Interessante Sowjet-Nostalgie in Russland beobachtet

Interessante Sowjet-Nostalgie in Russland beobachtet
Begleittext zur Videoinformation
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Das russische „Levada-Zentrum“ hat eine Umfrage gestartet und eine interessante Tendenz zur Sowjet-Nostalgie bemerkt. Rund 60 Prozent der Russen glauben, dass die Sowjetmacht sich ständig um die Verbesserung der Lebensbedingungen des einfachen Volkes gekümmert habe.

Die prinzipielle Aussage ist natürlich richtig – natürlich hat man sich in der Sowjetunion um die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen des Volkes gekümmert, aber wer real in dieser Zeit gelebt hat, weiß natürlich, dass diese Lebensbedingungen doch auf recht einfachem Niveau basierten. Die Lebensmittelläden waren leer, nach Butter wurde Schlange gestanden, Wurst gab es zwei Sorten und Kaffee musste man selber rösten, wenn man denn Ahnung vom Rösten im Backofen hatte.

Somit war es für die damaligen Verantwortlichen recht einfach, an der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen zu arbeiten, denn wenn dann mal temporär eine neue Wurstsorte, z.B. eine geräucherte Wurst auftauchte, war dies eben eine Verbesserung der Lebensbedingungen.

Natürlich hungerte niemand in der Sowjetunion, natürlich waren die Tische auch immer reichlich gedeckt – eben mit den Dingen, die in anderen Teilen der Welt Normalität waren, aber in der Sowjetunion für teures Geld erworben werden musste. Und die Menschen waren auch damals glücklich – glücklich in der Einfachheit des Lebens.

Der Vorteil der damaligen Zeit besteht darin, dass diejenigen, die die Sowjetunion in der damaligen Zeit erlebt haben, umso mehr einschätzen können, was heute im modernen Russland erreicht wurde – einem Land, welches in keiner Einzelheit mehr mit der damaligen Sowjetunion zu vergleichen ist – was die Frage des täglichen Lebens anbelangt.

Woher also die Meinung von rund 60 Prozent der Befragten in Russland kommt, dass die damalige sowjetische Zeit irgendwie besser war, ist etwas schwer nachvollziehbar und vielleicht für Deutsche nur zu erklären mit den in Deutschland ab und zu auftauchenden Schwärmereien für den deutschen Kaiser und die damaligen Zeiten – die real schon niemand mehr erlebt hat.

Ein weiterer Teil der Befragung betrifft zwischennationale Verhältnisse. Hier meinten 46 Prozent der Befragten, dass dies ein großer Verdienst der Sowjetmacht war, dass es keinerlei nationale Konflikte innerhalb des Landes gegeben habe.

43 Prozent lobten die gute wirtschaftliche Entwicklung der Sowjetunion und das völlige Fehlen von Arbeitslosigkeit.

31 Prozent der Befragten lobten die Errungenschaften der Sowjetunion im Bereich der Kultur- und Wissenschaft und glauben, dass das Land damals eine führende Position in der Welt eingenommen hatte.

24 Prozent meinten, dass sie das Leben in der Sowjetunion mit den Begriffen „Defizit“ und „Schlange stehen“ assoziieren.

17 Prozent meinten, das Land habe in einer weltweiten Isolation gelebt. Man konnte nicht reisen, wohin man wollte.

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