Mein erstes Mal – Kaliningrad-Berlin-Kaliningrad mit Nordwind

Mein erstes Mal – Kaliningrad-Berlin-Kaliningrad mit Nordwind
 
Die russische Fluggesellschaft mit dem typisch russischen Namen „Nordwind“ hat Mitte Oktober den Flugbetrieb zwischen Kaliningrad und Berlin aufgenommen. Es bestanden Zweifel an der Sinnhaftigkeit dieser Flugstrecke, gerade zu diesem Zeitpunkt. Die Praxis zeigt jedoch, dass es Sinn macht.
 
 
Beginnen wir mit den Fakten.
 
Nordwind fliegt gegenwärtig jeden Mittwoch von Kaliningrad nach Berlin und nach einem kurzen Aufenthalt wieder zurück nach Kaliningrad. Ab 1. November soll ein weiterer zusätzlicher Flug jeweils am Sonntag erfolgen.
 
Die Preise für die Flüge nach Berlin und nach Kaliningrad sind unterschiedlich. Persönlich habe ich für meine Flüge hin und zurück rund 14.000 Rubel, also 170 Euro bezahlt. Ich empfehle allen, die die Flüge buchen, sehr aufmerksam die einzelnen Buchungsschritte vorzunehmen, da vieles angeboten wird, was man für einen einstündigen Flug einfach nicht benötigt. Und wer einfach nur das Feld „Weiter“ anklickt, zahlt mal schnell weitere 50 Euro für Dinge, die er nicht braucht. Man kann einen kostenlosen Sitzplatz erhalten, muss aber nur aufmerksam schauen, welcher Sitzplatz kostenlos ist. Man kann aber auch zehn Euro bezahlen. Man braucht auch sicherlich keine zusätzliche Versicherung. Und eine Bordversorgung ist für einen einstündigen Flug sicherlich auch nicht unbedingt erforderlich. Also, investieren Sie Zeit beim Buchen und sparen damit Geld.
 
Erstaunt war ich auf dem Kaliningrader Airport über die lange Schlange vor den beiden Abfertigungsschaltern. Ähnlich erging es mir in Berlin für den Rückflug. Die Befürchtungen, dass das Flugzeug nur Luft zwischen Kaliningrad und Berlin transportiert, scheinen sich nicht zu erfüllen. Die Auslastung des Flugzeuges welches über 110 Sitzplätze verfügt, waren geschätzte 50 Prozent.
 
Beginnen wir mit den Formalitäten in Kaliningrad, für den Flug Kaliningrad-Berlin.
 
Neben den ganz normalen Dokumenten wie Reisepass und Visum, werden jetzt auch weitere Dokumente beim Check-In kontrolliert.
 
Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass Sie sich über das deutsche Einreiseportal in Deutschland vor Antritt des Fluges zu registrieren haben. Hierzu müssen Sie die aus Deutschland erhaltene Bestätigung über ihre elektronische Anmeldung vorlegen – in Papierform oder elektronisch. Liegt diese nicht vor, werden Sie nicht eingecheckt. Man kann diese Anmeldung auch noch fünf Minuten vor der Angst, direkt auf dem Airport machen, vorausgesetzt man hat einen Internetzugang.
 
Um eine Bestätigung aus Deutschland zu erhalten, müssen Sie nicht nur die dort gestellten Fragen beantworten, sondern auch einen Impfnachweis (russische Impfung wird nicht anerkannt) und einen PCR-Test einscannen und übersenden.
 
Auch die Impfung und den PCR-Test müssen Sie am Check-In-Schalter vorlegen. Ohne diese Dokumente erfolgt kein Check-In.
 
Keinerlei Aussagen kann ich treffen, wenn ein EU- oder anderer ausländischer Bürger ausreisen will und die geforderten zusätzlichen Dokumente nicht vorweisen kann. Rein rechtlich dürfte diesem Bürger die Ausreise nicht verwehrt werden, insbesondere wenn dessen Visum ausläuft. Wie dann der Empfängerstaat, in diesem Fall Deutschland, mit dem EU-Bürger verfährt, ist dann schon Angelegenheit Deutschlands. Russischen Staatsbürgern wird die Ausreise verwehrt – da gibt es keinerlei Ermessensspielraum für das Servicepersonal am Check-In-Schalter.
 
Viele derjenigen, die vor mir in der Schlange standen, hatten diese Dokumente nicht, was zu erheblichen Zeitverzögerungen führte.
 
Bei der Einreise nach Deutschland werden alle Einreisenden, egal ob sie den Eingang „EU-Bürger“ oder „Alle Pässe“ nutzen, nochmals auf die geforderten zusätzlichen Dokumente geprüft, d.h. Impfnachweis, PCR-Test und Einreiseanmeldung. Da bei mir alles vorlag, kann ich nichts darüber berichten was passiert, wenn ein Dokument fehlt. Ich gehe davon aus, dass auf dem Berliner Airport ein Express-PCR-Test möglich ist – die Kosten sollen sich auf 60 Euro belaufen. Vermutlich erhält der Einreisende auch die Möglichkeit, die elektronische Anmeldung direkt am Airport nachzuholen, denn sie erfordert nur einen minimalen Zeitaufwand. Somit dürfte einer Einreise nichts im Wege stehen.
 
Die Rückreise verläuft ähnlich, obwohl ich den Eindruck hatte, dass das Check-In-Personal nicht vollumfänglich in Besonderheiten für die Einreise von Bürgern nach Russland, sprich Kaliningrad, informiert war.
 
Nichtrussische Bürger haben neben ihrem Pass und dem Visum ebenfalls einen PCR-Test vorzulegen. Hat man diesen nicht, kann er als Express-PCR-Test durchgeführt werden – wie schon erwähnt zu einem Preis von 60 Euro innerhalb einer Stunde – wie Insider in der Warteschlange berichteten.
 
Russische Staatsbürger brauchen keinen PCR-Test vorlegen. Diese sind verpflichtet, sich gleich nach ihrer Ankunft in Russland testen zu lassen, sofern sie nicht geimpft sind (mit einer der sechs russischen Impfungen) und über das Portal „GosUslugi“ ihre Einreise anzumelden. Alternativ, wer mit dem Internet nicht zurechtkommt, kann auch die schriftliche Meldung direkt am Airport abgeben, die die netten Flugbegleiterinnen im Flugzeug kurz vor der Landung ausgeben.
 
Am Wochenende wurde bekannt, dass auch auf dem Airport Chrabrowo ein Express-Test auf Korona-Virus eingerichtet worden ist. Der MedPunkt arbeitet rund um die Uhr. Das Ergebnis liegt in sechs Stunden vor. Meine persönlichen Erfahrungen bei medizinischen Analysen in Russland besagen, dass immer nur die Maximalzeiten genannt werden, in der Realität die Analysen aber wesentlich schneller vorliegen. So habe ich meinen PCR-Test für die Einreise nach Deutschland nicht nach 24 Stunden, so wie angekündigt, erhalten, sondern bereits nach sechs Stunden. Somit gehe ich davon aus, dass auch der Express-Test wesentlich schneller vorliegen wird.
 
Der Airport teilt mit, dass man daran arbeite, das System der Express-Teste zu vervollständigen. Entsprechend der Notwendigkeit werden in Kürze Teste in 1,5 Stunden, drei und 24 Stunden vorliegen können.
 
Der Airport Chrabrowo kommentiert, dass es damit möglich ist, sich in Kaliningrad testen zu lassen, man sich zu seinem Weiterflug nach Moskau begibt und die Testergebnisse in Moskau erhält. Die Teste sind in russischer und englischer Sprache.
 
Für diejenigen, die mit wachsender Begeisterung meinen Ausführungen zugehört haben und nebenbei schon mal mit dem Kofferpacken für Kaliningrad begonnen haben, sei gesagt, dass das Kaliningrader Gebiet und leider auch viele andere Gebiete in Russland mit wesentlichen Einschränkungen im gesellschaftlichen Leben leben. Wer keinen QR-Code über eine erfolgte russische Impfung vorweisen kann, erhält zu vielen Einrichtungen, die man als Tourist oder Ausländer besuchen will, muss oder kann, keinen Zutritt. Ein Ausländer kann in Russland keinen QR-Code erhalten und somit wäre es ratsam, seine geplante Touristenreise einfach auf bessere Zeiten zu verschieben.
 
 
 
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Kommentare ( 2 )

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 30. Oktober 2021 13:59 pm

    Hallo Herr Niemeier!
    Habe all Ihre D-Beiträge gesehen und den Eindruck gewonnen, daß Sie sich wohl für immer verabschiedet haben, es sei denn, die Auflösung Ihrer Wurzeln bedarf noch weiterer Besuche.
    Ich hoffe, daß genügend russische Follower diese Beiträge sehen , was z. B. ein kleiner Kneipenbesuch kostet.
    Gespannt bin ich auch auf Reaktionen aus Deutschland über die gezeigten Obdachlosen.
    Das kann nicht ohne gehässige Kommentare bleiben.
    Ich würde mich freuen, wenn Sie das sogenannte Feedback dann auch in Deutsch uns kund tun.
    Ein Kompliment noch an Ihre Kameraführung - mir wäre schon längst der rechte Arm abgestorben.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 30. Oktober 2021 14:05

      ... nein, es war wohl nicht mein letzter Besuch in Deutschland. Da ich keinerlei Erwartungen mehr an Deutschland habe und mich nur noch auf das Wichtigste in meinem Leben - also meine Mutter, konzentriere, werden auch die zukünftigen Besuche mich weniger belasten, da ich mich mit der deutschen Wirklichkeit nur im Rahmen der Pflege meiner Mutter beschäftigen werde.
      An sich hatte ich nicht vor, die Beiträge ins Deutsche zu übersetzen. Es hat sich gezeigt, dass nicht alle deutschsprachigen Beiträge für Russen interessant sind und nicht alle russischsprachigen Beiträge für Deutsche von Interesse sind. Deshalb werde ich wohl zukünftig stark zwischen meinen deutsch- und russischsprachigen Kanälen differenzieren.

      Was meinen rechten Arm anbelangt ... keine Sorge, die GoPro-Kamera ist sehr leicht und stellt überhaupt keine Gewichtsbelastung dar. Außerdem gibt es eine Menge Hilfsmittel um die Kameraführung noch anders und noch leichter zu gestalten. Und wenn es ganz schlimm kommt, dann lasse ich den Copter vor meinem Kopf gleiten und spreche nur noch ins Diktophon ...

  • Anton Amler

    Veröffentlicht: 31. Oktober 2021 10:53 pm

    da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt.
    Mich würden nur die möglicherweise kritisch zweifelnden Reaktionen aus dem Bereich Ihrer Landsleute interessieren - ob sie das für propagandistische, untypische Übertreibung halten.
    Ich bin mir sicher, daß eine nicht kleine Zahl russisch sprechender Menschen hier Ihre Beiträge verfolgen, die in der BRD sehr unterschiedlichen Wegen ausgesetzt waren, und die deshalb auch sehr differenzierte Beziehungen zu diesem Land haben.
    Eine Frau Nawalnaja sieht das sicher anders als der Oleg Schultz aus Kasachstan, muttersprachlich deutsch und deutschstämmig, dessen erste Handlung nach Erhalt seiner neuen Papiere der Antritt seines Militärdienstes zu Verteidigen seiner neuen Heimat war.
    Ich kannte solche Fälle, und ein gewisser Rückstrom läßt sich ja auch nicht mehr leugnen.
    Dieser Zwiespalt ist in unserem Land, und mich interessiert die Denkweise der so unterschiedlich Betroffenen.
    Ich wünsche einen sonnigen Sonntag - wie hier.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 31. Oktober 2021 18:17

      ... hier wird kaum kommentiert, auch im russischsprachigen Teil des Portals. Ich schrieb ja schon, dass das Portal von mir ein wenig stiefväterlich behandelt wird und das macht sich dann auch bei den Zuschaueraktivitäten bemerkbar.
      Wenn Sie die russischen Reaktionen lesen wollen, so schauen Sie auf meinen russischsprachigen YouTube-Kanal. Der ist erst im Aufbau begriffen, aber ein paar Kommentare gibt es schon:

      https://www.youtube.com/channel/UCPayy4p8M52uNDj8i1FFeSA

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