Kaliningrader Banken wollen kein Geld von Ausländern

Kaliningrader Banken wollen kein Geld von Ausländern

Seit März 2015 bin ich russischer Rentner. Ich hatte das Glück, noch zu alten Konditionen in das Rentensystem eintreten zu dürfen. Seit diesem Zeitpunkt erhalte ich, mit sturer Pünktlichkeit, jeden Monat am 16. meine russische Rente. Und jeden Monat steht die Frage: Was tun mit dem vielen Geld?

Ich lebe seit 1995 in Kaliningrad und habe immer ehrlich in die Sozialsysteme einbezahlt. Seit 2004 bin ich auch Resident in Russland und habe somit Anspruch auf eine Rente. Da ich nicht mein ganzes Leben in Russland gearbeitet habe, sind also mein Arbeitsleben und somit meine Rentenansprüche nur halb so groß, wie bei einem normalen Russen. Ich erhalte somit für 20 Jahre Arbeit in einer russischen Firma rund 8.100 Rubel – etwas mehr als 100 Euro. Hätte ich ein vollständiges Arbeitsleben, so würde ich vielleicht 18.000 Rubel erhalten, also 250 Euro. Das ist eine gute Rente in Russland und meine anteilige Rente bezeichne ich somit auch als gut. Man bekommt eben nur das raus, was man einbezahlt hat – das ist in Deutschland so und ist in Russland nicht anders.

Foto: Arbeitsbuch in Russland - gesetzlich für jeden Arbeitnehmer vorgeschrieben

 

Jeden Monat nehme ich dieses Geld, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, Brot, Butter und auch mal ein Stück „Doktorskaja“ zu kaufen. In diesem Monat wollte ich mit meiner Rente mal etwas anderes machen: Ich wollte Geld verdienen, also Zinsen. Die Zentralbank hat zwar gerade mal wieder den Leitzins gesenkt und somit werden auch die Zinsen für Sparer geringer, aber eine ganze Reihe von Banken haben Sonderanlagen speziell für Rentner und so dachte ich mir, dass ich mich mal kundig mache.

 

Foto: Rentenausweis der Russischen Föderation

 

Nun bin ich ein sehr konservativer Mensch und habe Angst vor den kapitalistischen Banken, die natürlich alle mein Bestes wollen, also mein Geld, aber dann wenig später ihre Lizenz verlieren, weil die Zentralbank festgestellt hat, dass da kriminelle Gauner das Sagen haben.

 

 

Und so lief ich durch die Stadt und schaute mich um. Kaliningrad hat 40 Banken bzw. Vertretungen von Banken. Und mir fiel sofort eine Bank mit der vertrauenerweckenden Bezeichnung „SowKomBank“ auf. Ich dachte mir, dass das sicherlich die „Sowjetisch-Kommunistische Bank“ ist – also genau die Bank meines Vertrauens.

 

Foto: Filiale der SowKomBank im Stadtzentrum von Kaliningrad

 

Ich ging rein und sagte der jungen, sehr netten Bankmitarbeiterin, dass ich ein Deposit anlegen will, 8.000 Rubel für ein Jahr, mit der Möglichkeit noch zusätzlich einzuzahlen oder auch wieder abzuheben. Und ich fragte, was sie für Vorschläge machen kann.

Ihre Gegenfrage: „Entschuldigen Sie bitte, Sie sprechen mit Akzent. Sind Sie Ausländer?“

Ich: „Ja, ich bin Deutscher, aber ich bin Resident mit russischer Aufenthaltsgenehmigung und seit 2015 russischer Rentner.“

Die nette junge Dame: „Mit Ausländern arbeiten wir nicht … Sie können bei uns kein Konto eröffnen. Auf Wiedersehen“.

Ich war sprachlos, schockiert und verließ die sowjetisch-kommunistische Stelle meines Vertrauens. Wenige Schritte weiter fand ich eine weitere Bank, die mir sofort sympathisch war: Die Postbank.

Die Postbank ist relativ neu, vor drei Jahren gegründet und natürlich noch in staatlichem Besitz. Die Post Russlands ist der Besitzer und Dmitri Medwedjew, der russische Premierminister, informierte vor ein paar Tagen, dass man gegenwärtig daran arbeite, die Post in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Danach soll alles perfekt laufen und die Post soll dann kein Geld mehr vom Staat bekommen, sondern sich selber finanzieren.

 

Foto: Filiale der Post Bank im Stadtzentrum Kaliningrads

 

Das war für mich das Signal, in die Bank zu gehen, denn die werden jetzt sicher dringend Geld brauchen und da kommen meine 8.000 Rubel gerade richtig.

Ich: Guten Tag. Ich möchte ein Deposit anlegen, 8.000 Rubel für ein Jahr, mit der Möglichkeit noch zusätzlich einzuzahlen oder auch wieder abzuheben. Was können Sie mir für Vorschläge machen?

Bankangestellte: „Entschuldigen Sie bitte, Sie sprechen mit Akzent. Sind Sie Ausländer?“

Ich: „Ja, ich bin Deutscher, aber ich bin Resident mit russischer Aufenthaltsgenehmigung und seit 2015 russischer Rentner.“

Bankangestellte: „Mit Ausländern arbeiten wir nicht … Sie können bei uns kein Konto eröffnen. Auf Wiedersehen“.

Ich mache es kurz. Einen dritten Versuch habe ich nicht unternommen. Ich bin auf den Zentralmarkt gegangen und habe mir ein paar Kilo Sonnenblumenkerne für 8.000 Rubel gekauft und sitze nun jeden Tag neben Babuschka auf dem Leninski-Prospekt und verkaufe die Sonnenblumenkerne mit Aufschlag. Der Gewinn ist höher, als die schnöden 6,5 Prozent, die man den Russen für russisches Geld im sich rasant entwickelnden Kaliningrad anbietet.

 

Foto: Reichhaltiges "Knabber"-Angebot auf dem Zentralmarkt in Kaliningrad

 

Bleibt mir nur noch den vielen ausländischen Investoren, die Kaliningrad jetzt verstärkt anwerben will, viel Glück zu wünschen bei der richtigen Auswahl der Bank oder bringen Sie als Alternative ein Kopfkissen von der Oma mit, unter dem man das Geld lagern kann.

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Kommentare ( 2 )

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 25. September 2019 20:20 pm

    @UEN
    Einfach den positiven Aspekt in den Vordergrund heben ... der Germanisierungsprozeß der Banken wurde erfolgreich unterbunden ... /Ironie off

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 25. September 2019 21:44

      ... oho, ja, völlig richtig. In dieser Richtung hatte ich noch gar nicht gedacht. Obwohl, man hat mich gar nicht gefragt, welche Staatsbürgerschaft ich habe ...

  • Frank Werner

    Veröffentlicht: 26. September 2019 06:06 pm

    @UEN
    Brauch man nicht. Das Preusische ist bei Ihnen offensichtlich :-)

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 26. September 2019 07:39

      ... aha! Dann ist mir auch klar, warum mir Russland die russische Staatsbürgerschaft verweigert - ich bin zu sehr Preuße - zumindest optisch.

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