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von Fritsch war in Kaliningrad?

Do, 08 Nov 2018 ... mit deutschem Akzent


von Fritsch war in Kaliningrad?
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation.

 

Rüdiger von Fritsch, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland und ehemaliger leitender Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes, hat sich anscheinend in Kaliningrad aufgehalten. Offizielle Verlautbarungen hierzu gibt es anscheinend nicht.

In Kaliningrad gibt es ein Deutsches Generalkonsulat mit insgesamt neun deutschen Mitarbeitern und einer unbekannten Anzahl von Ortsangestellten. Und dieses Generalkonsulat, wie auch die deutsche Botschaft in Moskau, verfügen über eine Internetseite. Russland ist groß und der deutsche Botschafter natürlich vielfach ausgelastet. Und wenn er Zeit findet, sich nach Kaliningrad zu begeben, so ist dies ein bemerkenswertes und – so zumindest meine Meinung – wichtiges Ereignis.

Als Deutscher bin ich natürlich außerordentlich interessiert an all den Dingen, die im Kaliningrader Gebiet vor sich gehen, an Dingen, die im Zusammenhang mit Deutschland, den Deutschen und deutschen Aktivitäten vor sich gehen. Auch die Arbeit des deutschen Generalkonsulats steht in meiner Interessensliste ganz weit oben.

Und so fand ich es ein wenig traurig, wenn man über wesentliche Ereignisse nur gerüchteweise erfährt und somit natürlich misstrauisch gegenüber dem ist, was man erzählt bekommt und was man irgendwo geschrieben liest.

So habe ich mich in der Rubrik „Aktuelles“ der deutschen Botschaft und auch des Generalkonsulats versucht kundig zu machen – habe aber keinerlei Hinweise oder Mitteilungen gefunden.

Dann habe ich in  den Kaliningrader Medien gesucht und bin nur an einer Stelle fündig geworden – im Regionalportal „rugrad.eu“.

Eine Querkontrolle über Google – man kann ja auch mal Meldungen übersehen – ergab auch keine neuen Erkenntnisse und so kann ich nur das berichten was „rugrad.eu“ geschrieben hat – und natürlich auch ein wenig kommentieren.

Der letzte Besuch des deutschen Botschafters, wenn ich denn richtig informiert bin, war vor rund zwei Jahren. Da kam er extra nach Kaliningrad, um den hiesigen Verantwortlichen seine Beunruhigung zu all den Fragen darzulegen, die rund um das „Deutsch-Russische Haus“ vor sich gehen.

Dieses Thema gab es diesmal nicht, denn es gibt dieses Haus auch nicht mehr.

Dafür gibt es ein anderes Thema, welches die Kaliningrader interessiert. Aber auch hier wollte der Botschafter nichts sagen. Es geht um BMW und seine unendlichen Versprechungen, oder sollte man lieber sagen „Versprecher“ seit 2012, in Kaliningrad eine Produktionsstätte zu errichten. Das sei eine Angelegenheit von BMW und der russischen Regierung – so der Botschafter und da mische er sich nicht ein.

Es gibt so ein Instrument, das nennt sich „Investitionsvertrag“. Im Rahmen dessen will sich BMW engagieren. Aber es gibt Investoren, die haben mit diesem Instrument in Russland auch negative Erfahrungen gesammelt. Das müsse berücksichtigt werden. Und natürlich müsse der Vertrag so gestaltet werden, dass er für den Investor von Interesse ist – meinte Herr von Fritsch.

 

Aber der Herr Botschafter hatte auch positive Nachrichten. Der Handelsumsatz mit Russland ist, entsprechend den Resultaten des zweiten Quartals, um 30 Prozent gewachsen. Find ich toll und die Kaliningrader finden dies vermutlich uninteressant. Was interessiert uns der Gesamthandelsumsatz mit Russland, wenn Kaliningrad daran eigentlich keinen Anteil hat.

Und dann informierte Rüdiger von Fritsch weiter, dass man in diesem Jahr ein hohes Investitionsniveau der deutschen Wirtschaft in Russland zu verzeichnen habe. Da gähnen dann die Kaliningrader wohl ein zweites Mal, denn auch von dieser Information ist Kaliningrad nicht betroffen – wie denn auch der deutsche Botschafter gleich selber ergänzte. Aber als Diplomat formulierte er dies natürlich anders.

Er meinte, dass man auch neue deutsche Investitionen im Kaliningrader Gebiet beobachte.

Es bleibt zu hoffen, dass er damit nicht die Deutschen meint, die in der Nähe von Königsberg, in den dunklen Wäldern Ostpreußens, ein deutsches Dorf, mit deutscher Schule und deutscher Flagge, errichten wollen. Wobei es sich hier ja um ein Großprojekt handelt, welches viele dutzende von Millionen Euro kosten wird. Der Herr Botschafter sprach aber von kleinen deutschen Investitionen und die auch eher in der Landwirtschaft.

Der deutsche Generalkonsul Dr. Michael Banzhaf ergänzte noch, dass der Vorteil der Kaliningrader Region in der Nähe zu Deutschland bestehe – ich gehe davon aus, dass er die geographische und nicht die politische Nähe meinte. Er hob die preisgünstige Logistik hervor und nannte die Sonderwirtschaftszone, die Investoren Vergünstigen bietet.

Und Dr. Banzhaf zeigte sich überzeugt, dass das deutsche Unternehmertum auch weiterhin die Kaliningrader Region sehr aufmerksam beobachten werde.

Tja, und eben darin drückt sich die deutsche Stabilität aus: Man hat jahrelang beobachtet und wird dies auch noch viele Jahre weiter tun: beobachten, denn niemand ist an den kurzen Wegen bis Kaliningrad interessiert und irgendwelche Vergünstigungen der Sonderwirtschaftszone will auch kein Deutscher haben.

Und ehrlich gesagt, kann ich die Deutschen auch verstehen, denn wer sich ein wenig mit den launischen europäischen Nachbarn des Kaliningrader Gebietes beschäftigt wird schnell zu der Einsicht kommen, dass es eben die sind, die ein Engagement in Kaliningrad für einen Ausländer unattraktiv machen. Denn wer möchte schon ständig mit Blockadegedanken leben und der Angst, seine Produktion nicht aus dem Gebiet heraus transportieren zu können. Oder wer möchte schon an polnischen Grenzübergängen sieben Stunden und länger stehen – so wie gerade jetzt wieder aktuell, um seine Produktionsstätte in Kaliningrad zu besuchen.

Schade, dass ich nichts anderes berichten kann, aber man kann eben nur das berichten, was einem andere erzählen oder was man offiziell erfährt.

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Generalkonsulat

   Kommentare ( 4 )

boromeus Veröffentlicht: 8. November 2018 20:10:52

Ja ,was soll man dazu sagen.Stimmt alles, gerade was den Punkt Einreise angeht.Für 700 km 9-11 Stunden Fahrt von Berlin aus ?In dieser Zeit kann man fast an das andere Ende der Welt fliegen.Was das "in Schwebe " halten von Versprechungen angeht, so glaube ich persönlich liegt das an der Zeit "political Korrektnes !Die Generation der "Macher" die "Tacheles" redeten und machten ,sind lange vorbei.Heute spezialisiert man sich eher auf Sprechblasen.Eigene Meinung ist bei all den rosaroten Brillen nicht mehr erwünscht.Die waere ja messbar! Aber das wird sich sicherlich alles ändern,wenn unsere Bundesmutti denn bald in Rente geht.Früher so Aussagen von Insidern ,ging es um politische Arbeit "vorne an der Basis",Heute beschäftigt man sich nur noch mit dem Apparat und mit sich selber.Darum bewegt sich auch nichts mehr in Murkelhausen .Wen interessiert dass schon.Man muss nur dafür sorgen, dass die paar ,die noch zahlen, bei Laune gehalten werden.Alles andere ergibt sich dann schon irgendwie..

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 8. November 2018 20:19:35

... aber Mercedes baut ein Werk bei Moskau, in dem 2019 die ersten Fahrzeuge bei hoher Produktionslokalisierung, vom Band laufen sollen. Und die Entscheidung zum Bau dieses Werkes wurde nach 2014 getroffen.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 8. November 2018 20:59:28

Meiner Ansicht nach ist die Exklave Kaliningrad ein besonderes Stück russischen Bodens. Ich weiß, es gibt einige, denen bleibt dieser Fakt noch im Halse stecken.
Uwe hat schon angedeutet, die lieben Nachbarn, die am liebsten dieses Stückchen Erde den Russen lieber heute als morgen entreißen wöllten. Aber sind es nicht ganz genau diese Nachbarn, die von den Entscheidungen der Sowjetunion nach Ende des WK II partizipert haben. Polen hat u.a. genau die Hälfte des damaligen Ostpreußen bekommen und die SU die nördliche Hälfte. Im Zuge der Aufteilung innerhalb der SU hat auch noch das heutige Litauen davon den nördlichsten Streifen zugeschlagen bekommen. Und diese Nachbarn sind es, die heutzutage im Verband der Nato Rußland militärisch bedrohen. Mit Riesen-Manövern unweit der russischen Grenze gegen dieses Land ein "Abschreckungspotential" schaffen wollen. Und in so ein Gebiet, daß zur Abwehr dieses Nato-Agressionspotentials voller Waffen steht, wird kein weiser Wirtschafter investieren.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 8. November 2018 21:07:26

... tja, Undank ist der Welten Lohn. Und Polen ist nun auch noch so konsequent, dass man alle sowjetischen Denkmäler schleift, die an die sowjetischen Soldaten erinnern, die ihr Leben gegeben haben um Polen von den Leuten zu befreien, die die polnischen Menschen ausrotten wollten.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 8. November 2018 21:22:42

Dieser Ex(?)- Spion von Fritsch wird doch wohl nur zum Pilze sammeln nach KG gekommen sein.
Fakt ist aber, einmal Geheimdienstler, immer Geheimdienstler. Auch wenn er dann eine andere Berufsbezeichnung bekommt. Ein Diplomat wird er deswegen noch lange nicht.
Der Deutsche Außerordentliche und Bevollmächtigte Botschafter in der Russischen Föderation heißt doch nicht umsonst - von Fritsch.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 8. November 2018 21:42:12

... es gibt einen interessanten Beitrag im Internet. Bundespressekonferenz, wo ein Medienvertreter Steffen Seibert und der Pressesprecherin des Auswärtigen Amtes zum Herrn von Fritsch Fragen stellt ...

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 9. November 2018 16:31:22

@owjetischen Soldaten erinnern, die ihr Leben gegeben haben um Polen von den Leuten zu befreien,

Das ist aber ironisch gemeint? Die Russen haben genauso wie die Deutschen Polen besetzt, und zwar gleichzeitig mit den Russen. Ich glaube die Polen fühlten sich von beiden besetzt und von niemanden befreit.

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