Kaliningrader Gesundheitsminister macht Anti-Reklame für Gesundheitswesen

Kaliningrader Gesundheitsminister macht Anti-Reklame für Gesundheitswesen
 
Gestern meldeten die Kaliningrader Regionalmedien, dass der Gesundheitsminister der Kaliningrader Gebietsregierung sich mit dem Corona-Virus infiziert und sich in die Isolierung begeben hat.
 
 
Scherzhaft könnte man dies als Anti-Reklame für das Gesundheitswesen bezeichnen, aber weniger scherzhaft sollte man auf eine möglichst schnelle Genesung des Ministers hoffen, denn Kaliningrad hat nur diesen einen Gesundheitsminister und der wird, in der gegenwärtig nicht sehr einfachen Situation im Kaliningrader Gebiet, dringend benötigt.
 
Foto: Gesundheitsminister des Kaliningrader Gebietes
 
Tröstend ist, dass der Minister nicht in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste und seine Arbeit „auf Entfernung“ fortsetzt.
 
Grafik: Corona-Virus-Situation in Russland
 
Die Lage im Kaliningrader Gebiet ist gegenwärtig so schlecht, wie niemals zuvor. Die Zahl der täglichen Erkrankungen übersteigt die Höchstzahlen aus der sogenannten ersten Welle bei weitem. Im nationalen oder gar internationalen Maßstab sind natürlich die Kaliningrader Zahlen wenig sensationell. Aber für das Gebiet selber stellen sie eigentlich eine kleine Katastrophe dar, denn alle „Investitionen“ im Rahmen der ersten Infektionswelle waren defacto sinnlos: Wir stehen wieder am Anfang, nur mit schlechteren Ausgangszahlen.
 
Videobegleitung: Gouverneur Alichanow per Instagram zur Lage im Kaliningrader Gebiet
 
Trotzdem wird man wohl nicht zu den Maßnahmen zurückkehren, die während der ersten Welle eingeleitet worden waren. Wie der Gouverneur Anton Alichanow verlauten lässt, wird man punktuell reagieren und Schwerpunkte setzen – also ein generelles Ausgangsverbot oder eine Produktionseinstellung wird es nicht geben oder höchstens in den Firmen, wo massenhafte Infektionen passieren.
 
Nach wie vor bleiben natürlich die Einschränkungen für Restaurants und für Großveranstaltungen, Fußballspiele – hier reagieren die Verantwortlich ähnlich wie überall auf der Welt: Begrenzte Zuschauerzahlen und Abstandsregelungen.
 
Videobegleitung: Situationsmoment im Kaliningrader Nahverkehr
 
In der Praxis, beobachtet man das tägliche Leben in Kaliningrad, zeigt sich die Bevölkerung wohl aber sehr sorglos. Das Maskengebot wird nicht durchgesetzt, von den Abstandsregelungen ganz zu schweigen. Somit ist klar, dass mit den gegenwärtig, täglich steigenden Infektionszahlen, Kaliningrad wohl bald an seine Bettenkapazitätsgrenze stoßen wird. Die schon vor einigen Wochen liquidierten Infektionskrankenhäuser, werden wohl wieder umprofiliert werden, um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen.
 
Videobegleitung: Krankenhaus der Schnellen medizinischen Hilfe
 
Hoffnungen auf eine Normalisierung des internationalen Reiseverkehrs sind, auch im Zusammenhang mit der Entwicklung der Corona-Virus-Situation in Westeuropa, in weite Ferne gerückt. Sowohl die Europäische Union, wie auch Russland setzen die Quarantänemaßnahmen an der Grenze um und verhindern nicht gerechtfertigte Ein- und Ausreisen.
 
Videobegleitung: Interview mit Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow
 
Der nationale Reiseverkehr zwischen Kaliningrad und dem russischen Mutterland funktioniert so gut, wie nie zuvor. Der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow kommentierte in einem Interview Anfang der Woche mit dem föderalen Journalisten Nikolai Dolgatschow, dass der Airport Chrabrowo gegenwärtig so viele Passagiere abfertigt, wie zu Spitzenzeiten der Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Ob hier die Ursache für das heftige Ansteigen der Infektionsfälle zu suchen ist, ist schwer zu sagen.
 
Schaut man auf die Äußerungen russischer Politiker, begonnen beim russischen Präsidenten, gefolgt von Medizinern, Verbraucherschützern usw., so werden wir wohl in Kürze wieder mit Maßnahmen rechnen müssen, die unser Leben einschränken. Die Stadt Moskau wird den Startschuss geben, folgen werden alle anderen.
Reklame

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