Von Nostalgie zu gemeinsamer Zukunft

Von Nostalgie zu gemeinsamer Zukunft

In der neuesten Ausgabe des „Königsberger Express“, der ältesten deutschsprachigen Zeitung im Kaliningrader Gebiet, ist ein Artikel erschienen, der über ein Seminar zum Erhalt des historischen Kulturerbes in den grenzübergreifenden Regionen Ostpreußens berichtet.

Am Seminar nahmen 80 Zivil-Aktivisten, Umweltschützer und Künstler aus Deutschland, Russland, Litauen und Polen teil. Zur Diskussion stand, wie das historische Kulturerbe der grenzübergreifenden Region Ostpreußen erhalten werden kann. Es wurden Projekte vorgestellt, in denen die Entwicklung dieser Region thematisiert wurde. Die Museumsleiterin aus Sowjetsk, Anzelika Shpileva, berichtete beispielsweise, wie mit Hilfe von Fördergeldern, die in Höhe von über zwei Millionen Euro im Rahmen der grenznahen Zusammenarbeit zur Verfügung gestellt worden waren, die touristische Reiseroute „Vom Tilsiter Friedensvertrag bis zur Konvention von Tauroggen“ ausgearbeitet und das Königin-Luise-Denkmal wiederhergestellt werden konnten. Die Vorsitzende der Umweltschutzvereins „Ecodefense“, Alexandra Koroleva, berichtete über Bürgerinitiativen zum Schutz und Erhalt von Alleenstraßen im Kaliningrader Gebiet. Sie untermauerte ihren Standpunkt nicht nur mit wirtschaftlichen und ökologischen, sondern auch mit kulturellen Argumenten: „Die Alleenstraßen sind ein untrennbarer Teil der Landschaft unseres Gebietes, sie sind ein harmonisches Produkt von Zivilisation und Natur, welches heute Generationen miteinander verbindet. Reden wir beispielsweise von Ostpreußen, so richten wir unseren Blick in die Vergangenheit. Die Straßenalleen sind dagegen ein Thema, welches uns nach vorn, in die Zukunft, blikken lässt“, betonte die Umweltschützerin. Der Leiter des Architekturbüros „Herz der Stadt“, Alexander Popadin, sprach über einen Wettbewerb, der international ausgeschrieben war und eine denkbare städtebauliche Erschließung des einstigen Schloss-Geländes im heutigen Kaliningrad zum Thema hatte. Popadin legte die Ergebnisse des Wettbewerbs vor. Dabei stießen einige futuristische Projekte bei den Seminarteilnehmern auf eine zwiespältige Reaktion. Es wurde in der Diskussion unter anderem dafür plädiert, dass man bei der Stadtbebauung mehr Rücksicht auf den historischen Kontext nehmen sollte. Die endgültige Entscheidung müsse aber bei den Stadtbewohnern selbst liegen, betonte Dr. Petra Zühlsdorf-Böhm, die das Seminar moderierte. Zu einem Highlight des Seminars wurde die Präsentation des Bildbandes „Post“, dessen Autor der Kaliningrader Fotograf Dmitrij Wyschemirskij ist. Der Bildband legt ein trauriges Zeugnis davon ab, wie zerstörerisch Zeit und Geschichte auf dem Territorium des ehemaligen Ostpreußens gewirkt haben. Vieles stimmt jedoch trotz politischer und wirtschaftlicher Probleme optimistisch, vor allem die Arbeit zum Erhalt der einzigartigen historischen Landschaft. Jedes Jahr mehren sich Projekte, von denen einige groß wie das Projekt „Herz der Stadt“ sind, andere eher einen kleineren und lokalen Charakter haben, die uns aber einen Weg aus der Vergangenheit zu einer gemeinsamen Zukunft weisen. Die Akademie Sankelmark veranstaltet seit Jahren Seminare zum Thema Ostpreußen. In Kaliningrad wird die Vorbereitung und Durchführung solcher Treffen durch das Hansebüro-Kaliningrad/ Schleswig-Holstein Informationsbüro unterstützt.

Jekaterina Smirnowa

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