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Königsberger Denkmäler und Skulpturen in Kaliningrad – Teil 1

So, 03 Apr 2016 Kultur & Sport


Königsberger Denkmäler und Skulpturen in Kaliningrad – Teil 1

Kaliningrad ist eine moderne Stadt. Im Rahmen der Entwicklung des Tourismus wird durch die Kaliningrader Regierung immer mehr Wert auf die historische Vergangenheit der Stadt und des Gebietes gelegt. Zur historischen Vergangenheit gehören auch altdeutsche Denkmäler und Skulpturen, die den Krieg und die Nachkriegswirren überdauert haben und heute noch im Stadtbild präsent sind.  In einer neuen siebenteiligen Serie zeigt ein historisch interessierter Deutscher Königsberger Denkmäler und ihr Schicksal im heutigen Kaliningrad.

Im Jahre 1851 begab sich eine, von  Christian Daniel Rauch in dessen Berliner Atelier modellierte und im brandenburgischen Lauchhammer von dessen Schüler August Kiß geschaffene Figur, aus erbeuteten französischen Geschützen gegossen, auf ihren langen Weg nach Königsberg. Es handelte sich um das fünf Meter hohe, auf sechs Meter hohem Sockel ruhende und rund 250 Zentner schwere Reiterstandbild von Friedrich Wilhelm III, das in einem einmonatigen Transport in die Ostseemetropole verfrachtet wurde. Auf dem Weg dorthin,  gezogen von achtspännigen Pferdefuhrwerken, musste in Jütebog ein Stadttor abgebrochen werden und bei der Einfahrt in die Stadt hier, das komplette Dach und Teile des neu gebauten Brandenburger Tores abgenommen werden weil die Durchfahrt zu eng war. Die Pregelbrücken mussten mit untergefahrenen Kähnen verstärkt werden, ehe das 11m hohe Denkmal (Gesamthöhe mit Karren und Aufbau 19,3 Meter) seinen Platz vor der neuen Universität am Paradeplatz (etwa da wo sich heute der Lasch Bunker befindet) fand. Hier stand das repräsentative Denkmal noch bis in die 1950 er Jahre ehe es dann der Metallschmelze zum Opfer fiel.

 

Foto: Denkmal König Friedrich Wilhelm III. in Königsberg

 

Rauch, einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Bildhauer, zeigte sich neben kleineren Arbeiten noch für zwei weitere bedeutende Werke in Königsberg verantwortlich:  das Kantdenkmal unweit des Reiterstandbildes sowie die Büste der Königin Luise in einer Pergola vor der Luisenkirche im heutigen Zentralpark.

 

Foto: Nachbildung des Kant-Denkmals vor der Universität und Büste der Königin Luise in einer Pergola – in restaurierter Pergola der heutigen Zeit fehlt die Büste.

 

Die Bildhauerkunst, das Fertigen von Skulpturen bzw. die Plastik allgemein hielt in den deutschen Landen, noch geschwächt durch den Dreißigjährigen Krieg, erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts richtig Einzug. Ausgehend von Florenz und Rom, entwickelte sich vornehmlich in Berlin um diese Zeit eine erste Generation dieser handwerklichen Techniken. Die Schaffung von Kunstobjekten für den öffentlichen Raum befand sich um diese Zeit im späteren Ostpreußen noch im Dornröschenschlaf und deshalb verwundert es nicht, dass die ersten Denkmäler dementsprechend auch importiert waren - das erste, in Königsberg aufgestellte, datiert aus dem Jahre 1730. Es war eine lebensgroße Sandsteinfigur des Königs Friedrich Wilhelm I (Soldatenkönig).  Diese, in Danzig gefertigte Figur wurde jedoch nicht aus Dankbarkeit aufgestellt, sondern aus Furcht, weil der König wieder einmal Anlass hatte, mit dem Königsberger Magistrat unzufrieden zu sein. Deshalb kam man auf den Gedanken, den königlichen Zorn durch die Stiftung eines Denkmals zu besänftigen.

 

Foto: Denkmal des Königs Friedrich I.         

 

Auch das 1802 gegenüber der Schlosswache aufgestellte, bereits 1697 von Schlüter modellierte Erzstandbild der Kurfürsten Friedrich III (nachmals der in Königsberg gekrönte König Friedrich I) kam aus Berlin. Diese herrliche Statue, die eigentlich in Berlin Aufstellung finden sollte, gelangte nach einer wahren Odyssee erst über 100 Jahre nach der Fertigstellung durch Schenkung von König Friedrich Wilhelm III nach Königsberg.

Durch die Gründung der Kunstakademie im Jahre 1841 kam neuer Schwung in das künstlerische Leben Königsbergs. Sie sollte der Schöpfung von Kunstwerken und der Ausbildung von Künstlern dienen. Ursprünglich als Akademie auf dem Gebiet der Malerei gegründet, entwickelte sie sich im Laufe der Zeit zu einer Meisterschule des deutschen Handwerks. Viele junge begabte  aber auch gestandene Meister ihres Faches folgten dem Ruf nach Osten. Sie brachten neue Kunstanschauungen mit, fanden hier aber auch neue Stoffe und  Motive vor, die sie bisher nicht gekannt hatten, denen sie sich aber mit Begeisterung zuwandten.

Ab 1881 lehrte, der in Siegen geborene Johann Friedrich Reusch nach seiner Berufung, an der Königsberger Akademie. 1883 wurde er Professor der Bildhauerkunst und schlussendlich deren Direktor. Hier fand er seine zweite Heimat und schuf zahlreiche Büsten und dekorative Figuren für öffentliche Gebäude, Denkmäler für den Astronom Bessel, ein Standbild für Herzog Albrecht von Preußen, das kolossale Standbild Kaiser Wilhelms I vor dem Schloss und auch Bismarck (auf dem Kaiser Wilhelm Platz) stammte von ihm.

 


Foto: Denkmal Kaiser Wilhelm und Kopie des Denkmals Herzog Albrecht im heutigen Kaliningrad                 

 

Nachfolger von Reusch an der Kunstakademie wurde Stanislaus Cauer, dessen Werke fast überall in Ostpreußen zu finden waren. Von dem 1867 in Bad Kreuznach geborenen Künstler nennt Herbert Mühlpfordt in seinem Standartwerk „Königsberger Skulpturen und ihre Meister 1255 - 1945“ allein 96 Arbeiten des Bildhauers darunter auch Werke, die den Krieg und die nachfolgenden Säuberungen vom  preußischen Militarismus und Faschismus überstanden haben; erwähnt sei erstmal nur eine Marmorfigur, von der 1922/1923 in Westermanns Monatsheften folgendes zu lesen war:

„... diese reife und schöne Frauengestalt, die - eben dem Wasser entstiegen - sich auf einer Stufe niedergelassen hat und Fuß und Knöchel abtrocknet, zeigt schon etwas Neues. Man spürt die wohlige Atmosphäre des Bades, der ganze Frauenkörper hat gelöste Weichheit. Die aus dem Marmorblock her ausgehauene überlebensgroße Figur ist völlig plastisch, obwohl wie in früherer Zeit das Gefühl spricht…“

Hierzu in einer späteren Folge mehr.

Des weiteren machten sich für Kunstwerke im öffentlichen Raum, um nur einige zu nennen, folgende Bildhauer in Königsberg einen Namen:  Georg Fuhg, Herrman Brachert, Käthe Kollwitz, August Gaul, Erich Schmidt-Kestner, Walter Rosenberg, Emil Hundrieser, u.v.a.   

Viele Persönlichkeiten haben u.a. auf dem Gebiet der Plastischen Kunst mit ihren Werken die Stadt belebt und bereichert und ihren Teil dazu beigetragen,  dass in Königsberg ein ungewöhnlicher und vielfältiger Reichtum an Skulpturen , Denkmäler und Büsten entstand.

 

 

Ich kann Robert Albinus nicht folgen, wenn er in seinem Königsberg Lexikon davon spricht, dass alle Denkmäler 1944/45 und danach vernichtet bzw. verschollen sind. Sicherlich ist das allermeiste durch Luftangriffe und dem darauffolgendem Kampf um Königsberg unwiederbringlich verloren gegangen. Viele Kunstwerke wurden auch noch lange nach Kriegsende mutwillig oder auch unwissentlich zerstört und ein gewiss nicht geringer Teil verschwand in privaten Sammlungen, Gärten oder wurde einfach abtransportiert. Ebenso soll nicht verschwiegen werden, dass bereits in den Jahren unter dem Nationalsozialismus viele Werke als entartete Kunst demontiert, eingeschmolzen oder anderweitig entfernt wurden.

Heute jedoch ist die deutsche Vergangenheit der Stadt kein Tabu mehr.  In den Jahren nach Kriegsende noch undenkbar, wurde der Dom wieder aufgebaut, Herzog Albrecht von Brandenburg steht mit gerecktem Schwert auf der Dominsel, die Universität wurde auf den Namen Kants getauft und er selber steht wieder auf dem Sockel vor dem Gebäude.  Die Statuen von König Friedrich I.,  Herzog Albrecht und König Ottokars stehen wieder mit Köpfen auf den Konsolen am Königstor und man hört immer wieder von anderen Kunstwerken die entweder vor Vandalismus gerettet und umgebettet wurden oder  restauriert werden sollen. Es haben sich heute Menschen eines anderen Kulturkreises hier eingerichtet, die Stadt hat sich architektonisch verändert. Die neuen Bewohner haben „ihre“ Stadt ebenfalls mit Standbildern, Figuren, Denkmälern aus ihrer historischen und kulturellen Vergangenheit geschmückt. Dieses Mit- und Nebeneinander von Monumenten ist auch ein besonderer Reiz der Stadt.

Das historisch gewachsene und geformte Königsberg gibt es nicht mehr. Kulturelle Überlieferung im äußeren Bild der Stadt kann man noch finden, jedoch nicht mehr so zahlreich. Dennoch haben wir von Kaliningrad-Domizil uns zur Aufgabe gemacht, das, was noch vorhanden ist aufzuspüren, zu protokolieren und in einer kleinen Serie hier zu veröffentlichen. Wir haben uns nur auf die Kunstobjekte in der Stadt konzentriert und die außerhalb im Gebiet vorhandenen nicht berücksichtigt. Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, jedoch werden Ihnen in den nächsten Folgen die eindrucksvollsten und wichtigsten Objekte, genauso jedoch auch versteckte, unauffällige oder veränderte vorstellen und vielleicht wird der eine oder andere  bei seinem nächsten Kaliningrad-Besuch mal auf unseren Spuren wandeln.


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