Das Kaliningrader elektronische Ticket und seine Hürden

Das Kaliningrader elektronische Ticket und seine Hürden

 

Es gibt bereits viel Elektronisches in Kaliningrad. Im Juli wurde das elektronische Visum eingeführt und wenige Tage später das elektronische Ticket für den öffentlichen Nahverkehr. Während das elektronische Visum reibungslos funktioniert, gibt es bei den Straßenbahnfahrscheinen doch noch Hürden.

Viele Jahre hat man an der Einführung des elektronischen Tickets für den Kaliningrader Nahverkehr gearbeitet. Warum dies so lange gedauert hat, bleibt wohl das Geheimnis derjenigen, die sich mit dem städtischen Nahverkehr beschäftigen. Neben internationalen Erfahrungswerten, gibt es auch ausreichend russische Städte, die bereits seit vielen Jahren das elektronische Ticket eingeführt haben. Warum man diese Erfahrungen nicht nutzte – keine Ahnung.

Wobei sich „elektronisches Einheitsticket“ furchtbar hochtrabend anhört, denn es ist gar kein elektronisches Ticket und einheitlich ist es auch nicht. Neben der bisherigen Methode der Barzahlung, kann man mit der ganz normalen Geldkarte zahlen oder man hat eine Karte nur für den Nahverkehr, die man regelmäßig „auftanken“ kann. Die Schaffner, die es immer noch in den Fahrzeugen gibt, kommen mit einem elektronischen Kartenleser, man legt die Karte drauf und es kommt der Papierfahrschein raus. Er sieht aus wie ein ganz normaler Kassenscheck und neben dem erfreulich niedrigen Fahrpreis von 24 Rubel, ersieht man dort auch noch, wieviel Restgeld auf der Karte verblieben ist.

Nach wie vor löst man beim Umsteigen einen neuen Fahrschein.

Aber das System stolpert noch. So hat man die Schaffner nicht mit Akkuladegeräten oder zusätzlichen Akkus ausgestattet und so hört das „elektronische Ticket“ schon recht schnell wieder auf zu funktionieren.

Die Schaffner selber sind nicht am „elektronischen Ticket“ interessiert, weil die Abkassierung von Bargeld es ihnen anscheinend ermöglicht, einen Teil der Einnahmen zu „privatisieren“. So kommunizieren es zumindest die Verantwortlichen aus dem Bereich des Nahverkehrs. Aus eigener Erfahrung – ich bin glücklicher Inhaber einer Nahverkehrskarte, die man für 100 Rubel erwerben kann – weiß ich, dass die SchaffnerInnen wirklich nicht sehr glücklich sind, wenn ich mit dieser Karte bezahlen will und es häufig „technische Schwierigkeiten“ gibt. Man fragt mich, ob ich nicht bar bezahlen will. „Nein, will ich nicht und ich habe auch kein Bargeld dabei … dann fahre ich eben kostenlos“, - so meine Antwort. Und dann passieren die Wunder der Technik … der Apparat beginnt plötzlich zu funktionieren.

Und nun hat sich die Stadt entschlossen, zusätzliche Kontrolleure einzustellen. Diese sollen kontrollieren, ob die Schaffner, die von Zeit zu Zeit von Kontrolleuren kontrolliert werden, auch richtig arbeiten. Also die Kontrolle der Kontrolle.

In erster Linie sollen aber diese Kontrolleure dafür sorgen, dass die elektronischen Terminals funktionieren und genutzt werden. Ab Mitte Oktober werden die Kontrolleure der Kontrolleure ihre Arbeit aufnehmen und dafür sorgen, dass auch am Nachmittag noch die elektronischen Terminals arbeiten – wie der Bürgermeister es formulierte.

„Die Arbeit läuft. Aber wie immer, wenn man große Projekte umsetzt, klappt nicht alles so wie gewünscht“, - meinte der Kaliningrader Bürgermeister.

Und so erfährt der Nutzer der Straßenbahn, dass das Thema „Fahrschein“ in Kaliningrad in der Kategorie „Großprojekt“ rangiert.

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