Hüte dich vor Sturm und Wind und vor deutschen Journalisten, die in Ostpreußen sind.

Hüte dich vor Sturm und Wind und vor deutschen Journalisten, die in Ostpreußen sind.
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Ich stelle mir vor, dass Kaliningrader Deutsch verstehen, lesen und schreiben können. Dann könnten sie auch die deutsche Zeitung „Welt“ lesen, wo ein Deutscher, Leitender Feuilletonredakteur, mit dem deutschen Namen Krause, den deutschen Lesern berichtet, dass Ostpreußen verloren ist. Ob danach noch Sympathien für Deutschland, die Deutschen und Krause bei den Kaliningrader übrigbleiben?

Nach dem Lesen des Artikels kam ich zu der Überzeugung, dass Herr Krause wohl weniger „Leitender“ als doch mehr „Leidender“ Feuilletonredakteur der Welt ist, denn die Reise war für ihn eine einzige Deprimierung. Nach seiner Rückkehr verfasste er einen Artikel, der an dem zeitweilig zwangsverwalteten Gebiet Ostpreußen kein gutes Haar ließ.

Wir wissen alle, dass Kaliningrad keine perfekte Stadt ist. Gerade das macht diese Stadt für mich persönlich so interessant. Aber das diese Stadt so unperfekt ist, ist auch für mich eine Überraschung. Da bleibt dann die Erkenntnis, dass wir alle noch ein wenig die Ärmel hochkrempeln müssen, um das Gebiet, welches den Sowjets 1945 nicht ganz freiwillig überlassen wurde, in eine blühende Landschaft zu verwandeln.

Der „Welt-gewandte“ leidende Herr Krause hat es geschafft, mit einem einzigen Artikel alle meine vorgefassten Meinungen über meine deutschen Landsleute zu bestätigen: Sie sind arrogant, überheblich, Ignorant und lieben es anderen mitzuteilen, dass am deutschen Wesen die „Welt“ genesen soll. Gut, dass ich mich schon vor Jahren entschlossen habe, deutschen Journalisten keine Interviews zu geben, denn die Praxis zeigt:

„Hüte dich vor Sturm und Wind und vor deutschen Journalisten, die in Russland sind.“

Nicht nur, dass Herr Krause an Ex-Ostpreußen kein gutes Haar lässt – nein, er macht sich auch über seine deutschen Reisegefährten lustig, die im Unterschied zu ihm, sich für die Geschichte interessierten und alles, was ihnen an ostpreußischem und Königsbergischem dargeboten wurde, begierig aufsaugten. Das seine Reisegefährten deutsche Gullydeckel und Eisenbahnschienen fotografieren, ist ein Anlass, über sie hochnäsig herzuziehen:

„Und tatsächlich legen sich zehn Minuten später erwachsene Menschen auf die Erde, um ungeachtet ihrer bisweilen beträchtlichen Korpulenz den Kruppstempel, der übrigens aus dem Jahr des Unheils 1943 stammt, zu suchen sowie, versteht sich, auch zu fotografieren, als er schließlich gefunden wird.“

Oder:

„Überhaupt diese ewige Fotografiererei! Je weniger es zu sehen gibt, desto mehr wird abgelichtet. Der Drang, wenigstens irgendetwas Festhaltenswertes mit nach Hause zu nehmen, scheint einfach unbezähmbar zu sein. Wir Deutsche mutieren langsam zu Chinesen. Fehlt nur, dass wir demnächst auch noch mit armlangen Selfiesticks in Ostpreußen durch die Lande ziehen.“

Tja, wie will man solche Menschen charakterisieren, die mit Reisegefährten in einem Bus sitzen,  abends mit diesen ein Glas Wein im Hotel trinken, vielleicht auch noch die Leute dabei aushorchen, um dann all die Erkenntnisse in arroganter, hochnäsiger Form dem restlichen Deutschland in einem Zeitungsbeitrag kundzutun. 

Deutscher Krause bemerkt während seiner Ostpreußen-Reise die „Öffentliche Verwahrlosung“, „protzige orthodoxe Kirchen“, die „Renatuierung der Natur“ und „fehlendes Stilgefühl“. Tja, was hat Herr Krause denn erwartet, von den russisch-asiatischen Horden, die seit 1945 deutsches Eigentum verwalten?

Dann liest der deutsche Leser detaillierter die Meinung des Deutschen Krause zu Stadt und Gebiet:

  • … sie ist überformt von einer russischen Prägung, die sich in einer geradezu niederschmetternden Trostlosigkeit darbietet,
  • er bemerkt die öffentlichen Verwahrlosung, wie Deutsche sie wohl nur noch aus der DDR des 90er Jahres in Erinnerung haben,
  • er spricht von Kirchen, die auf gruselige Weise zu Fleischfabriken umgebaut wurden sind,
  • vom Elend, welches die Einwohner nicht zu stören scheint,
  • bemerkt, dass ästhetisches Bewusstsein, Stilempfinden, Bürgersinn oder individuelles Engagement für irgendetwas, was über die Befriedigung des täglichen Bedarfs hinausgeht, fehlt.  

Im Grunde lohnt sich diese Reise nicht, man sieht einfach zu wenig Bemerkenswertes. Und alles ist so hässlich und kümmerlich – resümiert Deutscher Krause und meint, dass Benzingeruch das einzige war, was in ihm angenehme Emotionen ausgelöst habe.

Und in seinem abschließenden Satz orakelt er von einem geheimnisvollen Weg Kaliningrads nach Westen, der noch weit, sehr weit ist. Der Weg nach Westen? Was meint der Deutsche Krause damit? Den Weg „Heim ins Reich“?

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Kommentare ( 9 )

  • Udo Petz

    Veröffentlicht: 17. Juni 2019 16:19 pm

    Soetwas passiert, wenn man einen Fussballversteher ins Ballett schickt und erwartet, dass er etwas intelligentes als Bewertung äußert. Wenn er dazu noch ignorant und überheblich ist, was kann dann noch besser werden? In seiner Welt hat der Mann sicherlich recht.

  • Marko Bruhn Bruhn

    Veröffentlicht: 17. Juni 2019 19:08 pm

    naja ich muss diesen Krause einbisschen in schutz nehmen,zb
    die portale RT Deutsch und ria novosti sind sehr beliebte seiten in Deutschland da sind eigentlich nur lobeshymnen zu russland zulesen,das weckt erwartungen und wenn sie enttäuscht werden bekommt ein Krause schlechte laune

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 17. Juni 2019 19:18

      ... es gibt leider auf diesem Portal kein Knopf "Gefällt mir".

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 17. Juni 2019 20:04 pm

    Marko Bruhn Bruhn
    Veröffentlicht: 17. Juni 2019 19:08:08

    Ich würde Ihnen gern Recht geben, wenn es sich um einen unbedarften deutschen Bürger handeln würde, der meinetwegen durch eine Werbung in so eine Reisegruppe geraten ist und sich was ganz anderes vorgestellt hatte.
    Aber dieser Herr Krause ist nicht irgendwer, sondern ein angestellter "Journalist" (?) des Hauses Springer, auch noch wie Uwe schreibt, in höherer Position, der mit seinem Arbeitsvertrag eine Loyalitäts- und Freundschaftsverpflichtung zu den USA unterschrieben hat.
    Normalerweise fährt kein Journalist zu einer Reise ohne Vorbereitung. Er wußte, wohin er fährt und hatte sich entsprechend präpariert, damit ihm auch nicht entgeht, worüber er berichten will.
    Nun scheint es aber, wenn man diese Springer-Jungs kennt, daß es offenbar nicht so schlecht war, wie er erhofft hatte.
    Ich unterstelle mal, daß bestimmte Formulierungen seiner "Reisebeschreibung" ihm nicht erst nach der Reise zu Hause eingefallen sind.

  • Marko Bruhn Bruhn

    Veröffentlicht: 17. Juni 2019 20:57 pm

    du verstehst es nicht Радебергер Radeberger schade

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 18. Juni 2019 12:06 pm

    @ Marko Bruhn Bruhn
    >RT Deutsch und ria novosti sind sehr beliebte seiten in Deutschland

    Vergleichbar bzgl., des Wahrheitsgehaltes mit "Der Postillon" ...

  • Georg

    Veröffentlicht: 18. Juni 2019 12:32 pm

    Anstatt diesen Journalisten zu verteufeln, wäre es wohl sinnvoller endlich mal der Wahrheit ins Auge zu blicken. Der Bericht des Herrn Krause deckt sich mit der Beschreibung vieler Insider mit denen ich in Kontakt stehe.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 18. Juni 2019 12:34

      ... na, dann melden Sie sich mal im Internet in den Ostpreußengruppen an, wo Deutsche jetzt über diesen Journalisten diskutieren - insbesondere auch andere Deutsche, die diesen Journalisten in der Reisegruppe erlebt haben.

  • boromeus

    Veröffentlicht: 18. Juni 2019 13:20 pm

    So ist das liebe Leute.Sobald jemand etwas "nicht im Sinne des grossen Erich schreibt,der es ja gewohnt ist aus alter Kampfzeit, das es nur eine "Wahrheit""gibt,dann muss ganz schnell Adolf herherhalten und die bösen Deutschen.Man gut ,das er nur"Ostelber"ist und kein Deutscher,denn nach seinen Aussagen sind
    kritische Deutsche überheblich und arrogant.Also auch wir ,die Leser seiner geistigen Ergüsse.Es gibt Menschen Erichowitsh, die keine rosarote Brille tragen.Die weder, ich zitiere"gallig "noch "verbittert" sind ,sondern mit offenen Augen Dinge betrachten.Gut das ich nicht alleine stehe mit meiner Meinung.Gut das auch andere "Arrogante" diese Eindrücke bestätigen.Der Weg ist noch weit.Das was man in manchen Bereichen vorfindet ,ist noch meilenweit von dem entfernt, was man gerne im Oblast hätte.Nur dazu ist Mühe und Arbeit notwendig und fällt nicht wie manche dort glauben ,vom Himmel.Und manche Dinge kriegen wir arrogante Deutsche eben etwas besser hin.Neid ist auch eine Art Lob..

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 18. Juni 2019 13:29

      ... ich empfehle Ihnen mal die Kommentare bei Facebook in den verschiedenen Ostpreußen-Gruppen zu lesen, die Deutsche dort hinterlassen haben, u.a. auch Deutsche, die mit diesem Herrn Krause in einer Reisegruppe waren und die dieser Herr Krause durch den Kakao gezogen hat ...

  • Udo Petz

    Veröffentlicht: 18. Juni 2019 14:54 pm

    Also," der große Erich", das gefällt mir. Wenn man seine Gedanken und Einstellungen auf andere Übertragen will, und ein Abweichen nur mit spitzen Kommentaren zu degradieren versucht, dann definiere ich das als arrogant. Ich halte mich gern in Kaliningrad und Umgebung auf, und freue mich über jeden erkennbaren Fortschritt. Als Ostelber ist man da vielleicht anspruchsloser, aber auch etwas sensibler, da man besser die verschiedenen Mentalitäten verstehen und akzeptieren kann.

  • Ralf Gentemann

    Veröffentlicht: 19. August 2019 08:17 pm

    Ist das herrlich :-) Hier, so denke ich, wird man wohl noch verstanden, wenn man kritische Anmerkungen macht. Ein Fakt, der auf rt deutsch sofort und unweigerlich zur Schlachtbank führt - einschließlich Sippenhaft.

    "Orthodoxe Kirchen überlagern alles" (sinngemäß). Immerhin sind es noch christliche Kirchen. Der Herr "Journalist" hätte auch gleich ankreiden können, daß keine Moscheen alles überlagern und keine Muezzin-Rufe zu vernehmen sind...

    Ich sah mir vor einigen Monaten ein You-Tube-Video eines "Journalisten" der "Welt" an, wie er auf einer Demo in Berlin agierte. Selbstdarstellung und Effektheischerei, wo keine angebracht wäre...

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