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Diplomaten senden nicht nur Signale. Diplomaten sind Signal. von Fritsch verlässt Russland

Do, 06 Jun 2019 Deutsche und Deutsches


Diplomaten senden nicht nur Signale. Diplomaten sind Signal. von Fritsch verlässt Russland
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Die Moskauer Deutsche Zeitung informiert, dass der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Freiherr von Fritsch seinen Dienst in Moskau beendet. Damit endet ein fünfjähriger Aufenthalt im größten Land der Erde für einen Mann, der sich als Freund Russlands und der russischen Kultur bezeichnet.

Der Einsatz von führenden Diplomaten ist – zumindest so meine Beobachtung – immer wohl überlegt. Immerhin sollen Diplomaten im Einsatzland die Interessen des Entsendelandes transportieren und vertreten. Und je nachdem, wie die Interessen des Landes gelagert sind, wird der entsprechend qualifizierte Beamte oder die Beamtin ausgewählt und entsandt.

Im März 2014 wurde der deutsche Beamte, ehemaliger stellvertretender Informationsbeschaffer der Bundesrepublik Deutschland und selbstbekennender Passfälscher ohne bundesdeutsche Vorstrafe, Freiherr von Fritsch nach Russland entsandt. Die Entsendung erfolgte also zu einem Zeitpunkt, wo die „Deutsch-Russische-Krise“ sich im rasanten Tempo entwickelte. Da es in den letzten fünf Jahren zu keinerlei Verbesserung der Beziehung gekommen ist, sondern eher zu einer permanenten Verschlechterung, dessen negative Entwicklung wohl noch nicht den Höhepunkt erreicht hat – wenn man Äußerungen bundesdeutscher Politiker Glauben schenkt – kann man also davon ausgehen, dass der Botschafter wohl nicht die Aufgabe erhalten hat, sich um die Verbesserung des Verhältnisses zu kümmern. Und wenn er doch einen derartigen Auftrag erhalten haben sollte – so hat er diesen nicht erfüllt.

Die Moskauer Deutsche Zeitung formuliert:

„Die diplomatische Karriere des geborenen Freiherrn ist so makellos wie sein familiärer Stammbaum.“

Logisch also, dass der Freiherr die Weisungen aus Berlin punktgenau und initiativreich umgesetzt hat.

Kurze Zeit nach dem Eintreffen des deutschen Chefdiplomaten kam es dann auch zu einem ersten Eklat in Kaliningrad, als am 28. August 2014 der Vizekonsul für Kultur Daniel Lissner mit einer undiplomatischen antirussischen Hetzrede im Deutsch-Russischen Haus auftrat.

Im Verlaufe seiner Amtszeit war der Botschafter zweimal, vielleicht dreimal im Kaliningrader Gebiet – um die hochschlagenden Wogen, rings um deutsche Aktivitäten, zu glätten. Wie den Kaliningrader Medien zu entnehmen war, hatte er wohl nicht die richtigen Ansprechpartner in Kaliningrad gefunden, denn die hier entstandenen Probleme waren auf föderalem Niveau zu klären.

Der scheidende Botschafter von Fritsch informierte über seine Sympathien für Russland und kommentierte.

„Und diese Einstellung bleibt unverändert, egal, welche politischen Zeiten gerade herrschen“.

So, wie es der Herr Botschafter formuliert, kommt man zu der Überlegung, ob denn Veränderungen in der deutschen Russland-Politik bevorstehen. Das werden wir spätestens wissen, wenn der Name des neuen Botschafters und sein Lebenslauf bekannt wird, denn Diplomaten mit ihrem Lebenslauf sind ein Signal.

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   Kommentare ( 4 )

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 7. Juni 2019 19:52:01

Um die "diplomatische" Rolle des Freiherrn richtig einschätzen zu können muß man etwas in die Historie gehen. Der jetzige BND ist aus einem Wehrmachtsaufklärungsdienst unter dem General Gehlen entstanden, der sich 1945 mit seiner Organisation dem US-GD andiente und unter dessen Führung zur Organisation Gehlen mit Sitz in Pullach wurde. Mit der "Gründung" der BRD wurde später auch diese Organisation umbenannt in BND. Der ist aber auch heute noch unter ständiger Kontrolle und Anleitung der US-GD, was mit dem Spionageskandal, u.a. Merkel, vor ein paar Jahren bekannt wurde.
Hauptaufklärungsgebiete des BND waren die DDR und europäische Warschauer Vertragsstaaten. Da war es doch wohl logisch, daß man in das erstarkende Rußland als "Diplomat" einen Geheimdienstmann schickt, der die Führung der Spionage in seinem Gastland wohl selbst in der Hand hatte. Das ist auch nichts Neues, denn auch in den USA wurden Ex-CIA-Direktoren Präsidenten oder Außenminister. Auch in der BRD (Kinkel).

Frank Werner Veröffentlicht: 8. Juni 2019 21:06:23

Wikipedia sagt: Ein Diplomat ist ein Regierungsbeauftragter, der seinen Staat auf Regierungsebene gegenüber ausländischen Staaten oder internationalen Organisationen völkerrechtlich vertritt.

D.h. ein Diplomat setzt Anweisungen um bzw. hat die Meinung seiner Regierung umzusetzen und nicht eigene Politik zu machen.

@Radeberger
Davon abgesehen, dass er nur Vizepräsident des BND war, sind das, wie in den USA und anderen demokratischen Staaten auch, "nur" zivile Vorgesetzenfunktionen - genauso wie die Verteidigungsminister zivil sind und nicht aus der Truppe kommen. Das ist nicht vergleichbar mit Russland, wo die diversen Chefs in der Organisation gezüchtet werden.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 8. Juni 2019 21:16:57

... trotz Ihres Zitates aus Wikipedia, möchte ich an meiner Auffassung nichts ändern. Ein Staat würde niemals einen, dem Land freundlich gesinnten Mann/Frau entsenden, wenn es an einer Verschlechterung der Beziehungen interessiert ist und umgekehrt.

Und verstehe ich Ihren zweiten Absatz richtig: Es gibt gute CIA-Präsidenten und schlechte KGB-Präsidenten?

Frank Werner Veröffentlicht: 9. Juni 2019 07:17:10

@UEN
Ich will damit nur sagen, dass die Werdegänge nicht vergleichbar sind. Hat erstmal nichts mit gut oder schlecht zu tun, aber von Fritsch und andere sind eben Externe.

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 9. Juni 2019 18:57:39

Frank Werner
Veröffentlicht: 8. Juni 2019 21:06:23

Irgendwie sind Sie da wohl nicht so ganz richtig informiert oder wollen es nicht sein. Ihr bestes Beispiel eines nun ja eingeschränkt demokratischen Landes sind doch die USA. Wer war denn in den letzten 10 Jahren alles so chef der CIA? Waren das alles "Zivilisten" oder waren das z.T. hoch dekorierte Generäle der US Army? Wie war das doch gleich mit Trump´s Kriegsminister? Ich wußte nicht, daß diese Leute als Zivilisten Vier-Sterne-Generale so zeitweise und dann mal wieder nicht sein können.
Meinen Sie wirklich, daß die Entsendung eines "stellvertretenden" Chefs des BND als Chefdiplomat nach Moskau nur ein Zufall ist? Gauben Sie es mir, daß war mehrfach durchdachte Berechnung von US-/BRD-Seite. Gehen Sie davon aus, die Katze läßt das Mausen nicht. Dafür, daß die Nato zu wenig über Rußlands Wirtschaft, Rüstung und Politik, über eine gewünschte und wenn vorhanden geförderte Opposition wußte, dafür mußte der Freiherr nach Moskau.

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