Standhafter Spanier – Endlich im russischen Paradies

Standhafter Spanier – Endlich im russischen Paradies
 
Erinnern Sie sich an meine Information über den spanischen Bürger, der gut ausgerüstet und schwer bewaffnet in der vergangenen Woche versuchte, über die polnische Grenze, in das russische Paradies zu gelangen? Vor einer Woche ist es ihm nicht gelungen, aber beim zweiten Versuch hat es geklappt.
 
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Das Dorfgericht“
 
Die Meldungen der russischen Medien am gestrigen Tag waren etwas nebulös. Irgendwie hatte man den Eindruck, als ob die Medien sich scheuten, das Wort „Spanier“ in den Mund zu nehmen … oder in die Zeilen zu schreiben. Es wurde viel um den heißen Brei herumgeredet. Nur das „liebe“rale Informationsportal „newkaliningrad“ beendete seinen Beitrag mit dem Hinweis, dass eine ungenannte Quelle aus den russischen Sicherheitsorganen mitteilte, dass es sich um einen spanischen Bürger handelt, der 42 Jahre alt ist.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Kriminelles Talent“
 
Die Aufzählung der mitgeführten Gegenstände, Jagdmesser, Luftdruckpistole usw., lässt kaum noch Zweifel zu, dass es sich um denselben Spanier handelt, den die polnischen Grenzer in der vergangenen Woche festgesetzt hatten.
 
Die polnischen Grenzer hatten anscheinend ein nettes aufklärendes Gespräch mit dem Spanier, also einem Mitglied der europäischen Menschengemeinschaft, geführt und ihm klargemacht, dass man so, wie er es vorhatte, nicht aus Polen aus- und nach Russland einreist. Der Mann wurde – so schrieben es die Medien – nach Hause geschickt.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Operation Ö“
 
Aber er scheint wohl an der nächsten Bus- oder Eisenbahnstation wieder ausgestiegen zu sein. Diesmal suchte er sich einen etwas anderen Grenzabschnitt aus, um in das russische Paradies zu gelangen.
 
 
Jetzt die polnischen Grenzer zu beschuldigen, dass sie Schlafmützen und nicht in der Lage sind, die europäische Außengrenze gegen illegale Auswanderer zu schützen, die aus der europäischen Menschengemeinde flüchten wollen, wäre verkehrt. Vermutlich haben ihn die polnischen Grenzer sehr schnell über die elektronische Grenzüberwachung geortet, sich aber dann entschlossen, den Mann laufen zu lassen – einfach, um Ruhe vor solchen Chaoten zu haben. Die polnischen Grenzer wissen, dass der Mann auf Kaliningrader Seite nicht sehr weit kommt und die russischen Grenzer ihn schnell in Gewahrsam nehmen. Und ist er erstmal in russischem Gewahrsam, haben die polnischen Grenzschützer vor diesem Mann erstmal viele Monate Ruhe.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Wahltag“
 
Ich beneide diesen Spanier ein wenig, denn er erhält jetzt die Möglichkeit, über viele Wochen, vielleicht sogar Monate, wo der russische FSB Ermittlungen führt, sich mit den Besonderheiten der russischen Haftanstalten vertraut zu machen.
 
Videobegleitung: Filmklassiker „Kriminelles Talent“
 
Ich habe derartige Erfahrungen nicht und habe wohl auch keinerlei Chancen, für eine Reportage in so eine Justizeinrichtung hineingelassen zu werden. Aber gerade so eine praktische Erfahrung wäre jetzt für mich sehr wichtig, wo die Berichterstattung zu Nawalny und den Haftbedingungen in Russland langsam beginnt Fahrt aufzunehmen. Stellen Sie sich vor, wie glaubwürdig meine Reportagen werden, wenn ich direkt mit Kamera und Mikrofon und Internet von vor Ort berichten würde.
 
Videoeinspielung: Filmklassiker „Kriminelles Talent“
 
Beeindruckend ist, dass der Spanier mit seiner professionellen Feldausrüstung, geeignet für Extremwanderungen, bis zur Siedlung Jakowlewka gekommen ist, eine winzig kleine Siedlung, vielleicht zehn oder fünfzehn Kilometer von der Grenze entfernt. Mit anderen Worten, illegale Grenzgänger sollten sich nicht zu früh freuen, wenn sie ein russisches Ortseingangsschild sehen und glauben, es geschafft zu haben.
 
Die Kaliningrader Medien berichten, dass die Organe begonnen haben, den ganzen Vorfall zu untersuchen, die wirklichen Gründe des Grenzübertritts in Erfahrung zu bringen und mit welchem Ziel dies erfolgt ist. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit wissen wir, dass derartige Ermittlungen sogar Jahre dauern können.
 
Die russische Gesetzgebung sieht für illegalen Grenzübertritt eine Strafe von bis zu zwei Jahren vor. Zu Gunsten des Spaniers wird sicher während des Gerichtsverfahrens sprechen, dass er freiwillig zugegeben hat, illegal die Grenze übertreten zu haben.
 
Hoffen wir, dass die Untersuchungen des FSB schneller beendet werden, denn ich möchte nicht mit meinen Steuergeldern einen Bürger der Europäischen Union über viele Monate füttern und kostenlose Unterkunft bezahlen.

 

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Kommentare ( 1 )

  • Радебергер Radeberger

    Veröffentlicht: 5. April 2021 02:13 pm

    Ich glaube kaum, daß der FSB ihm noch ein paar neue Wanderschuhe für die Wegstrecke nach Wladiwostock schenken wird.
    Und гречневая крупа wird wohl nicht so richtig seine Geschmacksrichtung als Gast im klinkenlosen Hotel sein, oder hat man ihm schon eine schöne Heimreise gewünscht auf dem Flughafen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 5. April 2021 05:24

      ... es gibt keine frischen Nachrichten von unserem Spanier. Aber der FSB ist ja dafür bekannt, das er nicht sehr redselig ist.

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