Gouverneur bittet, keine deutschen Bezeichnungen zu verwenden

Gouverneur bittet, keine deutschen Bezeichnungen zu verwenden
 
Während einer Sitzung der Kaliningrader Gebietsregierung am Dienstag, informierte der Wirtschaftsminister über die Renovierung des Gebäudes der ehemaligen Königsberger Börse. Er wurde vom Gouverneur unterbrochen, der eine Bitte äußerte.
 
 
 
Videobegleitung: Museum der bildenden Kunst mit Vorplatz – 2020
 
Der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow unterbrach seinen Wirtschaftsminister, der gerade das Thema der umfangreichen Renovierung des Gebäudes der ehemaligen Königsberger Börse, gelegen im Zentrum der Stadt, ansprach und warf ein:
 
…könnten wir zukünftig nicht mehr vom ehemaligen Gebäude der Handelsbörse sprechen? Das Gebäude hatte zu sowjetisch-russischen Zeiten verschiedene Zweckbestimmungen. Wenn wir über das Gebäude sprechen, so sollten wir es DKM nennen – Haus der Kultur der Seeleute.
 
Weiterhin bat der Gouverneur darum, den vorgelagerten Platz zum Gebäude nicht mehr Börsen-Square zu nennen, sondern so, wie er offiziell heißt: Square 70. Jahrestag des Kaliningrader Gebietes.
 
Und der Gouverneur forderte die Stiftung Hauptinstandsetzung auf, mit der Publizierung historischer Bezeichnungen in den Sozialnetzwerken aufzuhören.
 
„Ladno?“ – so sein abschließendes Wort, welches soviel bedeutet wie: „Habe ich mich unmissverständlich ausgedrückt?“
 
Noch bleibt es abzuwarten, was diese Anmerkung des Kaliningrader Gouverneurs letztendlich zu bedeuten hat. Es könnte das offizielle Signal für den Beginn der Einflussnahme auf die fortschreitende Germanisierung, besser formuliert als EndRussifizierung, des Gebietes sein. Die gegenwärtige politische Situation, insbesondere das Verhältnis zwischen Deutschland und Russland, dürfte diesen gesellschaftlichen Prozess sicherlich beschleunigen.
 
In seiner bisherigen Geschichte war das Gebäude zu deutschen Zeiten eine Börse, allerdings keine Finanzbörse, sondern hauptsächlich eine Getreide-Börse. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude als Kulturhaus der Jugend und danach als Kulturhaus der Seeleute genutzt. Im Jahre 2017 ist die Kunstgalerie, ehemals gelegen auf dem Moskauer Prospekt, in dieses Gebäude umgezogen und in „Museum für bildende Kunst“ umbenannt worden.
 
Videoeinspielung: Projekt der Rekonstruktion des Museums für bildende Kunst
 
Ein ambitioniertes Projekt verspricht die vollständige Rekonstruktion des Gebäudes und des weiten Umfeldes zu diesem Gebäude und Rückversetzung in einen maximal originalen historischen Zustand.
 
Etwas schwer tun wird sich die Kaliningrader Gesellschaft mit der Bezeichnung des Vorplatzes. Der Name ist sowohl in russischer, wie auch in jeder anderen beliebigen Sprache zu lang, zu holprig und wird der Bevölkerung im täglichen Umgang nicht über die Zunge kommen. Es wäre also angebracht, sich für diesen, schön gestalteten Platz, mit elektronischen Wasserspielen, einen kurzen, knackigen volkstümlichen Namen einfallen zu lassen, der dem „Börsenplatz“ leicht Konkurrenz macht.
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Kommentare ( 2 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 17. Februar 2021 19:56 pm

    Ich finde den Wunsch des Gouverneurs mehr als berechtigt. In Daugavpils redet man ja auch nicht mehr von Dünaburg. Nur so mal als ein Beispiel und die Gorkistraße in Moskau heißt ja auch nicht mehr so und die Umbenennung ist noch gar sooo lange her.

  • Uwe Kettmann Kettmann

    Veröffentlicht: 22. Februar 2021 13:28 pm

    Die Handelsbörse ist eine korrekte hist. Bezeichnung . Aus dem Königsberger Dom wird ja auch nicht die Kaliningrader Konzert-und Ausstellungshalle. Bei der Verwendung alter deutsche Ortsnamen und Strassennamen könnte ich das ja noch verstehen. Oft habe ich erlebt, dass die russ.- Bewohner gern die alten Namen verwenden. Kettmann

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 22. Februar 2021 14:06

      Wenn wir Ereignisse erwähnen, die in der Stadt bis 1946 passiert sind, so ist es historisch und sachlich korrekt, über die "Königsberger Börse" zu sprechen. Danach hatte dieses Gebäude mehrere andere, sowjetische und russische Funktionen. Warum sollte man also in Russland einem Gebäude einen deutschen Namen geben? Der Reichstag ist doch auch kein Reichstag mehr, sondern der Bundestag - oder?
      Der "Königsberger Dom" heißt heute auch nicht mehr "Königsberger Dom", sondern "Sabor", also "Kirche" oder "Kathedrale" ... Ja, ein Teil der Kaliningrader Bevölkerung benutzt deutsche Bezeichnungen. Niemand verbietet dies. Aber es ist schon ein Unterschied zwischen Privat und Öffentlich.

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