Kaliningrader Gouverneur hält die Gebietshauptstadt flach

Kaliningrader Gouverneur hält die Gebietshauptstadt flach
 
Es wird eng in Kaliningrad. Es stehen nur noch wenige Flächen für Neubauten im Stadtgebiet zur Verfügung und so begann man sich schon im vergangenen Jahr Gedanken zu machen über eine Kopie des Renovationsprogrammes, welches in Moskau erfolgreich umgesetzt wird.
 
 
Das Renovationsprogramm bedeutet den Abriss von Wohnhäusern mit fünf Etagen und sowjetischer Zweckarchitektur, häufig auch als Chruschowkas bezeichnet. Sie sind ästhetisch wenig ansprechend und haben eigentlich ihren Zweck, der schnellen Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum nach dem Ende des Großen Vaterländischen Krieges, erfüllt.
 
Kaliningrad ist voll mit diesen Gebäuden und bedingt durch den Mangel an freien Bauflächen, wollte man diese 5-Etager abreißen und durch wesentlich höhere Gebäude, mit neun oder zehn Etagen ersetzen. Die erhöhte Etagenanzahl hätte den Vorteil, dass sich die Preise für diese Wohnungen doch irgendwie in Grenzen halten.
 
Noch im vergangenen Jahr hatte der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow über diese Kaliningrader Zukunft gesprochen und sogar schon einige Standorte genannt, die sich für den Start des Renovationsprogramms anbieten.
 
Vielleicht waren diese lauten Überlegungen auch einer der Gründe, weshalb die Immobilienpreise im vergangenen Jahr um 38 Prozent gestiegen sind und sich im laufenden Jahr eine Tendenz von 30 Prozent Preissteigerung abzeichnet.
 
Nun äußerte sich der Kaliningrader Gouverneur wiederum zum Renovationsprogramm und nahm den Immobilienspekulanten die Hoffnung, leichtes Geld zu verdienen. Er korrigierte seine im vergangenen Jahr geäußerte Meinung und verkündete, dass es kein Renovationsprogramm für die Stadt Kaliningrad geben wird. Als wesentlichen Grund nannte er, dass die Stadt vom Charakter her eine Stadt mit kleinen Häusern ist und die Dominanz der 3-5etagigen Häuser soll erhalten bleiben.
 
Allerdings haben die Stadt- und Gebietsverantwortlichen in der Vergangenheit schon recht häufig den architektonischen Stadtcharakter ignoriert und Hochhäuser an Stellen errichtet, wo eine krasse optische Diskrepanz entstand.
 
Steht nun aber die Frage, wie es weitergeht in Kaliningrad, wenn es kein Renovationsprogramm geben wird, aber die Nachfrage nach Wohnraum ständig steigt. Es sei daran erinnert, dass Kaliningrad eine positive Migrationsbilanz hat, d.h. jährlich eine Nettozuwanderung von rund 10.000 Personen zu verzeichnen hat – und alle brauchen Wohnraum, egal ob als Eigentums- oder Mietwohnung.
 
Und es bleibt der Fakt, dass die sowjetischen Zweckbauten optisch kein Augenschmaus sind und den eigentlichen Amortisierungszeitraum, sprich die Nutzungsfristen, verstrichen sind.
 
Vermutlich wird sich eine kapitale Hauptinstandsetzung, sprich Entkernung und Neuaufbau finanziell nicht rechnen. Somit bleibt nur die Variante, Häuser aufzukaufen, abzureißen und Häuser mit der gleichen Etagenanzahl, aber zum doppelten Quadratmeterpreis zu errichten.
 
Stadtverantwortliche hatten informiert, dass Kaliningrad bis zum Jahre 2026 rund zehn Millionen Quadratmeter Wohnfläche errichten wird. Damit sind alle Grundstücksressourcen vollständig ausgeschöpft.
 
Erinnert sei daran, dass Moskau im Sommer 2017 mit der Renovation begonnen hat. 350.000 Wohnungen in 5.174 Häusern wurden abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. In allen russischen Regionen werden gegenwärtig Renovationsprogramme erarbeitet, um den gesamten Wohnungsfond aus sowjetischen Zeiten gegen moderne Bauten zu ersetzen.
 
 
Reklame

Kommentare ( 0 )

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung