Vom Leben der Menschen in Kaliningrad

Vom Leben der Menschen in Kaliningrad
Begleittext zur Videoinformation
Der hier veröffentlichte Text ist der gesprochene Begleittext zum Video und entspricht der Qualität eines Manuskripts. Am Ende des Textes finden Sie den eigentlichen Beitrag in Form einer Videoinformation. Nur der Manuskripttext enthält nicht alle angebotenen Informationen, denn im Videobeitrag gibt es zusätzliche eingeblendete Text-, Grafik- und Fotoinformationen.

 

 

Seit 2012 ist „Kaliningrad-Domizil“ bemüht, durch seine Berichterstattung ein reales Bild über das Leben in Kaliningrad und im russischen Mutterland zu vermitteln. Das gelingt nicht immer, wie die manchmal emotionalen Kommentare von Deutschen in Deutschland zeigen, die glauben, das andere Quellen seriöser und glaubwürdiger sind als wir.

So veröffentlichten wir am 27. Juli einen Beitrag unter dem Titel „Schüler Russland kritisiert Oberlehrer Deutschland.“ Im Sozialnetzwerk „Facebook“ entwickelte sich eine emotionale Diskussion um Meinungen und Ansichten eines Deutschen, der mit einer Kaliningrader Frau verheiratet ist und in Deutschland lebt. Seit Monaten macht sich dieser Deutsche sorgen um die hungernden und darbenden Russen im Allgemeinen, die Kaliningrader im Besonderen und um seine Schwiegereltern insbesondere.

In dem genannten Thema auf Facebook kommentierte er:

„(…) Meine Schwiegereltern in Kaliningrad führen ein erbärmliches und menschenunwürdiges Leben, obwohl sie Zeit ihres Lebens gearbeitet haben. Sie leben in einem Zimmer, in einem alten deutschen Haus, verschimmelt, kein fließend warmes Wasser, keine Toilette usw. Alle paar Jahre (auch dieses Jahr kommt es zu einer Überschwemmung und ich tue mein Bestes, Ihnen das Leben erträglicher zu gestalten. Wenn Sie mir wiederrum kein Glauben schenken, kann ich gerne die Adresse geben.“

Ich bat um die Adresse und er veröffentlichte diese im Internet: uliza Trudowaja 42, also die Arbeitsstraße 42.

Und an einem schönen lauen Sommertag im August 2019 besuchte ich diese Adresse. Ich sage es gleich zu Anfang: Ich habe einen Fehler gemacht, denn ich hatte weder Tee, noch Kaffee noch ein wenig Gebäck mitgenommen, denn gerne hätte ich mit diesem lebenslustigen Ehepaar, die seit 1964 verheiratet sind, in deren Stube gesessen und ein wenig ausführlicher geplaudert. Aber ich habe versprochen wiederzukommen – mit Tee und Gebäck.

Und somit haben wir erstmal auf dem Grundstück gesprochen. Einführend habe ich Grüße von ihrem Schwiegersohn Georg überbracht und mitgeteilt, dass dieser sich große Sorgen um ihr Wohlbefinden macht und sah dann in erstaunte Augen … „wieso? Uns geht es gut“, war die Antwort. Und nachdem ich gefragt habe, ob ich die Kamera einschalten kann, begann das wirklich sehr angenehme Gespräch.

Ich lade Sie ein, dem Gespräch beizuwohnen.

Videogespräch

Tja, soweit zur Kaliningrader Realität und der gleichen Realität, wie sie in Deutschland interpretiert wird.

Tschüss und Poka aus Kaliningrad

 

Kommentare ( 2 )

  • Georg

    Veröffentlicht: 14. August 2019 20:09 pm

    Vielen Dank für den Besuch bei meinen Schwiegereltern, aber leider stellt ihre Reportage ein völlig verzerrtes Bild dar. Leider sind Sie nicht in das Haus, da wäre Ihnen nicht entgangen, dass die Wände völlig verschimmelt sind, stand doch die Wohnung in den letzten fünf Jahren 3mal unter Wasser. Es gibt kein fließend warmes Wasser und auch keine Toilette, sie müssen zur Verrichtung der Notdurft nach draussen gehen. Die Schwiegereltern haben Geld fürs Essen, aber manchmal reicht es trotzdem nicht, da muss der Enkel aushelfen. Ich habe schon viel Geld in Renovierungsarbeiten gesteckt, das Vordach war zusammengebrochen, die Fenster komplett im Arsch, Heizkörper und Waschmaschine kaputt. Mein Stiefsohn hat vor 4 Wochen eine Arbeit gefunden, das ist richtig, für 10 000 Rubel im Monat, wir müssen Ihn weiterhin unterstützen. Sie haben Suggestivfragen gestellt und die Schwiegerelt. sagen , auch zu uns am Telefon, es ist alles in Ordnung, wenn aber der Martin nachschaut, gibt es Probleme.

  • Georg

    Veröffentlicht: 14. August 2019 21:08 pm

    Sehr geehrter Herr Niemeier, meine Frau ist Ihnen sehr, sehr dankbar, dass sie ihre Eltern sehen kann, sie war zuletzt vor drei Jahren in Kaliningrad. Meine Angaben beruhen auf Wahrheit, sonst hätte ich Ihnen niemals die Adresse gegeben. Gehen Sie bitte nochmal hin und stellen alles richtig. Bitte inspizieren sie den Innenraum des Hauses, meine Schwiegereltern bewohnen nur ein Zimmer, ohne Wasch- und Duschmöglichkeit bzw. Toilette. Überzeugen Sie sich von der Verschimmelung es Fußbodens und der Wände. Die Leute sind sehr demütig und wollen niemanden zur Last fallen. Als sie letztes Jahr nach Überschwemmung kniehoch im Wasser saßen, haben sie sich nicht gemeldet, erst der Martin wurde von einem Nachbarn informiert und kümmerte sich darum. Wir bezahlen alles, außer Essen.

    • Uwe Erich Niemeier

      Veröffentlicht: 14. August 2019 22:29

      ... natürlich werde ich nochmal einen Besuch machen und auch Tee und Kekse mitnehmen, um gemütlich zusammen zu sitzen.

      Aber Ihnen ist schon bekannt, dass sich die bewohnten Räumlichkeiten in Privatbesitz befinden und der Besitzer selber für die Instandhaltung, aber auch die Pflege des Grundstücks verantwortlich zeichnet. Man kann für die Instandsetzung auch Geld aus dem Fond für Kapitalinstandsetzung beantragen... also es gibt schon eine Reihe von Möglichkeiten. Ansonsten ist für mich natürlich das maßgeblich, was ich selber sehe und höre. Und Ihre Schwiegereltern haben auf mich einen durchaus zufriedenen und lebenslustigen Eindruck gemacht. Nach 30 Jahren Russland kann ich schon einschätzen, wann "Theater" gespielt wird und wann nicht.

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