Grabmal des unbekannten deutschen Soldaten in Kaliningrad

Grabmal des unbekannten deutschen Soldaten in Kaliningrad
 
In Kaliningrad scheint es ein Grabmal des unbekannten deutschen Soldaten zu geben. Direkt im Stadtzentrum, auf einer Grünfläche neben dem Dom auf der Kant-Insel rief ein deutsches Kreuz ohne Inschrift Fragen hervor, für die sich nun der Staatsanwalt interessieren soll.
 
 
Der Kaliningrader Bürger Juri Iwanow wandte sich an die Staatsanwaltschaft mit der Bitte, eine juristische Bewertung für ein steinernes Kreuz vorzunehmen, welches keine Inschrift und keine weiteren Erklärungen beinhaltet und sich mindestens seit dem Jahre 2004 auf einer Grünfläche neben dem Dom befindet.
 
Er kommentierte, dass diese Grünfläche nicht als Fläche für Memoriale oder als Begräbnisfläche deklariert ist und das Kreuz genau die Form hat, welches für Gräber deutscher Wehrmachtssoldaten verwendet wird.
 
Juri Iwanow hat in Eigeninitiative versucht, einiges über dieses steinerne Kreuz in Erfahrung zu bringen.
 
Videoeinspielung: Steinernes Kreuz neben dem Dom auf der Kant-Insel
 
Aufgestellt wurde es im Jahre 2004, kurz vor dem 750jährigen Stadtjubiläum. In den Medien fanden sich Kommentare, dass es sich um ein „Denkmal für die Opfer der Bombardierungen von Königsberg im Jahre 1944“ handelt.
 
Angeblich sollen sich an dieser Stelle sterbliche Überreste der Königsberger Bürger befinden, die bei den Rekonstruktionsarbeiten des Domes gefunden worden sind. Offizielle Bestätigungen gibt es hierfür nicht. Widersprüchlich ist hierbei auch, dass für die Beisetzung von Zivilisten derartige Grabsteine keine Verwendung fanden.
 
Juri Iwanow kommentierte, dass er den Eindruck habe, als ob das ungesetzliche Aufstellen derartiger Grabsteine eine Art von „Gefühl der Toleranz gegenüber Nazi-Deutschland und seinen, in der Sowjetunion begangenen Verbrechen“ erwecken sollen.
 
Es gibt russische Gesetze, wie Verstorbene oder sterbliche Überreste von Menschen beizusetzen sind. Es gibt ebenfalls internationale Vereinbarungen, insbesondere zwischen Russland und Deutschland, wie und wo sterbliche Überreste von deutschen Soldaten und Zivilisten beizusetzen sind.
 
Videoeinspielung: Bauarbeiten auf der Kant-Insel
 
Die Inaktivität der Stadtverwaltung, bei der Rekonstruktion des Territoriums der Kant-Insel, zur Beseitigung des ungesetzlichen militarisierten Grabkreuzes, veranlassten Juri Iwanow, sich an die Staatsanwaltschaft zu wenden und die Entfernung zu fordern.
 
In den, wie üblich sehr emotionalen Diskussionen in den Sozialnetzwerken, wurde weiter informiert, dass der kürzlich verstorbene Igor Odinzow in einem Interview erklärt haben soll, dass sich unter diesem Militär-Grabkreuz einfach nur eine Grube befunden hat, in die man alle aufgefundenen Knochenreste geworfen habe, ohne diese zu identifizieren. Danach habe man einfach dieses Militär-Grabkreuz ohne Genehmigung oder Registrierung aufgestellt.
 
Juri Iwanow kommentiert, dass es für ihn klar ist, dass hier die „Ohren Deutschlands deutlich hinter dem Grabstein zu erkennen sind.“
 
Juri Iwanow wurde der Öffentlichkeit im vergangenen Jahr bekannt, als die liberale Öffentlichkeit Kaliningrads die Aktion „Die Stadt ist nicht schuld“ startete. Er stellte sich mit einem Plakat vor dem Dom, auf dem er fragte: „Und um die Opfer Stalingrads wollt ihr nicht trauern?“
 
Foto: Juri Iwanow erinnert an die Opfer von Stalingrad
 
Weiterhin veranlasste er die Kaliningrader Staatsanwaltschaft, eine Weisung zu unterzeichnen, in dem die Inschrift „Neuhausen“ an einer Hauswand am Stadteingang von Gurewsk zu entfernen ist.
 
Foto: Deutsche Beschriftung am Stadteingang von Gurewsk
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Kommentare ( 5 )

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 23. September 2020 09:06 pm

    Ich sehe ständig Touristen, die mit diesem Kreuz Fotos machen. Es macht keinen Sinn, diese Sehenswürdigkeite aufzuräumen. Die Ohren Deutschlands sind einer der Chips, um russische Touristen anzulocken.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 23. September 2020 09:20

      ... es macht schon Sinn, Gesetze in Russland einzuhalten.

      Ansonsten habe ich den letzten Satz nicht verstanden. Meinten Sie, dass die Historie des Gebietes das ist, was russische Touristen an Kaliningrad interessiert und das man deshalb zu uns reist?

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 23. September 2020 10:48 pm

    Russische Touristen sehen "deutsche Ohren" etwas Ungewöhnliches für Russland, und das zieht sie an. Schließlich sollte etwas daran erinnern, dass Kaliningrad eine Trophäe des Krieges ist.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 23. September 2020 10:57

      ... illegal aufgestellte deutsche Militär-Grabkreuze sind aber ganz bestimmt kein Beitrag, um daran zu erinnern, dass Kaliningrad sowjetische (russische) Kriegsbeute ist.

      Die Grabkreuze, die auf den internationalen Friedhöfen im Kaliningrader Gebiet, auf der Grundlage von Verträgen zwischen Russland und Deutschland, aufgestellt worden sind - ja, dass sind offizielle Argumente und sichtbare Beweise für Touristen, dass es sich um Trophäengebiete handelt. Aber russische Touristen besuchen selten derartige Friedhöfe - wozu auch?

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 23. September 2020 11:10 pm

    "...illegal aufgestellte deutsche Militär-Grabkreuze sind aber ganz bestimmt kein Beitrag, um daran zu erinnern, dass Kaliningrad sowjetische (russische) Kriegsbeute ist." Einfache unkomplizierte Touristen glauben das nicht. Darüber hinaus ist das Konzept der Illegalität in Russland unendlich erweiterbar und verlockend.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 23. September 2020 11:17

      ... wir können endlos diskutieren. In Russland gelten Gesetze und die sind einzuhalten. Wenn Touristen etwas ungesetzliches sehen wollen, müssen sie eben woanders hinreisen.

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 23. September 2020 12:01 pm

    Es ist wohl etwas sehr weit hergeholt, dieses anonyme Steinkreuz, welches im Grunde keinerlei erkennbare Historie hat, als das Zuckelie für das Kommen der Touristen zu bezeichnen. Es wird wohl so sein, daß erst die Stadtführer um das Kreuz eine Geschichte stricken. Irgend etwas "Interessantes" muß dieser Stadtführer doch auch zu verkaufen haben.
    Meiner Ansicht nach wird es wohl die Stadt und die Oblast an sich sein, die die russischen Touristen anlockt. Kann es doch der Reiz sein, daß man außerhalb Rußlands und andererseits auch nicht ist. Die Ostsee ist nicht das Schwarze Meer und hat einen schönen Sandstrand. auch die Bauweise in den Städten ist größtenteils andes als die russische. Im russischen Fernsehen sind doch vergleichsweise mehr Beiträge zu sehen als über sibirische Städte, die wohl so manches Mal ziemlich vergessen werden, wenn es nicht gerade irgendwelche scheußlichen Morde oder einen Nawalny gibt.

  • Hannelore Jülicher Nehme

    Veröffentlicht: 23. September 2020 14:11 pm

    Also als deutsches Nachkriegskind muß ich mich dem anschließen, dass ein Steinernes Kriegsgrabkreuz dort nichts zu suchen hat.
    Ich kenne int. und D Soldatenfriedhöfe, auf denen int. beigeseitzt ist, wo ich an einer Stele meine Blume ablegen kann.
    Mein Grossvater sein Grab konnte ich nach 40 Jahren dank VdK finden, und 2017 besuchen.
    Der Hain in Chernyachovs ist eine sehr würdige Stätte, wo sehr viele Russische Gräber sind, ein Teil der Bewohner, sowie tausende Deutsche Soldaten. Dieser Friedhof ist die letzte Ruhestätte, wo so ein Kreuz stehen sollte...
    Ich weiss nicht, wer auf die Idee kommt, es dort abzustellen.

    Ich möchte hier die Gelegenheit nutzen, um kurz auf meinen Grossvater zu kommen.
    Dass er nie zum Kriegsdienst eingezogen wurde, lag daran, dass er in Cranz bei der Seenotrettung war. Er war 64 Tage im Volkssturm und bewachte nur Schienen, wo er verletzt wurde, und 24.12.44 dann starb.
    Ich bin froh, dass er auch im Herzen ein friedvoller Zivilist war❗❗

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 23. September 2020 14:17

      ... es gibt im Kaliningrader Gebiet viele Friedhöfe, die im Rahmen von zwischenstaatlichen Vereinbarungen als letzte Ruhestätte für deutsche Zivilisten und Soldaten genutzt werden.

      Leider gibt es immer wieder Deutsche die glauben, dass man Gesetze in Russland nicht einhalten braucht. Selbst wenn diese Deutschen davon ausgehen, dass Kaliningrad Königsberg und somit Deutsch ist, sollten sie doch wenigsten deutsche Gesetze einhalten. Da sie dies aber auch nicht tun, ist das Ziel derartiger Handlungen einfach nur zu provozieren.

      Ich kann auf meinem Portal natürlich nicht alles veröffentlichen, worüber in Kaliningrad berichtet wird. Das überschreitet ganz einfach meine Möglichkeiten. Aber es ist zu sehen, dass Ordnung geschaffen wird und ich denke, dieser EndRussifizierungs-Trend der letzten zwei Jahrzehnte wird bald ein Ende finden.

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