Leben in Kaliningrad im Jahre 2020

Leben in Kaliningrad im Jahre 2020

 

Kaliningrad – eine Stadt wie „Du und Ich“ – mit anderen Worten: Es lebt und arbeitet sich in dieser Stadt, wie in vielen anderen Städten dieser Welt. Wie es sich lebt, will ich in diesem Videobeitrag an Beispielen aus dem täglichen Leben zeigen.

 

 

Kaliningrad ist keine ideale Stadt – aber wir arbeiten daran. Ich selber lebe seit 1995 in Kaliningrad. Ich fühle mich wohl in dieser Stadt und vermisse fast nichts.

Was ich vermisse? Nun, vielleicht die knusprigen Frühstücksbrötchen.

Auch andere sollen sich bei einem kurzen oder längeren Aufenthalt in Kaliningrad wohlfühlen. Deshalb analysiere ich zweimal jährlich Preise und beobachte die Entwicklung im Dienstleistungsbereich.

Heute bin ich wieder für Sie unterwegs, um über das Lebensniveau in Kaliningrad zu berichten.

Begleiten Sie mich.

Um die nachfolgenden Informationen richtig einordnen zu können, beginnen wir mit der trockenen Statistik zur Entwicklung ...

… des gesetzlich und statistisch berechneten Existenzminimums in Kaliningrad

 

Grafik: Existenzminimum

 

… des Mindestlohnes in Kaliningrad

Grafik: Mindestlohn


… des Durchschnittseinkommens in Kaliningrad

Grafik: Durchschnittseinkommen
 

… nicht zu verwechseln mit dem Durchschnittsgehalt eines Kaliningraders

Grafik: Durchschnittsgehalt


… der Durchschnittsrente in Kaliningrad

Grafik: Durchschnittsrente
 

Um diese und alle nachfolgenden Zahlen, Summen und Preise in Euro umzurechnen, teilen Sie diese durch 70.

Einer der wichtigsten Signalgeber für die Entwicklung einer Stadt und des Wohlstandes der Bevölkerung, ist der Einzelhandel, das Restaurantgewerbe und der Dienstleistungsbereich. Wenn diese Bereiche sich entwickeln, ist also genügend Geld in der Bevölkerung für diese Entwicklung – so meine Logik.

Schauen wir auf die Entwicklung der Anzahl der Verkaufseinrichtungen. Die Tendenz ist eindeutig: Die Anzahl der Verkaufseinrichtungen nimmt beständig zu.

 

Grafik: Struktur Groß- und Einzelhandel 
 

Die nächste Grafik zeigt die Struktur der Entwicklung des Gaststättengewerbes. Auch hier gibt es in jedem Jahr quantitativ neue Einrichtungen, von der qualitativen Neuorientierung der dynamischen Restaurantszene einmal abgesehen.:

 

Grafik: Struktur der Entwicklung des Gaststättengewerbes 
 

Insgesamt gibt es im Kaliningrader Gebiet über 13.000 Groß- und Einzelhandelsunternehmen und über 1.100 Einrichtungen des Gaststättengewerbes.

Der statistische Warenkorb, also der Waren des täglichen Bedarfs, zeigt einen Wert von 4.602 Rubel Ende 2019, also eine leicht fallende Tendenz im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019. Man bekommt also die gleiche Menge an Ware für weniger Geld.

 

Grafik: Kosten Kaliningrader Warenkorb
 

Und mehr Verkaufseinrichtungen bringen natürlich auch einen ständig wachsenden Umsatz im Einzelhandel, was im Widerspruch zu stehen scheint zu den Informationen, dass die Realeinkommen der Bevölkerung in den letzten Jahren gesunken sein sollen. Die Kaufkraft selber ist dabei aber wohl erhalten geblieben:

 

Grafik: Entwicklung Einzelhandelsumsatz


Die Restaurantszene in Kaliningrad ist dynamisch – weniger durch den quantitativen Zuwachs von Einrichtungen, wie ich in der vorherigen Grafik aufgezeigt habe, als vielmehr durch Formatwechsel bisher schon existierender Einrichtungen. Die Umsatzentwicklung zeigt sich weniger dynamisch, womit sind dann auch die Änderungen von Gaststättenformaten erklärt:

 

Grafik: Entwicklung Umsatz im Gaststättengewerbe
 

Soweit nun zu den Ziffern, die uns offizielle Quellen des russischen Statistikamtes, aber auch Consultingportale in Kaliningrad liefern.

Kommen wir zu den konkreten Kosten für Waren des täglichen Bedarfs, für Dienstleistungen und sonstige Annehmlichkeiten des Lebens, die auch in Kaliningrad nicht kostenlos sind.

Die von mir angebotenen Informationen sind keine "wissenschaftlich-soziologischen" Erhebungen, sondern einfach nur praktische Zahlen aus dem Leben, die durch mich persönlich und meine Informationsagentur real vor Ort "erlebt" werden.

 

Kaliningrad ist keine billige Stadt

Kaliningrad ist keine billige Stadt – im russischen Maßstab. Aber ein Deutscher lebt bestimmt ein gutes Leben für weniger Geld, als er für ein gleiches Leben in Deutschland ausgeben müsste.

 

 

Grafik: Alleiniges Zahlungsmittel in Russland ist der russische Rubel
 

Bedingt durch die besondere geographische Lage, die hohen Transitgebühren und andere subjektive Faktoren (Margenappetit der Groß- und Einzelhändler) belegt Kaliningrad zu den Kosten des täglichen Lebens einen der vorderen Plätze in der Russischen Föderation.

 

Als grobe Faustregel und wenn Sie keine hohen Ansprüche an den täglichen Lebensunterhalt stellen, reichen 300 Euro im Monat aus. Diese Summe beinhaltet keine Wohnungsmiete, Mietnebenkosten, Tanken und Telefon.

 

Grafik: Rubel und Geldkarten werden überall in Kaliningrad akzeptiert


Die Kaliningrader nutzen die Möglichkeit, im benachbarten Polen Lebensmittel einzukaufen, die oftmals in der Auswahl vielfältiger und preislich wesentlich billiger sind. Bei derartigen Einkaufsfahrten sollte man die Fahrkosten berücksichtigen und die nicht zu kalkulierenden Wartezeiten. Außerdem gibt es die russische Sanktionsgesetzgebung, die die Einfuhr von Lebensmitteln aus der EU limitiert oder verbietet. Machen Sie sich also gegebenenfalls zu aktuellen Regelungen kundig.

 

Karte: Grenzübergänge zu Polen und Litauen
 

Das Netz des Kaliningrader Einzelhandels ist sehr gut organisiert. Sie finden auf Schritt und Tritt Supermärkte, Straßenmärkte, Stadtteilmärkte, Tante-Emma-Läden und Kioske. Viele Einzelhändler haben rund um die Uhr geöffnet. Die Supermärkte öffnen in der Regel morgens um 7.00 Uhr und schließen in der Nacht um 2.00 Uhr.

 

Beachten Sie, dass der Verkauf von Alkohol nur in der Zeit von 11 Uhr morgens bis 21 Uhr abends erfolgt.

 

Das Angebot an Waren des täglichen Bedarfs ist umfangreich. Es gibt kaum etwas, was Sie vermissen werden. Nicht immer sind alle Waren präsent, es gibt auch mal ein, zwei Tage, wo eine bestimmte Ware in einem Supermarkt fehlt. Das ist i.d.R. auf Logistikprobleme durch Zoll- und Grenzabfertigung bei der Einführung der Waren zurückzuführen.

Videoeinspielung: Besuch des Supermarktes Viktoria, Warenpräsentation, Preise, Kommentare

Grafiken: Auskopplung aus Videobeitrag

 

Wohnen in Kaliningrad

Bedingt durch die Privatisierungswelle zu Beginn der 90er Jahre, ist fast der gesamte Wohnraum in Kaliningrad in privaten Händen. Professionelle Vermieter gibt es im Bereich der Mietwohnungen nicht.

Preise für Wohnungen sind abhängig von der Lage der Wohnung, der Einrichtung und dem Baujahr. Ein- und Zweiraumwohnungen, egal in welchem Zustand, sind nur mit Mühe zu bekommen. Für die Wohnungssuche sollte man eine Maklerfirma einschalten. Achten Sie darauf, dass es sich um eine solide Firma handelt und nehmen Sie keine Zahlungen ohne Quittung oder „im guten Glauben“ vor. Erwarten Sie nicht unbedingt den Wohnstandard, wie sie ihn aus Deutschland gewohnt sind. Diesen gibt es natürlich auch in Kaliningrad und der drückt sich dann auch im Mietpreis aus.

 


Grafik: Struktur Immobilieneigentum
 
Die Kaltmiete für einfache Wohnungen in Kaliningrad gestaltet sich wie folgt:
  • Zimmer in einer Wohnung - 8.000 Rubel
  • Ein-Raum-Wohnung - 15.000 Rubel
  • Zwei-Raum-Wohnung - 20.000 Rubel
  • Drei-Raum-Wohnung - 25.000 Rubel
  • Vier-Raum-Wohnung - 35.000 Rubel

Hinzu kommen noch die sogenannten Nebenkosten, d.h. Kosten für die Hausverwaltung sowie für kommunale Dienstleistungen. Gehen Sie davon aus, dass diese ungefähr ein Drittel des Mietpreises ausmachen.

 

Preise für Kommunale Dienstleistungen

In Kaliningrad werden die Kosten für kommunale Dienstleistungen monatlich nach Zählerstand abgerechnet. Wer nicht rechtzeitig bezahlt, bekommt sofort Verzugszinsen berechnet. Bezahlt wird auf der Grundlage offiziell ausgestellter Rechnungen.

  • Strom pro Kilowatt: 4,20 Rubel
  • Gas pro Kubikmeter: 7,04 Rubel
  • Wasser/Abwasser pro Kubikmeter: 45,09 Rubel

Die Kosten für diese Leistungen werden mindestens einmal jährlich angepasst.

 

 

Preise für Telefondienstleistungen

Die Zeit der stationären Haustelefone ist im Zeitalter der Mobiltelefone fast vorbei. Wer eine Neubauwohnung mietet, wird dort selten einen stationären Telefonanschluss vorfinden. Wer ein stationäres Telefon benötigt, kann unter vielen Tarifen wählen. Häufig sind die Tarife kombiniert mit Internetanschluss, TV-Empfang, Flat-Rates für Stadt-, Regional- und Föderalgespräche. Die Grundgebühr beläuft sich auf ca. 200 Rubel. Wer kostenlos russlandweit telefonieren will, bezahlt ca. 350 Rubel im Monat. Ein Internetanschluss mit 100 MB/s und ohne monatliches Limit kostet mindestens 520 Rubel.

An Mobildienstleistungen im Handy- und Internetbereich wird in Kaliningrad alles angeboten, was Sie auch aus Deutschland gewohnt sind – in vielen Fällen jedoch mit wesentlich besserer Qualität. Handytarife sind in Kaliningrad in unübersehbar großer Auswahl vorhanden. Kaliningrad und das Kaliningrader Gebiet sind flächendeckend ausgestattet und fast jeder Kaliningrader hat mindestens ein Mobiltelefon. Sofern Sie nicht ins Ausland telefonieren, ist ein Handy in Kaliningrad eine preiswerte Angelegenheit.

 

Preise für den öffentlichen Personennahverkehr, einschließlich Taxi

Es gibt in Kaliningrad kein einheitliches Nahverkehrs-Ticket. Seit 2019 gibt es ein sogenanntes elektronisches Ticket, welches allerdings auch von SchaffnerInnen verkauft wird. Sie bezahlen jedes Mal, wenn Sie einen Bus, Trolleybus, Straßenbahn oder eine Marschrutka besteigen. Es gibt keine Umsteigeberechtigung. Steigen Sie aus, verliert das Ticket seine Gültigkeit und Sie müssen im neuen Verkehrsmittel auch wieder neu zahlen.

In den Kaliningrader Marschrutkas, also den Mini-Linienbussen, bezahlen Sie dem Fahrer beim Aussteigen. Wenn Sie aussteigen möchten, so rufen Sie dies dem Fahrer einfach zu, dieser hält dann an der von Ihnen gewünschten Stelle an.

  • Straßenbahn - 24 Rubel
  • Linienbus - 24 Rubel
  • Trolleybus - 24 Rubel
  • Linientaxi (Marschrutka) - 26 Rubel

Taxipreise sind unterschiedlich zwischen den Taxiunternehmen und häufig auch Verhandlungssache. Ab ca. 23.00 Uhr (nachdem der öffentliche Nahverkehr nicht mehr fährt) gehen die Taxiunternehmen zu Nachttarifen über. Nutzen Sie für Ihre Fahrten nur offizielle Taxis. Diese sind gekennzeichnet durch eine gelbe Farbe mit Taxischild auf dem Dach. Nutzen Sie Schwarztaxen, wissen Sie nicht, ob Sie Ihr Ziel erreichen und Sie sind, im Falle eines Unfalls, nicht versichert. Und natürlich erhalten Sie keine Quittung.

  • Mindestpreis für eine Taxifahrt: 200 Rubel
  • Fahrt "einmal quer durch die Stadt" mindestens 300 Rubel
  • Fahrt zum Airport - 700 Rubel

 

Preise für Restaurantbesuche

Preise sind natürlich entsprechend der Restaurantkategorie äußerst unterschiedlich. Die Zeiten für billigste Restaurantbesuche sind vorbei, aber ein durchschnittlicher Restaurantbesuch ist immer noch wesentlich preiswerter als in Deutschland.

 

Für 700 Rubel werden Sie gut bewirtet, es ist auch ein Glas Bier und der Abschlusskaffee dabei.

 

Viele Restaurants werden in Kaliningrad auch als „Café“ bezeichnet. Dies ist dann nicht das klassische deutsche Verständnis, sondern dahinter verbirgt sich ebenfalls ein Restaurant mit komplettem Speiseangebot. Den Unterschied zwischen „Café“ und „Restaurant“ habe ich im Verlaufe von 30 Jahren Aufenthalt in Russland immer noch nicht verstanden.

Ausgeprägt ist in Kaliningrad das System „Business-Lunch“. Schnell und sehr preiswert, in erster Linie gedacht für Arbeitnehmer, die nur eine kurze Mittagspause haben, besteht dieser Business-Lunch aus einer Vorspeise (Suppe oder Salat), Hauptspeise und einem Getränk. Für 300 Rubel werden Sie mehr als satt.

Straßen-Food ist in Kaliningrad entwickelt. Kontrollen der russischen Verbraucherschutzorganisation zeigen, dass leider nicht alle Angebote den russischen Qualitätsstandards und den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen. Schauen Sie also genau, ob Sie dem Imbiss-Kiosk trauen oder ob Ihr Bauchgefühl doch lieber abrät.

Trinkgelder werden auch in Kaliningrad gegeben. Einige Restaurants schließen diese Trinkgelder bereits in die Rechnung mit ein und werfen den Betrag als „Servicekosten“ aus. Wer keine russischen Sprachkenntnisse hat ist hier eindeutig im Nachteil, muss sich also entscheiden, generell kein Trinkgeld zu geben oder er gibt doppelt.

 

Faustregel: Trinkgeld 10 % der Verzehrsumme. 50-100 Rubel sollte man aber schon geben, wenn man generell zufrieden ist.

 

Preise für Kino- und Theaterkarten

Preise variieren natürlich, wie überall in der Welt, in Abhängigkeit von der konkreten Veranstaltung. Ein klassisches Konzert ist in der Regel preiswerter als der Auftritt einer modernen Band. Der Besuch im Zoo oder in einem Museum ist keine Großinvestition. Kurz zusammenfasst ist die Kultur in Kaliningrad wesentlich preiswerter als in Deutschland. Der größte Teil der Eintrittskarten zu Kulturveranstaltungen liegt im einstelligen Euro-Bereich.

 

Preise für Tanken

In Kaliningrad wird zuerst bezahlt und dann getankt. Es gibt eine Vielzahl von modernen Tankstellen, oftmals auch schon ausgestattet mit Tankstellen-Shops und einem Café. Die Preise steigen natürlich ständig, sind aber im Verhältnis zu Deutschland sehr niedrig.

 

Grafik: Preisentwicklung Treibstoff in Kaliningrad

 

Körperpflege

Das System der Schönheitssalons ist in Kaliningrad sehr stark ausgeprägt. In den Schönheitssalons werden umfassende Leistungen angeboten, vom Haarschnitt, Maniküre, Pediküre bis hin zur Massage und weiteren Leistungen, meistens natürlich für Frauen. Einige wenige Salons haben sich spezialisiert nur auf Frauen oder nur auf Männer. Die Salons sind technisch und personell unterschiedlich ausgestattet – die Qualitäten unterscheiden sich, genau wie die Preise, erheblich.

Videoeinspielung: Japanischer Friseur in Kaliningrad

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