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Schlaf mein Städtchen schlaf – oder: In Kaliningrad nichts Neues

Mo, 16 Nov 2015 ... mit deutschem Akzent


Schlaf mein Städtchen schlaf – oder: In Kaliningrad nichts Neues

MEINE MEINUNG, … mit deutschem akzent, kommentiert russische wirtschaftliche, politische, kulturelle und gesellschaftliche Ereignisse aus dem Blickwinkel eines Deutschen. Die Rubrik ist der Versuch, mit etwas BLOGGER-Hintergrundwissen dem deutschen Leser die manchmal nicht einfachen Verknüpfungen in der russischen Realität etwas verständlicher zu machen.

Schlaf mein Städtchen schlaf – oder: In Kaliningrad nichts Neues

Es ist in den letzten Wochen und Monaten zu einer „guten“ Tradition geworden über Ereignisse aus Kaliningrad zu berichten, die nicht stattgefunden haben – also zu Fortschritten beim Bau des Fußballstadions. Auch in dieser Woche setzen wir diese Tradition fort und berichten Ihnen … Nichts.

Es ist bereits Mitte November und noch immer gibt es keine Expertise für das Stadion. Und natürlich gibt es auch keinen Vertragsabschluss mit dem Generalauftragnehmer. Und die Baukosten sind auch nicht geklärt. Aber das Merkwürdige ist – es regt sich in Kaliningrad niemand so richtig darüber auf – zumindest hört man nichts. Man könnte meinen, dass allen alles klar ist und niemand schon mehr damit rechnet, dass auf der „Insel“ ein Stadion gebaut wird – oder zumindest kein Stadion für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018.

Nachdem Russland im Jahre 2010 den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft erhalten hat, begann im Jahre 2012 eine ganze Reihe von russischen Städten sich um die Ausrichtung zu bewerben. Eigenartiger Weise gehörte Kaliningrad zu den sogenannten „Zitter-Bewerbern“, also zu den Städten, wo es bis zuletzt nicht feststand ob sie ausrichten oder nicht. Von der reinen Logik her ist aber Kaliningrad die Stadt, die neben Moskau und St. Petersburg als idealer Kandidat hätte gelten müssen - rein schon von der geographischen Lage her, denn die Anreise der Fans nach Kaliningrad ist kurz – im Gegensatz zu anderen Städten, wie z.B. Krasnodar.

Karte: Kaliningrad im Norden, Krasnodar im Süden

 

Gezittert wurde bis zum Schluss und wohl erst die Zusage des russischen Präsidenten Putin, dass Kaliningrad selbstverständlich zu den Auserwählten gehört, brachte dann die Gewissheit.

Tja, Kaliningrad hatte natürlich Mitwettbewerber. Und schon damals wurde gemunkelt, dass Krasnodar der direkte Konkurrent für Kaliningrad ist. Aber Krasnodar flog raus aus der Liste der Ausrichterstädte. Das hielt aber diese Stadt nicht davon ab, weiterhin an der Entwicklung ihrer Infrastruktur zu arbeiten. Und zu dieser Infrastruktur gehörte … na, was glauben Sie? Richtig, ein Fußballstadion.

 

Schon 2011, also nach Bekanntgabe, dass Russland Ausrichterland wird, begannen die aktiven Vorbereitungsarbeiten für den Stadionbau und 2013, also nach Kenntnis, dass Krasnodar nicht Ausrichterstadt wird, begannen die realen Bauarbeiten für das Stadion, welches nach Fertigstellung Platz für 32.000 Zuschauer bietet und durch seine Architektur ein wenig an das römische Kolosseum  erinnern soll. Gegenwärtig ist man dabei den schon verlegten Rasen durch regelmäßiges düngen in einen Bestzustand zu bringen.

Video: Am 03. Juni 2015 erfolgt das Rasendüngen im Fußballstadion Krasnodar

 

Während man in Krasnodar den Rasen düngte, stritten sich der Gouverneur des Kaliningrader Gebietes und der föderale Sportminister Mutko noch über den Standort für das neue Stadion in Kaliningrad.

Neben dem Fußballstadion wurde durch Krasnodar auch noch vieles andere in Angriff genommen. Damals, während der Auswahl der Ausrichterstädte, sprach man davon, dass die Verkehrssituation in der Stadt sehr kompliziert sein soll und um den Forderungen der FIFA gerecht zu werden, hätte man sehr viel ändern müssen. Aber anscheinend hat man sehr viel geändert, hat keine Kosten und Mühen gescheut und sich dieser Aufgabe gestellt. Am vergangenen Wochenende berichteten die russischen Medien, dass Krasnodar aus allen russischen Städten ausgewählt wurde, als die am besten und schönsten gestaltete Stadt. Bei diesem Wettbewerb handelt es sich um ein Ereignis, welches jedes Jahr stattfindet und durch die russische Zentralregierung organisiert wird.


Foto: Mitteilung der „Rossiskaya Gaseta“, dass Krasnodar zur schönsten Stadt Russlands gewählt wurde

 

Während Krasnodar schönste Stadt Russlands wurde, hat Kaliningrad gerade einen weiteren Wettbewerb „Schöner unsere Städte und Gemeinden – macht mit“ beendet und dem Projekt „Herz der Stadt“ eine weitere Variante möglicher Stadtsanierung im Bereich der sterblichen Überreste des Königsschlosses hinzugefügt.

Nun ist der gegenwärtige Stand der Dinge also so, dass Krasnodar schön ist und ein Fußballstadion hat und Kaliningrad nicht schön ist und kein Fußballstadion hat. Hm, das macht doch nachdenklich – oder?

Erinnern Sie sich noch an die Vorgeschichte, also die Ereignisse der letzten 12 Monate? Wie die Kesselflicker stritten sich Region und Föderation um den Standort des Stadions. Der Kaliningrader Gouverneur legte sich öffentlich mit dem föderalen Sportminister an. Der wollte nämlich nicht, dass auf der „Insel“ gebaut wird. Der Streit dauerte und dauerte und letztendlich stimmte Mutko dem Bauplatz „Insel“ zu.


Dann war das Stadion zu teuer. Es musste ein neues Projekt her, ein kleineres Stadion, ein billigeres. Die Projektierung nahm Zeit in Anspruch. Jetzt gibt es das Projekt.


Aber die Kosten sind immer noch zu hoch – meint Mutko, der für die Vorbereitung der Weltmeisterschaft verantwortliche Sportminister und Herrscher über alle Finanzen. Deshalb gibt es auch noch keine Expertise. Aber man arbeitet dran - von Woche zu Woche …


Und wenn die Expertise vorliegt, dann kann der Vertrag zum Bau des Stadions abgeschlossen werden, falls es nicht auch da irgendwelche Hindernisse gibt.


Eines der Hindernisse kann sein, dass das Stadion zu teuer ist. Gegenwärtig wird gemunkelt, dass sich die Kosten auf 17,5 Mrd. Rubel belaufen, es dürfen aber nur 16 Milliarden sein. Der Hauptauftragnehmer hat aber schon angekündigt, dass er kein Stadion bauen wird, wenn die Kosten unter 18,5 Mrd. Rubel liegen.


Man stelle sich mal vor, dass es zu keiner Einigung kommt und der Hauptauftragnehmer die Kaliningrader … na, sie wissen schon …

Foto: Stilvolle Übersetzung des russischen Mat: „Leck mich am Arsch.“

 

Aber es besteht kein Grund zum aufregen, denn es regt sich niemand auf. Keiner der Verantwortlichen hat Sorge, dass es Kaliningrad nicht schafft. Sogar der letzte Besuch von Sergej Ambarnow – das ist der Generaldirektor des „Zentrums für die Planung und das Monitoring 2018“ – war vor wenigen Tagen in Kaliningrad und meinte:

„… seit unserem letzten Besuch im August beobachten wir in Kaliningrad eine gute Dynamik.“

Hoffentlich hat er Kaliningrad nicht mit Krasnodar verwechselt, wo vor wenigen Tagen das erste Fußballspiel der Jugendmannschaft von Krasnodar dynamisch stattfand!

Witali Mutko, der Chefverantwortliche für die Vorbereitung der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ist ja in der Zwischenzeit eine weltweit bekannte Persönlichkeit – also der Name ist zumindest allen geläufig die sich für Sport und russische Politik interessieren. Aber wissen Sie auch, wann Witali geboren wurde und vor allem wo? Na, schau´n Sie mal auf unseren Kurzlebenslauf:


 

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   Kommentare ( 3 )

Regul Veröffentlicht: 16. November 2015 11:38:40

@Geht-Doch
Dieser Punkt wird immer offensichtlicher. Im Moment werden offenbar viele Funktionäre die eine russische WM unterstützen...auf die eine oder andere Weise ausgetauscht.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 16. November 2015 11:56:20

... hierzu wird es morgen einen weiteren Artikel geben. Der russische Sportminister hat sich zu diesem Thema geäußert.

ru-moto Veröffentlicht: 16. November 2015 14:10:59

Ob nun dieses Stadion (rechtzeitig) errichtet wird oder nicht, ist für mich nicht so sehr von Bedeutung. Viel wichtiger sind da schon die angenehmen Randerscheinungen, wie etwa der Bau von Autobahnen in und um Kaliningrad. Da gibt es ja noch ein paar Nadelöhre zu beseitigen. Es wird wenigstens hier beispielhaft eifrigst Tag und Nacht gebaut, in Gegensatz zu unseren westlichen (Bau)stellen - ab Freitag Mittag bis Montag nur 30er-Schilder und verlassene leere Baustellen... Ich bin jedoch sicher, KDG schafft das schon! - (vgl. Merkel: "Wir schaffen das...)

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 16. November 2015 15:01:41

... hm, mir scheint das "...wir schaffen das" von Frau Merkel genauso zweifelhaft wie "... wir schaffen das" in Bezug auf den Stadionbau in Kaliningrad. ...tschuldigung, dass ich so pessimistisch bin, aber ich kann nicht anders.

ru-moto Veröffentlicht: 16. November 2015 19:59:14

[Ich bin jedoch sicher, KGD schafft das schon! - (vgl. Merkel: "Wir schaffen das...)]
Mein Tipp: 1:0 für KGD. Die Hoffnung stirbt frühestens 2018 - bei Merkel ist sie schon zu Grabe getragen worden...

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