Das schwangere Kaliningrader Gebiet

Das schwangere Kaliningrader Gebiet

 

Noch wissen wir es nicht, ob das Kaliningrader Gebiet schwanger ist. Aber zumindest ist schon mal ein Schwangerschaftstest vorhanden und alle warten mit gespannten Blicken, was er anzeigen wird.

 
Wir wissen, dass im Normalfall immer zwei dazugehören, um schwanger zu werden. Und natürlich gehört auch ein entsprechendes Umfeld dazu, damit das Kind unter denkbar günstigen Bedingungen gezeugt wird und der Prozess der Schwangerschaft selber – in der Regel neun Monate – möglichst glücklich und komplikationsfrei verläuft.
 
So hat man vor rund einem Jahr begonnen, die kleine Grenzsiedlung „Schelesnodoroschny“, also die „Eisenbahnige“ zu restaurieren. Im ersten Anlauf wurden 33 Häuser so instandgesetzt, dass man glauben könnte, man sei in eine Zeit vor 1945 zurückversetzt worden. Jetzt konzentriert man sich auf die Straßen, Wege und Plätze, denen unter Nutzung von alten Pflastersteinen, historischer Romantismus eingehaucht werden soll.
 
Im Jahre 2021 wird man sich dann wieder der Instandsetzung von weiteren Gebäuden widmen, wird das Kulturhaus renovieren, wird Parkplätze schaffen, wird den Ort an die Gasversorgung anschließen. Kaliningrader Medien informieren, dass auch die Mühle, die gegenwärtig als Ruine zwischen Bahnhof und Stadtrand in einer idyllischen Grünanlage steht, als Hotel hergerichtet werden soll und die Gebietsregierung bereit ist, hierfür finanzielle Hilfestellung zu geben.
 
Und der Kaliningrader Gouverneur meint, dass man in Kaliningrad mit der Idee schwanger geht, den ehemals vorhandenen Grenzübergang nach Polen auch für den Passagierverkehr, sprich die Touristen, wieder zu aktivieren. Die Revitalisierung der Grenzsiedlung ist ein gutes Argument hierfür, der sogenannte Schwangerschaftstest, um zu sehen, ob wirklich erfolgreich ein Kind, sprich Grenzübergang, gezeugt wurde.
 
Das Problem besteht eben nur darin, dass nicht bekannt ist, wie sich Polen zu diesem neuen Kind-Grenzübergang verhalten wird. Liebt Polen kinderreiche Familien… äh, grenzpunktreiche Nachbarn oder nicht? Immerhin hat man schon vier Grenzübergänge mit Kaliningrad und jetzt käme ein fünfter hinzu. Und dies in einer international angespannten Lage, wo durch Polen ständig vor den bösen Russen gewarnt wird, die natürlich jeden weiteren Grenzübergang nutzen könnten, um zusätzliche Panzerkolonnen nach Polen zu entsenden. Wirtschaftliche Argumente zählen auch nicht, wie die Annullierung des kleinen visafreien Grenzverkehrs im Jahre 2015 zeigte, wo die Polen sich in erster Linie selber schädigten.
 
Lange Rede, langer Sinn – Kaliningrad ist noch nicht schwanger, man geht nur mit dem Gedanken schwanger, einen neuen Grenzübergang zu schaffen.

 

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