Paris ist gut. Kaliningrad ist besser.

Paris ist gut. Kaliningrad ist besser.
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Diese Überschrift wird für den einfachen Leser wie du und ich nur dann verständlich, wenn man den Beitrag komplett liest. Verstehen können diese Überschrift ohne weiteren Text nur Diplomaten, die als Einsatzort das deutsche Generalkonsulat in Kaliningrad genannt bekommen.

Paris hat seinen Eifelturm. Kaliningrad hat seinen TV-Sendemast. Paris hat seine Oper. Kaliningrad hat ein Schauspielhaus. Paris hat teure Restaurants. Tja, und die hat Kaliningrad nicht. Und trotzdem ist Kaliningrad besser als Paris, denn es geht darum, dass es irgendwas gibt in dieser Stadt, in diesem Gebiet, was die deutschen Diplomaten hier hält, viele die Stadt anscheinend als so angenehm empfinden, dass sie ihren Aufenthalt sogar mehrmals verlängern.

Der Einsatz von Diplomaten erfolgt auf eigenen Wunsch. Nicht immer erhält ein Diplomat den Zuschlag für seinen Lieblingsstandort, aber es wird auch niemand gezwungen an irgendeinen Ort zu gehen, wo er absolut nicht hin möchte. Ein Einsatz dauert in der Regel drei Jahre und es besteht die Möglichkeit, den Einsatz auf bis zu fünf Jahre zu verlängern.

Soweit ich die Übersicht habe, hat es niemals im deutschen Generalkonsulat Kaliningrad unbesetzte Stellen gegeben und  - hier fehlt mir allerdings ein wenig die Übersicht – hat kaum ein Diplomat nur drei Jahre in Kaliningrad gedient. Manche mussten aus disziplinaren Gründen früher und ungewollt gehen – aber darüber soll heute nicht gesprochen werden.

Irgendwann fragte mich mal ein russischer Bekannter, ob ich denn wüsste, was so ein deutscher Diplomat im Auslandseinsatz verdient. Ich wusste es nicht, denn eigentlich interessiert mich das Geld anderer Leute nicht – im Gegensatz zu einigen Diplomaten, die sich im Ausland brennend für das Geld interessieren, welches andere Deutsche dort verdienen.

Und so machte ich mich kundig – es gibt genügend persönliche und virtuelle Quellen, wo man Fragen stellen kann und sachlich-qualifizierte Auskünfte erhält, ohne jemandem zu nahe zu treten.

Und so kam ich zu der überraschenden Erkenntnis, dass Kaliningrad für deutsche Diplomaten, rein finanziell gesehen, das reinste Schlaraffenland ist.

Die Einsatzorte, davon gibt es weltweit 230, werden in die Kategorie „A“, „B“ und „C“ eingeteilt. „A“ sind die begehrtesten Einsatzorte – also da, wo sonst alle Urlauber und Touristen hindrängeln. „B“ sind die Länder, die sich gut entwickeln, aber für ein angenehmes Leben eben nicht so perfekt sind wie Washington oder London, also sogenannte Schwellenländer. Und die Kategorie „C“ sind solche Einsatzgebiete, wie z.B. Kaliningrad, Kabul, Nordkorea.

Damit man überhaupt Leute findet, die dorthin gehen, hat sich der deutsche Steuerverbraucher, also der deutsche Staat, die sogenannte Zitterzulage einfallen lassen. Es gibt also ein finanzielles Trostpflaster für die Beamten. Und dieses Trostpflaster ist steuerfrei und wird zum Gehalt zusätzlich gezahlt. In einem Pressebeitrag habe ich gelesen, dass das Einstiegsgehalt eines Diplomaten zwischen 3.600-5.000 Euro liegt. Maximaler Spitzenverdienst, also das Grundgehalt, liegt bei 14.000 Euro.

Die steuerfreien Zuschläge sind unterschiedlich. Wer in einem beliebten Standort, wie z.B. Brüssel eingesetzt wird, erhält 1.750 Euro steuerfrei zum Grundgehalt dazu. Wer aber nach Russland geschickt wird, z.B. in das Generalkonsulat nach Kaliningrad kann mit über 3.000 Euro Auslandszuschlag rechnen. Somit erhält ein Berufsanfänger über 6.500 Euro Gehalt in Kaliningrad.

Da man in Kaliningrad auch relativ wenig Möglichkeiten hat viel Geld auszugeben, denn Kaliningrad ist eine preiswerte Stadt – zumindest für deutsche Verhältnisse – können die hier eingesetzten Diplomaten ihren Aufenthalt gut nutzen, um viel Geld zu sparen und sich dann, nach dem Ende ihres Auslandseinsatzes, irgendetwas Gutes anzutun, also eine Wohnung kaufen oder einen Zweitwagen.

Somit muss man sich also nicht wundern, wenn deutsche Diplomaten ihren Aufenthalt in Kaliningrad regelmäßig verlängern. Wobei die Gründe leider nicht die sind, dass die Stadt so schön und interessant ist, sondern der schnöde Mammon deutsche Beamte in der Stadt hält – obwohl, es soll auch Ausnahmen geben.

Interessant fand ich die Äußerung eines Bekannten, der mir mal vor einigen Jahren gesagt hatte, das ein Diplomat im Ausland keinen normierten Arbeitstag hat, er arbeitet dann, wenn er gebraucht wird. Und gebraucht wird ein Diplomat im Ausland 24 Stunden. Und mein Gesprächspartner sagte mir, als wir bei einem Glas Wein in einem Restaurant zusammensaßen, dass er als Diplomat auch nach Feierabend Diplomat ist. Mit anderen Worten: Wein trinken gehört zu seinen dienstlichen Obliegenheiten.

Und in einem Lehrbuch für deutsche Diplomaten habe ich gelesen, dass es die Aufgabe eines Diplomaten ist, alles zu beobachten und zu registrieren und über politische und sonstige Ereignisse im Ausland regelmäßig Bericht zu erstatten – wem Bericht erstattet werden muss, das ging aus dem Lehrbuch nicht eindeutig hervor.

Reklame

Kommentare ( 0 )

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung