Kaliningrader Monatsrückblick - die TOP-Informationen des vergangenen Monats

Kaliningrader Monatsrückblick - die TOP-Informationen des vergangenen Monats

Der „Aufreger“ des Monats ist natürlich der Gouverneur. Zum Monatsende hat er es mal wieder geschafft in die Schlagzeilen zu kommen. Der Firma seines Bruders ist ein Staatsauftrag zugesprochen worden und die Ereignisse um die Ausschreibung provozieren das Wort „Interessenskonflikt.“ Noch ist die Situation nicht ausgestanden – vielleicht ist diese Angelegenheit aber auch der berühmte letzte Tropfen.

Auf alle Fälle hat schon mal die Regierungssprecherin ihren Hut genommen. Dies war dann die letzte Spitzenmeldung im Monat Juli. Allerdings lassen bestimmte Dinge vermuten, dass der neue Monat so beginnt, wie der alte endete – mit Personalentscheidungen.

Dann besuchte uns der föderale Rechnungshof. Die Moskauer Spezialisten kritisierten die Arbeit der Kaliningrader Regierung, insbesondere die zweckfremde Auslastung von Fördergeldern. Im Anschluss reiste der föderale Landwirtschaftsminister an und witzelte mit einigen gewöhnungsbedürftigen Äußerungen über den „unnormal aktiven Gouverneur“.

Der Hoffnungsträger aller Kaliningrader Fußball-Fans, der Club Baltika darf in der Reihe der Aufmerksamkeiten des Monats nicht fehlen. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Club – natürlich durch den Gouverneur. Wiederum machte er unglückliche Äußerungen, die andere zu der Schlussfolgerung veranlassten, der Gouverneur habe die Spieler manipuliert. So schnell wie der Skandal hochkochte, so schnell war auch plötzlich wieder Stille in der Internetgemeinde.

Anfang des Monats reise der Internationale Controllerverein nach Kaliningrad. An sich schon eine Traditionsveranstaltung die mit Hilfe der KANT-Universität nun schon über viele Jahre organisiert wird. Schade ist nur, dass anscheinend die dort ausgebildeten Controller keinen Zugang zur Kaliningrader Regierung finden – dort werden sie aber dringend gebraucht.

Dr. Stein, Leiter der Vertretung der Hamburger Handelskammer lud, wie jedes Jahr so auch in diesem Jahr, wieder zum traditionellen Sommerfest ein. Die Veranstaltung fand im „Grand-Hall“ statt und war gut besucht. Neben Vertretern aus der Regierung und der Stadtverwaltung nutzte auch der deutsche Generalkonsul Dr. Krause die Möglichkeit für ein paar Begrüßungsworte. Die Veranstaltung ist, wie sollte es anders sein, gut geeignet für interessante Gespräche und neue Kontakte.

Die Massenmedien berichteten fast den ganzen Monat über einen starken Rückgang der Industrieproduktion in Kaliningrad. Seit Beginn der allgemeinen Krise im Jahre 2008 wird erstmalig diese, sogar krasse Entwicklung festgestellt. Auch der Kaliningrader Einzelhandel meldete Verluste von 3,0 Mrd. Rubel (75 Mio. Euro), die sicher auf das gute Funktionieren des kleinen visafreien Grenzverkehrs mit Polen zurückzuführen sind. Kein Wunder, dass der polnische Außenminister jubelnd verkündete, dass die Polen im ersten Halbjahr 30 Prozent mehr Gewinn eingefahren haben.

Ein Höhepunkt des Monats war das Stadtfest. An sich ein feststehendes Datum – der 04. Juli, aber die Stadt legt dieses Ereignis immer auf ein Wochenende – um der Bevölkerung die Gelegenheit zu geben für ein wenig Entspannung und ein paar Attraktionen. Viele in- und ausländische Gäste wurden am 13.-14.07. begrüßt. So auch eine Reihe von deutschen Partnerstädten. Die Partnerstadt Berlin-Lichtenberg sagte die Teilnahme an den Stadtfeierlichkeiten ab. Begründung war das föderale Gesetz zur Propagierung nichttraditioneller sexueller Beziehungen. Nun, das Fest war auch ohne die „Lichten Berger“ erfolgreich.

Und wir konnten in Kaliningrad eine Delegation des Europaparlamentes begrüßen. Man wollte sich kundig machen zur richtigen Verwendung von Fördergeldern, die die Europäische Union für die Kaliningrader Infrastruktur, insbesondere Grenzinfrastruktur zur Verfügung gestellt hat. Bei der Gelegenheit brachten Vertreter der Delegation auch ihre Besorgnis zum Ausdruck, dass Kaliningrad Zigaretten produziert und diese auf nicht legalem Wege in die EU kommen und dadurch Steuerverluste in Milliardenhöhen entstehen. Da bleibt den Kaliningradern also nichts weiter übrig als den Europäern zu empfehlen, an ihren Grenzen besser zu kontrollieren.

Ein sehr wichtiges Ereignis – nicht nur für die Kaliningrader – war der erfolgreiche Abschluss des Deutschlandjahres in Russland. Daniel Lissner, Vizekonsul im deutschen Generalkonsulat konnte eine überaus positive Bilanz aller kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen ziehen und versprach, dass Deutschland auch weiterhin in Kaliningrad aktiv bleiben wird.

Dieses Versprechen erfüllte das deutsche Generalkonsulat wenige Tage später bereits. Es wurde eine Ausstellung „Königsberg – Stadt aus den Büchern“ in der Kunstgalerie auf dem Moskauer Prospekt eröffnet. Die Eröffnung war gut besucht, Massenmedien berichteten darüber und alle Interessierten haben nun die Möglichkeit bis zum 09. September sich die Bilder der italienischen Künstlerin anzuschauen.

Die evangelische Gemeinde in Kaliningrad unter Leitung von Propst Thomas Vieweg informierte die Kaliningrader Gläubigen über einen Wechsel in der Führung der Gemeinde. Ab sofort und erstmalig in der Kirchengeschichte der Kaliningrader Gemeinde ist eine Kaliningraderin Pröbstin geworden.

Die vorletzte Woche des Monats brachte noch ein paar kleinere Aufreger.

Ein NATO-Flugzeug hatte den Kaliningrader Luftraum verletzt. Alles was fliegen und laufen konnte wurde in Alarmbereitschaft versetzt. Wenige Tage später stellte sich heraus, dass ein kein Bomber, kein Jagdflugzeug – eigentlich gar kein NATO-Flugzeug war. Es war auch kein verirrtes Passagierflugzeug von AirBaltic oder AirBerlin sondern nur ein kleines Propellerflugzeug. Also viel Lärm um nichts.

Der Vertreter des russischen Präsidenten, Stanislaw Woskresenski rückte in die TOP-100-Liste der Personalreserve des russischen Präsidenten auf. Ein für Kaliningrad und seine Zukunft nicht unwichtiges Ereignis.

Und natürlich fieberte Kaliningrad dem Besuch des russischen Präsidenten entgegen. Offizieller Anlass sollte der Tag der Seekriegsflotte sein, aber insgesamt sollte der Besuch drei Tage dauern. Aber er kam nicht und somit passierte auch „DAS“ nicht, auf was viele hoffen. Aber wie sagt ein russisches Sprichwort: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Und zu guter Letzt gab der neue Kaliningrader Staatsanwalt Tabelski sein erstes Interview. Er wertete die Ereignisse des ersten Halbjahres aus der Sicht der Staatsanwaltschaft aus und machte dabei – aus der Sicht der Journalisten und Blogger – eine gute Figur.

Uwe Niemeier

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