Kaliningrader Tourismus 2020 besser als vermutet

Kaliningrader Tourismus 2020 besser als vermutet
 
Mit Spannung habe ich die Tourismuszahlen der Regionalregierung für das Jahr 2020 erwartet. Immerhin hatten wir für das Jahr 2020 die Ambitionen, die „Zwei-Millionen-Marke“ zu knacken. Aber dann kam Corona, ein ungebetener Tourist, der ohne Visum, nicht nur nach Kaliningrad einreiste.
 
 
Erstaunlich und erfreulich war die Nachricht, dass Kaliningrad im abgelaufenen Jahr 2020 rund 1,2 Mio. Touristen begrüßen konnte. Im Jahre 2019 hatten wir 1,7 Mio. Touristen. Somit sind die 500.000 Touristen, die uns im vergangenen Jahr weniger besuchten, natürlich dramatisch, aber in Anbetracht der Situation doch nicht so katastrophal, wie befürchtet wurde.
 
Grafik: Entwicklung des Tourismus in Kaliningrad
 
Die Masse der Touristen kam aus dem Großraum Moskau, St. Petersburg, dem Gebiet Saratow und dem autonomen Gebiet Chanty-Mansiisk … wo ich auch erstmal auf die Karte schauen musste, wo das denn liegt. Schande über mich, dass ich dieses sehr große Gebiet, mitten im Zentrum Russlands nicht kannte.
 
Grafik: Russische Föderation
 
Von der sozialen Struktur kamen nach Kaliningrad Familien im Alter zwischen 35-40 Jahren mit ihren Kindern. Das Durchschnittseinkommen dieser Familien beträgt 77.000 Rubel – also pro Person 38.000 Rubel, was in etwa dem russischen Durchschnitt entspricht.
 
Grafik: Entwicklung Durchschnittsgehalt in Russland
 
Analysiert wurden die Ausgaben der Touristen, die diese mit ihren Bankkarten gemacht haben. Diese sind um 23 Prozent höher ausgefallen, als noch im Jahre 2019. 3,5 Milliarden Rubel haben die Touristen in Kaliningrad gelassen – wohl bemerkt, dass dies nur die Summe ist, die mit Karte bezahlt wurde.
 
Die Analyse zeigt, dass 25 % der Summe in Lebensmittelgeschäften ausgegeben wurde, 22 % im Gaststättengewerbe, 9 % für Andenken und Juweliererzeugnisse, 8 % für Hotel, Sanatorien und Sonstiges.   
 
Die Analytiker machten die Schlussfolgerung, dass der Individualtourismus immer populärer wird. Reisen in organisierten Gruppen machten nur noch 15-20 Prozent aus. 
 
Angenehm zu lesen waren dann noch zwei weitere Informationen.
 
Videobegleitung: Oldtimer-Ausstellung in Kaliningrad
 
Kaliningrad verfügt über einen Oldtimer-Club. Regelmäßig zeigen die dortigen Mitglieder zu den verschiedensten Anlässen ihre gepflegten Fahrzeuge aus dem vorigen Jahrhundert. Danach verschwinden diese wieder in den individuellen Garagen. Nun will die Arbeitsgemeinschaft „AvtoRetroKlub“ ein Museum eröffnen. Ein geeignetes, sogar historisches Gebäude, welches immer schon als Fahrzeughalle genutzt wurde, wird dem Klub zur Verfügung gestellt, so dass es bald einen neuen Anziehungspunkt für Touristen in Kaliningrad geben wird. Um das Projekt möglichst schnell umzusetzen, hat die Arbeitsgemeinschaft an einem Ausschreibungsprojekt für die Entwicklung des Tourismus teilgenommen und aus einer speziellen Stiftung des russischen Präsidenten die Summe von über einer halben Million Rubel erhalten. Die Eröffnung des Museums soll im Sommer 2021 erfolgen.
 
Videobegleitung: Testfahrt der neuen Straßenbahn in Kaliningrad
 
Und für diejenigen, die doch lieber den öffentlichen Nahverkehr bevorzugen, gibt es eine interessante Nachricht. Kaliningrad wird wohl sein Straßenbahnnetz wiederherstellen und den gesamten Straßenbahnpark erneuern. In den vergangenen Wochen wurde dem Kaliningrader Stadtnahverkehr eine supermoderne Straßenbahn aus russischer Produktion, speziell eingerichtet für Schmalspur, zum Test übergeben. Die Testfahrten erfolgten in der Nacht und wurden erfolgreich bestanden. Nun kann der Hersteller diese Straßenbahn zur Lizensierung anmelden und mit ein wenig Glück, wird Kaliningrad bis Ende des Jahres über diese neuen Straßenbahnen verfügen. Die Kosten für einen Doppelwaggon belaufen sich auf mindestens 65 Mio. Rubel. Die Bahnen sind mit Internet, USB-Steckdosen und Klimaanlagen ausgestattet. Ein wenig traurig werden aber trotzdem die Kaliningrader auf ihre, ach so geliebten alten, quietschenden, kalten, ungemütlichen und nicht immer ganz sauberen Straßenbahnen zurückblicken.
 
Videobegleitung: Russischer Präsident Wladimir Putin berät sich mit Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow
 
Und zum Schluss, um die Begeisterungswellen nicht zu hoch schlagen zu lassen, nun noch eine wenig optimistische Prognose unseres Gouverneurs Anton Andrejewitsch. Er meinte in der vergangenen Woche, dass, wenn die Grenzen überhaupt aufgemacht werden, dann frühestens im Herbst. Das hängt von der Dynamik der Impfungen in Russland und weltweit ab.

 

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Kommentare ( 1 )

  • Gerald Hübner

    Veröffentlicht: 26. Januar 2021 18:29 pm

    Aber man sieht, in Potsdam würde ein Straßenbahnzug (mit deutscher Korruption) rund 1,4 Mill. € der Stadt kosten, gegenwärtig bei rund 1:90 Wechselkurs wären dann 65 Mill. Rubel/ 90 Rubel pro € wären das rund750.000 Rubel pro Doppelwagen. Wenn dieser Wagen funktioniert, ist das doch gut! Es gibt sogar mehr Funktionen dabei. Viele Grüße! Gerald H.

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