Zehn Fragen – Zehn Antworten – Deutsche in und um Kaliningrad

Zehn Fragen – Zehn Antworten – Deutsche in und um Kaliningrad

Der Kaliningrad-Bezug kann darin bestehen, dass unser Interviewpartner in Kaliningrad lebt und hier einer wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Tätigkeit, lang- oder kurzfristig nachgeht. Aber wir sprechen auch mit Deutschen, die von Deutschland aus wirtschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Kontakte in unsere Region unterhalten.  Und natürlich werden wir das zufällige Gespräch suchen mit Deutschen, die wir auf der Straße oder im „Zötler“, dem „Trefftisch Deutschsprachiger in Kaliningrad“ begegnen.

Wir möchten wissen, woher bei unseren Gesprächspartnern das Interesse an Kaliningrad kommt, was sie bindet, was sie mehr und weniger begeistert.

In der heutigen, nicht ganz einfachen Zeit sind – unserer Meinung nach – Informationen aus dem ganz normalen täglichen privaten oder geschäftlichen Leben im Zusammenhang mit Russland/Kaliningrad sicher für viele von Interesse.

Unser heutiger Gesprächspartner ist Bernhard Sontheim, einigen Lesern schon bekannt im Rahmen historischer Veröffentlichungen auf unserem Portal.  

Herr Sontheim, Sie leben und arbeiten schon seit Anfang der 90er Jahre in Kaliningrad. Sie sind mit Familie hier, sind vor wenigen Monaten Vater geworden und aktiver Teilnehmer am „Trefftisch Deutschsprachiger in Kaliningrad“. Für viele Deutsche wären Sie der ideale Gesprächspartner zur Geschichte des Kaliningrader Gebiets, insbesondere noch aus Königsberger Zeiten. Wir persönlich kennen uns auch schon sehr lange – deshalb besten Dank, dass wir die Möglichkeit haben mit Ihnen zusammen ein Gespräch zu führen und sie nun auch unseren Lesern bekannt zu machen – vielleicht als neuer Russlanddeutscher?

Uwe Niemeier (UN): Sie leben und arbeiten schon über zwanzig Jahre in der geographisch westlichsten Region Russlands. Sie haben sich hier etabliert, sowohl geschäftlich wie auch familiär. Zählen Sie sich zur neuen Generation der Russlanddeutschen? Erzählen Sie ein wenig von sich.

Bernhard Sontheim (BS): Fast bei jedem Gespräch mit Kaliningrad-Interessierten kommt irgendwann die Frage: „Stammen ihre Vorfahren aus Ostpreußen? Welche Firma oder Institution hat Sie hierhergeschickt?“  Für viele ist dies naheliegend, denn aus welchem anderen Grund sollte sich jemand  in diesem, lange Zeit schwer zugänglichen Gebiet, dazu noch hinter dem ehemaligen eisernen Vorhang,  freiwillig aufhalten wollen?

Nein, ich habe keine Wurzeln zu diesem Teil der Welt und nein, ich vertrete auch niemanden hier. Als gebürtiger Allgäuer  waren die Augen immer gen Westen gerichtet: Amerika, Neuseeland, Südostasien, das waren die Traumziele unserer Generation. Ein paar Besuche in Berlin, Schulausflüge, mal nach Prag oder Warschau, mehr Osten ist es nie geworden und sollte es auch nicht. Russland, geschweige denn Kaliningrad was den wenigsten bekannt war, stand nicht auf der Wunschliste.

Nach Studium in Reutlingen/Tübingen  sowie einer späteren Ausbildung zum Großhandelskaufmann folgte ein mehrjähriger Aufenthalt in Asien mit Lehrtätigkeit in Bangkok. Nach weiteren Stationen in Amerika, dem Nahen Osten und Afrika verschlug mich das Schicksal 1992 nach Kaliningrad; eben jenes Kaliningrad von dem man im Westen so wenig wusste (oder wissen wollte) und in welches ich völlig unvorbereitet geriet. Auf Einladung eines Freundes begleitete ich einen Hilfskonvoi, gelangte in die russische Exklave an der Ostsee. Nach anfänglicher Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche wurde bereits 1993/94 meine erste Firma unter abenteuerlichen Bedingungen registriert. Die weiteren Stationen in Kurzform: 1995 Eröffnung des ersten Ladens mit Waren eines OBI Marktes aus Deutschland, im gleichen Jahr die Hochzeit mit meiner russischen Frau Anna. In den folgenden Jahren vertrieben wir über eigene Verkaufsstellen verschiedene europäische, japanische sowie amerikanische Elektrowerkzeug- und Maschinenhersteller, ehe wir 2009 auf den Großhandel mit Tiernahrung umsattelten. Zurzeit ist unsere Firma exklusiver Großhändler im Kaliningrader Gebiet für drei Tiernahrungshersteller, für die wir insgesamt acht renommierte Marken auf dem hiesigen Markt vertreiben. Zu unseren Kunden zählen über 160 Fachgeschäfte in Kaliningrad und im Gebiet, einige Internethändler, sowie etliche private Verbraucher und Zwinger. Die Belieferung der Kunden erfolgt durch mich persönlich.

Im Jahre 2013 vervollständigte unsere Tochter Katarina, die vor wenigen Wochen bereits das Zweijährige gefeiert hat, unser Familienglück.

Als Russlanddeutschen würde ich mich nicht bezeichnen. Dies ist eine Definition, die, der in Russland geborenen deutschstämmigen Minderheit zusteht. Da diese mehrheitlich nach Deutschland übergesiedelt sind und es bei mir ja eher umgekehrt ist, könnte man mich, mit einem kleinen Schmunzeln als Deutschlandrussen titulieren.

UN: Wir beide haben die Entwicklung der Stadt seit 20 Jahren beobachten können. Hat sich die Stadt interessant entwickelt? Ist sie angenehm zum wohnen? Was gefällt Ihnen an der Stadt nicht – im Vergleich zum alten Königsberg, von dessen Schönheit viele Leute heute noch schwärmen und die die Stadt eigentlich nur noch von der Postkartenidylle her kennen.

BS: Grundsätzlich ist die Stadt bzw. Region, hervorgerufen durch die wichtige geopolitische Stellung an sich schon höchst attraktiv.  Ob ein Gebiet oder eine Stadt sich interessant entwickelt hat, hängt immer auch von dem Auge des Betrachters ab. Ein Historiker oder mit der Stadt Verwurzelter wird eine Veränderung meist anders beurteilen als jemand der hier zeitlich begrenzt lebt oder einfach nur mal die Stadt kennenlernen will.

Ersterer wird feststellen, dass das Gebiet jüngst eine Art kulturelle Renaissance erlebt. Viele Kaliningrader auf der Suche nach einer Identität verstehen, dass ohne Vergangenheit auch keine richtige Zukunft denkbar ist. Sie stoßen auf der Suche nach historischen Wurzeln immer wieder auf deutsches Kulturgut und dies kommt zum Ausdruck durch Restaurierung, Wertschätzung und Erhalt etlicher Denkmäler, Gebäude, Grabsteine etc. aus der Vorkriegszeit.

Für die andere Gruppe ist es heute selbstverständlich, dass man ein reichhaltiges Angebot an Restaurants, Nachtclubs, Bars, Sommer- oder Internetcafés, aber auch Fitnessclubs, Kegelbahnen, Billardhallen, Einkaufstempel, Supermärkte etc. vorfindet. Dies war in den 90er Jahren eher die Ausnahme und somit kann man schon sagen, dass sich der Unterhaltungs- aber auch der Kultursektor enorm entwickelt hat.  Ganz zu schweigen von dem momentanen Bauboom, hervorgerufen durch die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft 2018: an allen Ecken und Enden putzt sich die Stadt für dieses Großereignis heraus und ich für meinen Teil finde diese täglich festzustellende Entwicklung und Veränderung interessant.

Den Vergleich zu Königsberg möchte ich eigentlich nicht anstellen, dies würde ins uferlose führen. Durch das Kriegsinferno ist der besondere Charakter und Stadtbild dieser altehrwürdigen Stadt zerstört worden, was aber nicht bedeutet, dass man nicht doch noch viele Sachen entdecken kann. Für mich hat die Stadt, die Seele Königsbergs nicht eingebüßt und wer mit aufgeschlossenen Sinnen an die Sache rangeht wird das pochende Herz der alten Stadt spüren und finden.

UN: Sie sind Unternehmer in Kaliningrad, beschäftigen sich mit dem Verkauf von hochqualitativem Tierfutter und mit der Hundezucht. Ist das Leben als deutscher Unternehmer einfach in Kaliningrad? Haben Sie Probleme mit staatlichen Behörden und wie lösen Sie diese, wenn es sie denn gibt?

BS: Was die Hundezucht anbelangt, muss ich Sie leider enttäuschen. Das ist nicht mein Hobby sondern das meiner Frau. Etliche Hunde aus ihrer Zucht „Tchorny Medved“ wurden in den letzten 10 Jahren zur Interchampions und Multichampions und leben nicht nur in Russland und vielen Ländern Europas, sondern auch in den USA, Kanada, Brasilien, Mexiko, Südafrika und Ägypten. Durch dieses Hobby hat unsere Familie schon viele Jahre Hunde der Rasse Russische Schwarze Terrier, dessen wunderbares Wesen und Charakter ich sehr zu schätzen gelernt habe. Hier ein Bild unserer Familie bei einer Internationalen Zuchtschau in Kaliningrad.

Foto: Familie Sontheim komplett

 

Über die Erfahrungen im Geschäftsleben in Russland kann ich folgendes sagen. Die unternehmerische Tätigkeit hier in Kaliningrad bedeutet vor allem Flexibilität und setzt oft unkonventionellen und raschen Handlungsbedarf voraus. Die Spielregeln ändern sich oft und man muss immer bereit sein einen neuen Weg einzuschlagen. Sehr wichtig ist es auch immer vor Ort sein und sich ständig um sein Geschäft kümmern. Meine russische Frau, die eine vollwertige Partnerin in unserem Geschäft in Kaliningrad ist, war und bleibt eine große Hilfe für mich und unser Geschäft.

Zu den Behördengängen kann ich nur sagen, dass in den letzten Jahren diese eigentlich um einiges leichter zu erledigen geworden sind, dadurch, dass sehr viel automatisiert worden ist und viele Fragen beim Zoll, Finanzamt usw. jetzt elektronisch über Computer geklärt werden können.

UN: Spüren Sie im täglichen Leben, im persönlichen Umgang mit Bekannten und Freunden, bei Behördengängen, dass sich die politische Situation zwischen Deutschland und Russland geändert hat? Fühlen Sie sich als Deutscher in Kaliningrad nach wie vor sicher oder sind westliche Ausländer irgendwelchen Anfeindungen oder Schikanen ausgesetzt?

BS: Wenn man deutsche und auch russische Medien verfolgt, könnte man der Meinung sein, dass beide Länder sich nicht mehr viel  zu sagen haben, am jeweils anderen Ende des Stranges ziehen und die Situation immer verfahrener wird. Dies mag an der Spitze, bei den Entscheidungsträgern auch tatsächlich so sein. Im täglichen Leben, sei es mit offiziellen Stellen oder auch nur der tagtägliche Umgang mit russischen Freunden und Bekannten ist davon wirklich nichts zu spüren. Diese Einschätzung teile ich mit quasi allen Besuchern mit denen ich mich über dieses Thema unterhalten habe. Allerdings kann ich nicht für das ganze Russland urteilen, sondern nur für das Kaliningrader Gebiet und meine persönliche Umgebung.

UN: Die von Russland Mitte 2014 verhängten Lebensmittelsanktionen werden unterschiedlich bewertet. Jede Seite betont die für sie vorteilhaften Argumente oder Gegenargument. Hat sich Ihr persönlicher Speiseplan geändert, vermissen Sie irgendetwas in ihrem Kühlschrank? Oder fahren Sie regelmäßig nach Polen um sich mit Lebensmitteln einzudecken?

BS: Geschuldet der Tatsache, dass ich Vegetarier bin leide ich doch noch etwas mehr unter dem Einfuhrboykott von frischen Früchten und Gemüse. Was Fisch und Fleisch anbelangt kann ich wenig dazu sagen, aber in Bezug auf Käse habe ich leider feststellen müssen, dass die angebotenen russischen Sorten qualitativ nicht dem zuvor gewohnten Standard von Milchprodukten entsprechen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die angesprochenen Lebensmittel vom Markt verschwunden sind. Sie werden nur nicht mehr in der Breite in jedem Lebensmittelgeschäft angeboten. Alternativ kann der Kunde in besser sortierten Fachgeschäften die, oft um die halbe Welt gereisten Spezialitäten, für entsprechend höhere Preise erstehen.

Speziell nach Polen oder Litauen zu fahren um diesen Mangel auszugleichen, das mache ich nicht, obwohl ich von vielen Russen weiß, dass sie sich regelmäßig ins benachbarte Ausland begeben um ihren Bedarf an günstigeren Lebensmittel zu decken. Jedoch komme auch ich nicht umhin, bei Rückreisen aus Deutschland die eine oder andere Spezialität mitzubringen.

UN: Die Landwirtschaft war lange Zeit ein Stiefkind im Gebiet und eines der Lieblingsthemen von deutschen Kaliningrad-Touristen die meinen sich ein Urteil erlauben zu können, nur weil sie aus dem Flugzeugfenster im Landeanflug nicht bewirtschaftete und vernachlässigte Flächen gesehen haben. Jetzt scheint etwas in Bewegung gekommen zu sein. Glauben Sie, dass wir in Kaliningrad wieder dazu kommen, das Gebiet als „Kornkammer Russlands“ bezeichnen zu können?

BS: Ich kenne diese, zum Teil berechtigten, Vorwürfe der Kaliningrad-Touristen bezüglich der  brachliegenden Felder. Die Gründe hierfür sind vielfältig und darauf jetzt einzugehen würde den Rahmen sprengen.

Grundsätzlich bin ich kein Freund von Sanktionen und Gegensanktionen, aber ausgerechnet in der Landwirtschaft könnten die russischen Gegensanktionen zum Motor einer rasanten Entwicklung dieses Wirtschaftsbereiches werden. Auch die in letzter Zeit verstärkt aktive Präsenz von Bauern aus Deutschland, die im Gebiet tätig geworden sind, wieder investieren und etwas aufbauen wollen, zeugt von einer Entwicklung  in die angestrebte Richtung.

Ich glaube nicht, dass Kaliningrad zu der Kornkammer Russlands werden wird, denn es gibt sehr viel fruchtbares Land im „Kernrussland“. Aber das sich das Kaliningrader Gebiet im Großen und Ganzen mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen selbst versorgen wird und darüber hinaus einiges auch exportieren kann – ja, dem stimme ich voll und ganz zu.

UN: Russland erwägt einseitige Visaerleichterungen und will für eine Reihe von Städten Visafreiheit für 72 Stunden einführen. Auch Kaliningrad soll davon betroffen sein. Noch gibt es keine zweite und dritte Lesung hierzu in der Staatsduma. Aber wenn diese Bestimmungen Realität werden – worin würden Sie die Vorteile sehen? Tut sich dann etwas im deutschen Unternehmertum oder im Tourismusbereich?

BS: Jede mögliche Visaerleichterung ist eine gute Sache. Aber so wie ich die Sachlage kenne wird das 72 Stundenvisum nicht einfach so an der Grenze ausgestellt, sondern es wird eine vorzeitige Anmeldung für diese Einreisemöglichkeit nötig sein, die an bestimmte Auflagen geknüpft sein wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dadurch die Zahl der spontanen Touristen oder sonstigen Besucher steigen wird. Andererseits, wenn das der erste Schritt zur Abschaffung der Visa zwischen Russland und den Schengener Staaten werden sollte, so heiße ich diese Initiative herzlich willkommen.

UN: Kaliningrad ist eine Stadt und eine Region mit großem Entwicklungspotenzial. Ein deutscher Unternehmer kann gegenwärtig immer noch problemlos seine Nische finden. Wenn ein Deutscher Sie fragen würde, mit was man sich in Kaliningrad beschäftigen kann, was würden Sie ihm empfehlen? In welcher Branche kann man sich beschäftigen – etwas produzieren, oder im Dienstleistungssektor, Export/Import, Consulting, Finanzen.

BS: Sie haben recht, dass in Kaliningrad noch einige Nischen frei sind und noch einige Services nicht vorhanden oder unterentwickelt sind. Ich würde aber keine Sparte explizit nennen, denn eine mögliche Tätigkeit sollte nicht nur innovativ sein, sondern auch in Russland auf Verständnis stoßen. Also wenn sich jemand mit dem Gedanken trägt hier unternehmerisch tätig sein zu wollen, dann auf jeden Fall in dem Bereich wo er bereits Erfahrungen gesammelt hat, in dem er Experte ist und sich nicht auf ein Abenteuer einlassen nur weil er in einer bestimmten Branche noch Verdienstmöglichkeiten oder Nachholbedarf sieht.

UN: Kaliningrad gehört zu den Ausrichterstädten der Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Vier Gruppenspiele sollen ausgetragen werden. Ich habe das Gefühl, als ob irgendjemand kein Interesse hat, das diese Spiele in Kaliningrad stattfinden, denn man liest jede Woche über neue Probleme beim Bau des Stadions. Wäre es, Ihrer Meinung nach, eine Katastrophe, wenn Kaliningrad die Ausrichterrechte entzogen werden würden?

BS: Kaliningrad als Ausrichterstadt für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ist ein Segen für die Ostseemetropole. Nicht nur das der Name der Stadt in der ganzen Welt vernommen wird, sondern in erster Linie sind es die zu erwartenden Investitionen. Die ganze Infrastruktur wird auf eine neue Ebene gehievt, die Stadt wird sich quasi selbst neu erfinden. Wenn ich mir die geplanten (zum Teil auch schon sichtbaren und fortschreitenden) baulichen Maßnahmen vor meinem geistigen Auge ablaufen lasse, bekomme ich ganz glänzende Augen. Der lange Streit um den Standort, der sich immer wieder hinauszögernde Start des Stadionbaus sind allerdings etwas beunruhigend. Mag man den Worten des russischen Sportministers Witali Mutko Glauben schenken, ist man jedoch immer noch im Zeitplan. Die nächsten Monate werden sehr interessant und mit einem dann hoffentlich erfolgten Baubeginn sollte es wünschenswerterweise zügig vorangehen.

Auf die (sport)politischen Ereignisse haben wir wenig Einfluss, jedoch denke ich als Berufsoptimist, dass alles wie geplant stattfinden wird. Mit jedem Tag dem wir uns dem Anpfiff nähern und mit jedem Tag an dem hier gebaut wird, entfernen wir uns ein weiteres Stückchen von dem Katastrophenszenario einer nachträglichen Aberkennung des Ausrichterstatus.

UN: Als „Königsberg-Kenner“ mit Detailkenntnissen aus fast jeder Ecke in der Stadt und dem Gebiet – was haben Sie für Geheimtipps für Touristen, die mal etwas sehen wollen, was nicht in offiziellen Reiseführern steht. Würden Sie einem Touristen ohne Sprachkenntnisse empfehlen, auch mal eine Reise „auf eigene Faust“ durch das Gebiet zu machen, oder sollte doch eine Gruppenreise besser sein?

BS: Das Reisen hier im Gebiet ist höchst interessant und wer ein bisschen Zeit mitbringt, sollte auf jeden Fall die Gelegenheit dazu nutzen. Es ist für jeden etwas dabei, egal ob man nun einfach nur mal die Seele baumeln lassen möchte an den malerisch schönen Ostseestränden mit hohen Dünen und Kieferwäldern, ob man aus historischem Anlass Spuren deutscher, litauischer, oder russischer Besiedlung sucht oder einfach nur die atemberaubende Landschaft, die Wälder, das weites Land mit blauem Himmel und weißen Wattewölkchen genießen möchte. Das Reisen im Gebiet ist problemlos wenn man sich an die Vorschriften hält. Gruppenreisen sind über jedes Reisebüro zu buchen, aber wer abenteuerlustiger ist und es auf eigene Faust machen möchte der kann das ebenfalls bewerkstelligen. Hierzu gibt es Mietwagen am Flughafen oder in der Stadt. Bei dieser Variante sollte allerdings vorab aus Büchern oder Reisebeschreibungen die Strecke etwas studiert werden.

Foto: Bernhard Sontheim – in riskanter abenteuerlicher historischer Mission

 

Empfehlen würde ich jedoch für Abenteuerlustige, sich im voraus schon anzumelden bei Leuten vor Ort, oder einfach am Mittwoch im Restaurant „Zötler“ vorbeischauen und fragen ob irgendjemand für die und die Zeit jemanden Ortskundigen kennt, der sich bereit erklärt auf eine Tour mitzukommen. Der Vorteil ist, man kennt sich, kann sich auf die Reiseleiter verlassen und es gibt auch keine Sprachprobleme. Am „Trefftisch Deutschsprachiger“ findet man immer jemanden der weiterhilft.

Das waren unsere zehn Fragen und das waren Ihre zehn Antworten. Vielen Dank Herr Sontheim für Ihre Bereitschaft mit unserem Informationsportal zusammenzuarbeiten und viel Erfolg Ihnen und uns bei der weiteren Gestaltung unseres Aufenthaltes in Kaliningrad.

Am nächsten Sonntag stellen wir Ihnen Reinhold Schierl vor, ein Deutscher der seit 2012 in Kaliningrad die BMW-Produktion im Rahmen der Holding „Avtotor“ leitet.

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