Kaliningrad neigt zu Extremansichten im Tourismus

Kaliningrad neigt zu Extremansichten im Tourismus

 

Der Tourismus ist eine der strategischen Entwicklungsrichtungen für das Kaliningrader Gebiet. Vor einigen Jahren tauchten Zahlen zu Touristenerwartungen auf, die Paris, London und New-York, von Moskau und St. Petersburg ganz zu schweigen, zum Erblassen brachten.

Noch zu Zeiten des Gouverneurs Nikolai Zukanow machte man Berechnungen zur Anzahl der Touristen, die Kaliningrad jedes Jahr erwarten wird. Phantastische sieben Millionen sollten es sein und keiner erklärte, woher diese Touristen kommen sollten und vor allem, was diese in Kaliningrad machen sollten, was sie sich anschauen, womit sie sich den touristischen Alltag in Kaliningrad vertreiben könnten.

Die Zahl sieben Million verschwand einige Monate später wieder aus der Diskussion und einige Monate später verschwand dann auch Nikolai Zukanow, der damalige Gouverneur und heutige Bevollmächtigte des russischen Präsidenten für den Föderalen Verwaltungsbezirk Ural.

Geblieben ist aber Andrej Jermak, der Tourismusminister. Er ist nicht nur Tourismusminister geblieben, sondern hat auch den umfangreichen Verantwortungsbereich der Kultur mit übernommen. Und er meldet sich sehr regelmäßig mit optimistischen Informationen und Erfolgsmeldungen in den Medien zu Wort. Einige seiner Verlautbarungen lassen aber auch nachdenklich werden und man stellt sich die Frage, woher er diese Meinung hat.

 

 

So informierte er am vergangenen Montag, dass sich Kaliningrad auf Touristen konzentriert, die ein Einkommen von 60.000 Rubel oder mehr haben. Man will keinen Massentourismus. Aber noch vor wenigen Wochen informierte man, dass Kaliningrad im Jahre 2020 zwei Millionen Touristen erwarten wird, was einem jährlichen Zuwachs von zehn Prozent entsprechen würde.

Wenn man sich in Erinnerung ruft, dass das Durchschnittseinkommen in Russland um die 40.000 Rubel beträgt, so ist klar, dass wohl nur sehr wenige russische Touristen nach Kaliningrad kommen werden. Diejenigen, die wenig verdienen sagen: „Kaliningrad orientiert sich an den Reichen. Da wird alles teuer sein. Da fahren wir nicht hin.“ Und die Reichen sagen: „Für das Geld, was ich in Kaliningrad bezahle, fahre ich lieber noch weiter in den Westen.“

Vermutlich sind diese Befürchtungen übertrieben, aber eine Orientierung der Kaliningrader Tourismusbranche auf die „Besserverdienenden“ dürfte kaum erfolgreich sein. In Deutschland gab es auch mal eine Partei der „Besserverdiener“ und die „Besserverdiener“ waren so wenig, dass diese Partei nicht mehr in den Bundestag einziehen konnte.

Vermutlich ist ein guter Mix im touristischen Angebot doch die beste Lösung – wie immer in allen Sparten des Business.

Andrej Jermak kommentierte, dass Tourismus kein Sozialprojekt ist. Tourismus soll Geld in die Kassen spülen.

Natürlich kann man auch Millionen Touristen nach Kaliningrad locken, aber – so Jermak – dann wird bei uns das Gleiche passieren wie in St. Petersburg mit den Millionen von Chinesen. Die Kaliningrader Infrastruktur ist einfach nicht in der Lage, große Mengen an Touristen zu empfangen.

Außerdem befürchtet der Minister, dass es bei zu vielen Touristen zu einer negativen Entwicklung der Einstellung der Einheimischen zu den temporären Gästen kommen könnte. Jermak erinnerte, dass in Amsterdam oder Barcelona den Touristen die Autos beschädigt werden … das brauchen wir nicht, denn das bringt ein Negativimage für die Stadt.

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Kommentare ( 2 )

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 1. Oktober 2019 17:56 pm

    Hmm, soll mir doch der Minister erstmal erklären, was ich in Kaliningrad soll. Gut, ich bin ein historisch interessierter Mensch, ich würde sicher mal einen Abstecher (!) machen. Wenn ich aber in die weitere Region reisen wollte (was ich in naher Zukunft auch will), dann fällt mir zuerst Danzig, Riga oder Tallinn ein, um mich dort auch länger aufzuhalten. Sicher hat Kalingrad auch schöne Ecken (bzgl. Natur), sicherlich das eine oder andere interessante Museum. Aber das sind nicht mal im Ansatz Alleinstellungsmerkmale. Also Angst vor einer Touristenflut ist sicher alles andere als begründet - egal welche Einkommensschichten ich betrachte ... und bei der allgemeinen Paranoia vergeht einem wahrscheinlich eh die Lust ...

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 1. Oktober 2019 18:15

      ... die Statistik haben Sie gesehen?

      ... ach, ich hatte noch vergessen zu erwähnen, dass seit 1. Juli 45.000 Ausländer mit eVisum nach Kaliningrad eingereist sind. Nur Bürger aus zwei Ländern haben die Möglichkeit bisher nicht genutzt: Vatikan und San Marino. Aber auch der Papst wird noch zu uns kommen, da bin ich mir ganz sicher!

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 1. Oktober 2019 18:31 pm

    @UEN
    Natürlich kommen Touristen. Das stelle ich ja nicht in Abrede.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 1. Oktober 2019 18:33

      ... naja, und irgendwas müssen die ja interessant finden, sonst würden sie ja nicht kommen.

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