Das vergessene Fest im Oktober in Kaliningrad

Das vergessene Fest im Oktober in Kaliningrad

 

Traditionell findet seit 2013 jedes Jahr Ende September das Oktoberfest statt. Gestartet wurde das Fest zu Friedenszeiten, hat vier „Nicht Friedensjahre“ überlebt und findet in diesem Jahr nicht statt. Ist es vergessen worden?

      ► Fotoeinstellung

Die Hamburger Handelskammer hat seit 1994 eine ständige Vertretung im Kaliningrader Gebiet und diese ständige Vertretung hat seit diesem Zeitpunkt nur zwei Leiter gehabt – eine wirklich gute Personalpolitik, denn gerade in diesem Bereich ist es von Vorteil, wenn ein Leiter so lange wie nur möglich seine Arbeit versehen und seine Kenntnisse der Lage vor Ort, seine Beziehungen, stabil im Interesse deutscher Unternehmer einsetzen kann.

      ► Fotoeinstellung

Dr. Stephan Stein ist seit 1996 Leiter der Vertretung der Hamburger Handelskammer in Kaliningrad. Unter anderem hatte er den Deutschen Wirtschaftskreis in Kaliningrad gegründet, der viele Jahre im ehemaligen Deutsch-Russischen-Haus stattfand, dann in das Office der Handelskammer in Kaliningrad verlegt wurde und im Jahre 2015, wegen mangelndem Interesses, aufhörte zu bestehen.

      ► Videoeinspielung

Auch die Handelskammer selber – obwohl nach außen nicht sichtbar – existiert nur noch ehrenamtlich. Vermutlich gibt es noch ein wenig Aufwandsentschädigung für die Pacht der Officeräume und vielleicht auch noch für ein Paket Kaffee oder Tee für Gäste der Vertretung.

      ► Fotoeinstellung

Und im Jahre 2013 fand erstmals das Oktoberfest in Kaliningrad statt. Es war sehr gut besucht, ein Kulturprogramm wurde organisiert und das Speisen- und Getränkeangebot war mehr als reichhaltig. Keiner der Gäste hungerte oder durstete.

      ► Videoeinspielung

Natürlich zeigten auch die politischen Ereignisse ab 2014 Wirkung auf das Oktoberfest in Kaliningrad. Die Gäste wurden weniger, Deutsche waren in sehr übersichtlicher Anzahl vorhanden, aber an der eigentlichen Organisation und dem Aufwand änderte sich nichts. Das Oktoberfest blieb eine Veranstaltung, auf der sich Deutsche und Russen, Unternehmer, Investoren, gesellschaftlich Interessierte, einmal im Jahr treffen konnten, um Bekanntschaften zu knüpfen, zu erneuern, zu pflegen, Gedanken, Meinungen, Ideen auszutauschen.

Das ist nun vorbei. Es gibt kein Oktoberfest mehr. Woran liegt es?

Nun, die Phantasie eines deutschen Bloggers im russischen Kaliningrad ist natürlich immer groß und dann führt man hier Gespräche, da Gespräche, schreibt ein paar emails und kommt zu mehr oder weniger interessanten Erkenntnissen.

      ► Fotoeinstellung

Um allen Vermutungen vorzubeugen: Das Oktoberfest wurde nicht von Frau Merkel oder dem deutschen Wirtschafts- oder Außenminister verboten. Es findet nicht statt, weil einfach kein Geld dafür da ist – habe ich gehört. Und nachdem ich das gehört hatte, erinnerte ich mich, dass immer zu Beginn der Veranstaltung, durch Dr. Stephan Stein die Sponsoren genannt worden sind und das waren alles russische Firmen. Und die geben kein Geld mehr für das Oktoberfest? Ist denn das russische Kaliningrader Unternehmertum nicht mehr an Kontakten zu Deutschland interessiert? Nun, aktuelle Umfragen unter den Kaliningradern haben ergeben, dass noch vor 16 Jahren 60 Prozent aller Kaliningrader meinten, das Deutschland der wichtigste Partner für Kaliningrad ist und man ein gutes Verhältnis mit Deutschland brauche. Heute meinen dies nur noch neun Prozent.

      ► Videoeinstellung

Aber dann erzählte man mir, dass nicht die Russen kein Geld geben. Die sind wohl weiterhin bereit. Auch die Hamburger Handelskammer, also die Muttergesellschaft in der reichen Hansestadt Hamburg, hat in der Vergangenheit Geld für das Wirtschaftsfest gegeben. Jetzt aber ist kein Geld mehr vorhanden, die Handelskammer hat sich entschlossen zu sparen, um seine Mitglieder finanziell zu entlasten.

Da beginnt dann wieder die Blogger-Phantasie zu blühen.

Geht es den Hamburger Unternehmern so schlecht, dass sie ihre eigene Handelskammer nicht mehr finanzieren können, so dass die Handelskammer sich zum Sparen entschließt?

Und Russland soll doch ein Markt der Zukunft sein. Und die Hamburger Unternehmer haben kein Interesse, in den Zukunftsmarkt Russland zu investieren – zumindest aber ein kleines Fest anteilig zu sponsoren? Man hat noch nicht mal ein paar hundert Euro, na gut, vielleicht sind es ja zwei, drei, viertausend Euro, um die einzige Veranstaltung zu unterstützen, die die Hamburger Handelskammer in Kaliningrad noch durchführt? Und das Geld ist nicht da? Oder ist einfach der Wille nicht da, sich weiter in Kaliningrad zu engagieren – noch nicht mal mit einem kleinen Wirtschaftsfest?

      ► Videoeinspielung

Tja, dann bleibt für einen Blogger in Kaliningrad nur noch zu phantasieren, wie lange die ehrenamtliche Vertretung der Hamburger Handelskammer in Kaliningrad noch anwesend sein wird – denn es wird ja wohl niemand erwarten, dass Herr Dr. Stein den Unterhalt privat finanziert oder die Russen der finanzklammen Hamburger Handelskammer unter die Arme greifen.

Bis wir darauf eine Antwort erhalten, bleibt nur noch den russischen Premierminister Dmitri Medwedjew zu zitieren:

„Geld haben wir keins, aber haltet durch!“

      ► Videoeinspielung

 

Reklame

Kommentare ( 0 )

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung