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Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge – einige Momente der Nachdenklichkeit

Mo, 11 Dez 2017 ... mit deutschem Akzent


Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge – einige Momente der Nachdenklichkeit

Der Volksbund wurde 1919 gegründet. Seit diesem Zeitpunkt sorgt der Bund in aufopfernder Arbeit für die ehrenvolle Bestattung der Deutschen, die durch deutsche Politiker und deutsche Politik in den Tod getrieben worden sind. Die Ergebnisse der Arbeit des Volksbundes sieht man in Form von tausenden Grabkreuzen, Namenssäulen, Gedenkstätten in vielen Ländern dieser Welt. Aber sieht man wirklich alles, was der Volksbund tut? Und tut der Volksbund auch wirklich alles was er sagt?

Am deutschen Wesen, mag die Welt genesen – meinte im Jahre 1861 Emanuel Geibels in einem Gedicht. Diese Worte wurden seitdem zu diversen Anlässen gebraucht und missbraucht. Im Ergebnis der beiden Weltkriege gelang es den Deutschen nicht, den Rest der Welt vom deutschen Wesen zu überzeugen. Bezahlt haben dies mehr als sieben Millionen deutsche Soldaten mit ihrem Leben. Viele Soldaten gelten als „vermisst“. Der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ hat die, man muss wohl sagen „undankbare“ Aufgabe, diese Vermissten zu suchen, zu finden und ihnen eine letzte, ehrenvolle Ruhe zu geben, nachdem sie das Wertvollste was sie hatten, nämlich ihr Leben, für den Kaiser oder für „Führer, Volk und Vaterland“ gegeben hatten.

Der Internetseite des Volksbundes ist zu entnehmen, dass man 833 Kriegsgräberstätten in 46 Ländern betreut, auf denen sich 2,7 Millionen toter deutscher Soldaten befinden. Hervorgehoben wird, dass nach der politischen Wende in Osteuropa auch hier die Arbeit aufgenommen wurde. In diesen Ländern liegen geschätzte drei Millionen deutscher Soldaten. Und der Volksbund kommentiert:

Screenshot: Viele der über hunderttausend Grablagen sind nur schwer auffindbar, zerstört, überbaut oder geplündert.
 
Ich komme auf diesen, meiner Ansicht nach, unglücklich formulierten Satz, der den Ländern, die von Deutschland überfallen worden sind, ethische Verfehlungen unterstellt, nochmals am Ende des Artikels zurück.
 
Soweit zur Vorrede. Das es nun noch eine Nachrede gibt, liegt daran, dass der „Volksbund“ in der letzten Zeit in den russischen Medien ziemlich häufig erwähnt wird. Als das aktuellste Beispiel sei „Kolja aus Urengoi“ erwähnt. Sie erinnern sich sicherlich an den 16jährigen Schüler, der zum Volkstrauertag vor dem Deutschen Bundestag auftrat und eine Rede hielt, die in Russland eine Welle der Empörung hervorrief. Es stellte sich heraus, dass der „russische Bub“ in Deutschland durch den „Volksbund“ betreut wurde und bei mir kam der Gedanke auf, dass der „Volksbund“ diesem russischen Jungen geholfen haben könnte, die Rede um ¾ zu kürzen – mit dem bekannten Ergebnis.
 


Screenshot: Titelaufmachung zum Volkstrauertag 2017 im Deutschen Bundestag

Nun hatte sich die Aufregung schon wieder etwas gelegt, da gibt es eine weitere Information zum „Volksbund“. Am 4. Dezember zeigte der staatliche TV-Sender „WESTI“ einen halbstündigen Beitrag von Ereignissen im Zusammenhang mit der Arbeit des „Volksbundes“ und titelte:

Screenshot: Was verschweigt der deutsche Volksbund vor der Öffentlichkeit?
 
Ich weiß nicht, ob der Volksbund etwas verschweigt, wie es in dem Beitrag behauptet wird, aber zumindest stehen hier Anschuldigungen im Raum, auf die der Volksbund eine Antwort geben sollte, damit keine, womöglich ungerechtfertigte Anschuldigungen, das Ansehen dieser humanitären deutschen Organisation, belasten.
 
In dem Film wird der Verdacht geäußert, dass deutsche Mediziner an deutschen Soldaten in der Sowjetunion, in einem Lager bei Cherson (Süden der Ukraine), medizinische Experimente durchgeführt haben könnten. Angeblich soll der Volksbund über Kenntnisse hierzu verfügen, diese aber bisher noch nicht an die russische Seite übergeben haben. Warum der Volksbund es nicht eilig hat, auf diese Fragen zu antworten - darüber gibt der Beitrag keine Auskunft.
 
In dem Film werden die sterblichen Überreste von eindeutig identifizierten deutschen Soldaten gezeigt. Diese sterblichen Überreste weisen Spuren auf, die, so wird in dem Film behauptet, von keinerlei Verwundung herrühren können, sondern künstlich erzeugt wurden, wie z.B. eine, in voller Länge geteilte Wirbelsäule, durchbohrte Knochen mit Gummiimplantaten, merkwürdig aufgeschnittene Schädel. Angeblich wolle man den Volksbund über diese Funde informiert haben, aber die Vertreter des Volksbundes haben keine Antwort geliefert.
 
Weiterhin wird behauptet, dass man viele Gräber von deutschen Soldaten dem „Volksbund“ schon im Jahre 1995 gemeldet habe, aber dieser habe nicht reagiert. Und es wird berichtet, dass der Volksbund, angeblich ohne Genehmigung, einen Friedhof angelegt habe, auf dem SS-Kriegsverbrecher eine ehrende Ruhestätte gefunden haben.
 
Der Vertreter des „Volksbundes“ in Kaliningrad wurde zu diesem Beitrag befragt und erklärte:

„Ich habe natürlich zu dieser Sache eine Meinung und könnte auch etwas dazu sagen. Aber ich werde dies nicht tun, weil die Leute wohl nicht das verstehen werden, was ich eigentlich sagen will.“

Also, wenn Sie mich fragen, es wäre für das Ansehen der deutschen Organisation hilfreich, wenn man nicht nur „Kolja aus Urengoi“ zu einer Gedenkveranstaltung in den Bundestag einlädt, wo er über die Leiden unschuldiger deutscher Soldaten in sowjetischen Kriegsgefangenenlagern berichtete, aber der gleiche „Volksbund“ über mögliche Leiden von unschuldigen deutschen Soldaten in deutschen Lagern nichts verlauten lässt. Der Volksbund sollte sich mit dem russischen Filmbeitrag auseinandersetzen und sich nicht nur, wie eingangs erwähnt, über ethische Momente der Behandlung von Kriegsgräbern in den Ländern des ehemaligen Ostblocks äußern:

„Viele der über hunderttausend Grablagen sind nur schwer auffindbar, zerstört, überbaut oder geplündert.“

Vielleicht gibt es ja ganz einfache Erklärungen für die geschilderten Dinge und es wurden keine Experimente an deutschen Soldaten vorgenommen. Der Volksbund verfügt sicher über alle notwendigen Informationen, um die russischen Anschuldigungen zu entkräften.

Also, wenn Sie mich fragen, so werde ich am Thema „Volksbund“ dran bleiben. Es ist einfach interessant zu erfahren, wie diese humanitäre deutsche Organisation arbeitet.  

 

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Deutsches, Föderales, Gesellschaft

   Kommentare ( 4 )

.g Radeberger Veröffentlicht: 11. Dezember 2017 01:41:52

Daß sich eine Organisation wie der Volksbund um die ehrenvolle Bestattung dieser toten kümmert, halte ich erst einmal für ehrenvoll. Auch wenn diese Soldaten nicht für ehrenvolle Ziele ihr Leben lassen mußten und auch viel Unheil anrichteten.
Irgendwie habe ich da etwas nicht ganz verstanden. Die russische Seite (?) hat Volksbund bereits 1995 über deutsche Soldatengräber in der damals schon ukrainischen Oblast Cherson unterrichtet, daß es dort zu nicht nachvolziehbaren medizinischen Handlungen an Körpern deutscher Wehrmachtssoldaten gekommen sei. Was wohl durch die Exhumierung bekannt geworden ist. Das war vor 22 Jahren !
Wie kommen russische Journalisten jetzt an diese Meldungen? Haben sie diese schon länger? Oder sind das neue Erkenntnisse für Sender Westi ? Was war der Ansatz dieses Filmes?

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 11. Dezember 2017 13:31:17

Ich würde auf diese vagen Behauptungen auch überhaupt nicht antworten. man kann ja nicht auf jeden Quatsch reagieren.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 11. Dezember 2017 13:35:35

... aber interessant wäre es schon zu erfahren, was das für merkwürdige Verstümmelungen an den Skeletten deutscher Soldaten sind.

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 11. Dezember 2017 15:41:11

Aus dieser Zeit lässt fast nichts mehr sicher beweisen, denken Sie nur an Katyn. Das hat man auch jahrelang den Nazis in die Schuhe geschoben, am Ende waren es die Russen, die waren nämlich trotz ihres ständigen "wir wurden überfallen" Geredes auch nicht gerade zimperlich und hatten in Polen ähnliche Ambitionen wie die Nazis in Polen und Russland. Wie sollte der Volksbund jetzt, fast 80 Jahre später, irgend etwas besser als die Russen wissen? Das hört sich meines Erachtens ziemlich konstruiert an.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 11. Dezember 2017 16:26:31

... gut, dann soll der Volksbund hierzu einfach mitteilen, dass hier durch russische Seite provoziert und gefälscht wurde. Danach sehen wir dann weiter.

Mail Man Veröffentlicht: 13. Dezember 2017 00:53:43

Hmm, ich finde auch, daß es gerade für eine humanitäre Organisation, die sich deutschen Kriegstoten verpflichtet fühlt ein Bedürfnis sein sollte, solchen Behauptungen sachlich nachzugehen und Gerüchte gegebenenfalls zu widerlegen. Das Schweigen wirkt irgendwie befremdlich und befördert Spekulationen.

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