Nach dem Feiertag ist vor dem Feiertag

Nach dem Feiertag ist vor dem Feiertag
 
In Russland ist jeder Tag ein Feiertag. An manchen Tagen wird wirklich gefeiert, viele Tage, insbesondere die professionellen Feiertage, sind symbolisch und man arbeitet auch an diesen Tagen. Zu den Tagen, zu denen nicht gearbeitet wird und die erstrangige Bedeutung haben, gehört der „Tag der Vaterlandsverteidiger“ und der „Internationale Frauentag“.
 
 
Den Tag der Vaterlandsverteidiger haben wir gerade hinter uns gebracht. Er lag in diesem Jahr supergünstig, so dass ein superlanges Wochenende, unter Nutzung des Montags als Brückentag, gewährt wurde. Das Wetter war auch gut, die Corona-Virus-Situation entwickelt sich in Kaliningrad auch negativ, was in diesem Fall positiv ist. Am Mittwoch war somit der erste Arbeitstag und alle bereiten sich nun intensiv auf den nächsten Feiertag vor – den 8. März, Internationaler Frauentag.
 
 
Rein organisatorisch und in der technischen Durchführung, gibt es kaum Unterschiede zwischen den beiden Feiertagen. An beiden Tagen kümmern sich die Frauen um alles, insbesondere um das Essen und den reichlich gedeckten Tisch. Sie stellen neue Teller mit kalten Salaten und heißen Speisen nach, reichen Tee oder Kaffee, Torte und waschen anschließend alles ab, wenn die Männer sich schon aufs Ohr gehauen haben. Der Unterschied besteht in den Feiertagen somit nur darin, dass die Frauen am 8. März mehr oder weniger geschmackvoll ausgesuchte Blumensträuße erhalten.
 
Die Firmen kaufen für ihre weiblichen Mitarbeiter in der Regel Tulpen. Die sind relativ billig und machen wenig Arbeit. Frisch Verheiratete schenken aufwendig gebundene Blumensträuße. Länger verheiratete versuchen preiswerter wegzukommen und schenken den Frauen entweder eine große Packung „Merci“ oder diese goldenen Kugeln … ich habe vergessen, wie die heißen.
 
In diesem Jahr versprechen die Kaliningrader Einzelhändler, dass die Blumen, die zum größten Teil importiert werden, besonders teuer werden. Aber nicht nur die Blumen in Kaliningrad werden teuer, sondern in ganz Russland – so verkündet es der Präsident der Assoziation „Gewächshäuser Russlands“.
 
In Russland machen die Blumenhändler zum 8. März ungefähr die Hälfte des gesamten Jahresumsatzes.
 
In diesem Jahr wird richtig zugeschlagen und die Blumen werden sich in Kaliningrad um bis zu 40 Prozent verteuern. In den vergangenen Jahren wurden die Preise für Blumen zum Internationalen Frauentag durchschnittlich nur um 20 Prozent angehoben. Grund sind in diesem Jahr Logistikprobleme, insbesondere an der Grenze zu Weißrussland – sagen die Blumenhändler. Die Zöllner selber sehen diese Probleme nicht.
 
Es gibt in Russland und somit auch in Kaliningrad, keine ausreichenden Gewächshäuser, um den Blumenbedarf zu decken. Somit werden sehr viele Blumen importiert. Bedingt durch den stark gestiegenen Rubelkurs, verteuern sich somit auch die Blumen erheblich.
 
Die wenigen einheimischen Blumenanbauer, auch die Privaten, die in ihrem Garten und kleinen Gewächshäusern Blumen angepflanzt haben, ziehen mit den Preisen nach, auch wenn sie selber keine höheren Kosten haben. Warum soll man wesentlich billiger verkaufen, wenn alle anderen die Preise anheben. Somit ist der 8. März für die privaten Kleingärtner ein doppelter Feiertag. Man kann richtig schön Kasse machen.
 
Der Kaliningrader Zolldienst hat jetzt schon die elektronischen Warendeklarierungen für die Lieferungen zum bevorstehenden Feiertag angenommen. Ein Vergleich zum Vorjahr zeigt, dass in diesem Jahr 150 Prozent mehr Blumen importiert werden, als im Vorjahr. In absoluten Ziffern wurden 2020 592 Tonnen Schnittblumen importiert und in diesem Jahr wurden schon 1.453 Tonnen zur Deklarierung angemeldet.
 
Ich selber habe mich entschlossen, diesen Blumenwahnsinn in diesem Jahr nicht mitzumachen. Am 8. März fühle ich mich für drei Frauen verantwortlich und man hat mich diskret daran erinnert, wie gut ich doch in den vergangenen Jahren immer das Frühstück zum Frauentag organsiert habe. Also werde ich auch in diesem Jahr die Tradition fortsetzen, jeder Frau eine symbolische Rose schenken und einen Frühstückstisch decken, der keine Wünsche offenlässt.

 

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