Kaliningrader Erfahrungen mit deutschen Touristen

Kaliningrader Erfahrungen mit deutschen Touristen

 

Eine Kaliningrader Fremdenführerin gab dem Informationsportal „kaliningrad.ru“ ein Interview und teilte Eindrücke und Erfahrungen in der Arbeit mit deutschen Touristen mit, die das Kaliningrader Gebiet besuchten.

 

 

Der Tourismus in Kaliningrad wächst. Es ist zwar manchmal für „Iwan-Normalverbraucher“ nicht ganz klar, wie die Zahlen zu den Touristen, insbesondere den ausländischen Touristen zustande kommen, aber das es bemerkenswerte Zuwächse im Kaliningrader Tourismus gibt, ist unbestritten. Deutsche Touristen spielen bei diesen positiven Entwicklungen kaum eine Rolle. Ihr Anteil am Gesamttourismus ist eine ganz kleine Prozentzahl im „Eins-Komma-Bereich“.

 

 

Aber die Anzahl der Fremdenführer scheint in Kaliningrad zu wachsen – wohl nicht proportional mit dem Anwachsen der Touristenzahlen, denn das Geldverdienen fällt schwerer und ist wohl auch von Jahr zu Jahr weniger ertragreich – teilt die Interviewpartnerin dem Informationsportal „kaliningrad.ru“ mit. Deshalb hat sie ihre Firma auch aufgegeben und begleitet Touristen im Auftragsverfahren größerer Tourismusfirmen in Kaliningrad.

Angesprochen, welche Art von Tourismus denn heute in Kaliningrad gefragt ist, antwortet Larissa Selesnowa, dass sie hoffe, dass mit dem Elektronischen Visum nun die Reiseaktivität der Deutschen aktiviert wird. Bedingt durch die bisherigen Visakosten haben Deutsche das Kaliningrader Gebiet gemieden. Auch Kaliningrader hoffen darauf und haben wieder begonnen, kleine Touristenfirmen für die Betreuung von Individualreisenden zu schaffen.

Die überwiegende Mehrzahl der deutschen Touristen, so Larissa, übernachtet nur eine Nacht in Kaliningrad und fährt dann weiter Richtung Litauen, nutzen also das Kaliningrader Gebiet nur zum Transit.

Gegenwärtig herrscht im Verhältnis der Deutschen zu den Russen ein sehr kühles Verhältnis, die Deutschen sind zurückhaltend und vorsichtig. In der Regel befinden sich in jeder größeren Reisegruppe, so ab 20 Personen, ein bis zwei Begleiter, die Sicherheitsfunktionen ausüben, damit den Touristen nichts passiert – informiert Larissa Selesnowa.

Diejenigen, die Kaliningrad nur zum Transit nutzen und sich hier einen Tag aufhalten, buchen in der Regel eine Stadtführung für 2,5 Stunden. Insgesamt haben die Deutschen große Angst das Kaliningrader Gebiet zu besuchen. Erst wenn sie ein wenig in Kaliningrad sind und wir ihnen sagen, sie sollen sich entspannen und mal ein wenig lächeln, tauen sie auf – wenn auch nicht alle. Vermutlich resultiert die Angst der Deutschen aus der Propaganda die in Deutschland gemacht wird – obwohl, ich weiß nicht, was man dort Schlechtes über die Russen verbreitet – sagt Larissa.

 

 

Angesprochen, welche Eindrücke bei den Touristen über das Gebiet entstehen und ob sie zufrieden sind, mit dem, was ihnen gezeigt wird, kommentiert Larissa, dass, selbst wenn die Deutschen zufrieden sind und gute Eindrücke haben, sie zu Hause darüber nie so berichten würden. Vielleicht im kleinen privaten Kreis wird ein wenig offener über die Eindrücke erzählt, aber ansonsten ist es nicht angebracht, in Deutschland positiv über Russland zu sprechen. Einige deutsche Touristen hatten ihr erzählt, dass sie gezwungen sind, wenn sie nicht durch andere diskreditiert werden wollen, über Russland negativ zu sprechen und keine positiven Eindrücke zu vermitteln.

Früher habe sie Kontakt mit einigen Deutschen gehalten, die in das Gebiet gekommen sind – so Larissa. Aber auch diese Deutschen haben den Kontakt mit ihr abgebrochen. Häufig wollen die Deutschen keinerlei Kontakte mit Russen.

Larissa kommt zu dem Schluss, dass es für die einheimischen Fremdenführer interessant ist, mit russischen Touristen zu arbeiten. Hier kann man Geld zum Lebensunterhalt verdienen. Mit ausländischen Touristen kann man kein Geld verdienen, deshalb habe sie auch jetzt ihr eigenes Einzelunternehmen im Januar abgemeldet.

Wer erfolgreich als Fremdenführer arbeiten will, muss seine eigene Internetseite haben oder viel Geld in die Reklame stecken. Das rechnet sich insgesamt nicht – so Larissa. Außerdem gibt es eine ziemlich große Konkurrenz und die Fremdenführer kennen sich untereinander und schauen auch ziemlich eifersüchtig auf die Aktivitäten der Konkurrenten. Gegenwärtig arbeiten rund 600 Fremdenführer, die sich auf russische Touristen spezialisiert haben.

Russische Touristen lieben es, die historischen Festungsanlagen zu besichtigen und alles, was sich unter der Erde befindet. Aber es finden auch Besichtigungen von Kurskaja Kosa statt. Gerne besucht man auch Swetlogorsk, Jantarny und Baltisk. Ausländische Touristen würden auch gerne nach Baltisk, aber das Gebiet ist Sonderzone und somit für Ausländer nur mit Sondergenehmigung zu betreten. Daraus resultiert, dass Baltisk gegenwärtig – nach Meinung von Larissa Selesnowa – eine Krise durchlebt. Wäre Baltisk offen, so würde sich das dortige Privatmuseum entwickeln und auch die Stadt würde populärer werden.

 

 

Ausländer haben Angst auf Baltiskaja Kosa zu fahren – eben wegen der Sonderzonenbeschränkung. Dazu kommt, dass man eine Fähre nutzen muss, um dorthin zu gelangen und die Ausländer haben Angst, dass durch Witterungsbedingungen die Fähre vielleicht nicht verkehrt und man auf Baltiskaja Kosa ausharren muss. Die Ausländer haben einen ausgeprägten Selbstschutz, mehr als die Russen – meint Larissa.

Angesprochen auf die Preise im Kaliningrader Gebiet, kommentiert Larissa, dass diese hoch sind, insbesondere für Hotelübernachtungen. Hier stimmt das Preis-Leistungsverhältnis nicht. Dort wo das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, sind auch die Preise besonders hoch – also nicht geeignet für die normalen Touristen, sondern für „Andere“.

 

 

Damit sich der Tourismus erfolgreich entwickelt, muss mehr Klarheit herrschen und ein besserer Zusammenhalt der Kollegen, die sich in diesem Bereich beschäftigen – meint Larissa. Auch die steuerliche Belastung spielt eine Rolle. Wenn alle ehrlich Steuern zahlen würden, so wäre mehr Gerechtigkeit und alle würden gleichermaßen profitieren.

Reklame

Kommentare ( 0 )

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung