Kreschenije – eine eiskalte Tradition in Russland

Kreschenije – eine eiskalte Tradition in Russland

 

Am 19. Januar begehen die russisch-orthodoxen Gläubigen den jährlichen Feiertag der Kreschenije, also der Taufe des Herrn. Begleiten Sie mich und eine junge russische Familie heute zu diesem eiskalten Zeremoniell.

 

 

Dies ist kein typisch russischer, national begrenzter Feiertag. Dieser Feiertag wird durch alle Gläubigen in der Welt begangen.

Und an diesem Tag, in der Nacht vom 18. zum 19. Januar erfolgt auch das sogenannte Taufbaden – das Einsteigen in eiskaltes Wasser, dem dreimaligen vollständigen Untertauchen, bekreuzigen.

Hierfür werden durch die Kirche im Kaliningrader Gebiet eine ganze Reihe von Orten vorbereitet und die Gläubigen stehen Schlange, um dieses Zeremoniell zu vollziehen.

So gibt es vorbereitete Zeremonienplätze direkt auf dem Gelände einiger Kirchen. Hier werden große Bottiche mit kaltem Wasser bereitgestellt und durch die Batuschkas, die russischen Geistlichen, geweiht und betreut.

Viele bevorzugen aber nach weit außerhalb der Stadt zu fahren, an speziell vorbereitete Gewässer. Hier ist im Idealfall das Wasser gefroren und es werden Eislöcher für die Gläubigen gehackt, in die diese dann eintauchen können. Idealerweise sind somit die Temperaturen des Wassers für die Gläubigen 2 bis 3 Grad, also so dicht wie nur irgend möglich am Gefrierpunkt.

In diesem Jahr werden somit viele Gläubige rein temperaturtechnisch sehr enttäuscht sein. Das überaus warme Winterwetter lässt an ein Gefrieren von Gewässern nicht denken, geschweige denn an Wassertemperaturen dicht am Gefrierpunkt.

An vielen Stellen wird die Taufe auch als wirklicher volkstümlicher Feiertag begangen. Es gibt Möglichkeiten für einen Imbiss und heiße Getränke. Auch werden Möglichkeiten für den Aufenthalt von Kindern und deren Teilnahme an der Zeremonie geschaffen.

Wichtig ist, sich nach dem eiskalten Bad möglichst schnell ein warmes Handtuch umzulegen und wieder in die wärmende Bekleidung zu schlüpfen. Man sollte seine Gesundheit, so gut wie sie auch sein mag, nicht über Gebühr belasten oder auch zu sehr auf das Wohlwollen Gottes hoffen.

Das Eisbaden ist für die Gläubigen keine Pflicht und wer es nicht will, muss auch nicht Eisbaden und sich so von Sünden befreien. Viel wichtiger für die russisch-orthodoxe Kirche ist, dass die Gläubigen am 18. und 19. Januar zum Gottesdienst gehen. Wie die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, werden die Kirchen übervoll sein und ein Großteil der Gläubigen wird auch im Freien dem Gottesdienst folgen müssen.

So richtig klar ist wohl nicht, woher die Tradition des Eisbadens, der Eistaufe kommt. Kaliningrader Medien kommentieren, unter Bezug auf Kirchenmitarbeiter, dass diese Tradition erst in den 90er Jahren, den wilden russischen Jahren des vorigen Jahrhunderts, geboren wurde. Den Gläubigen wurden allerlei Dinge erzählt, um diese Tradition zu beleben. Man befreit sich beim Eistauchen von allen Sünden und wird auch im Verlaufe des Jahres nicht krank. Selbst die Kirchendiener müssen hierüber schmunzeln. Das man sich durch das Eistauchen von allen Sünden befreit, haben sich wohl diejenigen ausgedacht, die nicht zur Beichte gehen wollten.

Die Kirche empfiehlt lieber jeden Tag ein wenig zu beten und fromm zu sein. Das gefällt Gott am meisten. Gewaltkuren wie das Eisbaden sind wenig geeignet, die Sünden des letzten Jahres vergessen zu machen und die Gesundheit für die kommenden 365 Tage zu festigen.

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