Kaliningrader Tourismusminister schaut optimistisch in die Zukunft

Kaliningrader Tourismusminister schaut optimistisch in die Zukunft
 
Möglich, dass international die Tourismusbranche unter der Corona-Krise zu leiden hat. Die Zahl der Reisenden und Erholungssuchenden geht zurück. Kaliningrad hat sich diesem Trend nicht angeschlossen. Der Tourismus boomt.
 
 
Der Tourismus wurde für das Kaliningrader Gebiet bereits vor Jahren als eine der strategischen Entwicklungsrichtungen des Gebietes festgelegt. Dabei scheint es so zu sein, dass man die Widersprüchlichkeit der Stadt und des Gebietes für die unterschiedlichen Tourismusgruppen ausnutzt.
 
Russische Touristen reisen nach Kaliningrad, weil es nicht nur geographisch die westlichste Stadt Russlands ist, sondern weil diese Stadt, bedingt durch ihre Historie, nach Meinung der russischen Touristen, westliches Flair ausstrahlt. Vergleicht man Kaliningrad mit St. Petersburg und Moskau oder aber auch mit wirklichen Städten des Westens, so wissen wir, dass dies nicht ganz richtig ist. Aber der russische Tourist empfindet dies zumindest so – dann soll es eben auch so sein. Da rund 80 Prozent aller Touristen aus dem russischen Mutterland kommen, sollte auch über diese subjektiven Empfindungen nicht gestritten werden. Pragmatisches Denken ist angebracht.
 
 
Die gegenwärtige Corona-Virus-Situation verhindert auch, dass der russische Tourist noch weiter nach Westen reisen kann. Davon profitiert Kaliningrad. Sowohl der Gouverneur Anton Alichanow, wie auch sein Tourismusminister Andrej Jermak sind sich bewusst – so haben sie es auch geäußert – dass der Touristenboom aus dem russischen Mutterland sofort abflachen wird, wenn wieder Normalität im täglichen Leben einzieht.
 
Der ausländische Tourist reist nach Kaliningrad, um in die nächstgelegene russische Stadt zu gelangen und um vielleicht ein wenig dieses gewisse Flair einer russischen Insel in Europa zu beurteilen. Also sein Argument ist das genaue Gegenteil dessen, was der russische Tourist meint. Er will in den Osten, nach Russland. Dass es sich um ehemals deutsches Territorium, ehemals deutsche Städte und Dörfer handelt, wissen wohl nur wenige dieser Touristen. Sie erfahren es während ihres Aufenthaltes. Deutsche Touristen kennen i.d.R. die Historie des Gebietes, aber deutsche Touristen spielen nur eine ganz kleine Rolle, weniger als zwei Prozent, in der Statistik des Tourismus.
 
Ich glaube auch nicht, dass ausländische Touristen nach Kaliningrad kommen, um eine deutsche Stadt anzuschauen. Wenn ich eine deutsche Stadt sehen will, fahre ich nach Deutschland.
 
Der Widerspruch besteht also rein subjektiv darin, dass der eine Tourist glaubt, in eine westliche Stadt zu fahren und ein anderer Tourist eben in eine russische Stadt fährt. Ein dritter Tourist genießt den Mix zwischen Ost- und Westeindrücken, die Kaliningrad zu bieten hat.
 
 
Andrej Jermak hofft nun, im neuen Jahr die magische Marke von zwei Millionen Touristen endlich knacken zu können. Seine Prognose lautet auf 2.040.000 Touristen. Jermak kommentierte, dass dies die pessimistischste Zahl ist. Es gibt wesentlich optimistischere Zahlen, aber bedingt durch Corona-Virus will man sich doch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Somit nimmt man für die Planungen nur die Zahlen, die mit großer Wahrscheinlichkeit garantiert sind.
 
Man geht auch davon aus, dass nicht nur die Zahl der Touristen wachsen wird, sondern auch der Zeitraum des Aufenthaltes. Durchschnittlich hatten die Touristen im vergangenen Jahr vier Übernachtungen gebucht. Für 2022 geht man von fünf Übernachtungen aus.
 
Die Leistungsgrenze für das Kaliningrader Gebiet soll, unter Berücksichtigung der gegenwärtigen touristischen Infrastruktur, bei 2,5 Mio. Touristen liegen – meint Andrej Jermak.
 
Negativ zu vermerken sind einige nicht gewünschte Preissteigerungen, die Auswirkungen auf die Kaliningrader haben. So werden viele Wohnungen an Touristen vermietet. Das schafft ein Defizit für langfristige Mietkunden. Und dies wiederum führt zum Wachsen der Mieten.
 
Weiterhin ist es jetzt schon nicht mehr so einfach, sich einen gemütlichen Restaurantaufenthalt kurzfristig zu organisieren. In vielen Restaurants muss man vorbestellen, um einen Platz zu erhalten.
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Kommentare ( 1 )

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 10. Januar 2022 20:37 pm

    Normalerweise gehört doch das Memel - Gebiet auch zu ehemals Ostpreußen und demzufolge zum Oblast Kaliningrad? Wäre doch eine schöne Ergänzung? Oder? Hieß es nicht früher mal .. bis an die Memel? Und so großkotzig und selbstherrlich sich derzeit dieses nördliche Nachbarland am Ostseestrand gegenüber Rußland verhält .... Das würde aber ein Winseln geben - von deren vor allem von der Nato hofierten Politiker.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 10. Januar 2022 20:48

      ... das ehemalige Ostpreußen ist dreigeteilt. Der größte Teil ist jetzt polnisches Territorium. Ein winzig kleiner Teil ist an Litauen durch Russland übergeben worden, als man sich damals von dieser Baltischen Republik trennte. Das ist zwar bedauerlich, aber niemand in Russland will daran etwas ändern. Allerdings erhebt Litauen weitere Gebietsansprüche an das Kaliningrader Gebiet.

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