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Ein Gespräch am kristallenen Strand des Pregel in Königsberg

Di, 28 Mai 2019 Deutsche und Deutsches


Ein Gespräch am kristallenen Strand des Pregel in Königsberg
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Am frühen Morgen des 27. Mai befand ich mich im Kaliningrader Hotel „River Site“ – einem gemütlichen Hotel, direkt gelegen am Ufer des Pregel. Das Personal bediente mich freundlich zum wirklich guten Frühstück. Und dann kam es zu einer ungeplanten, aber erhofften Begegnung.

Durch zwei Deutsche, Godwin Bachmann und Thomas Tischer, wird seit einigen Jahren das Projekt „Arche“ im Kaliningrader Gebiet entwickelt. Ich persönlich stehe diesem Projekt sehr kritisch gegenüber. Begründet ist diese kritische Einstellung durch die persönlichen Eindrücke aus der Biographie beider Herren und aus der Befürchtung, dass unzufriedene Deutsche, also Deutsche, die in Deutschland unzufrieden sind, bei einer massenhaften Ansiedlung, so wie es die beiden genannten Herren planen, auch in Kaliningrad unzufrieden werden. Und Kaliningrad braucht keine unzufriedenen Deutschen im Ex-Ostpreußen – so meine komprimierte Meinung.

Und wie ich an die Mitglieder der Reisegruppe meine Hinweiszettel übergab, mit denen ich meine kostenlosen Informationen zu einem Leben in Kaliningrad anbot, kam es zu einem Treffen mit Herrn Godwin Bachmann – wenn auch nicht zu einem vollwertigen Interview. Es war ein Gespräch am kristallenen Strand des Pregel, bei nicht sonnigem Wetter.

Das Gespräch dauerte rund 22 Minuten und ich habe versucht, nach meiner Rückkehr ins Office, die wesentlichsten Momente aus dem Gedächtnis zu rekonstruieren. Hier nun mein Gedächtnisprotokoll.

Uwe Niemeier (UN): Guten Morgen Herr Bachmann. Wie geht es Ihnen?

… wie soll es mir denn gehen?

UN: Na, ich wollte nur höflich sein.

Godwin Bachmann (GB): … wissen Sie Herr Niemeier, wir hatten schon mal miteinander gesprochen… aber Sie wollten damals nicht. Und jetzt wollen Sie alles nur so darstellen, wie Sie es sehen.

UN: Ich wollte von Ihnen ein Interview. Sie haben es abgelehnt.

GB: … weil Sie nicht bereit sind darauf einzugehen, was ich sage.

UN: Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Sie können die Dinge, so wie Sie sie sehen aufschreiben. Und genau so werde ich es, ohne Korrekturen, veröffentlichen.

GB: … ich mache Ihnen einen anderen Vorschlag. Sie berichtigen mal diesen ganzen Germanisierungsquatsch … ich habe das mehrmals gesagt, dass das alles Schwachsinn ist. Denn das ist das genaue Gegenteil von dem, was ich eigentlich machen will. Das wäre dann mal ein erster Schritt zu zeigen, dass Sie wirklich das machen wollen, was Sie mir jetzt hier vorgeschlagen haben.

UN: Sie wissen aber schon, dass diese Ihre Forderung einfach nicht erfüllbar ist. Sie können doch diesen ganzen Quatsch, den ich da veröffentlicht habe, wenn Sie Zeit und Lust haben, analysieren und dann eine Gegendarstellung verfassen. Ich werde dies dann veröffentlichen.

GB: … wissen Sie, Sie führen hier einen journalistischen Kleinkrieg. Daran habe ich kein Interesse. Und wenn Sie nicht mal bereit sind das zu glauben, wenn ich sage, dass wir mit der ganzen Germanisierung nichts zu tun haben … ganz im Gegenteil, ich wäre der Erste, der … wenn einer kommt und fordert, dass dieses Gebiet Bestandteil der Bundesrepublik oder sonst irgendeines anderen Konstruktes werden soll … der sich dagegen wehren würde. Warum wollen Sie das nicht glauben? Weil es nicht in Ihr Bild passt? Weil Sie Dinge vermischen wollen … Wissen Sie, wenn ich so sehe was Sie veröffentlichen und Dinge miteinander vermischen, die nichts miteinander zu tun haben … so ist das für mich übelste Propaganda auf dem Niveau eines Joseph Goebbels. Das hat mit einer ehrlichen und sachlichen Berichterstattung nichts zu tun.

GB: … Sie mixen Kommentare so zusammen, dass bei einem Leser, der keine Ahnung von der Sache hat, der Eindruck entstehen muss …

UN: Na, warum wollen Sie denn nicht Ihre Sicht der Dinge darstellen, die ich dann veröffentliche?

GB: … ich kann da ein Beispiel nennen, wo Sie auf die Sudetendeutschen zu sprechen kommen. Was hat das mit unserer Sache zu tun? Das ist platte Goebbelsche Propaganda, Herr Niemeier.

UN: Ich brauche Ihnen doch nicht die Geschichte zu erläutern. Sie kennen sich selber bestens in der deutschen Geschichte aus und wissen, wozu die Sudentendeutschen gebraucht worden sind. Sie wollen hier in großer Anzahl Deutsche ansiedeln, unzufriedene Deutsche …

GB: … was hat das denn jetzt mit der Politik „Heim ins Reich“ zu tun?

UN: Das kann ich Ihnen gegenwärtig noch nicht sagen. Das unterstelle ich jetzt ganz einfach …

GB: … Sie sind nur bereit, uns etwas zu unterstellen … mit Ihrer Propagandamasche wollen Sie etwas ganz bestimmtes erreichen … das unterstelle ich Ihnen jetzt, so wie Sie uns etwas unterstellen. Und mir zeigt das Ganze, dass ich sagen kann was ich will und Sie werden es so nutzen, wie Sie es brauchen. Und das hat mit sachlichem Journalismus nichts zu tun. Das ist, ich sage es nochmal, die reinste Goebbelsche Propagandamaschine. Und auf diesem Niveau bin ich nicht bereit, mit Ihnen über irgendetwas zu reden. Sie müssen uns nicht in einem Rosalicht darstellen, aber auch nicht in eine Ecke drängen, die mit uns nichts zu tun hat.

UN: Können Sie mir sagen, warum Sie verbreiten, dass Sie von der Kaliningrader Gebietsregierung unterstützt werden, obwohl es eindeutige Aussagen des Regierungssprechers gibt, der dem widerspricht? Und man hat Sie aufgefordert, bei öffentlichen Äußerungen die aktuellen russischen Ortsbezeichnungen zu verwenden.

GB: … ich habe mit mehreren namhaften Personen aus der Kaliningrader Gebietsregierung gesprochen. Es gibt Fotos, Zeugen. Es gab entsprechende Reaktionen dieser Personen. Ja, es gibt keine schriftlichen Vereinbarungen, so weit sind wir noch nicht.

UN: Noch eine technische Frage. Die Grundstücke, die Sie nutzen wollen, befinden sich alle in der Kategorie „Landwirtschaftliche Nutzfläche“, d.h. es darf nichts darauf gebaut werden. Um das Problem zu lösen braucht man sehr viel Zeit und noch mehr Geld.

GB: … das mag alles sein. Sie können sicher sein, dass wir uns darüber Gedanken gemacht haben.

UN: Und warum haben alle Ihre russischen Partner Sie hier in Kaliningrad verlassen?

GB: … also Moment. Uns hat niemand verlassen. Ich weiß, auf wen Sie abzielen, das ist Herr Lau, Herr Mazut und den Dritten … weiß nicht, wen Sie da meinen … Die haben uns nicht verlassen, sondern wir haben uns von denen getrennt, weil die mehrere Verfehlungen in der Zusammenarbeit mit uns zugelassen haben…

UN: Das sehen die Herren aber anders …

GB: … das liegt in der Natur der Sache, dass diese Leute niemals zugeben, dass sie Fehler begangen haben. Niemand würde zugeben, ein Betrüger zu sein. Aber ich will dies nicht weiter kommentieren. Der Anstand gebietet es, solche Dinge nicht in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Unsere Meinungsverschiedenheiten mit den genannten Personen stehen in keinem Zusammenhang mit dem geplanten Siedlungsbau. Und dieser Siedlungsbau verfolgt noch nicht mal ansatzweise politische Ziele. Mir geht es darum, dass wir ein anderes Lebensumfeld suchen, um eine neue Existenz aufbauen zu können. Und wir wollen diese neue Existenz gemeinsam mit der russischen Bevölkerung umsetzen. Ich will hier kein Klein-Deutschland und keine Heim-ins-Reich-Geschichte – nein, ganz im Gegenteil. Ich wäre der Erste, der dagegen aufsteht.

UN: Warum fällt es Ihnen augenscheinlich so schwer, einfach die offiziellen Ortsbezeichnungen zu nutzen?

GB: … das fällt mir überhaupt nicht schwer. Und ich verwende diese Bezeichnungen auch. Ich meine, wenn wir auf Deutsch sprechen, sollten wir die deutschen Bezeichnungen nutzen, also sprechen wir von Königsberg und wenn wir auf Russisch sprechen, dann von Kaliningrad. Das Gebiet hier ist für mich Russland und nicht Deutschland. Das Gebiet hat eine deutsche Geschichte und ich kenne viele Russen, die das auch so sehen. Aber heute ist hier Russland, mit russischen Gesetzen und einer russischen Gesellschaft. Und danach müssen wir uns richten.

GB: … wir reden doch auch von Florenz und Mailand – Städte in Italien … und wenn ich diese Bezeichnung verwende, so bedeutet dies doch nicht, dass ich diese Städte „Heim ins Reich“ holen will.

UN: Naja, Moment mal. Die Übersetzung von Kaliningrad ist aber nicht Königsberg und die Übersetzung von Königsberg ist nicht Kaliningrad.

GB: … das ist klar. Aber wir müssen mal langsam diese ideologisierten Schranken beseitigen. Wenn ich Kaliningrad oder Königsberg sage, dann steht da keine politische Botschaft dahinter…

UN: Das sehen die Russen aber anders. Sie kennen doch die Befindlichkeiten! Zumindest mit einem Teil der russischen Gesellschaft werden Sie Probleme bekommen, wenn Sie sich derart äußern. Wenn Sie äußern, dass Sie eine deutsche Siedlung in der Nähe von Königsberg gebaut haben, wird die russische Gesellschaft – zumindest ein Teil, mobil werden.

GB: … meine Erfahrungen sind anders. Und wenn Sie mit Menschen reden, die aus keiner ideologischen Schublade kommen, werden Sie das merken, dass die mit den Bezeichnungen kein Problem haben. Ich will hier auch niemanden verletzen, ganz im Gegenteil. Wir sollten lernen, uns auf Augenhöhe zu begegnen und Realitäten akzeptieren. Und das tue ich. Und wenn ich den Begriff Königsberg verwende, wenn ich Deutsch spreche, hat es etwas damit zu tun, dass ich die deutsche Sprache benutze und es ist keinerlei politische Wertung. Die Verwendung beider Begriffe steht bei mir gleichwertig nebeneinander.

GB: … schauen Sie mal auf die Straße, wie viele Autos dort mit Königsberger Kennzeichen fahren …

UN: Vier Prozent, Herr Bachmann, vier Prozent. Ich habe selber gezählt.

GB: … das mag sein. Aber dieses Wort ist hier überall zu finden. Und ich kann hier keine Bewegung erkennen, die das bekämpfen will.

UN: Wenn ich irgendwelche Fakten berichte, dann heißt die Stadt bei mir bis 1946 Königsberg und ab 1946 Kaliningrad.

GB: … das ist Ihr gutes Recht, dass so zu handhaben. Das akzeptiere ich auch. Aber ich möchte, dass Sie auch meine Art akzeptieren.

UN: Nun, das mache ich ja. Ich kann niemandem verbieten so zu sprechen, wie er sprechen will.

GB: … die Art und Weise Ihrer Reaktion ist äußerst intolerant.

UN: Das ist meine Art. Vielleicht sehe ich das Ganze etwas verbissen. Und vielleicht meinen auch meine Zuschauer und Leser, dass ich mich an irgendwelchen Dingen einfach nur hochschaukele. Und deshalb wäre es doch aber gut, in einem Interview all die Dinge klarzustellen. Und wir können doch ausschließlich schriftlich miteinander verkehren und veröffentlicht wird nur dann, wenn Sie ihr Einverständnis mit der Endfassung geben.

GB: … das sagen Sie mir jetzt. Sie müssen aber auch akzeptieren, dass ich momentan dazu kein Vertrauen habe. Sie meinen, dass Sie vielleicht einige Sachen verbissen sehen. Bei mir kommt Ihr Verhalten als äußerst intolerant an. Sie sollten sich Gedanken machen, ob eine derartige Intoleranz zu Ihnen passt.

UN: Also, ich kann nur noch mal mein Angebot wiederholen.

GB: … Wenn Sie mir zeigen, dass Sie das ernst meinen … also Sie können das, was wir jetzt gerade gesprochen haben, veröffentlichen. Und wenn ich merke, dass Sie die Informationen, die Sie von mir bekommen, auch wirklich als meine Information wahrnehmen … dann können Sie das gerne veröffentlichen, veröffentlichen, dass Sie mit mir gesprochen haben… und das ich diese ganze Heim-ins-Reich-Geschichte, oder wie Sie das bezeichnen wollen, absolut ablehne… Ich verwahre mich gegen jede derartige Bestrebung. Das ist weder in meinem Interesse und noch nicht mal ansatzweise bei dem vorhanden, was ich hier machen will. Ich habe mich ganz bewusst entschieden, hier etwas zu tun, eben weil die Verhältnisse hier genau so sind, wie sie eben sind. Und ich möchte einen Beitrag hier in dieser Gesellschaft leisten und für die Allgemeinheit etwas Positives schaffen. Man kann alles zerreden, man kann alles negativ darstellen. Aber wenn man sachliche und ehrliche Berichterstattung machen will, dann sollte man solche Hinweise auch aufgreifen. Und man sollte die Leute erstmal machen lassen, bis bewiesen ist, dass sie irgendetwas tun und dass dies ihre Beweggründe sind. Und das fehlt mir bei Ihnen. Wenn ich in dieser Richtung auf Ihrer Seite guten Willen entdecken kann … das was ich eben schon sagte, wo mir das Vertrauen fehlt … Sie können mir ja jetzt viel erzählen … für mich sind immer die Dinge ausschlaggebend, die jemand tut und das, was Sie momentan veröffentlichen, entzieht mir einfach das Vertrauen zu Ihnen. Wenn Sie mir beweisen, dass Sie wirklich sachliche Berichterstattung wollen, dann können wir uns gerne unterhalten. Ich bin sehr oft hier und wir können uns jederzeit zusammensetzen

UN: Na dann, Guten Frühstückshunger, tschüss …

GB: … ach, wissen Sie, noch etwas. Man kann sich immer bis zur letzten Silbe streiten. Aber bitte niemals auf der menschlichen Ebene. Da geht es dann nur noch um persönliche Vernichtung. Ich kenne das, das haben wir schon vor einigen Jahrzehnten kennengelernt. Und auf diese Ebene will ich nie wieder zurück. Und mein Eindruck ist leider – und das müssen Sie so akzeptieren, dass Sie momentan in genau dieser Schiene verhaftet sind. Machen Sie sich mal Gedanken darüber.

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   Kommentare ( 1 )

Радебергер Radeberger Veröffentlicht: 28. Mai 2019 18:33:25

Germanisierungsquatsch?
Deutsches Dorf mit deutschem Namen, mit deutschem Bürgermeister, deutscher Schule, deutschen Betrieben und, und ...
Und das auf ehemals reichsdeutschen, jetzt russischem Staatsgebiet, um das es u. U. in den nächsten Jahren bezüglich der von Polen und der Sowjetunion "zeitweilig verwalteten" Ostgebiete des Deutschen Reiches Streit geben könnte in Zusammenhang mit der Ablehnung der Vereinbarungen DDR-VR Polen in den fünfziger Jahren und den jetzigen polnischen Reparationsforderungen an die BRD in Höhe von ca. 1 Billion Euro?
Entweder tut der Herr Bachmann so naiv oder er ist es, wobei ich von letzterem nicht ausgehe. Ich meine, wenn man so mal das kleine Einmaleins bemüht.

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