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Zwei Jahre Alichanow – ein aktuelles Kaliningrader Modethema

Fr, 12 Okt 2018 ... mit deutschem Akzent


Zwei Jahre Alichanow – ein aktuelles Kaliningrader Modethema
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation.

 

Der Kaliningrader Gouverneur ist nun seit zwei Jahren „an der Macht“ – wie man immer so schön formuliert. Es gibt die verschiedensten Daten, die für die Berechnung dieser zwei Jahre genannt werden.

Ich möchte nicht kleinlich sein und keine Jahrestage feiern, sondern nur kurz resümieren, was der Gouverneur mit den drei „A“ im Namen – also Anton Andrejewitsch Alichanow erreicht und was er nicht erreicht hat.

Fangen wir damit an, dass er für viele schon nicht mehr „Anton“ ist, sondern Anton Andrejewitsch. Für westliche Besucher, die die russischen Formen der offiziellen Anrede nicht kennen, ist er sicherlich Herr Alichanow. Er selber hatte in einem Interview bekannt, dass es schon eine gewisse Umgewöhnung ist, wenn man merkt, dass man aus den Studentenschuhen oder der Start-Up-Funktion nach dem Studium herausgewachsen ist und plötzlich auch von Gleichaltrigen mit Vor- und Vatersnamen angeredet wird.

Und den Status als jüngster Gouverneur der Russischen Föderation hatte er auch nicht lange inne. Der 30jährige Dmitri Artjuchow, verantwortlich für das Jamalo-Nenezker autonome Gebiet, hat ihm diesen Titel vor kurzem abgenommen.

Kurz nach seinem Amtsantritt vor zwei Jahren und verstärkt nach den Wahlen im September 2017, wo er sich durch die Kaliningrader Wahlberechtigten in seinem Amt hat legitimieren lassen, kursierten Gerüchte, dass er sowieso bald von Moskau nach Moskau abgezogen wird. Er dementierte und trotzdem bleiben die Gerüchte.

Versetzt, natürlich in eine höhere Funktion, wird man aber in der Regel nur dann, wenn man Verdienste hat. Und es steht die Frage, ob man nach nur zwei Jahren in einer „Front-Funktion“ schon derartige Verdienste sammeln kann, um sich für eine Leitungsfunktion, also z.B. föderaler Minister, zu empfehlen.

Ich behaupte „Nein“.

Andererseits wissen wir natürlich nicht, welche Aufgaben Anton Andrejewitsch vom russischen Präsidenten gestellt worden sind.

Sollte die Aufgabe gelautet haben, die Kaliningrader Sandkastenkinder aus dem Sandkasten rauszuholen, dann hat er diese Aufgabe wohl recht gut erfüllt. Auch die Sandkastenkinder in den Kreisen des Kaliningrader Gebietes scheinen weniger zu werden. Auch die zugewanderten föderalen Sandkastenkinder sind größtenteils in andere Sandkästen, im russischen Mutterland, auf Bitten des russischen Präsidenten, gewechselt.

Die Kaliningrader Wirtschaft ist nach wie vor nicht in die Puschen gekommen, obwohl sowohl die gesetzlichen, wie auch viele organisatorische Voraussetzungen durchaus einen großen Anreiz darstellen. Aber die Investitionen lassen auf sich warten. Aber wie lange muss man noch warten? Ich glaube, noch sehr lange, denn jeder der investieren will und sich mit den geopolitischen Besonderheiten des Kaliningrader Gebietes vertraut macht, wird er- und dann zurückschrecken.

Das liegt nicht an Anton Andrejewitsch, dessen Arbeitstag nach unbestätigten Gerüchten 25 Stunden betragen soll, sondern eben an den politischen Gegebenheiten.

Der plötzliche, immer noch unkommentierte, Weggang des Generaldirektors der Korporation für die Entwicklung des Kaliningrader Gebietes, löst auch Nachdenklichkeiten aus.

Angenehm ist, dass es keine Regierungs-Skandale mehr gibt, keine Skandale um die Person des Gouverneurs oder ihm nahestehender Personen. Man hört nichts mehr von Korruption und Amtsmissbrauch oder Vetternwirtschaft. Hier gibt es eindeutige qualitative Entwicklungen.

Ja, es ist natürlich richtig, dass es auch personelle Veränderungen in den Kaliningrader Medien gegeben hat. Einige der sogenannten liberalen Journalisten haben es wohl mit ihrer liberalen Berichterstattung übertrieben und erhielten die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten an anderer Stelle auszuprobieren. Nicht allen ist dies bisher gelungen, denn in Untersuchungshaft kann man unternehmerisch und schriftstellerisch nicht tätig sein und andere Journalisten haben sich ihren Ruf so verdorben, dass kein seriöses Medium diese Leute einstellen wird.

Irgendwie bin ich immer versucht, diesen Alichanow mit Putin zu vergleichen. Als Putin im Jahre 2000 die Funktion des ersten Mannes in Russland übernahm, stand er, mal bildlich gesprochen, bis Oberkante Unterlippe im Sumpf und aus einem Sumpf herauszukommen, bedarf viel Kraft und noch mehr Zeit.

Bei Alichanow ist es ähnlich, denn das, was ein Georgi Boos, der Vorgänger von Zukanow, aufgebaut hatte, hatte ein Zukanow, hm, … sagen wir es mal höflich … nicht weiterentwickelt.

Und die Entscheidungen des Präsidenten waren eindeutig: Zukanow tut dem Kaliningrader Gebiet nicht gut. Alichanow muss nun das aufbauen, was ein Zukanow hat vergammeln lassen. Etwas zu zerstören, geht immer schnell, etwas neu aufzubauen, braucht immer mehr Zeit.

Zwei Jahre reichen somit nicht aus, um über Anton Andrejewitsch ein abschließendes Urteil zu fällen. Er ist vor zwei Jahren, natürlich mit starker föderaler Rückendeckung, gut gestartet. Nun müssen aber nach Abschluss der Start-Up-Phase bald reale Ergebnisse kommen, die den einfachen Bürger auf der Straße begeistern, denn bis zu den nächsten Gouverneurswahlen sind es nicht mehr ganz vier Jahre und die Zeit vergeht schnell.

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Gouverneur

   Kommentare ( 2 )

boromeus Veröffentlicht: 12. Oktober 2018 09:10:11

Sie haben natürlich Recht.Aufbau ist immer schwieriger als Demontage.Zwei Jahre ist eine relative Zeit.Für die Geduldigen zu kurz und für die Ungeduldigen zu lang.Ich erinnere mich an seine Anfangszeiten.Da wurde fast jeden Tag sein Name erwähnt und ein Hauch grosser Hoffnung wehte durch den Oblast.Zur Zeit ist , so finde ich, es sehr ruhig geworden in den Meldungen.Letzen Endes,ist es wie überall.Jeder/Jede ist nur so gut ,wie eine aktive Unterstützung und Akzeptanz für das war man tut ,vorhanden ist.Ist sie nicht oder nicht ausreichernd vorhanden kannst du "spaddeln" wie du willst,wir Norddeutschen sagen ,das Ergebnis wird nicht von Erfolg gekrönt sein.Es sei ihm zu wünschen,das er "ein paar entscheidende Nägel einschlagen" kann,die seine Mühe und Arbeit bestätigen.

Hauke Veröffentlicht: 12. Oktober 2018 11:22:58

Mit der Wirtschaft und den Investitionen muss ich Ihnen Recht geben.
Im Gebiet leben knapp 1Mill. Menschen und bis Russland sind es Kapp 1000km.
Das ist nun mal so und damit wird jeder Investor rechnen müssen.
Folglich muss man sich auf das besinnen was man hat und was man kann und keine Luftschlösser ins Wolken Kuckucksheim projektieren.

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