Berufsausbildungssystem in Russland

Berufsausbildungssystem in Russland

Monatlich organisiert die Vertretung der Hamburger Handelskammer in Kaliningrad, unter Leitung von Dr. Stephan Stein, den Deutschen Wirtschaftskreis in Kaliningrad. Gäste des Wirtschaftskreises informieren zu ausgewählten Themen. Das Treffen im Februar hatte sich die duale Berufsausbildung als Informationsthema ausgewählt.

Ein etwas schwieriges Thema in Russland, denn es existiert nicht. Deshalb hatte Dr. Stephan Stein den deutschen Unternehmer Uwe Stieblich, aktiv tätig in Mecklenburg-Vorpommern und seit einigen Jahren mit seiner Baufirma in Kaliningrad ansässig, um Unterstützung gebeten.

Und so konnten 23 Gäste des Deutschen Wirtschaftskreises in Kaliningrad den Darlegungen von Peter Müller und Karin Schiffer vom „Bützower Berufsbildungsverein e.V. Steinhagen“ im Verlaufe von 90 Minuten mit lebhafter anschließender Diskussion folgen (www.berufsbildungsverein.de).

Foto: Mitte Peter Müller, links Karin Schiffer

Der Verein hat sich die Aufgabe gestellt, jungen Menschen eine Ausbildung anzubieten und daraus resultierend dem Handwerk sowie der Wirtschaft gute Handwerksgesellen in die Betriebe zu vermitteln.

In den zurückliegenden Jahren hat sich der Bützower Berufsbildungsverein e.V. auch in der internationalen Ausbildung einen guten Ruf erworben. Mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung, der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern und Privatinitiativen konnten jungen Menschen aus Bosnien, Estland, Amerika, Ghana, Frankreich und Afghanistan  eine Berufsausbildung in Steinhagen ermöglicht werden.

Das Ausbildungszentrum verfügt hierfür über die notwendige Infrastruktur für die Ausbildung, Unterbringung und Betreuung der jungen Menschen.

Nun besteht der Gedanke, auch jungen Menschen aus Russland eine Ausbildungsperspektive in Deutschland zu bieten. Überlegungen bestehen, ungefähr 30 jungen Russen aus Kaliningrad eine ein- bis zweijährige Ausbildung im Bützower Bildungsverein in den Berufen

  • Metallbauer-Schweißer
  • Kraftfahrzeugservicemechaniker
  • Gas-, Wasser-, Sanitärinstallateur
  • Land und Baumaschinentechniker
  • Maurer, Betonfacharbeiter
  • Klempner, Dachdecker
  • Tischler, Zimmerer
  • Trockenbauer – Maler, Lackierer
  • Schweißerausbildung nach Euro-Norm

zu ermöglichen.

Die Ausbildung selber kann nicht unbedingt preiswert genannt werden. Rund 35.000 Euro pro Person und Jahr sollen sich die deutsche und russische Seite teilen. Während von deutscher Seite die finanzielle Unterstützung durch Bund und Land im Wesentlichen organisiert ist, so ist dies von russischer Seite unklar. Hierzu benötigt man Ansprechpartner, sowohl regional wie auch auf föderaler Ebene, denn diese deutsche Initiative könnte, wenn sie denn erfolgreich ist, Verbreitung in ganz Russland finden und hier zur Wiedergeburt einer echten dualen Berufsausbildung führen. Genau diesen Gedanken brachte auch der anwesende Vertreter von BMW und der Generaldirektor des Hotel „Radisson-Blue“ in Kaliningrad zum Ausdruck. Sie waren Befürworter einer Berufsausbildung nach deutschem Muster vor Ort, d.h. in Russland. Und sowohl BMW wie auch Radisson haben bereits praktische Schritte eingeleitet – im eigenen Interesse.

Mit der Organisation dieser Generationen-Aufgabe, der Organisation des dualen Berufsausbildungssystems in Russland, ist natürlich der Bützower Berufsbildungsverein e.V. überfordert und es steht zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Aufgabe einen Ansprechpartner in der Kaliningrader Gebietsregierung zu finden und rechtlich bindende Vereinbarungen zu treffen, welche auch unabhängig von möglichen personellen oder politischen Veränderungen im Gebiet in den nächsten zwei Jahren Bestand haben. Von hier aus kann dann die Initiative in das föderale Zentrum nach Moskau getragen werden und mit ein wenig Glück könnten dann zum 1. September 2015 die erste Gruppe junger Kaliningrader nach Deutschland reisen.

Dr. Stephan Stein schaute optimistisch auf die Aufgabe 30 Kaliningrader zu finden, die eine Ausbildung in Deutschland absolvieren wollen. Seinerseits liegen hierzu bereits Erfahrungen vor, denn die Hamburger Handelskammer war in den letzten zwanzig Jahren auf diesem Gebiet aktiv und erfolgreich.


Foto: Dr. Stephan Stein

Wesentlich schwieriger wird es die notwendigen Kaliningrader Firmen und Arbeitgeber zu finden, die bereit sind in ihre personelle Zukunft Zeit und Geld zu investieren. Sicher kommen hier keine kleineren Unternehmen in Frage, denn es wird natürlich erwartet, dass die Firmen auch einen gewissen finanziellen Beitrag an der Ausbildung leisten und dies kann nicht jeder, schon gar kein kleines Familien-Einzelunternehmen.

Die kleine deutsche Initiativgruppe, bestehend aus

  • dem Bützower Berufsbildungsverein e.V.,
  • dem deutschen Unternehmer Uwe Stieblich,
  • dem Vertreter der Hamburger Handelskammer Dr. Stephan Stein,
  • dem Geschäftsführer der Informationsagentur „Kaliningrad-Domizil“ Uwe Niemeier

suchen nun:

  1. Ansprechpartner in der Kaliningrader Gebietsregierung für eine langfristige Zusammenarbeit,
  2. Kaliningrader Firmen die bereit sind in Kaliningrad das deutsche Ausbildungsmodell zu unterstützen.

Uwe Niemeier

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