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Hallo, lieber Freund in Deutschland

Mi, 06 Jan 2016 Deutsche und Deutsches


Hallo, lieber Freund in Deutschland

Unsere Informationsagentur erreichte vor einigen Tagen eine Nachricht zu einer gesellschaftlichen Veranstaltung in Kaliningrad, die seit 2009 stattfindet und die Millionen Menschen auf dieser Welt als „Trefftisch Deutschsprachiger“ kennen.

Zur Wahrung des Postgeheimnisses, zur Gewährleistung des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte anonymisieren wir hier unseren Briefpartner und wollen das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Angenehm ist mir, dem Briefschreiber zu antworten, nützlich deshalb, weil ich alle daran erinnern kann, dass wir in einer Woche, also am 13. Januar die Trefftisch-Saison 2016 im „Zötler“ eröffnen.

Also, unser Briefpartner schreibt:

Hallo, liebe Freunde in Kaliningrad,

bin heute erstmalig, aber nicht das letzte Mal, auf Eurer Seite gewesen. Ich bin nur wenige Kilometer von Kaliningrad geboren (aber heute Polen) und mein Berufsleben war immer mit der Russischen Sprache verbunden. Daher mein Interesse an Euren Seiten im Internet. Nun habe ich mal in den Duden geschaut zu Eurem Trefftisch und folgende Antwort gefunden: Leider haben wir zu Ihrer Suche nach 'Trefftisch' keine Treffer gefunden, d. h. Euren Begriff gibt es nicht im Deutschen. Wir nennen so einen Treffpunkt "Stammtisch", gibt es fast in jeder Gaststätte. Überlegt mal, ob das nicht auch für Euch zutreffender wäre.
Mit herzlichen Grüßen aus Deutschland und allen guten Wünschen für das neue Jahr (Unterschrift)

 

So, dann versuchen wir zu antworten:

Hallo, lieber Freund in Deutschland,

herzlich willkommen auf unseren deutschsprachigen Seiten mit Themen über das föderale Russland und seiner geographisch westlichsten Region Kaliningrad. Wir können leider keine Informationen in russischer Sprache anbieten, da wir uns auf die nicht Russisch sprechenden Leser in Deutschland eingestellt haben. Aber das, was wir in deutscher Sprache vermitteln, haben wir manchmal von unseren russischsprachigen Medienpartnern erhalten. Da findet man dann einen Link unter dem Artikel – ein Klick genügt und man kann die Originalmeldung in russischer Sprache lesen.

Ich staune manchmal, was sich die Leute so für Mühe geben, unsere Nachrichten und Informationen weiter aufzubereiten. Sie sind da nicht der Erste. Aber Sie sind der Erste – nach meinem Wissensstand – der im Duden nachgeschaut hat, ob es überhaupt einen Trefftisch gibt. Das es, nach Ihren Aussagen, keinen Begriff „Trefftisch“ im Duden gibt zeugt also davon, dass wir etwas Neues, vielleicht sogar Einmaliges geschaffen haben. Schauen Sie doch mal, wieviel Wörter es früher nicht gegeben hat, die dann aber, weil sie einfach umgangssprachlich sehr populär geworden sind, in den Duden aufgenommen worden sind.

Ich habe aber mal gegoogelt und festgestellt, dass wir auf dem besten Wege sind:

Keine Ahnung, welcher von diesen Trefftischen zuerst da war, unserer in Kaliningrad oder die anderen. Ist auch egal, wir stellen einfach nur fest, dass wir im Trend liegen.

Im Jahre 2009 wurde dieser wöchentliche Treff durch einen Mitarbeiter des deutschen Generalkonsulats in Kaliningrad (… ja, auch so eine Einrichtung haben wir) gegründet. Er gründete den „Stammtisch“, weil es so üblich ist, dass überall auf der Welt wo Deutsche sind, auch so ein Stammtisch existiert. Er war ein weitgereister Mann und musste es wissen. Das Problem war nur, dass zu diesem Stammtisch niemand kam, obwohl er sich wirklich alle Mühe gegeben hatte. Dann reiste der Diplomat im Jahre 2012 ab und übergab diese Initiative einem deutschen Privatmann. Der hatte ein paar andere, trendigere Vorstellungen und meinte, dass sich kein „Stamm“ treffen soll (den es in Kaliningrad auch nicht gibt), sondern dass sich alle die treffen sollen (oder können), die wollen und die ein paar Stunden bei einem gemütlichen Glas Mineralwasser und einer kalorienfreien Haxe Deutsch sprechen wollen. Es sollten sich alle treffen die Lust und Zeit hatten, also auch Russen, Chinesen, Schweizer und Türken – gesprochen wird in den 3-4 Stunden aber Deutsch. Und was soll ich Ihnen sagen – stammen wollte niemand, treffen wollten sich viele. Und da wir uns an einem Tisch treffen, ist es klar, dass es sich um einen Trefftisch handelt.

Haben Sie schon mal den Begriff „Trefftisch“ nicht im Duden sondern bei Google eingegeben?

Die ersten acht Einträge sind unser Trefftisch in Kaliningrad, denn kommt ein „Konkurrent“ und der neunte und zehnte Eintrag sind wir schon wieder. Und jetzt stellen Sie sich mal vor, wir benennen uns in „Stammtisch“ um. Schauen Sie mal was Google dazu sagt. Auf den ersten zehn Millionen Seiten sind wir mit einem Eintrag nicht vertreten. Sie können also nicht ernsthaft von uns erwarten, dass wir unsere Exklusivposition in dieser Welt des Internets aufgeben – oder?

Also, lieber Freund aus Deutschland, lassen Sie uns weiter treffen an einem Tisch in Kaliningrad, jeden Mittwoch, ab 19.00 Uhr im Zentrum Kaliningrads, beim „Zötler“ am Trefftisch und ein paar Stunden Deutsch schwatzen. Einladen tue ich Sie nicht, denn Sie und alle anderen Interessierten können immer ohne Einladung kommen, denn wir sind kein Stammtisch für ein Stammpublikum, sondern offen für alle.

Uwe Niemeier

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Trefftisch

   Kommentare ( 4 )

kgd .ru Veröffentlicht: 6. Januar 2016 00:41:42

[...keine Informationen in russischer Sprache anbieten, da wir uns auf die nicht Russisch sprechenden Leser in Deutschland eingestellt haben]

Freut mich, trotzdem ein "Mitleser" aus einen Drittstaat zu sein, weil sie ja ganz auf Deutschland eingestellt sind. Solange ich die Kaliningrad-Infos nützlich finde und diese weiter in meiner Muttersprache publiziert werden, ist mir ihr exklusives Festhalten auf Deutschland eigentlich egal, wenn auch (unbeabsichtigte) Ausgrenzung so unnötig wie ein bayerischer Kropf ist und verschieden ausgelegt werden könnte.

Bei "Stammtisch/Trefftisch" sagt einem normal der Hausverstand, was das ist. Weshalb dafür ein Duden notwendig ist? Manche brauchen ja auch um in die Irre zu gehen ein Hinweisschild.
Treff ist jedoch ein bekannter Begriff. Das verstehen selbst gebürtige Schweizer und Österreicher.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 6. Januar 2016 06:11:34

... ja, Sie haben Recht. Die Einschränkung auf Deutschland ist natürlich nicht richtig. Wir haben uns auf all diejenigen eingestellt die Nachrichten aus Russland in deutscher Sprache lesen wollen, egal wo sie herkommen und welche Nationalität sie haben.

.g Radeberger Veröffentlicht: 6. Januar 2016 02:35:39

Ich sag´s doch, er hat den Humor mit ins Neue Jahr genommen. Wäre auch schlimm gewesen, wenn nicht.

Uwe Erich Niemeier Veröffentlicht: 6. Januar 2016 06:04:45

... es ist aber nicht immer einfach ... mit dem Humor.

A. Bienenfreund Veröffentlicht: 6. Januar 2016 11:55:54

Probleme gibst.. ;-)

Otto Russfreund Paul Veröffentlicht: 6. Januar 2016 14:07:44

Dem Schreiber sollte man dankbar für seine Fragestellung sein, schließlich erwirkte er damit einen thematisierten Artikel.
Ich hoffe nur, daß er sich ebenso und noch viel kritischer mit der eigentlichen Verschandlung/Zerstörung der deutschen Sprache auseinandersetzt.

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