Kaliningrad-Domizil

Informationsagentur
+7 (4012) 32-65-32

Vier Prozent – ist das viel oder ist das wenig?

Do, 09 Mai 2019 ... mit deutschem Akzent


Vier Prozent – ist das viel oder ist das wenig?
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Vier Prozent Zinsen auf eine Geldanlage in Deutschland ist superviel. Vier Prozent Gehaltserhöhung für einen deutschen Arbeitnehmer sind auch nicht schlecht. Vier Prozent Rentenanpassung für Rentner aus der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone, wäre mit einer Sozialrevolution in Deutschland zu vergleichen. Aber vier Prozent Territorium – ist das nun viel oder wenig?

Glauben wir doch einfach mal den Angaben von Wikipedia. Da steht geschrieben, dass Deutschland eine Fläche von 357.386 Quadratkilometer hat. Und der Teil von Ex-Ostpreußen, der heute zu Russland gehört und als Subjekt der Russischen Föderation „Kaliningrader Gebiet“ bezeichnet wird, hat 15.000 Quadratkilometer Fläche, was 4,2 Prozent des heutigen Territoriums Deutschlands entspricht. Und Kaliningrad hat eine Million Einwohner, Deutschland 82 Mio. Die Einwohner kann man allerdings nicht ins prozentuale Verhältnis setzen, denn es sind ja Russen, die sich eigentlich nur temporär in dem von Russland verwalteten Gebiet aufhalten – so die Meinung von Deutschen. Und diese Zahl der Deutschen wächst – so habe ich zumindest den Eindruck, wenn ich die Diskussionen in den sozialen Netzwerken und an anderen Orten verfolge.

Wenn ich mich dann in Diskussionen einmische und frage, wer denn nach der „Befreiung Kaliningrads“ sich in Richtung Osten in Bewegung setzen wird und was man da zu tun gedenke, herrscht immer irgendwie eine gewisse Stille, denn eigentlich will keiner nach Ostpreußen.

Viele wollten damals, 1990 schon nicht in die wilden ostelbischen Gebiete. Und Kaliningrad ist ja noch viel östlicher, viel wilder. Somit ist mir die ganze Diskussion um die Zugehörigkeit dieser 15.000 Quadratkilometer unklar. Vermutlich geht es aber wohl nur darum, die Ergebnisse des 8/9. Mai 1945 maximal zu korrigieren. Anfang der 50er Jahre hat man damit erfolgreich begonnen und das Saarland heim in die Republik geholt. 1990 holte man sich dann die ostelbischen Gebiete und nun … naja, es wird etwas komplizierter, denn Ostpreußen ist dreigeteilt. Forderungen Deutscher an Litauen und Polen habe ich nicht gehört oder gelesen, nur eben an die Russen.

Tja, und nun kann es sein, dass bald 5.000 Hektar, also 50.000.000 Quadratmeter ex-Königsberger Fläche, wieder Deutsch werden. Denn deutsche Aktivisten planen, so wie sie es auf ihrer Internetseite, die aber in der letzten Zeit in Russland eigenartig neblig ist, verkünden, ein deutsches autonomes Dorf zu errichten – mit deutscher Schule, deutschem Tante-Emma-Supermarkt, deutschem Marktplatz und vermutlich deutscher Fahne über dem deutschen Bürgermeisteramt. Damit das Wirklichkeit wird, findet in wenigen Tagen eine „Königsberger Kaffeefahrt“ statt. Man hört, der Bus soll gut ausgelastet sein. Man hört aber auch noch einiges anderes, über das ich Sie, liebe Leser und Zuschauer, in den kommenden Tagen informieren möchte.

Bei der Gelegenheit ist mir eine andere Meldung in den russischen Medien aufgefallen. Da wird über Estland berichtet – Sie wissen, das ist dieses Land ganz oben auf der Landkarte, mit einer territorialen Größe, vergleichbar mit Niedersachsen und einer Einwohnerzahl vergleichbar mit dem Saarland. Dort hat der Innenminister erklärt, dass Russland seinem Land noch 5,2 Prozent Territorium schulde. Diese 5,2 Prozent entsprechen ungefähr der Größe des Saarlandes. Und er möchte diese Fläche gerne heim ins … äh, nein, nicht heim ins Reich holen, sondern er möchte die Grenzen korrigieren. Leider, so der Herr Innenminister, will Russland über Gebietsabtretungen nicht sprechen. Man habe aber Zeit und er glaubt, dass die Zeit auch dieses Problem löst. Und der Herr Innenminister erinnerte daran, dass auch Japan seine Inseln wiederhaben will. Auch hier wird die Zeit alles entscheiden.

Und ich stelle mir vor, wann sich noch andere Staaten melden, die meinen, dass Russland etwas hat, was es eigentlich nicht haben sollte. Und für diesen Fall wäre es gut, wenn möglichst wenig Ausländer, möglichst wenig Bürger dieser Staaten, in diesen russischen Gebieten wohnen würden, denn wir wissen ja, wie Adolf Hitler im Jahre 1938 das Problem des „Volkes ohne Raum“ gelöst hat.

Obwohl, der Innenminister Estlands hat klar gesagt, dass sein Land nicht die Absicht habe, mit Russland zu kämpfen. Und das ist doch schon mal beruhigend.

Tschüss und Poka aus dem russischen Kaliningrad

Reklame

   Kommentare ( 6 )

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 10. Mai 2019 03:49:50

"dass bald 5.000 Hektar, also 50.000 Quadrat -kilo-meter ex-Königsberger Fläche..."
Da hat sich einer aber ganz schön verschrieben.
Laut Wikipedia:"auch Kaliningrader Gebiet genannt, ist die westlichste Oblast (russisch Gebiet) der Russischen Föderation. Sie ist eines der kleinsten Föderationssubjekte und zugleich die kleinste Oblast Russlands. Die Oblast ist mit 15.125 km² Fläche..."
15.125 km² = 1.512.500 ha 5.000 ha = 50 km²

Na ja, der Herr Innenminister von Estland ...
Imker scheint er nicht zu sein, sonst hätte er jetzt zu tun. Warten wir es ab, bis es wieder Pfifferlinge und Blaubeeren gibt. Die sollen ja in Estland vorzüglich wachsen. Dann hat er als echter Este wieder was anderes zu tun und die irren Gedanken werden wieder verschwinden.
Oder hatte er den Nato-Auftrag, die zarten Bande einer eventuellen dienstlichen Annäherung zwischen Frau Präsidentin und Herrn Präsidenten bei ihrem Besuch in Moskau sofort zu stören?

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 10. Mai 2019 07:14:30

... tja, so ist das, wenn man sich mit Grund und Boden beschäftigt. Da kann man sich schnell mal verrechnen, bzw. verschreiben - sowohl mathematisch, wie auch geopolitisch. Danke für den Hinweis, ich habe ausgebessert und neu berechnet: 5.000 Hektar - Alica sagte mir, dass ein Hektar 10.000 Quadratmeter hat und Alica ergänzte dann, dass dies eine Gesamtsumme von 50.000.000 macht.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 10. Mai 2019 12:07:31

Oh, Alica sagte, daß ...
Ich wußte gar nicht, daß Sie eine Freundin Alica haben. Da ich ja nicht vor Ort bin, kann ich sie ja auch nicht kennen. (Grins!)

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 10. Mai 2019 14:09:45

Alica hat sich ganz plötzlich bei mir gemeldet und mir mitgeteilt, dass sie ab sofort rund um die Uhr zur Verfügung steht. Gehalt will sie keins. Und als ich ihr sagte: "Alica, mach mir bitte eine Tasse Kaffee", antwortete sie: "Sind Sie nicht albern." Seit dem stelle ich nur noch ernsthafte Fragen, also z.B. nach Hektar und nach dem Wetter.

Hauke Veröffentlicht: 10. Mai 2019 12:11:59

Nun ich weiss nicht wie das mit den Grenzen der Baltischen Staaten zu Russland war aber ich glaube es gab eine Einigung bis auf das Gebiet um die Gegend von Petschur früher Pitzery oder so. Diese Gegend gehörte früher zu Lettland auch wenn es dort ein ortodoxes Kloster gab und wohl noch gibt.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 10. Mai 2019 14:07:53

... ja, es geht um vertragliche Vereinbarungen aus dem Jahre 1920

Hauke Veröffentlicht: 10. Mai 2019 15:09:23

Gab es nicht in den 90 ern auch neue Verträge?

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 10. Mai 2019 15:17:01

... natürlich. Aber Estland, oder zumindest der Innenminister, denken da wohl jetzt anders drüber. Man darf bei dieser Diskussion aber auch nicht vergessen, dass die Präsidentin von Estland vor einigen Tagen bei Putin war und dies in Estland große Kritik hervorgerufen hat. Und nun müssen diese Kritiker doch einiges tun, um die erreichten Ergebnisse bei den Gesprächen wieder zu relativieren.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 10. Mai 2019 18:33:00

Vermutlich, ich betone vermutlich, gehört der Herr innenminister Estlands zu dem nun seit Jahrzehnten bestehenden baltischen Ensemble der klagenden Angstsinger vor dem russischen Bär, deren Komponist, Texter und Arrangeur für die immer neuen "Heulereien" in a capella nun auch noch mit Tanzeinlagen a´la Weißhelme aus Syrien wohl vorgesehen sind. Das bisherige alles-glaubende und bisher alles mitfühlende Publikum in der EU und in Übersee ist der bisherigen Darstellungen wohl überdrüssig geworden. Man wartete, sich ängstlich und Zähne klappernd aneinander geschmiegt auf den - mordenden Bären aus dem Osten - er kam nicht. So sehr man ihn auch reizte und piesakte, Mischa kam nicht.
Deswegen fordert ja auch der Intendant in Übersee noch höhere Beiträge des werten Publikums und eine Beteiligung an den Darstellungen unter Verwendung der vom Intedanten zu kaufenden Theaterwerkzeuge, aber die echten - Made in Übersee. Made in - ich weiß, da ist der Wurm drin

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 10. Mai 2019 21:30:40

Wenn man sich mal die "Grenzen" innerhalb des ehemaligen russischen Reiches anschaut, und dann im Rahmen der Leninschen Nationalitätenpolitik die Gründungen der einzelnen Sowjetrepubliken, auch die spätere Wiedereingliederung der baltischen Länder in die Sowjetunion, und nun dazu übergehen würde, diese Gebietsverschiebungen wieder rückgängig zu machen, dann wären wohl auch andere Länder, jetzt außerhalb der Russischen Föderation damit nicht einverstanden. Das würde nämlich im baltischen Bereich auch ziemlich hart Litauen und Lettland treffen, Polen sowieso und ziemlich kräftiger Weise vor allem die jetzige Ukraine. Wenn man sich mal vor Augen führt, daß im Ergebnis des WK I Polen erst wieder gegründet wurde. Aber wie groß war es denn damals und wie groß heute? Die Polen täten gut daran, dem "Diktator" Stalin ein riesengroßes Denkmal in Warschau zu errichten.
Nur mal so als Gedankenanstoß.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 10. Mai 2019 22:51:39

Putin hatte doch vor etwas mehr als einem Jahr von irgendso einer Büchse gesprochen, die die Leute aufmachen können, wenn sie es denn unbedingt wollen.

Um einen Kommentar zu schreiben müssen Sie sich registrieren oder autorisieren
Melden Sie sich an