Wie läuft das Geschäft? „Baltische Welle“ folgt der Einladung einer Immobilienfirma

Wie läuft das Geschäft? „Baltische Welle“ folgt der Einladung einer Immobilienfirma
 
Über 10.000 Sanktionen haben die unfreundlichen Staaten gegen Russland seit 2014 verhängt. Heute wurde ein sechstes Sanktionspaket gegen Russland verabschiedet. „Baltische Welle“ interessierte sich dafür, welche Auswirkungen es auf das Geschäftsleben in Kaliningrad gibt. Die Einladung einer Bau- und Verwaltungsfirma aus Kaliningrad, habe ich somit gerne angenommen.
 
Der nachfolgende Text ist der Kommentartext im Video und nur vollinhaltlich verständlich, wenn Sie das Video anschauen.
 
 
Erinnern wir uns, dass die russische Militäroperation zur EntNAZIfizierung der Ukraine am 24. Februar begann. Die, Russland feindlich gesinnte, westliche Staaten- und Solidargemeinschaft, begann sofort mit der Umsetzung der angedrohten schlimmsten aller schlimmen Sanktionen. In der täglichen Praxis spürte der einfache Bürger, der einfache Kunde sofort, wie die Wirtschaft reagiert. Kurz zusammengefasst explodierten die Kurse des Rubel und niemand wusste, wie es mit dem Rubel weitergeht. Deshalb begannen viele, ihre Rubelkonten bei den Banken zu kündigen und kauften alles, was man brauchte und nicht brauchte – man materialisierte sein Geld. Dadurch kam es innerhalb kürzester Zeit zu Angebotslücken in den Geschäften. Besonders spürbar war dies in den Baumärkten. In allen anderen Geschäften für Industriewaren, hielten sich die Angebotslücken in überschaubaren Grenzen.
 
Dann übernahm die Zentralbank die Initiative und katapultierte den Leitzins auf 20 Prozent. Sofort reagierte der Bankensektor und erhöhte die Zinsangebote für lang- und kurzfristige Geldanlagen in Rubel auf über 20 Prozent. Angebote bis zu 23 Prozent waren real. Somit kehrte innerhalb kurzer Zeit viel Geld wieder in die Banken zurück und der Russe erarbeitet passiv Geld. Wer sein Geld Anfang März für ein Jahr angelegt hat, erarbeitet saftige 21 Prozent Zinsen. Saftig deshalb, weil die Zentralbank nun wöchentlich wieder den Leitzins zurückfährt. Wir sind nun schon wieder bei 11 Prozent angekommen und dies bedeutet, dass es auch nur noch 8-10 Prozent Zinsen bei Neuanlagen gibt.
 
 
In der Zwischenzeit sind die zeitweiligen Angebotslücken in den Geschäften praktisch verschwunden. Für den unternehmerischen Russen besteht nun die Qual der Wahl zu entscheiden, ob er passiv Geld verdienen will, dem täglich wachsenden Prestige des Rubels vertrauend, oder ob er die Chance der Krise nutzt, um zu investieren – also antizyklisch zu arbeiten.
 
Die Bau- und Verwaltungsfirma, die mich eingeladen hatte, einen Wohnkomplex in Kaliningrad zu besuchen, hat sich dafür entschieden, in der Krise zu investieren. Finanzreserven wurden aufgelöst und Immobilien gekauft, die jetzt, Schritt für Schritt ausgebaut und auf die Vermietung vorbereitet werden.
 
Kaliningrad ist eine Region mit großem touristischem Potential. Hatten wir im vergangenen Jahr, trotz Corona-Krise einen Rekordbesuch von 2.050.000 Touristen, so erwarten wir in diesem Jahr 2,3 Mio. Touristen, natürlich in der Masse aus dem russischen Mutterland. Alle wollen untergebracht sein, viele davon in sogenannten Tageswohnungen. Diese Tageswohnungen fehlen dann natürlich auf dem Markt für Langzeitvermietungen. Egal, für welches Geschäftsmodell sich ein Immobilienbesitzer entscheidet – zum gegenwärtigen Zeitpunkt reichen die Wohnungen weder für das eine noch für das andere Modell aus und Investitionen sind gut angelegt.
 
 
Mein Gesprächspartner, einigen meiner Zuschauer sicherlich schon bekannt, bringt mich zu einer der Wohnungen, die er in den letzten 12 Monaten mit seiner Firma gekauft, instandgesetzt und vermietet hat. Bereits vor rund einem Jahr hatte ich eine Reportage zu diesem Thema veröffentlicht und war nun gespannt, ob sein damaliger Optimismus auch heute noch vorhanden ist, oder ob die Sanktionen sich negativ auf seine Firma und seine geschäftlichen Unternehmungen ausgewirkt haben.
 
Gebaut wird in Kaliningrad unheimlich viel. Vor ein paar Tagen hat sich der russische Präsident Putin mit unserem Gouverneur Anton Alichanow virtuell getroffen. Putin erkundigte sich nach den Bauaktivitäten in Kaliningrad und Alichanow informierte ihn über den Stand der Dinge und das nicht alles so läuft, wie man es sich wünschen würde. Gut, der Gouverneur hat natürlich den Gesamtüberblick, aber wer heute durch die Stadt fährt, sieht überall nur Baukräne und Bautätigkeit – Neubauten oder Instandsetzungen. Von einer Krise im Bauwesen würde ich also überhaupt nicht sprechen wollen.
 
Kommen wir noch kurz auf das Geld zu sprechen.
Natürlich haben die Preise für alles, was nicht niet- und nagelfest ist, aber auch für Dinge die niet- und nagelfest sind, angezogen. Gefühlt über alles was man kaufen kann, egal ob Joghurt, Autos, Immobilien, Bekleidung, fühle ich Preissteigerungen um die 30 Prozent, vielleicht auch etwas mehr. Nicht betroffen von den Preissteigerungen sind die kommunalen Dienstleistungen, Wasser, Strom, Gas.
 
Wer heute eine Immobilie erwerben will, muss fast das Doppelte auf den Tisch packen, als noch vor einem Jahr. Auch der Innenausbau der Wohnung, sowohl zu den Handwerkerleistungen an sich, wie auch zum Material ist um bis zu 50 Prozent teurer geworden. Ob diese Tendenz wieder rückläufig wird, denn immerhin hat der Rubel zu wahren Kurshöhenflügen angesetzt, darf aber bezweifelt werden. Zwar haben jetzt Importwaren auf die Kursentwicklung kaum noch Einfluss, da nur noch wenig importiert wird, aber Investitionen in den Aufbau der Industrie, die jetzt die Importe ablösen sollen, wollen ja bei der Preisbildung auch berücksichtigt sein.
 
Wer also vor einem Jahr eine Wohnung gekauft hat, der kann diese, ohne einen einzigen Handschlag im Innenausbau getätigt zu haben, heute mit ein wenig Glück für den doppelten Preis verkaufen. Da der Kurs des Euro abgestürzt ist und man für einen Euro nur noch etwas mehr als 60 Rubel, mit abnehmender Tendenz auf den Tisch packen muss, hat man also nochmal einen Kursvorteil von weiteren 30 Prozent. Zusammengefasst wird also klar, dass Russland das Land ist, welches ideale Voraussetzungen bietet, um Millionäre zu zeugen. Wobei ich hoffe, dass sich die 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts nicht wiederholen.
Reklame

Kommentare ( 0 )

Um zu kommentieren, müssen Sie sich registrieren oder einloggen.

Autorisierung