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Luise will Lenin den Rang ablaufen

Sa, 30 Nov 2013 Deutsche und Deutsches


Luise will Lenin den Rang ablaufen

Ihrer Königin Luise brachten die Tilsiter allzeit eine große Verehrung entgegen. Sie war zu einem Mythos geworden und galt als eine Art Nationalheilige. Ihr Name überall war in der Stadt präsent. Es gab eine Königin-Luise-Brücke, ein Königin-Luise-Lyzeum, die Luisenallee, das Luisenhaus und vor allem das Luisendenkmal.  Das 8 m-hohe Marmorstandbild war von Gustav Eberlein geschaffen  und im Jahre 1900 im Beisein des Kaisers eingeweiht worden. Heute erinnern nur noch ein paar Stufen an den einstigen Standort im Park Jakobsruh.

Das soll nun anders werden. Auch die russischen Bewohner von Tilsit lieben Luise, sie sprechen von ihr als der „Königin der Herzen“.  Als man vor sechs Jahren die 200. Wiederkehr des Tilsiter Friedensschlusses feierte war mit Nachdruck der Wunsch vernehmbar, das Denkmal als symbolträchtiges Wahrzeichen der Stadt wieder zu errichten.  Gemeinsam mit der litauischen Partnerstadt Tauroggen kam es zu einem Projekt „Vom Tilsiter Frieden zur Konvention zu Tauroggen“, welches eine Touristenmeile für Geschichtsliebhaber vorsieht. In Brüssel, wo man um die Einbeziehung der EU-Anrainerstaaten bemüht ist, fand das Vorhaben Zustimmung und finanzielle Unterstützung. Insgesamt wurden dafür 2,89 Mio € bereitgestellt, rund 1 Million davon für die russische Seite. Diese muss die Zuwendung mit 10% bezuschussen.

Der Wiedererrichtung  des Denkmals stand nun nichts mehr im Wege. Die Firma „Nasledie AG“ aus Sankt Petersburg gewann die Ausschreibung und hat versucht, das Kunstwerk originalgetreu nach alten Fotos und Zeichnungen im 3-D-Verfahren zu rekonstruieren. Eine genaue Beschreibung des Kunstwerkes war einer Dissertation von Gabriele Paetzold über Leben und Werk des Bildhauers Gustav Eberleins zu entnehmen, wo es hieß „Die Marmorfigur der Königin Luise, 3 m hoch, steht auf einem Rundpostament – von einer Girlande umrankt. Im Haar trägt sie ein Diadem, über das hochtaillierte Empire-Kleid breitet sich der herabwallende Hermelinmantel. Das Kunstwerk besteht aus carrarischem Marmor, die Gesamthöhe beträgt ca. 8 Meter.“

Eine verkleinerte Version des Denkmals wurde dieser Tage den russischen Einwohnern und Stadträten von Tilsit präsentiert. Mit deren Zustimmung wird ein Muster in den Originalmaßen aus Kunststoff gefertigt. Nach diesem Modell entsteht dann die endgültige Ausführung aus Marmor.

 

Foto: Petersburger Modell des Denkmals der Königin Luise

 

Zur Zeit laufen im Park Jakobsruh die Baugrunduntersuchungen und die Vorbereitungen für das Fundament. Der Park soll sein früheres Antlitz mit Flaniermeilen, Rabatten, Bänken und Laternen erhalten. Die Aufstellung des Denkmals ist anlässlich der 207. Wiederkehr des Tilsiter Friedensschlusses im Juli 2014 vorgesehen. Sie wird umrahmt von einem festlichen Zeremoniell. Zahlreiche militärhistorische Vereine aus Europa werden sich zu einer Parade ein Stelldichein geben und der Einweihung einen festlichen Glanz verleihen. Die Feierlichkeiten gehen einher mit einer internationalen Historikerkonferenz zum Thema „Vom Tilsiter Frieden zur Konvention zu Tauroggen“ und mit einer Ausstellung im Stadtgeschichtlichen Museum.

Mit gespannter Aufmerksamkeit blickt man dem Ereignis entgegen. Die Stadt wird an Anziehungskraft gewinnen und ihr historisches Antlitz aufpolieren, auch wenn sie bis jetzt immer noch Sovetsk heißt und Lenin versucht, seine Stellung zu halten.                                   

Hans Dzieran

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