Interview des Vizekonsuls für Kultur des Generalkonsulates in Kaliningrad

Interview des Vizekonsuls für Kultur des Generalkonsulates in Kaliningrad

 

 

 

 

 

 

 

Der Vizekonsul für Kultur im deutschen Generalkonsulat in Kaliningrad, Daniel Lissner, gab dem Internetportal „NewsBalt“ ein Interview zum Thema „Deutschland in Russland 2012/2013“ und beantwortete Fragen zum Thema der Rekonstruktion des Gebäudes des Generalkonsulates.

NewsBalt:

Herr Lissner, sind Sie zufrieden mit dem Verlauf des deutsch-russischen Jahres im Kaliningrader Gebiet:

Daniel Lissner:

Man kann selten mit allem zufrieden sein – es gibt einige Aspekte die mehr Interesse hervorrufen könnten. Aber im Großen und Ganzen haben wir ein ziemlich anständiges Programm welches viele Sphären des Lebens berührt.

NewsBalt:

… also es ist nicht nur ein Jahr der Kultur?

Daniel Lissner:

Es werden alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens berührt, auch Fragen der Ökonomie und der Bildung, denn der Anlass für die Durchführung des Jahres Deutschland in Russland hat ja politische Quellen. Und der Begriff „Kultur“ kann hier vielgestaltig beurteilt werden: Wir sprechen hier nicht nur über ausgewählte Kunst, nicht nur über Malerei, klassische Musik oder Kinovorstellungen. Wir sprechen auch über die „tägliche Kultur“, bis hin zur Architektur und der „Firmenkultur“

NewsBalt:

… im Kalender der zukünftigen Veranstaltungen steht, dass am 20. März ein Seminar zum Thema der vorbeugenden Korruption stattfindet. Muss das Generalkonsulat auch auf der Schulbank sitzen und eventuell auch nachsitzen? Zum Beispiel wurde in den Massenmedien unlängst eine Information veröffentlicht, die einigen Aufruhr verursachte im Zusammenhang mit dem Bau des neuen Gebäudes des Generalkonsulates?

Daniel Lissner:

In der Angelegenheit rund um die Baumaßnahmen erwies sich das Generalkonsulat in einer nicht sehr angenehmen Situation. Das Bundesministerium für Bauwesen trägt die Verantwortung für dieses Projekt und unsere Einrichtung trägt die Verantwortung für diese Immobilie erst nach der Nutzungsüberführung. Selbstverständlich übermitteln wir an alle dafür zuständigen Verantwortlichen die Weisungen, die wir erhalten.

NewsBalt:

Es gibt Momente wo der Eindruck entsteht, das Deutschland im Verhältnis zu Russland wie ein Mentor auftritt, wenn es um das Thema Korruption geht. Fühlen Sie nicht auch einen gewissen Anteil Sticheleien, wenn Sie zu Ihrem eigenen Baugrundstück keinen Zugriff haben?

Daniel Lissner:

Ein „belehrendes Verhalten“ wäre in jedem Fall nicht richtig – so verhält man sich nicht gegenüber einem Partner. Zum Glück passiert dies in Wirklichkeit auch nicht. Ich glaube, es ist wichtig maximal offen, ehrlich und konstruktiv an die Lösung eigener Unzulänglichkeiten heranzugehen. Dafür existiert ein ganzer „Katalog“ von Maßnahmen, begonnen bei einem Konsultant für die Korruptionsvorbeugung, mit dem sich jeder Besucher unserer Internetseite in Verbindung setzen kann, der Ausbildung usw. Es gab immer ein besonderes Interesse zu diesem Thema und dieses Interesse wird auch in Zukunft wachsen. Deshalb wird es im Ergebnis der Erörterung des Themas der vorbeugenden Korruptionsbekämpfung im Rahmen des stattfindenden deutsch-russischen Runden Tisches, welcher organisiert wird in Zusammenarbeit mit der Handelskammer Hamburg und Dr. Stefan Stein, das steht außer Zweifel, eine Reihe interessanter Diskussionsartikel und Meinungen geben.

NewsBaltic:

… außerdem, welche Projekte, Ihrer Meinung nach, können auf die Kaliningrader Eindruck machen?

Daniel Lissner:

Wir möchten die Leute nicht sehr stark beeindrucken. Ehrlich gesagt, ich denke, dass die Vorstellung des eigenen Landes und der Gesellschaft in Glanz und Glemmer schon nicht mehr ganz dem Zeitgeist entspricht. Wichtig ist, dass die Kulturschaffenden und die anderen Bürger die andere Kultur verstehen - auch mit kritischen Anmerkungen. Eine ideale Variante wäre ein Treffen von Leuten verschiedener Länder, welches in dieser oder jener Form in eine nützliche Zusammenarbeit führt – was auch durchaus über den bilateralen Rahmen hinausführen kann.

Zum Beispiel, wir und unsere polnischen Freunde bemühen uns um den Aufbau dreiseitiger russisch-polnisch-deutscher Projekte. In den letzten Monaten des deutsch-russischen Jahres haben wir erfolgreich einige Veranstaltungen durchgeführt, wie z.B. das Jazzkonzert von Barbara Dennerlain in der Philharmonie, Treffen mit den Lesern von Arno Surminski und anderen Schriftstellern im Deutsch-Russischen Haus, zwei Nächte des deutschen Kinos in der Kathedrale, wie auch „Metropolis“ mit Orgelbegleitung von Graf Botmer. Dies sind nur einige der bereits durchgeführten Veranstaltungen.

Im Nachtclub „Wagonka“ tritt eine deutsche Jazzgruppe „De Phazz“ auf, ein weiteres Konzert unter Teilnahme von Ulrike Hagen findet im April statt. Und wir berücksichtigen auch das kulturelle Erbe der Region – im Museum Friedländer Tor wird eine Freskenausstellung eröffnet.

Am 24. April treten in der Kathedrale junge musikalische Talente aus den Ländern der Ostseeregion auf – Baltic Youth Philharmonic Orchester - für wahre Musikkenner. Einen Tag später finden im Kinotheater „Saria“ und im Klub „Reporter“ Filmvorführungen mit deutsch-russischen Dokumentarfilmen statt. Das Filmfestival wird unterstützt durch das Kulturministerium des Kaliningrader Gebietes und des Hansebüros und es reist eine Delegation aus der BRD, dem Land Schleswig-Holstein an.

Im Mai, neben allem übrigen, werden im Deutsch-Russischen Haus einige künstlerische und Dokumentarfilme gezeigt; man kann auch die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit des Kaliningrader Zooparkes  mit deutschen Tiergärten sehen. In der Kaliningrader Handels- und Industriekammer  findet ein Seminar statt zu Fragen von deutschen Erfahrungen auf dem Gebiet der Energieeinsparung. In der Kunstgalerie wird eine Ausstellung eröffnet, gestaltet durch den deutschen Fotografen Arno Fischer.

Maßnahmen, die der Anwendung von Atomenergie in Deutschland und Russland gewidmet waren, sind durch die Initiatoren leider abgesagt worden.

Im Juni haben wir noch eine Überraschung – Ende des Monats wird zum Abschluss einer Reihe von Veranstaltungen ein deutschsprachiges Popkonzert im Deutsch-Russischen Haus stattfinden.

NewsBaltic:

… wie nimmt das Generalkonsulat an den Maßnahmen des deutsch-russischen Jahres teil?

Daniel Lissner:

Das deutsche Jahr ist ein Gemeinschaftsprojekt deutscher ausländischer Vertretungen und kultureller Mittler, vor allem des Goethe-Institutes, aber auch der Außenhandelskammer, deutscher ökonomischer Einrichtungen und anderer beteiligter Organisationen.

Noch im April 2012, während der Gründungssitzung der Jury in Moskau hat das Generalkonsulat erfolgreich Kaliningrad als die Stadt präsentiert, wo eine möglichst große Anzahl von Veranstaltungen stattfinden sollte. Der Leiter des Goethe-Institutes St. Petersburg, Friedrich Dallhaus, hat eine wichtige Unterstützerrolle bei der Vorbereitung dieser Sitzung übernommen und der Koordinatorin des Projektes von Seiten des Goetheinstitutes, Elena Gromowa die Verantwortung für die Begleitung und Koordinierung der einzelnen Projekte im Namen des Institutes anvertraut. Die Projektpartner erhalten Mittel für die Durchführung vom Auswärtigen Amt direkt, aber auch über das Goetheinstitut.

Quelle: http://www.newsbalt.ru/detail/?ID=9248

Übersetzung: Uwe Niemeier

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