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Welche Zukunft hat eine Kultureinrichtung der Russlanddeutschen in Kaliningrad?

Mo, 06 Feb 2017 ... mit deutschem Akzent


Welche Zukunft hat eine Kultureinrichtung der Russlanddeutschen in Kaliningrad?

Das Deutsch-Russische-Haus in Kaliningrad ist durch die Betreiber geschlossen worden. Die Nichtkommerzielle Organisation „Eintracht“ der Russlanddeutschen in Kaliningrad wurde zum Ausländischen Agenten erklärt. Gibt es eine Zukunft für eine neue Kultureinrichtung der Russlanddeutschen in Kaliningrad?

Für die gesellschaftliche Arbeit der Russlanddeutschen im Kaliningrader Gebiet steht ein nicht ganz einfaches Jahr bevor. Der bisherige zentrale Kulturpunkt, das Deutsch-Russische-Haus wurde durch Beschluss der Betreiber im Dezember geschlossen und als juristische Person aus dem Register gelöscht. Damit kam man vermutlich einem Beschluss des russischen Justizministeriums zuvor, denn es drohte die Zuerkennung des Status „Ausländischer Agent“.

Die Verantwortlichen versuchten eine neue Organisationsform, als Nachfolgeeinrichtung für das Deutsch-Russische-Haus zu finden und wollten hierfür eine weitere Nichtkommerzielle Organisation „Eintracht“ nutzen, die bereits in der alten Organisation des Deutsch-Russischen-Hauses Mitgesellschafter war. Allerdings wurde durch das russische Justizministerium dieser Organisation am 31. Januar 2017 der Status „Ausländischer Agent“ zuerkannt und nach der Logik des ehemaligen Präsidenten des Deutsch-Russischen-Hauses Viktor Hoffmann, kann nun auch diese Organisation nicht mehr als neuer Organisator für die kulturellen und Bildungstätigkeiten der Russlanddeutschen auftreten.

Am Donnerstag vergangener Woche gab Viktor Hoffmann dem Radiosender der größten Regionalzeitung „Komsomolskaja Prawda“ ein Interview.


Foto: Ex-Präsident des Deutsch-Russischen Hauses Viktor Hoffmann gibt Interview

Im Verlaufe des Interviews gab Viktor Hoffmann einige Erklärungen ab, die er den Journalisten der „Komsomolskaja Prawda“ vielleicht erzählen konnte, die – so mein Eindruck – nicht besonders gut auf das Interview vorbereitet waren. Aber bei denjenigen, die ein wenig mit der Situation vertraut sind, hinterließ dieses Interview einen bitteren Beigeschmack. Zur Klärung der Gesamtsituation hat das Interview aber ganz bestimmt beigetragen – wie ein weiteres Interview, geführt durch die föderale Informationsagentur „REGNUM“, mit dem Leiter der gesamtrussischen Organisation der Russlanddeutschen Heinrich Martens am Wochenende zeigte. Ich greife ein wenig vor, wenn ich an dieser Stelle Äußerungen des russischen Justizministeriums einfüge, die im Interview von REGNUM ganz zum Schluss kommen:


Meine Erfahrungen nach nicht ganz 30 Jahren leben und arbeiten in Russland (Sowjetunion) besagen, dass der Russe immer ganz zum Schluss das Wichtigste vorbringt, was er eigentlich sagen oder übermitteln wollte. Und ich interpretiere dieses Zitat aus dem Justizministerium durch „REGNUM“ ganz am Schluss des Interviews als personelles „AUS“ für Viktor Hoffmann, im Rahmen einer neuen Organisation der Russlanddeutschen in Kaliningrad noch irgendeine Rolle zu spielen.
 

 

Heinrich Martens vertritt die Meinung, dass ein erneuertes „Russisch-Deutsches-Haus“ in Kaliningrad ein föderaler Status zuerkannt werden sollte. Er meinte damit nichts anderes, als das sich die Kaliningrader Russlanddeutschen einfach nur der gesamtrussischen Organisation anschließen sollen, denn Kaliningrad war bisher die einzige Organisation, die selbständig lebte und, so vermute ich, dadurch auch nicht die Vorteile genießen konnte, die ein föderaler Status mit sich bringt – so u.a. auch Fördergelder aus dem russischen Haushalt in einem Umfang, wie ihn die anderen Organisationen in den Regionen bereits erhalten.

„Wenn ich richtig informiert bin, ist niemand daran interessiert das Deutsch-Russische-Haus vollständig zu schließen und einen Schlusspunkt zu setzen“, - so Martens gegenüber „REGNUM“. „Wir als Föderale National-kulturelle Autonomie der Russlanddeutschen nehmen schon an Gesprächen teil, welche die Zukunft des Russisch-Deutschen-Hauses betreffen, welche Umrisse es haben soll und welche Richtungen in der Tätigkeit es einschlagen muss. Früher nannte sich das Haus „Deutsch-Russisches-Haus“, aber wir haben hierzu eine prinzipiell andere Position, denn es muss zu einem „Russisch-Deutschen-Haus“ werden. Es ist ein Haus für Russlanddeutsche.“ (Anm. UN: … und nicht für Deutschlandrussen).

Und Martens setzt fort:

„Wenn wir hierherkommen – ich möchte hervorheben „wenn“ – denn für unsere Anwesenheit hier müssen bestimmte Bedingungen erfüllt werden – so werden wir uns auf folgende Richtungen in der Arbeit konzentrieren:

  • Unterstützung der ethno-kulturellen Identität der Russlanddeutschen,
  • Bewahrung der nationalübergreifenden Stabilität im Kaliningrader Gebiet,
  • Teilnahme an einer positiven Entwicklung der russisch-deutschen Beziehungen.

Das alles betrifft die Bereiche Kultur, Wirtschaft, Unternehmertum, Bildung und Jugendaustausch. Entsprechend der Gesetzgebung der Russischen Föderation wird sich unsere föderale Organisation nicht mit Politik beschäftigen.

„REGNUM“ bat Heinrich Martens um eine Einschätzung der Tätigkeit des ehemaligen Deutsch-Russischen-Hauses in Kaliningrad.

„Ich denke, irgendwelche Fehler wurden durch die Führung der Assoziation „Deutsch-Russisches-Haus“ wohl zugelassen, aber ich möchte mich nicht an der Polemik beteiligen. Ich kann das alles nur schwer beurteilen, denn bis jetzt hatte unsere Autonomie keine intensiven Kontakte mit dem ehemaligen „Deutsch-Russischen-Haus“ in Kaliningrad. Wir hatten eher, sagen wir es mal so, formelle Kontakte und wir haben nicht den Wunsch gesehen, mit uns enger zusammenzuarbeiten. Na gut, wir zwingen niemanden unsere Ansichten und Handlungen auf. Heute, beispielsweise, unterstützen wir Kurse in deutscher Sprache und auch ethno-kulturelle Zirkel in den Kreisen des Kaliningrader Gebietes“, - so Martens.

Heinrich Martens schätzt ein, dass bis Ende 2017 sich die Situation um die Einrichtung in Kaliningrad nicht nur normalisiert, sondern sogar verbessert.

„Ich wiederhole meinen Standpunkt, dass es keinerlei Voraussetzungen gibt mit den Äußerungen von Bloggern einverstanden zu sein, dass alles geschlossen wird und alles schlecht ist. Wir arbeiten eng mit der Föderalen Agentur für die Angelegenheiten der Nationalitäten und mit der Kaliningrader Regierung zusammen. Wir führen Konsultationen mit deutschen Partnern durch. Wir suchen Wege, die nicht in eine Stagnation führen, sondern zu einer weiteren Entwicklung der Russlanddeutschen im Kaliningrader Gebiet, möchten neue Impulse in der Zusammenarbeit zwischen dem Kaliningrader Gebiet und deutschen kulturellen und unternehmerischen Partnern geben“, - setzt Heinrich Martens seine Darlegungen im Interview mit „REGNUM“ fort.

Dann schauen wir mal, wie sich die weiteren Ereignisse entwickeln. Der Aufbau einer neuen Organisation der Russlanddeutschen beginnt natürlich nicht bei „NULL“. Wie bereits vergangene Woche informiert, gibt es vielfältige Organisationsformen in Kaliningrad und zweckmäßig wäre es, wenn alle Russlanddeutschen nicht nur in einer einheitlichen ethnischen Sprache – also Deutsch – sprechen, sondern auch eine einheitliche gesellschaftliche Sprache finden.


Das es vermutlich personelle Probleme geben wird ist wohl vorhersehbar, aber es könnte auch materielle Probleme auf die zu schaffende neue Organisation zukommen. Aber auch hier gibt es Lösungsvarianten – man muss nur die richtigen Ansprechpartner hierfür finden.

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Deutsch-Russisches Haus

   Kommentare ( 5 )

Michael Göllner Veröffentlicht: 6. Februar 2017 17:00:47

Die Frage die sich für mich stellt und meiner Meinung interessant für die weitere Beurteilung der Angelegenheiten der Russland-Deutschen wäre doch:
1. Wieviele Russland-Deutsche gibt es eigentlich im Kaliningrader Gebiet und
2. Wieviele Mitglieder haben die einzelnen im Artikel genannten Organisationen?

Erst wenn man das weiß, kann man die Relevanz der Organisationen im Einzelnen und in ihrer Gesamtheit beurteilen.

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen auch für eine weitere erfolgreiche Arbeit diese Blogs für 2017 und vor allem Gesundheit für den "Ober"Bloger und seinem Team.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 6. Februar 2017 18:33:15

zu Frage 1: es leben rund 7.800 Russlanddeutsche im Kaliningrader Gebiet. Das sind 0,8 Prozent der Gesamtbevölkerung
zu Frage 2: das ist mir (noch) unbekannt.

Um das Problem richtig einschätzen zu können, ist nicht so sehr die Anzahl der Russlandedeutschen in Kaliningrad von Relevanz als vielmehr die Aktivitäten und Ansichten derjenigen, die sich als Repräsentanten der Russlanddeutschen sehen.

Um die Problematik besser zu verstehen, empfehle ich folgenden Artikel (sehr) aufmerksam zu lesen:

http://kaliningrad-domizil.ru/portal/information/-mit-deutschem-akzent-/deutschland-deutschland-ber-alles-in-kaliningrad/

Gerald Hübner Veröffentlicht: 6. Februar 2017 21:42:01

Wenngleich ich nie in Kaliningrad wohnen würde ( strebe das eher in Tatarstan oder auf oder der Nähe der Krim an - arbeitsabhängig ) habe aber auch wegen meiner sehr guten Kontakte zu Deutschen aus Russland - die meisten kommen allerdings aus Kasachstan - mich mit auch diesem Thema immer wieder beschäftigt. Diese Leute sagen selbst, dass sie seit der Vertreibung durch Stalin im 2. WK schmerzhaft erlebt ihre Wurzeln zwar in Deutschland hatten, aber schon lange ihre Heimat in den neuen Gebieten hatten. ( Gerade war der 75. Jahrestag dieser Maßnahme. M.E. gehört Kaliningrad nicht dazu. Auch die Aufhebung des Jelzin-Dekrets № 231 hat nichts mit der jetzigen Situation zu tun, um es sportlich zu umschreiben, ein Schiedsrichter macht einen Fehler, indem er der einen Mannschaft einen Elfmeter verweigert hat. Diesen Fehler durch einen weiteren Fehler zu korrigieren, hilft nicht wirklich (Er gibt später einen unberechtigten 11ér).Soweit zur staatlichen regionalen Entwicklung oder Reorganisation.

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 7. Februar 2017 10:49:07

Probleme zu diskutieren ist bequemer als einfach mal den Mund zu halten und zu arbeiten. Weniger Diskutieren und mehr arbeiten, schön könnte Kalinigrad erblühen.

.g Radeberger Veröffentlicht: 8. Februar 2017 03:12:50

Um es kurz zu machen, ich bin der Ansicht, daß der Ansatz von Heinrich Heinrichowitsch erst einmal in die richtige Richtung geht. Die Rußlanddeutschen mit Ihren sechs (?) eigenständigen Vereinen sollten sich zumindest zu einem Verband zusammenschließen und dem Föderalen Verband beitreten. Diese Klein-klein-cliquenwirtschaft führt doch zu nix. Gar nix!

Karsten-Wilhelm Paulsen Veröffentlicht: 8. Februar 2017 10:02:54

Neben den Entgleisungen, die im Rahmen des russisch deutschen Hauses stattfanden kann ich mir allerdings auch andere Gründe vorstellen, die die russische Seite motivieren sich zu ärgern. Ich kann mich noch gut erinnern, wie die ersten Russlanddeutschen hier in Deutschland eintrafen. Ziemlich schnell kam Neid bei den ortsansässigen Deutschen auf, denn die Russlanddeutschen sind verdammt fleissig und arbeiten wie unsere Eltern der Nachkriegsgeneration scheinbar ohne Unterlass und sehr erfolgreich. So rieb sich mancher Einheimischer die Augen, wie schnell unsere russlanddeutschen Nachbarn zu Haus Hof und Auto kamen.

Mein russlanddeutscher Nachbar berichtete mir, dass sein Herkunftsort in Kasachstan nun zerfällt, nachdem die Deutschstämmigen weggezogen sind. Die Kasachen bekämen "nichts gebacken", war seine Antwort.

Könnte da auch in Kalingrad Neid ein Brandbeschleuniger sein?

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 8. Februar 2017 10:53:13

... nein, dass glaube ich nicht. Hier geht es eindeutig um nicht korrekte Verhaltensweisen und Inkonsequenz in der Aufbereitung des Vorgefallenen.

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