem in Russland hat eine gute Entwicklung genommen. Immerhin werden Einlagen bis zu einer Höhe von 700.000 Rubel garantiert. Das sind rund 17.000 Euro. Aber die Summe ist doch für einen Westeuropäer der in Russland „sicher“ Geld anlegen will doch relativ klein.
In Russland insgesamt haben wir ca. 960 Banken. Davon sind in Kaliningrad über 60 Banken aktiv. Und alle diese in Kaliningrad vertretenen Banken rangieren unter den TOP-100 der russischen Banken. Eigentlich auch nicht schlecht – oder? Und all diese Banken zahlen recht vernünftige Zinsen – im Vergleich zu meiner deutschen Bank. Man muss nicht lange suchen um für seine angelegten Euro 5 Prozent zu bekommen – Traumrenditen für einen Deutschen.
 
Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Und der Schatten ist eben die für deutsches Verständnis niedrige Bankgarantie. Natürlich kann man sein Geld auf alle diese Banken splitten und ist auf der sicheren Seite. Aber der Aufwand ist sehr groß und ein Ausländer, zumindest wenn er nicht ständig im russischen Kaliningrad wohnt, ist so einen Aufwand nicht gewohnt.
 
Wenn Russland ein anerkanntes Mitglied der finanziellen Weltgemeinschaft werden will und wenn Russland Vertrauen in sich, als Alternative zu all den unsicheren westeuropäischen Finanzmärkten schaffen will, dann müsste sich doch der russische Staat auch eine höhere Bankgarantie leisten können. Eine staatliche Garantie auf Bankeinlagen – sagen wir in Höhe von 4 Mio. Rubel. Das würde „ganze deutsche Völkerstämme“ Richtung Osten in Bewegung setzen (diesmal mit friedlichen Absichten).
 
Foto: Mutiertes Gebäude "Königsberger Börse" zur "Bank Kaliningrad"
 
Und, um das staatliche Risiko in Grenzen zu halten, vergibt der Staat diese Garantien eben nur an russische Banken seines Vertrauens. An sich auch nichts Neues, denn zehn Prozent der russischen Banken verwehrt die russische Staatsbank jetzt auch schon die Teilnahme am Bankensicherungssystem.
Wir Kaliningrader reden seit den Zeiten von G. Boos von der Entwicklung Kaliningrader „Brands.“ Welche haben wir denn seit 2005 entwickelt? Jetzt haben wir den „Plan der strategischen Entwicklung des Kaliningrader Gebietes bis 2020“. Viele Ideen sind darin vereint. Gibt es dort auch die Idee des Brands „Finanzplatz Kaliningrad?“
 
Es gibt noch ein anderes Problem. Wie kommt der Ausländer zum „Finanzplatz Russland/Kaliningrad?“ Kaliningrad bietet sich ja direkt an für die Deutschen und die anderen verunsicherten Euro-Länder-Bewohner. Aber die „Verunsicherten“ brauchen ein Visum! Das ist eine Hürde, die für einen misstrauischen deutschen Sparer zu hoch ist. Er muss immer persönlich anwesend sein – bei der Kontoeröffnung, bei der Verlängerung der Geldanlage … schwierig, meine ich. Und um operativ mit Geldanlagen arbeiten zu können, ist das russische Bankensystem zum jetzigen Zeitpunkt auch etwas schwerfällig. Einerseits gibt es eine hohe administrative Sicherheit in der Bankenarbeit, aber eben diese administrative Sicherheit ist gleichzeitig Hindernis für die, an wenig Bankenbürokratie gewöhnten Ausländer. Aber vielleicht könnte man überlegen, hier in Kaliningrad ein Banken-Pilotprojekt für Ausländer zu schaffen.
 
Ich selber habe mein „Optimum Kaliningrad“ gefunden. Ich vertraue Russland – sowohl finanziell wie auch materiell habe ich das gefunden, was ich in Deutschland zum heutigen Tag vergeblich suchen werde. Nun muss ich nur darüber nachdenken, wie ich andere Deutsche vom „Finanzplatz Russland“ überzeugen kann. 
Uwe Niemeier
Reklame

Finanzen, Politik, Wirtschaft

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