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Zuerst denken, dann reden – empfiehlt der Chef-Deutsche in Russland

Do, 20 Apr 2017 ... mit deutschem Akzent


Zuerst denken, dann reden – empfiehlt der Chef-Deutsche in Russland

Am Dienstag fand ein Treffen des Bevollmächtigten Vertreters des russischen Präsidenten in Kaliningrad mit dem Präsidenten der Föderalen Nationalkultur der autonomen Russlanddeutschen in Kaliningrad statt. Grund des Treffens ist die Schaffung einer neuen Vertretung der Russlanddeutschen im Kaliningrader Gebiet.

Heinrich Martens, Vertreter der Russlanddeutschen in Russland, traf sich am Dienstag nicht nur mit Michael Wedernikow, dem Vertreter des russischen Präsidenten in Kaliningrad, sondern gab einer Reihe von Kaliningrader Medien Interviews und damit auch den Startschuss für einen Neuanfang der Russlanddeutschen im Kaliningrader Gebiet.

Foto: Treffen des Bevollmächtigen Vertreters des russischen Präsidenten Michael Wedernikow (links) mit Heinrich Martens in Kaliningrad
 
Informiert wurde, dass Russland daran interessiert ist, eine Brücke der Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland zu bauen. Kaliningrad könnte hierzu ein Teilstück dieser Brücke sein. Die Eröffnung eines „Kultur- und Geschäftszentrums der Russlanddeutschen“ in Kaliningrad bis zum Jahresende, wird dazu einen Beitrag leisten – so Martens gegenüber dem Bevollmächtigen Vertreter des russischen Präsidenten. 
 
Wedernikow informierte seinen Gesprächspartner, dass im Kaliningrader Gebiet mehr als 7.000 Russlanddeutsche leben. Im Vergleich zu anderen Regionen in Russland ist dies eine verschwindend kleine Anzahl. Auch im Gesamtverhältnis zur Kaliningrader Bevölkerung, haben die Russlanddeutschen einen Anteil von weniger als einem Prozent.
 
Grafik: Russlanddeutsche in der Russischen Föderation – gegliedert nach Wohnorten in den Regionen
 
Beide Gesprächspartner waren sich einig, dass die neue Organisation einen wesentlichen Beitrag leisten wird für die Förderung der Jugend, der Wissenschaft und Kultur, aber auch des Unternehmertums.  Martens meinte, dass es in Deutschland (vermutlich Bayern) bereits deutsche Firmen gebe, die sich für eine Unterstützung dieser neuen Organisation interessieren – insbesondere wohl auch deshalb, um unter die unappetitlichen Ereignisse der letzten Jahre endlich einen Schlusspunkt zu setzen.
 
Ende 2017 soll diese neue Organisation der Russlanddeutschen bereits ein großes Kultur- und Geschäftsforum in Kaliningrad organisieren. Über Einzelheiten wollte sich Heinrich Martens noch nicht äußern.

Der Neustart der Russlanddeutschen im Kaliningrader Gebiet machte sich erforderlich, nachdem es in den letzten Jahren zu einer ganzen Reihe von Zwischenfällen gekommen ist und das ehemalige Deutsch-Russische-Haus, sowie die Organisation der Russlanddeutschen „Eintracht“ und dessen Präsident Viktor Hoffmann sich immer mehr ins gesellschaftliche „AUS“ manövriert hatten. Nach dem Auftritt der Organisation „BARS“ (Baltischer Vortrupp für die Organisation des russischen Widerstandes) Ende Oktober 2016 im Deutsch-Russischen-Haus, schlugen die Wellen der gesellschaftlichen Empörung haushoch über die Organisation zusammen und das deutsche Innenministerium entschloss sich – nach Informationen russischer Quellen – die Finanzierung der Kaliningrader Organisation einzustellen.

Martens erklärte nun, dass die neue Organisation bereits am 10. April gegründet wurde. Diese Organisation wird sich nicht mit Politik beschäftigen. Wer sich mit Politik beschäftigen will, kann dies im Rahmen einer Partei tun, die es in Russland zahlreich gibt, oder eine neue Partei gründen.

Die neue Organisation wird sich mit deutschen Sprachkursen beschäftigen, verschiedene Zirkel gründen, Seminare und kulturelle Veranstaltungen durchführen.

Martens informierte weiter über einige Interna aus der Vergangenheit und warum es zu der Situation gekommen ist, die gegenwärtig die Kaliningrader Gesellschaft beunruhigt. Die russischen staatlichen Organe waren im Rahmen mehrerer Untersuchungen zu dem Schluss gekommen, dass die Tätigkeit der bisherigen Organisation der Russlanddeutschen im Kaliningrader Gebiet der Popularisierung der nazistischen Ideologie dient. Dafür hat die Organisation auch noch Gelder aus dem deutschen Innenministerium erhalten. Ein Schlüsselmoment in der negativen Arbeit des Hauses war der Auftritt des deutschen Diplomaten Daniel Lissner im August 2014 mit einer antirussischen Hetzrede. Der Diplomat wurde danach aus Kaliningrad abgezogen und nach Kiew versetzt.

Martens erinnerte weiter daran, dass er mit dem ehemaligen Präsidenten der Organisation der Russlanddeutschen Viktor Hoffmann bereits vor fünf Jahren ein Gespräch hatte und ihn gebeten habe, mit besonderem Fingerspitzengefühl in Kaliningrad zu agieren. Es war ein rein freundschaftlicher Hinweis, obwohl die Kaliningrader Organisation der Russlanddeutschen immer eine Zusammenarbeit mit der Organisation der Russlanddeutschen im russischen Mutterland abgelehnt habe und auf seiner Autonomie beharrte. Man gab ihm die Antwort, dass Kaliningrad selber wisse, wie man zu arbeiten habe.

Foto: (links): Heinrich Martens, (rechts) Viktor Hoffmann
 
Vermutlich fand dieser Hinweis des „besonderen Fingerspitzengefühls“ deshalb statt, weil Viktor Hoffmann zu den Vertretern der Russlanddeutschen gehört, die die Wiedererrichtung einer autonomen Republik der Russlanddeutschen unterstützen. Einer der möglichen Orte für diese Republik wäre das Kaliningrader Gebiet. Die Arbeit zur Schaffung einer derartigen Republik wurde durch den Russlanddeutschen Baumgärtner in der Zeit der Präsidentschaft von Dmitri Medwedjew besonders forciert – schreibt die Informationsagentur „REGNUM“.
 
In Kaliningrad halten sich standhaft Gerüchte, verbreitet insbesondere durch Personen, die im Zusammenhang mit der ehemaligen Organisation der Russlanddeutschen in Kaliningrad stehen, dass diese ganzen Vorgänge in den letzten Jahren speziell organisiert worden sind, um sich des Gebäudes und des Grundstückes zu bemächtigen, über die die ehemalige Organisation der Russlanddeutschen in der ul. Jaltinskaja verfügt. Martens kommentierte, dass man keinerlei Interesse an diesem Gebäude habe und es auch nicht kaufen werde, da hierfür gar kein Geld vorhanden ist. Allerdings ist es schon bedauerlich, dass der deutsche Steuerzahler dieses Haus finanziert habe, es unentgeldlich an die Organisation der Russlanddeutschen in Kaliningrad übergeben habe und es sich jetzt defacto in den Händen von Viktor Hoffmann befindet. Nochmal wird dieses Haus von keinem Steuerzahler finanziert – so Martens.

Angesprochen auf die „Germanisierung des Kaliningrader Gebietes“ informierte Martens, dass ihm diese Thematik bekannt ist, aber er nicht weiß, wie er darauf reagieren soll. Die Russlanddeutschen sind an keiner Germanisierung interessiert sondern arbeiten ausschließlich auf der Grundlage der russischen Gesetzgebung. Man kenne nur eine allgemeingültige gesellschaftliche Identität in Russland.

Wie die Informationsagentur „REGNUM“ weiter mitteilt, vertrat Martens die Ansicht, dass die Krise der Russlanddeutschen im Kaliningrader Gebiet nicht das Ergebnis äußerer Einmischung ist. Die Krise ist hausgemacht und alleine Angelegenheit der Russischen Föderation.

Auf die Frage von Journalisten, ob die neue Organisation der Russlanddeutschen mit der ehemaligen Organisation „Eintracht“ zusammenarbeiten werde, antwortete Martens:

Anscheinend hat auch die deutsche Seite erkannt, dass die Arbeit des Deutsch-Russischen-Hauses in Kaliningrad nicht den Kriterien entsprach, wie man sie selber bei der Gründung in den 90er Jahren formuliert habe. Deshalb habe man auch vor rund einem halben Jahr alle Finanzierungen eingestellt – informierte Heinrich Martens.

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Deutsch-Russisches Haus, Deutsches

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