Keine Entscheidung ist richtig. Abriss des Hauses der Stagnation scheint beschlossen

Keine Entscheidung ist richtig. Abriss des Hauses der Stagnation scheint beschlossen
 
In Deutschland kann man seine eigene Beerdigung noch zu Lebzeiten organisieren. Man schließt einen Vertrag mit dem Beerdigungsinstitut, erhält einen Kostenvoranschlag und wenn genügend Geld vorhanden ist, kann man sterben. Ähnlich verhält es sich wohl mit dem Haus der Räte in Kaliningrad.
 
 
In Kaliningrad gibt es die „Korporation für die Entwicklung des Kaliningrader Gebietes.“ Das Schicksal des „Hauses der Räte“ wurde in die Hände dieser regierungseigenen Organisation gelegt. Und dort hat man festgestellt, dass sich das Kaliningrader Gebiet nur entwickeln kann, wenn man das Haus der Räte abreist.
 
Man hat Experten gerufen, die den Wert des Gebäudes und alles was um das Gebäude herum ist, schätzen sollen. Immerhin will man wissen, wieviel Geld zu Grabe getragen wird.
 
Die Experten ermittelten einen Marktwert von 830 Mio. Rubel, also rund 100 Mio. Euro. Das Gebäude an sich stellt einen Wert von 446 Mio. Rubel dar und der Rest der Summe entfällt auf alle anderen größeren und kleineren Objekte auf dem Grundstück und auf das Grundstück selber. Insgesamt umfasst das Grundstück rund fünf Hektar.
 
Kaliningrader Medien zitieren aus dem Expertenbericht, dass das Gebäude nicht nutzbar ist und eine Gefahr für die weitere Nutzung darstellt. Insgesamt wurden 170 Defekte festgestellt. Diese Defekte sind deshalb entstanden, weil das Gebäude, als man die Bauarbeiten eingestellt hatte, nicht konserviert worden war. Weiterhin schätzte man ein, dass die langjährigen Klimaeinflüsse dem Gebäude Schaden zugefügt haben. Vandalismus, aber auch Mängel beim Bau des Gebäudes führten zum jetzigen Zustand.
 
Somit wurde die Entscheidung gefällt, das Gebäude zu demontieren und das Territorium einer neuen Nutzung zuzuführen – so der Gouverneur Anton Alichanow gegenüber Journalisten am Wochenende.
 
Die Beerdigung des Gebäudes an sich scheint eine preiswerte Angelegenheit zu sein, zumindest für den Steuerzahler, denn die Kosten übernimmt der zukünftige Investor. In dem Vertrag wird auch geregelt, dass der Investor höchstens ein Jahr Zeit hat, das Gebäude zu demontieren.
 
Der Bau der neuen Objekte – der Gouverneur sprach in der Mehrzahl – wird bis zu vier Jahren in Anspruch nehmen.
 
Die Kaliningrader Medien erinnern, dass das Gebäude im Jahre 2019 durch die Kaliningrader Gebietsregierung vom damaligen Besitzer für die Summe von 400 Mio. Rubel gekauft worden war. Damals bestand die Absicht, dass Gebäude zu renovieren und in Nutzung zu überführen. Im August vergangenen Jahres informierte der Gouverneur, dass man für den Umbau des Gebäudes erhebliche Demontagearbeiten durchführen muss, das Grundkonzept allerdings erhalten bleibt. Dann wurde wenig später das neue Projekt vorgestellt, welches in keinem einzigen Detail an das Haus der Räte erinnert.
 
Gebaut werden soll das „Haus der Regierung“ mit einem 100 Meter hohen Turm, in dem ein Hotel untergebracht werden soll. Weiterhin sollen Officeeinrichtungen und Appartements gebaut und auf dem Gelände ein archäologischer Park im Bereich der konservierten Fundamente des ehemaligen Stadtschlosses errichtet werden.

 

 

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Kommentare ( 2 )

  • Steffen Görlich

    Veröffentlicht: 29. August 2021 11:12 pm

    Besten Dank für die neuen Informationen. Ich erinnere mich noch gern der interessanten Gespräche auf dem Platz vor dem Haus während der WM.
    830 Mio Rubel sind allerdings gegenwärtig nur EUR 9,56 Mio., also gar nicht so viel für eine große Fläche in zentraler Lage.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 29. August 2021 16:58

      ... Sie haben natürlich recht, es sind nur 9,5 Mio. Euro. Man sollte sich mit komplizierten mathematischen Aufgaben eben nicht in der Nacht beschäftigen ... da kommt nur Unfug bei raus ... Danke, dass Sie so aufmerksam waren.

  • Bastian Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 2. September 2021 01:16 pm

    Auch wenn das jetzt als viel Geld angesehen wird. Man sollte beachten, -wann - das Gebäude in seinem rohbau errichtet wurde. Man ist immer an das alte Gebäude gebunden, was man auch modernisieren will oder auch was viel moderner unter sinnvollen Gesichtspunkten gebaut werden könnte. Ich finde es ausgesprochen richtig, den alten Klotz weg zu reißen und die Abbruchmasse aus Beton nicht auf Halde zu kippen, sondern in die Zufahrten und Außenstellplätze des neuen Dienstleistungsgebäudes mit zu verwenden.
    Die Entwicklung ist weiter gegangen und es wird sich garantiert ein Architekt finden, der ein solches Gebäude entwirft, was auch noch in hundert Jahren in die Kulisse von Kaliningrad paßt. Dieser Architekt muß aber viel Feingefühl für die Vergangenheit und vor allem für die Zukunft dieser Stadt mitbringen. Ich könnte mir eigentlich keinen charakterlosen Glaspalast vorstellen, den man spätestens in 50 Jahren mit Schimpf und Schande wieder abreißt.

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