Gespräche in der Sauna zum Schicksal des Alkoholverkaufs in Kaliningrad

Gespräche in der Sauna zum Schicksal des Alkoholverkaufs in Kaliningrad

 

Jeden Morgen pünktlich um sechs Uhr gehe ich in die Sauna. Das macht nicht nur fit für den beginnenden Alltag, sondern man erfährt dort auch alles, was am Vortag und in der Nacht in Russland und in der Welt passiert ist. Die Sauna in Russland ersetzt defacto das Internet.

 

 

Um die 100 Grad hat die Sauna, wo sich unser kleines Kollektiv jeden Morgen ab sechs Uhr trifft. Aber heute waren es doch gefühlte 200 Grad, denn es wurde hitzig über die neuen Festlegungen zum Verkauf von Alkohol in Kaliningrad diskutiert. Ungeachtet dessen, dass man Alkohol, insbesondere Bier und Wodka, immer gut gekühlt trinken sollte, haben sich die Gemüter doch sehr erhitzt, denn die bisherigen Zeiten für den Verkauf von Alkohol wurden um weitere zwei Stunden verkürzt, also der Beginn von 10 auf 11 Uhr und das Ende von 22 auf 21 Uhr verlegt.

Besonders schwerwiegend meinten die männlichen Sauna-Teilnehmer, ist das neu eingeführte generelle Verkaufsverbot am Internationalen Kindertag (1. Juni), dem Tag der Jugend am 27. Juni, dem Tag des Schulbeginns am 1. September und dem Gesamtrussischen Tag der Nüchternheit am 11. September.

Eine Frau aus unserer Runde verstand nicht, warum sich alle so aufregten. Sie meinte, dass ihr Mann sie immer rechtzeitig losschickt, damit die Alkoholvorräte immer aufgefüllt sind. Für sie bringt das Gesetz keinerlei Veränderung.

Ein anderer, meist stiller Teilnehmer unserer Sauna-Runde, murmelte fast unhörbar: „Ich habe noch nie im Supermarkt gekauft, ich brenne mir meinen Alkohol immer selber, da weiß ich, dass ich nur Qualität trinke.

Und ein Dritter kommentierte, dass es sich um sehr humane neue Festlegungen handelt, denn er weiß aus ganz sicherer Quelle, dass die Kaliningrader Staatsanwaltschaft sogar den Verkauf schon ab 20 Uhr verbieten wollte. Und andere Aufsichtsorgane wollten auch am 7. Januar den Verkauf von Alkohol verbieten – also genau an Weihnachten.

Geschockt hörte unsere Sauna-Runde diese Informationen und mit einem Mal waren doch alle zufrieden, denn, es ist ja doch nicht so schlimm gekommen, wie einige es geplant hatten.

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