Kaliningrad bereitet sich auf Ernstfall vor – „Marschall Wasiljewski“ eingetroffen

Kaliningrad bereitet sich auf Ernstfall vor – „Marschall Wasiljewski“ eingetroffen
 
Kaliningrad ist der Dolch im Fleische der NATO. Diese Formulierung nutzte vor einigen Jahren ein amerikanischer Militär, um kund zu tun, wie man die geopolitische Situation des exterritorialen Gebietes der Russischen Föderation einschätzt. Russland hat die Gefahr einer Abtrennung des Gebietes aus dem Bestand der Föderation erkannt.
 
 
Seit 2014 arbeitet Russland intensiv daran, die Sicherheit des Kaliningrader Gebietes allseitig zu erhöhen. Hierbei sprechen wir nicht nur von der militärischen Sicherheit, wo für die Vervollständigung der Struktur der schwimmenden und landgestützten Einheiten der Baltischen Flotte außerordentlich viel getan wurde und getan wird.
 
Viel wurde getan, um die sogenannte innere Situation in Kaliningrad von Extremisten und Terroristen zu säubern. Dies scheint im wesentlichen gelungen zu sein.
 
Trotzdem gibt es immer noch erheblichen Bedarf, den Prozess der Endrussifizierung des Gebietes, deren Bestandteil die Germanisierung des Gebietes ist, aufzuhalten.
 
Große Anstrengungen wurden ebenfalls unternommen, um das Gebiet im Falle einer Blockade überlebensfähig zu machen. Die Landwirtschaft wurde entwickelt und Kaliningrad kann sich im wesentlichen mit den Grundnahrungsmitteln selber versorgen. Zumindest ist man in keiner Frage mehr auf Importe aus westlichen Ländern angewiesen. Die landwirtschaftlichen Sanktionen, die Russland 2014 gegen die westliche Solidargemeinschaft verhängt hat, hat Früchte bei der Entwicklung der eigenen Landwirtschaft gezeigt.
 
 
Ein weiteres Risiko stellt eine mögliche Transportblockade dar. Das Gebiet ist auf dem Landweg nur über Polen oder Litauen erreichbar. Im Verlaufe des Monats Februar wird Kaliningrad zwei neue Großfähren erhalten und in Dienst stellen. Gegenwärtig wird darüber gesprochen, dass eine Fähre die Linie Baltisk-Ust-Luga bei St. Petersburg bedienen wird, die zweite Fähre soll eine Verbindung zum deutschen Hafen Mukran aufbauen.
 
Im Konfliktfall könnten beide Fähren aber die Verbindung zum russischen Mutterland aufrechterhalten, falls es nicht zu einer Seeblockade kommen sollte. Für diesen Fall könnte man aber davon ausgehen, dass die Baltische Flotte die notwendigen Aufgaben zum Geleit der Fähren erfüllen wird.
 
Ein großes Problem stellt die autonome Sicherstellung des Gebietes mit Elektroenergie dar. Noch aus Sowjetzeiten existiert ein Energieverbundnetz BRELL, über deren Kreislauf die drei baltischen Staaten, Weißrussland und Russland, inclusive Kaliningrad, sich gegenseitig mit Strom versorgten und mögliche Versorgungsschwankungen ausglichen. Die baltischen Staaten erklärten vor einigen Jahren, aus diesem Verbund auszusteigen und sich westlichen Systemen anzuschließen. Damit wäre Kaliningrad energietechnisch isoliert gewesen. Viele Milliarden Euro wurden bisher investiert, aber das System funktioniert in den baltischen Staaten noch nicht.
 
 
Kaliningrad hat seit 2014 ebenfalls viel Geld investiert, um neue Elektroerzeugerstationen zu bauen. Mobile Erzeugerstationen, als operative Einsatzreserve, wurden nach Kaliningrad verbracht. Neue unterirdische Gaslagerstätten wurden gebaut und es wurden mehrere Teste durchgeführt, ob das Gebiet sich selbständig versorgen kann. Dazu wurde der Energieverbund BRELL mehrmals komplett abgeschaltet. Das Kaliningrader System stand stabil und ist einsatzbereit.
 
 
Allerdings ist man nach wie vor abhängig von Gaslieferungen, trotz der großen unterirdischen Lager und der großen Kohlevorräte. Um die Auffüllung der Gaslagerstätten stabil zu gewährleisten, wurde ein spezielles Gastransportschiff, „Marschall Wassiljewski“ als mobile Lagerstätte nach Kaliningrad verlegt. Da die Situation sich doch entspannter zeigte, als man ursprünglich befürchtete, wurde dieses Schiff von Gasprom wieder für andere kommerzielle Zwecke weltweit eingesetzt.
 
 
Vor dem Hintergrund der sich gefährlich zuspitzenden geopolitischen Lage, hat sich Gasprom nun entschlossen, das vollbetankte Schiff wieder nach Kaliningrad zurück zu beordern. Es ist bereits in Kaliningrad eingetroffen und liegt auf Reede.
 
Die Aufgabe des Tankers besteht jetzt darin, mit seinen an Bord befindlichen Vorräten im Umfang von 138 Millionen Kubikmeter Gas, am Test der Einsatzbereitschaft des gesamten Kaliningrader Versorgungssystems teilzunehmen. 
 
Für die Gasversorgung Kaliningrad wurde bisher die Transitleitung genutzt, die aus Russland über Litauen im Transit nach Kaliningrad führt.
 
 
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Kommentare ( 4 )

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 27. Januar 2022 02:39 pm

    Ich hoffe, ich kann mich verständlich genug ausdrücken. Das die zwei Fähren da sind, ist wohl ein großer Glücksfall. Rossija Bravo!! Das bringt die russophoben Balten auf jeden Fall ernsthaft zum Grübeln. Ist es doch nun möglich, die "Güter" aus Russland über die Ostsee unter umgehung vom Baltikum und Polen (oh je!) bis in die BRD zu bringen und den Transit auf russich zu kassieren und die anderen beim Verdienen draußen zu lassen. Sanktionen sind schon immer eine zweiseitige Sache gewesaen. Nichtverdsienen tut verdammt weh, wenn man eigentlich nich allzuviel anderes zu bieten hat.
    Ich frage mich bloß, es war doch abzusehen, daß mit NS2 es Schwierigkeiten geben wird. War es wirklich technisch nicht machbar, einen Abzweig nach Kaliningrad zu legen? Ich bin nicht der Fachman, der das technisch einschätzen könnte. Aber es wäre meiner Laieneinschätzung nach für KG wohl extrem wichtig gewesen. Es gab doch, von wem auch immer, einen Baustopp nach Bundesgermanien, aber nicht nach KG.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 27. Januar 2022 05:21

      ... das verstehen viele nicht. Schaut man auf die Karte, so ist so ein kleiner Abzweig eigentlich eine Aufgabe zwischen "Frühstück und Gänsebraten" ...

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 27. Januar 2022 09:31 pm

    NS2 ist ja ein "nach Krim" Projekt.
    Vielleicht stand das privatwirtschaftliche Konsortium auch schon zu dieser Zeit unter politischem Druck, der diese Variante ausschloß.
    Bei dauerhaftem Verhindern der vorgesehenen Nutzung, sollte die Realisierung eines Abzweigs technisch möglich sein.
    Und das wär`s dann!

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 28. Januar 2022 03:02 pm

    Ach Anton, diese zwei riesigen Gasrohre, die Abschnitt für Abschnitt in die Ostsee abgesenkt werden, liegen ca. 1,5 mtief in einem wieder geschlossenen Graben - unter - dem Meeresboden, damit nicht "zufällig" ein schleppender Anker oder Netze eines sich "zufällig" selbständig gemachten Schiffes, so etwas soll es ja geben, diese Pipeline perforieren kann. Wie soll, ohne das Wasser in die Röhren eindringt, dort ein Abzweig geschaffen werden? Das hätte zur Zeit der Rohrlegung geschehen müssen.
    Es wird ja sowieso noch eine oder auch nicht "Lachnummer" geben , wenn die Polen, die von Dänemark kommende Baltic-Pipeline die Nordstream- Pipelines queren lassen wollen. Das würde ja auf jeden Fall im Hoheitsgebiet oder Wirtschaftsbereich Dänemark stattfinden. Wie soll das passieren und die Polen-Pipeline vor solchen Schleppankern oder -netzen gesichert werden? Diese Pipeline direkt über die drei Stränge von NS I und II so einfach einzubuddeln, damit wird wohl Gasprom nicht einverstanden sein

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 28. Januar 2022 13:32 pm

    Ich bin mir der Problematik voll bewußt, aber da ist nichts unmöglich.
    Die Querung durch die Polen-Pipe wird diese Frage berühren.

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