Kaliningrader historische Gebäude – eine trendige Bezeichnung

Kaliningrader historische Gebäude – eine trendige Bezeichnung
 
Noch gibt es keine „Stiftung für den Kampf gegen die De-Russifizierung des Kaliningrader Gebietes“. Aber es gibt immer mehr Anzeichen, dass sich der Staat bewusst ist, dass er etwas tun muss, um die bewusst gesteuerte Kampagne der Entfremdung des Gebietes vom russischen Mutterland Einhalt zu gebieten.
 
 
Seit einigen Jahren gibt es den „Fond der Hauptinstandsetzung“. Dieser Fond hätte eigentlich schon 1991 gegründet werden müssen, als man begann, die Wohnungen in Russland zu privatisieren. Man privatisierte die Wohnungen, vergaß aber das sogenannte Gemeinschaftseigentum zu schützen, zu hegen und zu pflegen. Die Wohnungen waren „forn Appel und nen Ei“ an die Bewohner übergeben und nach mir die Sintflut“. So, oder so ähnlich hatte man wohl damals gedacht und sich keinerlei Gedanken um mögliche Instandsetzungen von Dach, Keller und Treppenaufgang gemacht. Geld war nicht in den Staats- und kommunalen Kassen, die Wohnungsverwaltungen entwickelten sich zum Hauptfeind des russischen Volkes und es ging vieles langsam aber sicher den Bach runter. Das, was wir heute sehen und unter dem Begriff „Chrustschowkas“ zusammenfassen, ist zu einem Großteil den Zu- und Umständen der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts zu verdanken.
 
Dem wurde mit der Schaffung des „Fonds der Hauptinstandsetzung“ nun abgeholfen. Dieser Fond spielt in etwa die Rolle der in Deutschland bekannten Haus-Eigentümergemeinschaft, wo monatlich durch die Wohnungsbesitzer eine Summe für Unterhalt, Instandsetzung und Sonstiges einbezahlt wird. Ähnlich ist es nun auch in Russland, wobei der Fond sich nur für die Instandsetzung von Gebäuden verantwortlich fühlt. Einen kleinen Teil der Gelder, berechnet nach Quadratmeter Wohnungsgröße, zahlt der Wohnungsbesitzer, den weit größeren Teil zahlt der Staat bzw. die Kommune ein. Ist genügend Geld vorhanden, wird das Gebäude instandgesetzt – entweder komplett oder teilweise.
 
Wie gut dieser Fond in Kaliningrad funktioniert, kann man sehen, wenn man aufmerksam durch die Stadt läuft. An allen Ecken und Kanten finden wir bereits fassadenrenovierte Gebäude – sowohl aus der Zeit vor, wie auch nach 1945.
 
Nun ist es aus der Mode gekommen, von deutschen Gebäuden zu sprechen. Der Fond für Hauptinstandsetzung hat vorgeschlagen, den Begriff „Historische Gebäude“ für die Immobilien zu verwenden, die bis 1945 gebaut worden sind. Hierbei will man noch unterscheiden in denkmalgeschützte Gebäude und eben nur einfache historische Gebäude.
 
Mehr als 50 Prozent aller Gebäude im Kaliningrader Gebiet stammen aus der Zeit bis 1945 – informiert der Fond für Hauptinstandsetzungen. Nicht alle Gebäude tragen den Status „Denkmalgeschützt“, denn die Mehrzahl der Gebäude erfüllt einfach nicht die Mindestanforderungen hierfür. Denkmalgeschützte Gebäude müssen etwas einzigartiges darstellen. Trotzdem will man keines der Gebäude vernachlässigen und sich auch um historische Gebäude kümmern. Wenn die Gebäude den Status „historische Gebäude“ erhalten, so kann die Stadt hier Regeln der Instandsetzung festlegen und den Missbrauch oder nichtzweckgebundene Nutzung derartiger Gebäude verhindern. Die Stadt will für derartige Gebäude einen „Design-Code“ erarbeiten. Dieser wird u.a. das Verbot der Anbringung von Reklame oder Klimaanlagen beinhalten. Weiterhin sollen die Wohnungsverwaltungen oder die Besitzer derartiger Gebäude verpflichtet werden, mindestens einmal im Jahr eine Fassadenreinigung vorzunehmen und alle fünf bis sechs Jahre eine Instandsetzung der Fassade und der Stuckelemente. Weiterhin haben die Besitzer für eine Beleuchtung der Fassadenelemente zu sorgen.
 
Weiterhin soll der Design-Code auch Regeln für die Pflege und Gestaltung des umliegenden Territoriums beinhalten.
 
Der Fond für Hauptinstandsetzung nimmt gegenwärtig Vorschläge der Bevölkerung zur genannten Thematik entgegen.

 

 

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Kommentare ( 2 )

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 3. Januar 2022 03:44 pm

    Hallo Uwe Erichowitsch und Ihr Kollektiv dahinter oder daneben,
    Ich wünsche Ihnen allen ein erfolgreiches Neues Jahr, alles vor allem Gesundheit, Freude mit der Familie, den Verwandten, Freunden und guten Bekannten.
    Ich persönlich wünsche mir, daß uns´ Uwe noch lange den Blog betreiben kann. Er ist in meinem Informationsprogramm eine feste Größe an hervorragender Stelle. Dafür, für die viele Mühe, meinen besten Dank. Bleib gesund und munter!
    Als ehemaligen Immobilien-Menschen stören mich aber solche Aussagen über " fassadenrenovierte Gebäude". Das hört sich wie die sagenhaften Potjomkinschen Dörfer an.
    Ein Haus ist doch nicht renoviert und saniert, wenn es eine neu verputzte und bunt angestrichene Fassade bekommt. Das ist doch bei einer Sanierung des Gebäudes das letzte, was passiert. Das fängt doch eigentlich beim Dach an bis .... zum Keller mit neuen Medien und, und ....

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 3. Januar 2022 06:45

      ... völlig richtig, wenn wir schon den Begriff "Potjomkinsche Dörfer" verwenden. Es werden gegenwärtig die Fassaden renoviert, um der Stadt ein freundliches Außenbild zu geben, denn Geld für eine Komplettsanierung ist nicht vorhanden. In fünf Jahren beginnt in Kaliningrad die Renovation, d.h. der Abriss von Gebäuden bis zu fünf Etagen, die nach 1945 gebaut worden sind. Vielleicht werden dann genügend Mittel frei, um auch die Innenrenovierung zu machen. Vergessen wir nicht, dass es sich i.d.R. um Privathäuser handelt, die der Staat mitfinanziert. Und wenn es ums Geldausgeben geht, so ist der Bau und die Renovierung von Kindergärten, Schulen, Polikliniken jetzt wichtiger. Und für alles reicht eben das Geld nicht.

  • Steffen Görlich

    Veröffentlicht: 3. Januar 2022 23:11 pm

    Apropos Gebäude - mich würde sehr interessieren, wie es bei Konstantin weitergegangen ist.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 4. Januar 2022 06:47

      ... es läuft bei Konstantin alles nach Plan. Gegenwärtig laufen die Bauarbeiten an Gebäude 2 und 3 und er wartet auf den Stromanschluss. Sobald es die Situation zulässt, gibt es auch wieder Videoaufnahmen.

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