Vorletzte deutsche Einrichtung in Kaliningrad schließt ihre Pforten

Vorletzte deutsche Einrichtung in Kaliningrad schließt ihre Pforten

Das liberale Informationsportal „newkaliningrad“ informiert über eine Pressemitteilung der Vertretung der Hamburger Handelskammer in Kaliningrad. Darin wird mitgeteilt, dass diese ihre Arbeit in Kaliningrad einstellen wird.

Die Vertretung der Hamburger Handelskammer existiert in Kaliningrad seit dem Jahre 1994 und hatte seit diesem Zeitpunkt nur zwei Leiter – ein Zeichen von stabiler Personalpolitik. Der jetzige Leiter Dr. Stephan Stein übernahm die Vertretung im Jahre 1996 und führte sie bis heute. Allerdings bekleidete er diese Funktion in den letzten Jahren ehrenamtlich.

 

Als Begründung für die Schließung der Vertretung der Hamburger Handelskammer wird den Kaliningrader Medien mitgeteilt, dass man Geld sparen wolle.  

Für den „Leser-Normalverbraucher“ klingt diese Mitteilung so, dass die Hamburger Handelskammer nicht mehr über ausreichende Finanzmittel verfügt, um ihre ausländische, doch relativ kleine Vertretung in Kaliningrad, zu unterhalten. Man könnte weiter orakeln, dass es vielleicht den Hamburger Unternehmern, die Mitglieder in der Handelskammer sind, so schlecht geht, dass sie nicht mehr genügend Gelder aufbringen können, um ein normales Funktionieren der Handelskammer zu gewährleisten.

Man kann aber auch andere Überlegungen anstellen.

Seit dem Jahre 2014 haben sich defacto alle deutschen Einrichtungen aus Kaliningrad verabschiedet. Auch deutsche Unternehmer haben sich aus Kaliningrad zurückgezogen. Die kleine Anzahl der ständig in Kaliningrad lebenden Deutschen hat sich weiter verringert. Einer der Gründe für diese Entwicklung könnte sein, dass die Politik und das Verhalten Deutschlands und seiner Vertreter in der Vergangenheit, zu einem Überdenken des Verhältnisses zu Deutschland und den Deutschen bei russischen Verantwortlichen und Entscheidungsträgern geführt haben. Man schaut kritischer auf das Verhalten von Deutschen und Deutschland und bewertet Handlungen wesentlich empfindlicher. Damit verschlechtern sich natürlich die Ausgangsbedingungen für interessierte Deutsche. Und die Deutschen, die als Privatperson oder als Unternehmer in Kaliningrad sind, überdenken auch ihre Position und ihre Zukunft.

Eine weitere, wesentlich negativere Überlegung könnte sein, dass Deutschland, als Mitgliedsland der NATO und als Teilnehmerland an den Sanktionen gegen Russland, nicht an einer positiven Entwicklung des Kaliningrader Gebietes interessiert ist. Deutsches Engagement, gepaart mit Engagement anderer Länder, würde letztendlich zu einer Wohlstandsentwicklung führen, zu einer zufriedenen Bevölkerung, zu geringer Arbeitslosigkeit, zu einem entwickelten Lebensniveau. Dies ist kontraproduktiv bei der Umsetzung möglicher Pläne, in Kaliningrad eine explosive gesellschaftliche Situation zu schaffen und damit beste Voraussetzungen für separatistische Bestrebungen. Ein Kaliningrader Gebiet, welches sich von seinem russischen Mutterland trennt, ist ein Gottesgeschenk für die führenden Militärs der NATO.

 

 

In diese Überlegungen passt sich auch das merkwürdige Verhalten der Firma BMW zu Investitionsgedanken, die jetzt nicht umgesetzt werden, ein. Mit dem Bau eines Werkes hätte man Arbeitsplätze und Wohlstand geschaffen. Jetzt schafft man keine Arbeitsplätze und ein Weggang von BMW, welcher real geplant war, hätte natürlich zu Entlassungen bei „Avtotor“ geführt und vermutlich auch zu gesellschaftlichen Spannungen. BMW hat sich entschieden, unter dem Dach von Avtotor weiter Fahrzeuge zu produzieren – es könnte sein, dass man sich hierzu nicht ganz freiwillig entschieden hat. Vielleicht hat man BMW zu verstehen gegeben, dass im großen russischen Mutterland kein Platz für ein neues BMW-Werk ist.

 

 

Aber das Signal ist trotzdem gesendet: Keine Investitionen in Kaliningrad. Und das wird andere Investoren zum Nachdenken anregen.

Die Kaliningrader werden sich also damit abfinden müssen, dass es jetzt nur noch eine deutsche Einrichtung in Kaliningrad gibt: das Generalkonsulat. In allen anderen Bereichen gibt es so gut wie keine deutsche Präsenz im nördlichen Teil von exOstpreußen – weder in der physischen Anwesenheit von deutschen Migranten, noch wirtschaftliches Engagement noch touristische Interessiertheit.

Kaliningrad hat diese Entwicklung akzeptiert und entwickelt sich ohne Deutsche und Deutschland – obwohl Kaliningrader Entscheidungsträger offiziell anderes sprechen.

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Kommentare ( 2 )

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 26. September 2019 19:40 pm

    Alles Zeichen der schleichenden Germanisierung ...

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 26. September 2019 19:43

      ... bitte nicht auf das Niveau "Facebook-Kommentar" herablassen.

  • boromeus

    Veröffentlicht: 27. September 2019 21:01 pm

    "Alles Zeichen der schleichenden Germanisierung.."Was wollt ihr denn?Ihr habt doch jahrelang euch ausgekotzt über jedwede mögliche Germanisierung.Wenn jetzt der letzte Lichtpunkt erlischt,so ist das die Folge daraus .Was glaubt ihr eigentlich welcher deutsche Investor sich auf all die Unwegbarbarkeiten einlässt ,um am Ende möglicherweise alles zu verlieren ,weil irgend jemand auf russ. Seite meint ein Exempel statuieren muss.Das ist doch das was die Hardliner wollten. Ein Verlust ist das sicherlich nicht,denn wenn deutsche Investoren gehen wird Platz für dutzende Investoren aus dem Stammland ,die schon Hufscharrend vor den Toren der Stadt stehen.Für wie dämlich haltet ihr uns eigentlich.Das ewige Gesülze über Natofraktionszwang scheint eine Phobie zu sein.Schafft erstmal eine entsprechende Situation auf Augenhöhe, dann sehen auch deutsche Investoren Sinn nach KGD zu kommen und regelt die freie Erreichbarkeit eures Eilandes per Wasser,zu Lande und in der Luft,dann reden wir weiter.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 27. September 2019 21:03

      In der arroganten, überheblichen oberlehrerhaften Tonlage wird in Russland niemand mit niemandem reden.

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