Und plötzlich stand es da: BMW-Werk in Kaliningrad

Und plötzlich stand es da: BMW-Werk in Kaliningrad
 
Im Jahre 2012 hatte BMW versprochen, in Kaliningrad im großen Umfang zu investieren. Das hätte der wirtschaftlichen Entwicklung Kaliningrads, der Image-Entwicklung Kaliningrads, der Entwicklung des Lebensniveaus in Kaliningrad, große Impulse gegeben. Aber außer Versprechungen und Hinhaltungen unternahm BMW nichts. Nun plötzlich über Nacht gibt es Neuigkeiten.
 
 
Kaliningrader Medien informieren, dass nicht „BMW“, sondern die Firma „Avtotor“ im Jahre 2021 mit dem Bau von hochgradig lokalisierten BMW-Fahrzeugen beginnen wird. Dazu ist es notwendig, die bisherige Produktionsstätte, wo die aus Deutschland angelieferten Einzelteile zu einem Fahrzeug zusammengeschraubt wurden, umzulagern.
 
In dem Vorort „Kosmodemjanskoje“, wo „Avtotor“ bereits seine Hauptproduktionsstätten für andere Fahrzeugmarken unterhält, wurde bereits, unbemerkt von der Öffentlichkeit, begonnen, eine neue Produktionsstätte zu errichten. Das erste BMW-Fahrzeug soll im Juli 2021 vom Band rollen.
 
Bemerkenswert ist, dass die Investitionen zu Zeiten der großen Corona-Krise durchgeführt werden, wo überall davon gesprochen wird, wie schlecht es doch der Industrie geht. Und noch bis vor wenigen Monaten konnte man von „Avtotor“ hören, dass kein Geld für den Bau eines BMW-Werkes vorhanden ist.
 
Aber „Avtotor“ hatte mit der Föderalregierung einen Sonderinvestitionsvertrag abgeschlossen und anscheinend funktioniert dieser – wie sich der Kaliningrader Gouverneur Anton Alichanow am Donnerstag überzeugen konnte. Er kommentierte, dass das, was er gesehen habe, ihm bestätige, dass alles fristgerecht verläuft.
 
Die Gebäude sind bereits errichtet und man beginnt mit der Fassadenverkleidung, dem Innenausbau und den technischen Systemen. Bis September sollen die Gebäude stehen und Anfang 2021 werden die Produktionslinien montiert.
 
Das Werk ist ausgelegt für die Produktion von 50.000 BMW-Fahrzeugen der Marken X4, 5, 6, und 7 sowie der 7er BMW-Reihe. Weiterhin werden 15.000 vollständig vorbereitete Karosserien in andere Fahrzeugwerke von BMW weltweit exportiert.
 
In dieser neuen Produktionsstätte entstehen 2.000 neue Arbeitsplätze.
 
Im Januar informierte die deutsche Firma BMW, dass man vom Bau eines Werkes zur Lokalisierung der Produktion in Russland Abstand nehme. Russischen föderalen Medien war am Donnerstag zu entnehmen, dass Vertreter von BMW keine Kommentare zum Bau des Werkes durch „Avtotor“ abgeben wollten.
 
Videoeinspielung: Sowjetischer Filmklassiker

 

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Kommentare ( 4 )

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 24. Juli 2020 19:30 pm

    Bis heute sieht es so aus, als würde Avtotor BMW-Autos ohne die Beteiligung des BMW-Konzerns produzieren.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 24. Juli 2020 19:33

      ... irgendwie wird man sich sicher über die Aufteilung der Gewinne geeinigt haben. Das die bisherige Produktion von BMW-Fahrzeugen ohne BMW stattgefunden haben soll, ist allerdings nur sehr schwer vorstellbar.

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 24. Juli 2020 19:45 pm

    Wenn wir den Zustand und die Trends des russischen Automobilmarktes sowie die Politik des Ministeriums für Industrie und Handel hinsichtlich der Beteiligung ausländischer Unternehmen an der Entwicklung der Automobilindustrie berücksichtigen, gehe ich davon aus, dass das neue Werk Avtotor im nächsten Jahr koreanische Autos produzieren wird. Das ist alles zu meinem tiefsten Bedauern. Ich unterstütze das deutsche Team.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 24. Juli 2020 19:48

      ... so richtig kann ich Ihren Überlegungen nicht folgen. Koreanische Autos werden bereits in großem Umfang bei "Avtotor" produziert. Und mit welchen Maßnahmen des russischen Industrieministeriums sind Sie denn nicht einverstanden - aber bitte konkret! Die Politik des Industrie- und Handelsministeriums im Zusammenhang mit der Fahrzeugindustrie hat letztendlich in den letzten Jahren dazu geführt, dass fast alle zur vollständigen Lokalisierung übergegangen sind - nur BMW "zickt". Mercedes hat im vergangenen Jahr ein Werk bei Moskau in Betrieb genommen - wo ist also das Problem?

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 24. Juli 2020 20:19 pm

    Um erhöhte Zölle und Abwracksteuern zu vermeiden, müssen die Autowerken in Russland die Lokalisierung der Produktion auf 70% erhöhen. Dies umfasst nicht nur Karosserien, sondern auch Motoren und Getriebe. Eine solche Lokalisierung zahlt sich nur für großvolumige Modelle aus. Mercedes eröffnete das Werk nur, um am öffentlichen Staatsankaufswesen teilzunehmen, egal zu welchem ​​Preis die Autos sein werden. BMW verfügt bereits über eine Produktionswerk Avtotor für staatliche Einkäufe. Ich zitiere Stefan Teuchert, Generaldirektor der BMW Group Russia: „Es ist äußerst schwierig, die Lokalisierung von Fahrzeugen des Premium-Segments zu organisieren, da das Volumen eines Modells pro Jahr 500 Einheiten, 1 oder 2 Tausend betragen kann. Bei einem anderen Modell beträgt die Obergrenze 5 Tausend. Daher ist es schwierig, die Anforderungen oder sogar die Wünsche des russischen Staates zu erfüllen...

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 24. Juli 2020 20:26

      ... so wie sich BMW seit 2012 verhalten hat, mit Versprechungen und Hinhaltungen, kann ich keiner Argumentation von Vertretern dieser Firma mehr mit der notwendigen Aufgeschlossenheit folgen. Bei BMW argumentiert man so, wie man es für die eigenen Interessen braucht, frei nach dem Motto: "... was interessieren mich meine Versprechungen von gestern."

      Russland ist generell daran interessiert, dass eine hohe Lokalisierung der Produktion erfolgt - egal was produziert wird. Das schafft Arbeitsplätze und bringt Steuern in die Kasse. Alles andere lässt nur Geld abfließen und macht andere im Ausland reich ...

  • Vladimir Rudyh

    Veröffentlicht: 24. Juli 2020 20:20 pm

    Solange es wirtschaftlich rentabel ist, Autos in Russland zu produzieren und wir die erforderlichen staatlichen Standards einhalten können, werden wir uns weiterhin vor Ort versammeln. Wenn jedoch Anforderungen eingeführt werden wir werden nicht in der Lage sein auszuführen, dann müssen wir komplett auf Import umstellen. "...
    Tatsächlich wurden diese Staatsanforderungen bereits eingeführt. Die Erhebung erhöhter Steuern für bestehende Produktionsanlagen wurde auf den 01.01.2021 verschoben ... Gleichzeitig ist das koreanische Werk in der Nähe von St. Petersburg voll ausgelastet und die Koreaner benötigen zusätzliche Kapazitäten.

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